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Vorlage - 2017/0676  

Betreff: Entfernung von Bäumen und Gehölzen im Bereich des Schutzstreifens von Gashochdruckleitungen der Fa. Thyssengas in Herne-Sodingen
Status:öffentlichVorlage-Art:Berichtsvorlage
Verfasser:Reinholz, Rolf
Federführend:FB 55 - Stadtgrün Bearbeiter/-in: Reinholz, Rolf
Beratungsfolge:
Ausschuss für Umweltschutz Vorberatung
15.11.2017 
des Ausschusses für Umweltschutz zur Kenntnis genommen   
Bezirksvertretung Sodingen Vorberatung
22.11.2017 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Sodingen zur Kenntnis genommen   
Naturschutzbeirat Vorberatung
05.12.2017 
des Naturschutzbeirates zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:
 

Im Stadtbezirk Sodingen werden von der Fa. Thyssengas seit Jahrzehnten folgende Gashochdruckleitungen betrieben:

 

  • L05001 Recklinghausen – Herne – Bochum-Hiltrop
  • L05005 Anschluss Herne, Dorastraße
  • L05311 Anschluss Castrop-Rauxel

 

 

Um eine Beeinträchtigung der Gashochdruckleitungen durch Baumbewuchs bzw. Wurzelentwicklung zu vermeiden und die Begehbarkeit und damit die Erreichbarkeit der Leitung zu gewährleisten, ist es erforderlich, die Trassenverläufe dauerhaft von Bäumen und Strauchwerk freizuhalten. Als Betreiber eines Rohrleitungsnetzes für den Erdgastransport ist die Thyssengas GmbH für einen sicheren Leitungsbetrieb verantwortlich und dazu gesetzlich verpflichtet. Die Thyssengas GmbH stellt als Fernleitungsnetzbetreiber u.a. für die Versorgung des Stadtgebietes Herne mit Erdgas die erforderlichen Transportkapazitäten bereit.

 

 

Rechtliche Grundlagen und technische Regeln

 

Generelle Aspekte der Betriebssicherheit regelt das Gesetz über die Elektrizitäts- und Gasversorgung, EnWG, namentlich im § 49 „Anforderungen an Energieanlagen“:

 

  • Energieanlagen sind so zu errichten und zu betreiben, dass die technische Sicherheit gewährleistet ist. Dabei sind vorbehaltlich sonstiger Rechtsvorschriften die allgemein anerkannten Regeln der Technik zu beachten.

 

  • Die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik wird vermutet, wenn bei Anlagen zur Erzeugung, Fortleitung und Abgabe von (…) Gas die technischen Regeln der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) eingehalten worden sind.

Auf Grundlage der Technischen Mitteilung, Hinweis GW 125 und GW 125-B1 (Merkblatt) des DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e. V.), ist aus sicherheitstechnischen Gründen in den innerstädtischen Bereichen der Stadt Herne ein Freischnitt auf den Thyssengas-Trassen geplant.

 

Im Außenbereich der Stadt Herne wird eine Trasse von 5 m Breite (2,5 m links und rechts der Leitung) dauerhaft freigehalten, um gute Sichtverhältnisse für die vorgeschriebene und regelmäßig durchgeführte Befliegung der Leitungen zu gewährleisten.

 

 

Vorgehensweise

 

Im Sommer 2016 wurde von der Thyssengas GmbH der Trassenfreischnitt für die Gashochdruckleitungen L05001, L05005 und L05311 schriftlich beantragt.

Die Beeinträchtigungen durch Baumbewuchs wurden seit dem Herbst 2016 in mehreren Terminen mit Thyssengas GmbH, externen Gutachtern, dem Jens Janßen Ingenieurbüro und den Vertretern der Verwaltung diskutiert, erläutert und durch Ortsbegehungen verifiziert.

 

Grundsätzlich ist bei der Betrachtung des Bewuchses zwischen den innerörtlichen (orangen) und den außerörtlichen (grünen) Bereichen zu unterscheiden.

 

Stadt Herne - Ausschnitt Übersichtsplan 2017-08-09 - roh


Innenbereich

 

Geltungsbereich der Baumschutzsatzung

 

  

Beispielbilder

 

Zu den fokussierten Bäumen im Innenstadtbereich wurde durch das Sachverständigenbüro Michael Honds ein Baumgutachten erstellt. Anfang März 2017 legte ein Saugbagger die Wurzeln von fünf kritischen Bäumen frei. Diese Kontrollschachtungen dienten dem Nachweis der Wurzelaktivität der Bäume in Hinblick auf die Leitungssicherheit.

 

IMG_3458   IMG_3453

 

Im Zuge der nachfolgenden Abstimmungen wurde zwischen der Verwaltung und der Fa. Thyssengas Einvernehmen hergestellt und folgender Handlungsplan aufgestellt.

 

Um einen sicheren Leitungsbetrieb auf Dauer zu gewährleisten, werden im Innenstadtbereich insgesamt 32 Bäume gefällt, die sich auf nachfolgende Standorte verteilen:

 

  1. Gneisenaustraße

 

Die Anträge auf Baumfällung wurden Anfang Januar gestellt

 

  1. Langforthstraße

 

Die Anträge auf Baumfällung zu zwei Baumstandorten auf privaten Grundstücken wurden Anfang Januar gestellt.

 

Das Grundstück der ehemaligen Schule, die mittlerweile abgerissen wurde, befindet sich derzeit in einer Projektentwicklung. Dort stehen noch sechs Bäume, die die Sicherheit der Gasleitung gefährden.

Nach Klärung der aktuellen bzw. zukünftigen Eigentumssituation und Abstimmung mit dem Grundstückseigentümer, wird die Fa. Thyssengas die Fällgenehmigungen beantragen.

 

Der junge Bergahorn im Kreuzungsbereich Langforthstraße/Von-Waldthausen-Straße (U=0,5m) steht auf städtischem Grund und soll gefällt werden.

 

  1. Konradstraße

 

Zwei Platanen sollen gefällt und die Wurzeln teilweise entfernt werden. Nach einer KKS-Intensivmessung wird entschieden, ob und in welchem Umfang eine Leitungssanierung durchgeführt wird. Die beiden Baumscheiben werden verschlossen. Der Gehweg wird wiederhergestellt.

 

  1. Dorastraße

 

Sieben Linden sollen gefällt und die Wurzeln teilweise entfernt werden. Nach einer KKS-Intensivmessung wird entschieden, ob und in welchem Umfang eine Leitungssanierung durchgeführt wird. Nach dem Einbringen von Wurzelschutz erfolgt die Neupflanzung von sieben Bäumen mit leitungspassiven Wurzelwuchs. Der Gehweg wird wiederhergestellt.

 

 

 

Die Verwaltung hat mit der Fa. Thyssengas vereinbart, dass die Entschädigung für die innerstädtischen Bäume als Gesamtpaket betrachtet wird. Unter Berücksichtigung der oben aufgeführten Gestaltungsaufgaben der Thyssengas GmbH (z. B. Verschließen der Baumscheiben in der Konradstraße, Erneuerung der Gehwege, Neuanpflanzungen in der Dorastraße) wurde eine Entschädigung in der Größenordnung von
7.500,00 festgelegt.

 

Weitere Bäume im Innenstadtbereich stellt die Thyssengas GmbH unter Beobachtung.

 

 

Außenbereich:

 

Zuständigkeit der Unteren Naturschutzbehörde (Bundesnaturschutzgesetz):

 

 

  

Beispielbilder

 

Für den Trassenfreischnitt der Gastransportleitungen L05001, L05005 und L05311 werden im Außenbereich der Stadt Herne insgesamt 301 Bäume mit einem Durchmesser von 10cm und größer auf Betreiben der Thyssengas GmbH gefällt.

 

Im Einvernehmen mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) wird die Thyssengas GmbH die Eingriffe in die Natur gemäß der im Vorfeld getroffenen Vereinbarungen durch die Anlage von Blühstreifen auf den Trassen kompensieren.

 

  

 

Zusätzlich darf die Thyssengas GmbH anlassbezogen Stangenholz fällen lassen, damit kein Baumkronenschluss über den Gastransportleitungen entsteht. So kann einerseits die vorgeschriebene Befliegung der Gasleitungen erfolgreich durchgeführt werden und andererseits erhalten die Blühstreifen das notwendige Licht.

 

L05311_Übersicht Herne - Kompensationsmaßnahmen - 2017-08-09

 

  1. Biotop im Landschaftsschutzgebiet Vossnacken

 

Es wird im Bereich der Schutzstreifenfläche der Gashochdruckleitung L05311 über eine Länge von 160 Metern ein Blühstreifen von 5 Metern Breite angelegt. Zu fällende Bäume sollen vor Ort verbleiben und als Totholz am Rande der Trasse eingebracht werden.

 

Die Zugänge zu den Blühstreifen sind mit dem Totholz zu versperren. Die Samenmischung für den Blühstreifen wird von der UNB vorgegeben. Die Pflege erfolgt zweimal jährlich: einmal im Juni/Juli, einmal im September/Oktober

 

  1. Wegebegleitflächen im Landschaftsschutzgebiet Vossnacken

 

Vier Bäume dürfen gefällt und abtransportiert werden. Es wird im Bereich der Schutzstreifenfläche der Gashochdruckleitung L05311 über eine Länge von 160 Metern ein Blühstreifen von 3-4 Metern Breite angelegt.

 

Die Samenmischung für den Blühstreifen wird von der UNB vorgegeben. Die Pflege erfolgt zweimal jährlich: einmal im Juni/Juli, einmal im September/Oktober

 

  1. Südlich der Sodinger Straße

 

L05001_Übersicht Herne - Kompensationsmaßnahmen - 2017-08-09

 

Die Bäume nördlich der landwirtschaftlichen Nutzfläche und westlich vom Ende des Strauchwerkes dürfen bis zum östlich vorhandenen Blühstreifen gefällt und abtransportiert werden. Es wird über eine Länge von ca. 190 Metern ein Blühstreifen von 2 bis 2,5 Metern angelegt.

 

Als Blühmischung soll die Samenmischung „Ackerwildkräuter“ verwendet werden. Die Pflege des Blühstreifens erfolgt zukünftig durch die Verwaltung und wird der Thyssengas GmbH in Rechnung gestellt.

 

 

Der Oberbürgermeister

in Vertretung

 

 

 

 

 

 

(Friedrichs)

Stadtrat

          


Anlagen:
 

Keine