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Auszug - Vorschlag: Bericht der Verwaltung zum Thema "Bauen mit Holz in Herne"  

des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung
TOP: Ö 16
Gremium: Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Di, 11.05.2021 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 17:39 Anlass: Sitzung
Raum: Volkshaus Röhlinghausen
Ort: Am Alten Hof 28, 44651 Herne
2021/0461 Vorschlag: Bericht der Verwaltung zum Thema "Bauen mit Holz in Herne"
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorschlag Formular
Verfasser:1. CDU-Fraktion
2. Markus Mähler
Federführend:Büro Dezernat V Bearbeiter/-in: Gorba-Karwath, Sabine
 
Beschluss



Sachstandsbericht der Verwaltung:

 

Die Verwaltung der Stadt Herne sieht grundsätzlich ein großes Potential in der Verwendung von Holz als Baumaterial. Als nachwachsender Rohstoff bietet Holz eine umweltfreundlichere Produktion an und speichert zudem CO2. Dies verringert den Ressourcenverbrauch und hat zudem einen positiven Effekt auf das Klima. Gleichzeitig lassen sich bspw. durch die Vorfertigung von Einzelelementen die Gesamtkosten senken. Holzhäuser haben darüber hinaus -bei richtiger Pflege- eine hohe Lebensdauer.

 

Die Grenzen des Bauens mit Holz zeigen sich jedoch häufig bei größeren Bauprojekten. Gleiches gilt bei einer überproportionalen Nachfrage nach Holz. Die traditionell gewachsene Holzbaubranche mit vielen kleinen und mittleren Unternehmen, welche oftmals auf lokale und regionale  rkte  ausgerichtete ist, stößt bei zunehmender Nachfrage nach Holz häufig an ihre Grenzen. Dieser Umstand zeigt sich im besonderen Maße in der momentanen Situation, da das Schnittholz in Deutschland aktuell immer knapper und teurer wird. Durch Lieferengpässe verlängert sich die Bauzeit und die Gesamtkosten steigen. Wird der Baustoff Holz von weit entfernten Produktionsstätten im Ausland geordert, wirkt sich dies zudem negativ auf die Ökobilanz aus.

Darüber hinaus sorgt ein Nachfrageanstieg nach Holz pot. für eine verstärkte Aufforstung von schnellwachsenden Monokulturen, die gegenüber Schädlingen besonders anfällig sind. Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung ist daher zwingend erforderlich.

 

Im Gebäudemanagement wurde das Bauen mit Holz aufgrund der zu erwartenden höheren Erstellungskosten und der bisher hohen brandschutztechnischen Auflagen in der Vergangenheit nicht forciert.

 

 

  Es liegen dem FB 54 (Bauordnung) z.Zt. zwei Anträge für Holzbauten oder Bauten mit erheblichen Holzelementen vor.

 

Ein Bauvorbescheid zur Errichtung  eines Einfamilienhauses in  Holzrahmenbauweise

 

Das Projekt „we house“  Umbau und Umnutzung Bunker Sodingen ist ein Multifunktionsgebäude mit Wohnungen und Restaurant

 

 

Bei diesem Bestandsobjekt ist eine Fassadenverkleidung aus Vollholz in Kombination mit Photovoltaikelementen beantragt.

Der Antrag befindet sich noch in der Prüfung. Besonders hinsichtlich des Brandschutzes bestehen von Seiten der Feuerwehr noch erhebliche Bedenken gegen eine Fassadenverkleidung aus Holz, so dass noch ein intensiver  Prüfungs- und Abstimmungsbedarf besteht.

 

Das Bauvorhaben bezieht sich zum Teil auf die Muster-Holzbau-Richtlinie (M-HolzBauRL), die jedoch in NRW noch nicht eingeführt ist. Dieses ist jedoch in Kürze zu erwarten, diverse Verbände und Institutionen sprechen sich dafür aus.

 

Die Einführung der RL würde die Realisierung von Gebäuden in Holzbauweise wesentlich vorantreiben.

 

Der Bestand an Holz-Häusern in Herne ist nicht bekannt. Im Zensus 2011, auf dessen Fortschreibung die amtliche Statistik zum Gebäude- und Wohnungsbestand beruht, wurde das Merkmal nicht erfasst. Im Statistikbogen zum Baugenehmigungsverfahren wird der überwiegend verwendete Baustoff erfasst. Statistische Auswertungen für Neubauten nach diesem Merkmal
liegen aber nicht vor.

 

Als Beispiel für ein bestehendes Gebäude in Holzbauweise in Herne ist die Akademie Mont-Cenis in Sodingen zu benennen. Hier ist das Tragwerk der äeren Halle komplett in Holz ausgeführt.

 

 

Derzeit gibt es keine stichhaltigen Gründe Holz als Baumaterial zu priorisieren.

Darüber hinaus stehen dem die hohen Kosten sowie Unsicherheiten zu den Verwendungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Fallgestaltungen (bspw. Geschosswohnungsbau) entgegen. Zudem verfolgen gerade Planungswettbewerbe das grundlegende Ziel, eine möglichst große Bandbreite unterschiedlicher Lösungen zu erhalten, was auch den Teilaspekt der Gestaltung mit einschließt.

 

Bei Funktionalausschreibungen ohne Materialvorgabe liegen Angebote in Holzbauweise  um mindestens 10% höher als die in konventioneller Bauweise.

Darüber hinaus schießen die Holzbaupreise aufgrund der abrupt gestiegenen Nachfrage aus den USA und China in die Höhe, zudem gibt es lange Lieferzeiten.

 

 

Einfordern könnte die Stadt das Bauen mit Holz im Einzelfall theoretisch durch örtliche Bauvorschriften (öffentlich-rechtlich) oder durch Verpflichtungen / Bedingungen in Kaufverträgen zu städtischen Grundstücken (privatrechtlich). Alles darüber hinaus wäre voraussichtlich fakultativ. Städtebauliche Verträge sind zwar auch eine Möglichkeit, allerdings setzt das zunächst ebenfalls eine Bereitschaft des Vertragspartners voraus.

 

 

Die öffentliche Wohnraumförderung des Landes Nordrhein-Westfalen, des Bundes und der NRW.Bank fördert durch zinsgünstige Darlehen (anfängliche Verzinsung für die Dauer von 15 Jahren 0 %, danach bis Zweckbindungsende 0,5 %) mit Zweckbindung und hohen Tilgungsnachlässen Mietwohnraum für Haushalte, die sich am Markt nicht angemessen mit Wohnraum versorgen können

  • in Mehrfamilienhäusern,
  • Mieteinfamilienhäusern oder
  • bindungsfreien Mietwohnungen gegen Einräumung von Benennungsrechten an geeigneten Ersatzwohnungen (mittelbare Belegung),

der durch

  • Neubau,
  • Nutzungsänderung (Umbau) oder
  • Erweiterung (Ausbau/Anbau) unter wesentlichem Bauaufwand

geschaffen wird.

 

weiterführendes Links:

https://www.nrwbank.de/de/pulsar/2020_April_WRF_Bauen_mit_Holz.html

https://www.bauen-mit-holz.nrw/foerdermittel/

https://www.ingenieurholzbau.de/aktuell/artikel-detail/oeffentliche-wohnraumfoerderung-in-nrw-foerderkonditionen-fuer-das-bauen-mit-holz