Ratsinformationssystem

Auszug - Anfrage: Auswahlverfahren und Kriterien für die Besetzung von Führungspositionen  

des Haupt- und Personalausschusses
TOP: Ö 19.1
Gremium: Haupt- und Personalausschuss Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Di, 16.06.2020 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 17:23 Anlass: Sitzung
Raum: großer Sitzungssaal (Raum 312)
Ort: Rathaus Herne
2020/0347 Anfrage: Auswahlverfahren und Kriterien für die Besetzung von Führungspositionen
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Anfrage_Formular
Verfasser:SVO Reincke, Thomas
Federführend:Bereich 10 - Büro Oberbürgermeister Bearbeiter/-in: Gresch, Norbert
 
Beschluss


Die Gemeindeordnung weist dem Oberbürgermeister als hauptamtlichen Wahlbeamten eine starke Stellung als Leiter der Verwaltung und Dienstherr der städtischen Beamten, Angestellten und Arbeitern zu. Insbesondere die Besetzung von Führungspositionen in der Verwaltung obliegt ihm und ist dem Mitsprache- und Beschlussrecht des Rates entzogen.

Gleichzeitig wird aber auch gefordert, dass die Mitarbeiter die erforderlichen fachlichen Voraussetzungen erfüllen müssen. Was die fachliche Eignung ausmacht, bleibt im Wesentlichen ungeklärt; es wird nur auf die mitunter erforderlichen Prüfungen abgehoben.

Fachliche Eignung kann über die formalen Kriterien hinaus intern durch eine regelmäßige Beurteilung nachgewiesen werden. Dies erfordert natürlich ein Bewertungsverfahren, das nuanciert bewertet; dies führt dann häufig zu arbeitsrechtlichen Beanstandungen bis hin zu Gerichtsprozessen. Häufig wird diesem Problem ausgewichen, indem fast alle gleich gut bewertet werden.

Eine andere Methode setzt auf externe Ausschreibung und damit Bestenauslese. Für herausragende Führungspositionen wird auch häufig noch eine externe Personalfindungs- und Beratungsgesellschaft eingeschaltet.

Die Grüne Fraktion hält zumindest eine interne Ausschreibung von Führungspositionen für erforderlich. Besser ist in jedem Fall eine externe Ausschreibung, da diese auch die Rekrutierung neuen Personals mit einem neuen Blick für Arbeitsprozesse und Personalführung ermöglicht.

 

Gerade jetzt, wo ein starker Personalwechsel in der Verwaltung ansteht, bzw. im Gange ist, sollte eine grundsätzliche Klärung in Personalgewinnungsfragen erfolgen.

 

Hierzu stellen wir folgende Fragen:

 

1.  

Hält die Verwaltung das bestehende Personalbewertungssystem für ausreichend dif-ferenziert, um intern die Bestenauslese zu gewährleisten?

2.  

Hält die Verwaltung die externe Ausschreibung für die geeignetste Methode, die Bestenauslese zu gewährleisten?  

 

 

Herr Oberbürgermeister Dr. Dudda beantwortet die Fragen wie folgt:

 

Zu Frage 1:

Das bestehende Beurteilungswesen ist gut geeignet, um anhand dienstlicher (Anlass-) Beurteilungen eine Auswahl im Sinne der Bestenauslese zu gewährleisten. Der verwendete Beurteilungsbogen ist nicht nur durch die bestehende Skala (insgesamt 15 mögliche Ausprägungsgrade bei der Endnote) ausreichend differenziert, sondern auch in der Praxis aussagekräftig, da keineswegs jede Mitarbeiterin oder jeder Mitarbeiter gleich gut beurteilt wird.

Die bei der Auswahlentscheidung zu Grunde gelegten Kompetenzprofile für Führungspositionen, welche zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Personalwesen e.V. (dgp) entwickelt wurden, bieten zudem ein geeignetes Instrument für eine professionelle Personalauswahl.

Da Stellenbesetzungen im öffentlichen Dienst aufgrund umfangreicher gesetzlicher Vorgaben und einer Vielzahl einschlägiger Gerichtsurteile nicht vergleichbar sind mit z.B. solchen in der Privatwirtschaft, sind auch die Gestaltungsmöglichkeiten bei diesem Prozess beschränkt. Andererseits ist durch die Regelungsdichte der Prozess der Bestenauslese standardisiert, welcher durch die Erfahrungen aus zahlreichen Auswahlverfahren (ca. 100 pro Jahr) routiniert bearbeitet wird und den Normalfall darstellt.

Es ist auch zu berücksichtigen, dass die Auswahlentscheidung einer rechtlichen Prüfung,
z. B. im Rahmen einer konkurrentenrechtlichen Betrachtung, standhalten muss.

 

Zu Frage 2:

Diese Frage lässt sich aus Sicht der Verwaltung nicht pauschal beantworten. Je nach Funktion oder Aufgabengebiet kann es sinnvoll sein, externes Personal zu akquirieren, andererseits kann auch die Besetzung mit einer oder einem gut qualifizierten Mitarbeitenden der Verwaltung sachgerecht sein. Zu Bedenken ist bei externem Personal, dass hier keine eigenen bzw. nur beschränkte Erkenntnisse über die fachliche Leistung vorliegen und bei der Auswahl nur ein zeitlich begrenzter Eindruck der Person entstehen kann, z. B. im Rahmen von strukturierten Vorstellungsgesprächen.

Wissenschaftlich betrachtet haben Arbeitsproben bzw. die Bewährung in einem Aufgabengebiet eine sehr hohe prognostische Aussagekraft darüber, ob jemand in einem Aufgabenbereich erfolgreich sein wird. Da gerade die dienstliche Beurteilung eine solche „Langzeitbetrachtung“ ermöglicht, genießt dieses Instrument bei der Bestenauslese in der Rechtsprechung einen sehr großen Stellenwert. Bei externen Bewerbenden bieten Arbeitszeugnisse in der Regel einen Einblick in deren Leistungsfähigkeit; die Aussagekraft dieser Unterlagen ist jedoch zunehmend umstritten (u.a. Empirische Studie der Ernst-Abbe-Hochschule Jena zur Zeugnispraxis in Deutschland aus 2016).

Diese Aspekte können auch nicht oder nur sehr beschränkt mit Unterstützung von Personalberatungsunternehmen ausgeblendet werden. In jedem Fall ist bei der Beauftragung eines entsprechenden Unternehmens eine längere Bearbeitungszeit notwendig, da hier vorab vergaberechtliche Prüfungen anzustellen sind.