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Auszug - Anfrage: Zukünftige Betriebsführung der Linien 306/316  

des Haupt- und Personalausschusses
TOP: Ö 14.2
Gremium: Haupt- und Personalausschuss Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Di, 19.02.2019 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 17:30 Anlass: Sitzung
Raum: kleiner Sitzungssaal (Raum 214)
Ort: Rathaus Herne
2019/0139 Anfrage: Zukünftige Betriebsführung der Linien 306/316
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Anfrage_Formular
Verfasser:Grüne Fraktion
Federführend:Bereich 10 - Büro Oberbürgermeister Bearbeiter/-in: Gresch, Norbert
 
Beschluss


Die Stadt Bochum hat 2017 ihren Nahverkehrsplan überarbeitet. Einige stadtübergreifende Linien sind seitdem in der Abstimmung der Städte Bochum und Herne hinsichtlich der Linienführung und des Betriebs selbst. Hinsichtlich der zukünftigen Betriebsführung der Straßenbahnlinie 306 bestehen offenbar erhebliche Meinungsverschiedenheiten.

 

Die Stadt Bochum will die Linie 306 auf einen 15-Minuten-Takt umstellen und eine neue Linie 316 an 11 Stunden werktags – und hier nicht durchgehend, sondern in zwei Zeitfenstern - als Ergänzung fahren lassen. Dies würde in dieser Zeit zu einem 7,5 Minuten-Takt führen. Die Stadt Herne lehnt dies ab und will aktuell nur an 4 Stunden werktags die Linie 316 bis Wanne Hbf durchbinden. Während der anderen Stunden soll die Linie 316 am Hannibal-Center enden. Dies bedeutet eine Ausdünnung der Linie um 33.900 km/a.

 

Der VCD sieht das Zeitfenster für eine Taktverdichtung auf 7,5 Minuten auf Herner Gebiet als viel zu kurz an und schlägt mindestens eine 6-stündige Verdichtung vor.

 

Der Herner Vorschlag, wie auch der des VCDs, bedeuten eine weitere Brechung des ohnehin schon planmäßig gebrochenen Taktes. Dies wiederspricht eigentlich allen Vorstellungen eines verlässlichen und einfachen Nahverkehrs – und das auf einer Hauptlinie.

 

Die Ausführungen im Gutachten von Südstadt (S.2) und auch die Verwaltungsvorlage (S. 2+4) sind interpretationsfähig formuliert. So kann man die Vorlage so lesen, dass die Taktverdichtung an 4 h/d keineswegs an allen Werktagen erfolgen soll, sondern nur während der Schulzeiten. Wenn dies tatsächlich so gemeint sein sollte, würde sich noch eine weitere Taktbrechung ergeben.

 

Parallel zur Diskussion über die Ausdünnung und Taktbrechung der Straßenbahnlinie wird über die Öffnung des Kreisverkehrs an der Stadtgrenze Hordel gestritten, damit der Autoverkehr flüssiger fahren kann. Ein Umstieg der PKW-Nutzer auf die Linie 306/316 wird offenbar nicht für möglich gehalten. Im ebenfalls parallel beratenen Herner Mobilitätskonzept wird hingegen ein - wenn auch geringfügiger – Anstieg der ÖPNV und Radnutzung angenommen.

 

Im Rahmen der Beratungen in den Herner Gremien wurden verschiedene Fragen hinsichtlich der Auswirkung der verschiedenen Varianten bislang nicht beantwortet. Dies ist aus unserer Sicht bedauerlich, da dadurch die Beratung und Entscheidungsfindung erheblich erschwert werden.

 

Zur Aufklärung der einzelnen Sachverhalte stellen wir die folgenden Fragen:

 

1.

Hinsichtlich der Kosten für eine Taktverdichtung auf 7,5 Minuten-Takt werden in der uns bekannten Version des Gutachtens von Südstadt keine Aussagen getroffen, wie überhaupt im ganzen Gutachten keine Aussagen zu den finanziellen Auswirkungen und Nachfrageänderungen der einzelnen Maßnahmen gemacht werden.

 

Im Vortrag des Gutachters im Planungsausschuss wurde dann aber tabellarisch eine Übersicht der Kosten gezeigt. Es gibt offenbar über das uns vorliegende Gutachten hinausgehende Ausführungen zu den geplanten Änderungen des Nahverkehrsplanes.

 

Wie sind die Kosten hinsichtlich der verschiedenen Varianten im Vergleich zu den bisherigen Kosten (10-Minuten-Takt) anzusetzen?

 

Var 1. Stadt Herne 4 Stunden Taktverdichtung?

Var 2. VCD (Minimalforderung) 6 Stunden Taktverdichtung?

Var 3. Durchbindung der 316 nach Wanne Hbf an 11 Stunden?

 

 

2.

Soll die Taktverdichtung nach Vorschlag der Stadt Herne tatsächlich nur während der Schulzeiten erfolgen?

 

 

3.

Eine Änderung der Taktzeit führt natürlich auch immer zu einem geänderten Nutzerverhalten, also zu anderen Fahrgastzahlen. Welche Prognosen gibt es für die angestrebte Taktänderung? Erwartet man gleiche Fahrgastzahlen trotz Ausdünnung oder ist die Ausdünnung lediglich einer Kostenbegrenzung geschuldet?

 

 

Herr Stadtrat Friedrichs antwortet:

 

Zu Frage 1:

 

Die verschiedenen Varianten erzeugen gegenüber dem bisherigen Bedienungsangebot (10-min-Takt) folgende finanzielle Veränderungen:

 

Var 1. Stadt Herne 4 Stunden Taktverdichtung (Schulzeit)

ca. -150.000 €

Var 2. VCD (Minimalforderung) 6 Stunden Taktverdichtung (werktags)

ca. -50.000 €

Var 3. Durchbindung der 316 nach Wanne Hbf an 11 Stunden (werktags)

ca. +120.000 €

 

Aus Sicht der Verwaltung zielt die Fragestellung nur auf eine fokussierte, linienbezogene Einzelbetrachtung ab und verfolgt nicht den grundsätzlichen Ansatz einer Förderung und Attraktivierung des ÖPNV im Gesamtangebot der grenzüberschreitenden Verkehre. Attraktivität des ÖPNV steigern darf aus Sicht der Verwaltung definitiv nicht heißen,  teure und schwach genutzte Angebote (10-min-Takt) noch weiter unwirtschaftlich zu verdichten.

 

Zu Frage 2:

 

Das Erfordernis einer Taktverdichtung leitet sich aus den Nachfragespitzen im Schülerverkehr ab. Um ein bedarfsgerechtes Angebot zu schaffen, wird die Linie 316 nur zu den Schulzeiten verkehren, außerhalb dieser ist eine Bedienung durch die Linie 306 ausreichend.

 

Zu Frage 3:

 

Die Verwaltung geht von gleichbleibenden Fahrgastzahlen aus. Kosteneinsparungen im ÖPNV zu generieren ist nicht das primäre Ziel der Verwaltung. Im Sinne des Handelns gemäß der Beschlussfassung zur Haushaltskonsolidierung ist die Verwaltung jedoch immer dazu verpflichtet, Einsparpotentiale zu erschließen und nach Möglichkeit zu realisieren. Hier ist aus Sicht des Aufgabenträgers der Ansatz zu verfolgen, Bedarfs- und Angebotsplanung in einem verträglichen Maß abzugleichen. Dies wird besonders bei dem Ansatz zu den Taktverdichtungen durch die  Linien 316 im innerstädtischen Netz deutlich. Etwa die Hälfte des täglichen Fahrgastaufkommens nutzt die Linie 306 werktags in den Spitzenstunden und wird somit zukünftig von einer höheren Taktdichte profitieren. In den übrigen Zeiten ist durch die bedarfsgerechte Anpassung nur ein geringer Qualitätsverlust für die Nutzenden zu erwarten. Darüberhinaus erfolgt eine Überprüfung nach 2 Jahren.