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Auszug - Anfrage: Buchenkomplexkrankheit im Stadtbezirk Herne-Mitte  

der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Herne-Mitte
TOP: Ö 10
Gremium: Bezirksvertretung Herne-Mitte Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Do, 12.09.2019 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 19:10 Anlass: Sitzung
Raum: großer Sitzungssaal (Raum 312)
Ort: Rathaus Herne
2019/0693 Anfrage: Buchenkomplexkrankheit im Stadtbezirk Herne-Mitte
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Anfrage_Formular
Verfasser:BVO Przybyl, Melissa
Federführend:FB 55 - Stadtgrün Bearbeiter/-in: Hartmann, Nils
 
Beschluss


Sachverhalt:

 

In der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte darüber, dass die anhaltende Hitze und Dürre dem Baumbestand in unserer Stadt stark zusetzt. Hierdurch sei auch der Grundwasserspiegel stark gesunken, wodurch insbesondere ältere Bäume in Mitleidenschaft gezogen werden. Dieser Trockenstress in Verbindung mit Veränderungen der Grundwasserstände kann zu einem vermehrten Auftreten der sogenannten Buchenkomplexkrankheit führen. Diese kann durch ein Aufeinandertreffen von biotischen sowie abiotischen Schadfaktoren, welche sich gegenseitig verstärken, zu einem Absterben der Bäume führen. In unserer Nachbarstadt Castrop-Rauxel mussten jüngst rund ein Dutzend Bäume gefällt werden, da diese aufgrund der komplexen Baumerkrankung bereits abgestorben oder so schwer erkrankt waren, dass sie nicht gerettet werden konnten. Aus dem Bericht geht weiter hervor, dass im Stadtgebiet Castrop-Rauxel zahlreiche Buchen an der Buchenkomplexkrankheit leiden.

 

Vor diesem Hintergrund bittet die SPD-Fraktion um die Beantwortung der folgenden Fragen:

 

 

  1. Liegen der Verwaltung Erkenntnisse darüber vor, ob auch auf Herner Stadtgebiet bereits Bäume von der Krankheit betroffen sind?

 

  1. Mussten ggf. bereits Bäume aufgrund der Erkrankung gefällt werden?

 

  1. Wie schätzt die Verwaltung die von der Erkrankung ausgehende Gefahr für den Buchenbestand in unserer Stadt insgesamt ein?

 

  1. Ist es aus Sicht der Verwaltung möglich, bei bereits erkrankten Bäumen Maßnahmen zu ergreifen, die ein Absterben verhindern?

 

 

Frau Kaltenborn beantwortet die Fragen wie folgt:

 

Zu Frage 1:

Der Verwaltung liegen bisher keine gesicherten Erkenntnisse vor, dass sich bereits in den städtisch bewirtschafteten Herner Wäldern die Buchenkomplexkrankheit sowohl vermehrt an Einzelbäumen wie auch flächenmäßig ausbreitet bzw. ausgebreitet hat.

Tatsächlich ist jedoch aufgrund der veränderten abiotischen und klimatischen Faktoren, hervorgerufen durch die geringen Niederschlagsmengen und hohen Temperaturen in den letzten zwei Jahren eine signifikante Reduktion der Buchenvitalität zu verzeichnen.

Diese zeichnet sich primär durch eine schüttere Belaubung und Absterbemerkmale in der Oberkrone aus.

Buchenkomplexerkrankungen treten überwiegend bei älteren Buchenbeständen ( i.d.R. über 100 Jahre) auf. Klassische Merkmale sind u.a. die sekundär auftretenden kugelförmigen roten Fruchtkörper (Nectria coccinea) an den Hauptstämmen.

Diese Anzeichen sind jedoch bisher an den Buchen in den Herner Stadtwäldern nicht auffällig.

Festzustellen sind jedoch vermehrt Trocknisschäden und Weißfäule im Wurzelbereich, die Anzeichen einer Vorstufe dieser Krankheit sein können.

 

Folgeerscheinung wäre bei einer weiteren Veränderung oder Anhalten der in den

vergangenen Jahren veränderten abiotischen und klimatischen Verhältnisse ein sukzessives Absterben der Kronen mit Saftaustritt an den Wurzelanläufen. Sekundär folgen holzzersetzende  Pilzerkrankungen, wie der Brandkrustenpilz oder Zunderschwamm, die zu erhöhten Windwurfgefahren in den Beständen führen können.

 

Zu Frage 2:

Es wurden in der Vergangenheit vereinzelt Altbuchen gefällt, deren Ursache jedoch in erster Linie auf das hohe Alter der Bäume ( mehr als 200 Jahre) und der Folgeerscheinung von Sturmschäden ( Freistellung mit der typ. Folgeerscheinung „ Sonnenbrand“ ) zurückzuführen ist.

 

Zu Frage 3:

Durch die Tiefgründigkeit eines Großteils der Böden der Herner Stadtwälder hatten gerade die Altbuchen mit ihren tiefen Wurzelausläufern weitestgehend noch  Kontakt  zu tieferen wasserführenden  Bodenschichten. Ausgenommen sind Bestände auf exponierten Lagen, wie die des Plateaus des Constantiner Waldes. Deshalb war der Regionalverband Ruhr als Eigentümer dort kürzlich gezwungen, größere Bestände kränkelnder Altbuchen, zu fällen.

Nach Auffassung der Stadt und des RVR liegt zur Zeit noch grundsätzlich keine unmittelbare Gefahr für den Buchenbestand vor, sofern die extremen Wetterverhältnisse der letzten zwei Jahre nicht die Regel werden. Im anderen Falle werden gravierende Waldumbaumaßnahmen, insbesondere die Anpflanzung von klimaresistenteren Baumarten, erforderlich.

 

Zu Frage 4: 

Bei erkrankten Bäumen könnte grds. nur sehr frühzeitig durch gezielte Sanitärhiebe in abgestorbenen Kronenbereichen der Buchen eine Schadensbegrenzung erreicht werden. Diese Maßnahmen wären  jedoch nur unter erheblichem finanziellem Aufwand umzusetzen und würden im ungünstigsten Fall nur zu einer Verschiebung des Absterbeprozesses des Baumes führen.

Auch ggfs. andere erfolgversprechende  Maßnahmen, wie Bewässerung der Altbuchenbestände in Zeiten großer Trockenheit, sind im Gegensatz zu einer Bewässerung von Solitärbaumen in bebauten Bereichen, nicht umsetzbar.

 

Zielführender ist es vielmehr, durch Einleitung von natürlichen Verjüngungsprozessen, arten - und strukturreiche Bestände mit verschiedenen Altersgruppen zu entwickeln, die sich dann erfahrungsgemäß wesentlich besser an die veränderten abiotischen Verhältnisse anpassen können.

Die Stadt Herne wird daher auch weiterhin an der Strategie festhalten, trotz eines höheren finanziellen Aufwands, anstelle der Umsetzung von großflächigen Forstmaßnahmen mit künstlich angelegten Wiederaufforstungen, eine natürliche Verjüngung des Baumbestandes durch Einzelbaumentnahmen zu erreichen.

 

Die vorgenannte Beurteilung der Situation des Waldes in Herne deckt sich grds. auch mit den Feststellungen des RVR für seine Waldbestände im Herner Stadtgebiet.

Die von der Stadt Herne verfolgte Strategie einer möglichst natürlichen Verjüngung mit nur geringen erforderlichen Eingriffen in die Waldstruktur  wird grds. vom Regionalverband Ruhr als zweitgrößter Waldbesitzer in Herne dort, wo es möglich und sinnvoll  ist, gleichermaßen verfolgt.