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Vorlage - 2017/0004  

Betreff: Fortsetzung des Projekts in besonderen Fällen für Kinder aus Flüchtlingsfamilien und vergleichbaren Lebenslagen "Kita im Koffer" vom 01.01.2017 - 31.12.2017
Status:öffentlichVorlage-Art:öffentliche Beschlussvorlage
Verfasser:Heike Hütter, Tel.: 3320
Federführend:FB 42 - Kinder-Jugend-Familie Bearbeiter/-in: Saterdag, Ann-Christin
Beratungsfolge:
Haupt- und Personalausschuss Entscheidung
21.02.2017 
des Haupt- und Personalausschusses beschlossen   
Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie Vorberatung
22.02.2017 
des Ausschusses für Kinder, Jugend und Familie beschlossen   

Finanzielle Auswirkungen
Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

 

Finanzielle Auswirkungen in Euro

 

                Teilergebnisplan (konsumtiv)

Produkt

Kontengruppe

Ertrag/Aufwand (-)

Nr.: 3601

Bez.: Tagesbetreuung für Kinder

Nr.: 2

Bez.: Zuwendungen und allgemeine Umlagen

 

Nr.: 11

Bez.: Personalaufwendungen

 

Nr.: 13

Bez.: Aufwendungen für

Sach-/Dienstleistungen

 

              99.300,00 €

 

 

 

-          164.800,00 €

 

 

-              2.700,00 €

 

Teilfinanzplan (investiv)

Maßnahme

Kontengruppe

Einzahlung/Auszahlung (-)

Nr.:

Bez.:

Nr.:

Bez.:

keine

     


Beschlussvorschlag:
 

Der Haupt- und Personalausschuss beschließt vorbehaltlich der Zustimmung des Ausschusses für Kinder, Jugend und Familie die Fortsetzung des Brückenprojektes für Flüchtlingskinder und ihre Eltern „Kita im Koffer“ vom 01.01.201731.12.2017.

   


Sachverhalt:
 

Strategisches Ziel des Fachbereiches Kinder-Jugend-Familie:

 

„Der Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung ist unter Beachtung der Qualitätsstandards sichergestellt.

 

Vorschulische Bildung ist entscheidend für eine positive Bildungsbiografie. In Herne haben wir bereits einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Familien, bei denen Kinder mangels deutschsprachiger Fähigkeiten Bildungs- und Integrationsbarrieren haben. Die Zuwanderung von Flüchtlingen und Asylsuchenden erhöht ohne entsprechende Maßnahmen diesen Anteil.

 

Misslingende Bildungsbiografien führen zu Desintegration und darüber zu hohen gesellschaftlichen Folgekosten. Um die hohen Sozialausgaben in Herne langfristig zu verringern, ist eine möglichst frühe Integration unabdingbar und hat im Vorschulalter durch die besonders hohe Lernfähigkeit die besten Erfolgsaussichten. Insbesondere sprachliche Fähigkeiten werden durch deutschsprachige Umgangskontakte zügig erlernt.

 

Vielen geflüchteten Familien ist unser vorschulisches Bildungssystem fremd. Teilweise bestehen Ängste gegenüber staatlichen Institutionen wie öffentlichen Bildungseinrichtungen oder es fehlt noch das Verständnis dafür, aus welchen Gründen ein kontinuierlicher und verlässlicher Besuch der Kita notwendig ist, bzw. wie frühkindliche Bildung in unserem Kulturkreis verstanden wird.

 

Eltern ohne frühkindliche Betreuungsmöglichkeiten verfügen über weniger zeitliche Ressourcen, um z.B. Sprachkurse oder sonstige Qualifizierungsmaßnahmen zu besuchen. Dies bildet jedoch die Voraussetzung dafür, um in den Arbeitsmarkt integriert zu werden und ein selbstbestimmtes, von Sozialleistungen unabhängiges Leben führen zu können. Die Kontaktmöglichkeiten zu anderen, bereits integrierten Familien sind zudem deutlich geringer.

 

Herner Grundschulen melden zurück, dass diese Kinder ohne vorschulische Bildungserfahrung weder hinreichende Sprachfähigkeiten entwickeln konnten, noch ausreichend mit Ablaufstrukturen vertraut sind. Dies erschwert massiv die schulische Integration und macht Unterricht z.T. gar nicht erst möglich.

 

Die Versorgungsstruktur mit Kita-Plätzen ist nicht darauf ausgelegt, Kinder so flexibel aufzunehmen, wie dies unter Berücksichtigung des Rechtsanspruches auf einen Kita-Platz nach drei Monate Aufenthalt mit der aktuellen Bevölkerungsentwicklung notwendig wäre.

 

Das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend und Sport des Landes NRW stellt Projektmittel zur Kinderbetreuung in besonderen Fällen für Kinder aus Flüchtlingsfamilien und vergleichbaren Lebenslagen zur Verfügung. Es sollen sogenannte „Brückenprojekte“ eingerichtet und gefördert werden, die Kinder der Altersgruppe vor dem Schuleintritt und ihre Eltern an institutionalisierte Formen der Kindertagesbetreuung heranführen.

 

Das Projekt „Kita im Koffer“ ist ein unverzichtbares Projekt, um genau in diesem Sinne flexibel reagieren zu können.

 

Ziele der „Kita im Koffer“ sind unter anderem:

 

-         Kurz- bis mittelfristige Strategie, um dem ersten Bedarf an pädagogischer Begleitung für Kinder gerecht zu werden

-         Kontakt- und Beziehungsaufbau zu den Familien in den Flüchtlingseinrichtungen, Abbau von möglichen Schwellenängsten

-         Stärkung des Sicherheitsempfindens der Kinder

-         Ermittlung der Ressourcen der Familie, um weitere Möglichkeiten und Schritte der Integration auszuloten

-         Heranführen an Strukturen und Lernprozesse, welche in einer Kita üblich sind

-         Vermittlung und Begleitung der Familien in bestehende Angebote der Kitas und Familienzentren in der Nähe der Flüchtlingseinrichtungen bzw. der zukünftigen Wohnung (beispielsweise Mutter-Kind-Gruppen, Krabbelgruppen oder andere niederschwellige Angebote der Familienzentren)

 

-         Integration der Kinder und deren Familie in das bestehende Bildungssystem, indem die Kinder eine Kindertageseinrichtung besuchen (Mitarbeiter/innen in der entsprechenden Kindertageseinrichtung erhalten alle Informationen von der Familie, die der Mitarbeiter/ die Mitarbeiterin in der Übergangszeit erhalten konnte und die diese weitergeben darf)

-         mittel- bis langfristig ermöglicht die Vermittlung von Kindern in Betreuungsangebote  auch den Eltern die Integration in den Arbeitsmarkt

 

Es handelt sich um eine Festbetragsfinanzierung von Betreuungspaketen mit einer Pauschale in Höhe von 30 €, die für die Betreuung von bis zu 5 Kindern für 60 Minuten durch jeweils eine pädagogische Fachkraft bereitgestellt werden. Dieses Geld dient als Gegenfinanzierung für alle anfallenden Personalkosten und Sachkosten des Antragstellers.

 

Nach Beschluss des Verwaltungsvorstandes vom 29.09.2015 wird das Herner Modell „Kita im Koffer“ seit dem 01.01.2016 mit einer pädagogischen Fachkraft mit 39 Wochenstunden und mit einer pädagogischen Ergänzungskraft mit 20 Wochenstunden durchgeführt. In einem weiteren VV-Beschluss vom 31.05.2016 ist das Projekt um 21 Wochenstunden für eine pädagogische Fachkraft und 20 Wochenstunden für eine pädagogische Ergänzungskraft erweitert worden. Die Kontakte zu den Flüchtlingsfamilien wurden in den Gemeinschaftsunterkünften Dorstener Straße, Zechenring und Südstraße aufgebaut. Dazu sind an den Standorten Eltern-Kind-Gruppen gegründet worden.

Insgesamt konnten bis heute dadurch 152 Kinder erreicht und gefördert werden. 33 Kinder sind in Kindertageseinrichtungen und 9 in Schulen vermittelt und begleitet worden.

 

Mit Erlass vom 28.07.2016 informierte das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, dass für Maßnahmen, die bereits in 2015 oder 2016 begonnen wurden und die in 2017 fortgeführt werden sollen („fortlaufende“ Maßnahmen), entsprechende Verpflichtungsermächtigungen für 2017 zur Bewilligung zur Verfügung stehen. Die Bewilligungsbescheide sind in Aussicht gestellt worden.

Bei der beabsichtigten Fortsetzung des Projektes ist jedoch die veränderte Entwicklung der vergangenen Wochen und Monate zu berücksichtigen. Die Vermittlung zugewanderter Familien in die städtischen Gemeinschaftsunterkünfte ist rückläufig. Vielmehr werden die betreffenden Familien in über das gesamte Stadtgebiet verteilte Wohnungen vermittelt und im gleichen Zuge die Aufnahmekapazitäten der Gemeinschaftsunterkünfte reduziert.

Dieser Umstand führt zu sinkenden Kinderzahlen in den drei Standorten des Brückenprojektes „Kita im Koffer“, weil die Familien und somit die Kinder durch die räumliche Verteilung über das Stadtgebiet und der damit längeren Wege zu den bisherigen Kontaktorten dort nicht mehr optimal vom Kita-im-Koffer-Team erreicht werden können.

Um diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, ist eine neue Ausrichtung und eine Anpassung des Konzeptes an die aktuelle Situation erforderlich.

Neben den bewährten Eltern-Kind-Gruppen in den städt. Gemeinschaftseinrichtungen werden Spielgruppen in weiteren Stadtteilen über das Stadtgebiet verteilt angeboten. Diese Spielgruppen für maximal zehn Kinder werden in geeigneten Räumen von Kirchengemeinden und Kindertageseinrichtungen mit dem Kita-im-Koffer-Konzept angeboten. Als mit den Trägern avisierte potentielle Standorte, von denen schlussendlich 6 ausgewählt werden, sind vorgesehen:

  • Eine Eltern-Kind-Gruppe in der GME Dorstener Str. 51
  • Eine Eltern-Kind-Gruppe in der GME Zechenring 14-18
  • Eine Eltern-Kind-Gruppe in der GME Südstraße 111 bis maximal 31.3.2017
  • Eine Spielgruppe in Röhlinghausen
  • Eine Spielgruppe in Wanne
  • Zwei Spielgruppen in Herne- Mitte
  • Eine Spielgruppe in Sodingen

Auslaufende Eltern-Kind-Gruppen in den Gemeinschaftseinrichtungen für Flüchtlinge werden durch Spielgruppen ersetzt. Mit zwei Kita-im-Koffer-Teams und damit insgesamt vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern könnten maximal sechs Gruppen mit einer Gesamtkapazität von wöchentlich 60 Kindern realisiert werden. Mit einem Teil der Fachkraftstunden werden zusätzlich die Notwendigkeiten für die Koordination des Einsatzes, des Aufsuchens und Einladens der Kinder und Eltern, die Netzwerkarbeit und die Vermittlung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Schulen abgedeckt.

Die Erfahrungen haben gezeigt, dass ohne Unterstützung eine beträchtliche Zahl von Kindern und Familien keinen eigenen Zugang zu den Bildungseinrichtungen finden. Dieses Projekt ist ein Baustein dieser wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe. Es hat sich gezeigt, dass das gewonnene Vertrauen der „Kita im Koffer“ – Mitarbeiter zu den Eltern eine Grundlage für Veränderungen und die ersten Schritte zur Integration sind. Die Erfahrungen der „Kita im Koffer“- Mitarbeiter fließen in die verschiedenen Netzwerke ein.

 

Vor den geschilderten Hintergründen und den dargestellten Planungen erscheint es geboten, das seit dem 01.01.2016 bei der Stadt Herne laufende Projekt „Kita im Koffer“ unter den bereits seit diesem Zeitpunkt bewilligten Stellen fortzuführen und weiterhin 2 Fachkräfte mit insgesamt 60 Wochenstunden und 2 Ergänzungskräfte mit insgesamt 40 Wochenstunden projektbezogen zu beschäftigen. Den entsprechenden Beschluss dazu hat der Verwaltungsvorstand in seiner Sitzung am 13.12.2016 gefasst.

 

 

 

 

Der Oberbürgermeister

In Vertretung

 

 

 

Thierhoff

(Stadträtin)

 


Anlagen:
 

Keine