Ratsinformationssystem

Vorlage - 2018/0043  

Betreff: Eintragung der Skulptur "Der Torschrei", Stadtbezirk Sodingen, in die Denkmalliste der Stadt Herne gemäß § 3 des Denkmalschutzgesetzes NRW
Status:öffentlichVorlage-Art:Berichtsvorlage
Verfasser:Herr Munck, 3023
Federführend:FB 51 - Umwelt und Stadtplanung Bearbeiter/-in: Böhnke, Bianca
Beratungsfolge:
Kultur- und Bildungsausschuss
06.02.2018 
des Kultur- und Bildungsausschusses zur Kenntnis genommen   
Bezirksvertretung Sodingen
07.02.2018 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Sodingen zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Die Bezirksvertretung Sodingen und der Kultur- und Bildungsausschuss nehmen die beabsichtigte Eintragung der Skulptur „Der Torschrei“, Mont-Cenis-Str. 180, Stadtbezirk Sodingen, in die Denkmalliste der Stadt Herne gemäß § 3 des Gesetzes zum Schutz und zur Pflege von Denkmälern im Lande Nordrhein-Westfalen (Denkmalschutzgesetz) vom 11.03.1980 (GV.NRW. S. 226, 716/ GV. NRW. S. 488) zur Kenntnis.

 

 

Sachverhalt:
 

Objektbeschreibung     

 

Denkmalwert ist die Skulptur von etwa 1,60 m Höhe aus Grünsandstein, bestehend aus drei übereinander gelagerten Blöcken.

 

Die Skulptur „Der Torschrei“ / „Der unbekannte Fußballzuschauer“ wurde 1958 von der Herner Künstlerin Elisabeth Hoffmann (1914 - 1973) geschaffen.

Das Kunstwerk ist etwa 1,60 m hoch und aus massivem Grünsandstein gehauen. Es ist am hinteren linken Sockel mit „19 eh 58“ signiert. Das Werk ist in drei horizontale Blöcke gegliedert und als Vollskulptur von allen Seiten gestaltet und betrachtbar.

Dargestellt sind im expressivem Stil drei Fußballzuschauer, die eng hintereinander sitzend, konzentriert mit weit aufgerissenen Augen und Mündern die Köpfe zusammenstecken und ein gleiches Ziel betrachten – ein Ereignis auf dem Fußballfeld, vielleicht einen Torschuss, den sie gerade bejubeln. Der Eindruck von Konzentration wird durch die leichte Seitenneigung der Köpfe zweier Figuren noch verstärkt. Während die Gesichter die Gefühle der Zuschauer treffend und konkret zeigen, bleiben die drei Körper abstrakt, Arm- und Beinhaltungen sind nur geschickt angedeutet. So wird der Betrachter auf die Aussage in den Gesichtern hingelenkt. Die schlüssige Komposition des massiven Kunstwerkes erhält ihre Spannung aus der V-förmigen, symmetrischen Anordnung der drei Köpfe zueinander, die in den kreisförmig anmutenden Umriss der Körper eingebunden sind.

 

 

 

Begründung des Denkmalwertes 

 

Das Kunstwerk ist bedeutend für die Stadt Herne, denn es erinnert an die große Fußballgeschichte der Stadt. 1958 gab es mit dem SV Sodingen und der Westfalia Herne zwei aus Herne stammende erfolgreiche Fußballvereine, die allgemein gefeiert und bewundert wurden, unter anderem weil sie damals mit um die Deutsche Fußballmeisterschaft spielten und in der zu der Zeit höchsten Spielklasse, der Oberliga West, vertreten waren.

Das Kunstwerk verweist mit dem generellen Thema „Sport“ auf die Sportbegeisterung und die hohe Anerkennung des Sports in Herne und in der Bundesrepublik Deutschland. Aus diesem Zusammenhang heraus scheint das Werk auch in Auftrag gegeben worden zu sein.

 

Für die Erhaltung und Nutzung sprechen künstlerische Gründe. Es gibt weltweit und eben auch in Deutschland eine hohe Zahl von figürlichen, porträtierenden Denkmälern für sehr erfolgreich Fußball spielende Männer wie Helmut Rahn, Uwe Seeler, Paul Breitner, Pele‘ oder Ronaldo. Ein Denkmal für Fußballzuschauer jedoch scheint es nach ausführlichen Recherchen in der Literatur, im Internet und nach Rücksprache mit dem Deutschen Fußballmuseum Dortmund nur in Herne zu geben.

Fußballzuschauer mit einem Kunstwerk zu würdigen, ist dabei eine durchaus gute Idee, denn sie sind es, die Stadionstimmung und Spielbereitschaft fördern sowie die Spiele überhaupt erst finanzierbar machen. Vielleicht musste es eine Frau sein, die ihren Blick vom Spielgeschehen und den „Fußballhelden“ weg auch aufmerksam in die Ränge lenkte.

 

Die Künstlerin Elisabeth Hoffmann wurde auf dem elterlichen Hof Hoffmann in Herne-Börnig geboren. Die Hofstelle lässt sich bis 1230 zurückverfolgen, damals unter dem Namen Up`m hoawe“, 1542 unter dem Namen „Hinrich up dem Hove“.

Der Hof Hoffmann wurde dann auch Elisabeth Hoffmanns Atelier.  Der Abbruch erfolgte in den 1970er Jahren. Ihr Vater Wilhelm Hoffmann war schriftstellerisch tätig, ihr Bruder Heinrich Hoffmann (1916 – 2011) war Bildhauer in Kirchhundem. Elisabeth Hoffmann war auch unter dem Namen „Hoves Zett“ bekannt, wobei Hoves für Hoffmann stand und Zett der verkürzte Kosename für Elisabettken war. Sie besuchte die Klosterschule Lüdinghausen und erwarb dann den Abschluss ihres Kunststudiums nach Aufenthalten in Münster, Berlin und Wien.  In Wien hörte sie Vorlesungen von Hans Sedlmeyer, dessen erzkonservative These vom „Verlust der Mitte“ und damit des angeblichen Humanismus in der modernen Welt sie anscheinend stark beeinflusste. Im Übrigen scheint sie sich in der Tradition von Ernst Barlach und Käthe Kollwitz gesehen zu haben, was in ihrem von Expressionismus und Realismus beeinflussten Werk eindeutig ablesbar ist. Ihr Werk umfasste „stilisierte Menschen- und Tierbilder, Architekturstudien in Farbe mit strengen Linien, Holzschnitte in Eiche, Reliefs aus dem bergmännischen Bereich, Plastiken – figürlich und stark abstrahierend" (Westfälische Rundschau, Herner Rundschau 20./21.07.1968).

Hinzu kamen ab 1959 auch Werke in Beton. Wo die zahlreichen Werke verblieben sind ist größtenteils unbekannt. Einige Werke befinden sich jedoch noch im Familienbesitz.

Bekannt ist, dass Elisabeth Hoffmann mit dem Herner Künstler Wilhelm Hahn 1951 insgesamt 115 Grabkreuze für Herner Bombenopfer auf dem Südfriedhof schuf, die dort heute noch stehen.

Beerdigt ist Elisabeth Hoffmann auf dem Friedhof Börnig in der Familiengruft, Feld H6.

 

Für seine Erhaltung und Nutzung sprechen wissenschaftliche Gründe hinsichtlich der Regionalgeschichte. Die offenbar völlig vergessene Künstlerin Elisabeth Hoffmann ist 2014 bis 2017 durch die Initiative und Arbeit von Schülern der Mont-Cenis-Gesamtschule sowie eines Lokalhistorikers nach Auffassung des Landschaftsverbandes zu Recht wieder in das öffentliche Bewusstsein gerückt worden. Außer dem bereits skizzierten Denkmalwert und künstlerischem Wert ihrer Skulptur spricht die Biographie der Künstlerin auch für die Erhaltung des „Torschreies“, denn Elisabeth Hoffmanns Werk und Leben ordnet sich ein in die große Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern, die gerade in den 1950er und 1960er Jahren aus dem Ruhrgebiet stammend auch im Ruhrgebiet wirkten und den öffentlichen Raum bereicherten. Dies war möglich, solange sich insbesondere die Kommunen der aus der Weimarer Republik überkommenen Regel verpflichtet fühlten, ein Prozent der Kosten für öffentliche Bauten in Kunst zu investieren oder sogar darüber hinaus Künstler und Künstlerinnen als Pädagogen an Schulen zu beschäftigen.

Das Werk gilt es also auch als ein Zeugnis einer unerwartet kunstreichen Epoche des Ruhrgebietes zu bewahren.

 

 

Da hier ein öffentliches Interesse hinsichtlich wissenschaftlicher und städtebaulicher Gründe besteht, liegen die Voraussetzungen für die Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Herne vor.

 

 

 

Der Oberbürgermeister

In Vertretung

 

 

 

 

(Friedrichs)

   Stadtrat

 

 

           

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Anlagen:
 

  1. Stadtplanausschnitt
  2. Flurkarte
  3. Foto „Der Torschrei“

           

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Torschrei-Stadtplan (1462 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich Torschrei-Flurkarte (614 KB)      
Anlage 3 3 öffentlich Foto (353 KB)