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Auszug - Vorschlag: Sachstandsbericht Sanierung Mühlendenkmal Gysenberger Mühle  

der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Sodingen
TOP: Ö 3
Gremium: Bezirksvertretung Sodingen Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Mi, 13.11.2019 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 17:00 - 18:25 Anlass: Sitzung
Raum: Bürgersaal der Akademie Mont Cenis
Ort:
2019/0904 Vorschlag: Sachstandsbericht Sanierung Mühlendenkmal Gysenberger Mühle
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorschlag Formular
Verfasser:SPD-Bezirksfraktion Sodingen
Federführend:FB 55 - Stadtgrün Bearbeiter/-in: Gresch, Norbert
 
Beschluss
Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich TOP 03 - NEU - 2019 0904_Mühle Gysenberg_Anlage (215 KB) PDF-Dokument (327 KB)    


Herr Brokmann gibt folgenden Sachstandsbericht:

 

Die Mühle Gysenberg ist gem. § 3 DSchG NRW seit 27.01.1986 als Baudenkmal in die Denkmalliste der Stadt Herne eingetragen. Die Mühle erfüllt die Voraussetzungen des Denkmalbegriffs des § 2 DSchG NRW. An Ihrer Erhaltung besteht aus städtebaulichen, historischen, volkskundlichen und gestalterischen Gründen ein öffentliches Interesse. Hieran ändert auch der reduzierte Zustand seit einem Brandschaden in den 1990er Jahren nichts, da das historische Mühlwerk im Inneren des Sockelgeschosses noch vollständig erhalten ist. Das außenliegende Mühlrad wurde 2000 im Zuge der Restaurierungsmaßnahme nachgebaut. Die ursprüngliche Funktion des Gebäudes als wasserbetriebene Mühle ist noch anschaulich und nachvollziehbar.

 

Wesentliche Bestandteile der denkmalwerten Substanz der Mühle Gysenberg befinden sich in einem schadhaften Zustand und sind durch fortschreitenden Verfall in Ihrem Bestand gefährdet. Das Sockelgeschoss ist durch eindringende Feuchtigkeit in einem bedenklichen Zustand. An den Anschlussstellen der offensichtlich bautechnisch mangelhaften Glasüberdeckung der Geschossdecke dringt Wasser ein und tropft auf die sich im Inneren befindliche historische Holzkonstruktion des Mahlwerkes, so dass diese sichtbare Nässe aufweist. Bedingt durch die Öffnung an der Welle des Mühlrades gelangt ebenfalls Feuchtigkeit ins Innere, sodass die Luftfeuchtigkeit deutlich erhöht ist. Am Mahlwerk und der tragenden Konstruktion des „Königstockes“ zeigen sich sichtbarer Befall durch holzzerstörende Pilze und Schädlinge. Das außenliegende Wasserrad, welches für die Anschaulichkeit und Nachvollziehbarkeit der Mühle von wesentlicher Bedeutung ist, weist gleichfalls deutliche Schäden durch Schädlingsbefall und Verfall auf. Aufgrund des hohen Schädigungsgrades wesentlicher Bauteile ist bei ausbleibenden Maßnahmen kurzfristig ein Verlust des Baudenkmals zu erwarten.

 

Um die Erhaltung und den Fortbestand des Baudenkmals Mühle Gysenberg langfristig zu sichern, wurde sich darauf verständigt ein Maßnahmenkonzept zu erarbeiten und geeignete Förderzugänge für die Maßnahme zu ermitteln.

 

Maßnahmenkonzept:

 

Das in Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde erarbeitete Maßnahmenkonzept beinhaltet im Einzelnen die Sicherung und Instandsetzung des historischen Mahlwerks und des Wasserrades auf Grundlage bereits vorliegender Holzgutachten und Schädlingsbekämpfungskonzepte. Das Mahlwerk weist erhebliche feuchtigkeitsbedingte Schäden durch holzzerstörende Organismen, insbesondere durch den Eichenwirrling und den Bunten Nagekäfer, auf. Um eine weitere Zerstörung der Holzkonstruktion zu vermeiden, muss das Einwirken von Wasser und erhöhter Feuchtigkeit auf die Konstruktion durch schädlingsbekämpfende, konstruktive und klimatische Maßnahmen verhindert werden. Die vorhandene undichte Glaskonstruktion soll durch eine Konstruktion ohne Oberflächenwasser ersetzt werden. Ein neues gläsernes Satteldach ermöglicht zudem eine bessere Sicht in das Gebäudeinnere mit dem Königsstock. Die Schädlingsbekämpfung erfolgt über eine thermische Behandlung, hierbei wird eine Eiweißdenaturierung der Schadinsekten in jedem Entwicklungsstadium vorgenommen. Durch ein dauerhaftes Absenken der Holzfeuchte unter 20% stellt sich das Fäulniswachstum ein. Um die Luftfeuchtigkeit permanent im "Getrieberaum" der Mühle zu reduzieren, wird ein Entfeuchtungsgerät eingebaut. Außerdem wird die Öffnung an der Welle des Mühlrades geschlossen, um das Eindringen von Feuchtigkeit und Schädlingen zu vermeiden.

 

Das äußere Wasserrad ist seit längerer Zeit stillgelegt, so dass es sich nicht mehr dreht.  Die Konstruktionshölzer sind stark vermoost und verwittert, insgesamt weisen die Oberflächen einen schlechten Zustand auf. Zwischen den Radwangen befinden sich die Wasserschaufeln/-kammern. Die oberen Wasserkammern sind mit Laub, Schmutz und Feuchtigkeit gefüllt. Im unteren Radbereich befindet sich ebenfalls Laub und Schmutz auf der Dielung, so dass sich dort Feuchtigkeit ansammelt. Sowohl im oberen als auch im unteren Radbereich weisen die Eichenbretter erhebliche Schäden durch Fäulnispilze auf. Die Radachse besteht aus einem Eichenstamm und reicht vom Außenlager bis in das Gebäude mit dem alten Mahlwerk. Im Außenbereich ist die Welle stark verwittert und mit Moos bewachsen. Der ermittelte Bohrwiderstand ist gering und das Bohrmehl ist verfärbt und feucht, was auf eine Schädigung hindeutet. Aus Sicht des Gutachters müssen bei der Sanierung des Rades annähernd alle Hölzer ersetzt werden, damit kein faules Holz am Rad verbleibt. Da es sich bei dem Mühlrad bereits um einen Nachbau handelt, soll es aus diesem Grunde nochmals überarbeitet werden. Die Welle soll im Außenbereich abgetrennt und ersetzt werden, von einer Verbindung zum Mahlwerk wird abgesehen, da die Öffnung zum Mahlwerk aus Feuchtigkeitsgründen geschlossen werden muss. Weiterhin sind die Fassaden des Mühlengebäudes auszubessern und zu verputzen.

Die geschätzten Kosten für die Maßnahme belaufen sich auf rund 193.000 €.

 

Förderantrag:

 

Für die denkmalgerechte Sicherung und Instandsetzung der Mühle Gysenberg wurde auf Grundlage des o.g. Maßnahmenkonzeptes 2018 und wiederholt 2019 in Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde bei der Bezirksregierung Arnsberg ein Antrag auf Gewährung einer Denkmalförderung gestellt. Mit Schreiben vom 23.09.2019 bewilligte die Bezirksregierung eine anteilige Förderung der beantragten Maßnahme für 2020. Die Höhe der bewilligten anteiligen Förderung beträgt rund 88.000 €, der verbleibende städtische Eigenanteil beläuft sich somit auf rund 105.000 €.

 

Weitere Vorgehensweise:

 

Es ist beabsichtigt, die Instandsetzung und Sicherung der Mühle in 2020 umzusetzen. Derzeit erfolgt die verwaltungsinterne Abstimmung hinsichtlich der Gesamtumsetzung und der Ausbildung des Mühlrades im Detail. In einem darauf folgenden Schritt wird für die Ausführung des Mühlrades mit der Denkmalfachbehörde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) das gesetzlich erforderliche Benehmen hergestellt und die Bezirksregierung Arnsberg über die abgestimmte Ausführung informiert. Die Verwaltung wird die Bezirksvertretung unaufgefordert informieren, sobald ein neuer Sachstand vorliegt.