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Vorlage - 2018/0261  

Betreff: Vorstellung der Starkregengefahrenkarte Herne
Status:öffentlichVorlage-Art:Berichtsvorlage
Verfasser:1. Krüwel, Friedrich
2. Agatz, Kerstin
Federführend:FB 51 - Umwelt und Stadtplanung Bearbeiter/-in: Sowe, Simone
Beratungsfolge:
Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung
19.04.2018 
des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung zur Kenntnis genommen   
Ausschuss für Umweltschutz
25.04.2018 
des Ausschusses für Umweltschutz zur Kenntnis genommen   
Bezirksvertretung Herne-Mitte
26.04.2018 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Herne-Mitte zur Kenntnis genommen   
Bezirksvertretung Sodingen
02.05.2018 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Sodingen zur Kenntnis genommen   
Bezirksvertretung Eickel
03.05.2018 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Eickel zur Kenntnis genommen   
Bezirksvertretung Wanne
08.05.2018 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Wanne zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Sachverhalt:
 

Der Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung, der Ausschuss für Umweltschutz und die Bezirksvertretungen nehmen den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis.

 

Die Stadt Herne will mit einem Klimaanpassungskonzept den Folgen des Klimawandels begegnen. Als Auswirkungen werden vor allem steigende Temperaturen und zunehmende Starkregenereignisse erwartet. Um die Auswirkungen von Starkregenereignissen im Stadt-gebiet beurteilen zu können, wurde die Erstellung einer Starkregengefahrenkarte in Auftrag gegeben.

 

Mithilfe der Starkregengefahrenkarte ist zu erkennen, wo im Herner Stadtgebiet Gefahren durch Sturzfluten und Starkregen bestehen. Überflutungen infolge von Starkregenereignissen können grundsätzlich im gesamten Stadtgebiet auftreten. Die Karte zeigt, in welchen Bereichen eine besondere Überflutungsgefährdung zu erwarten ist.

 

 

Starkregenereignisse

 

Treten in kurzer Zeit besonders hohe Niederschlagsmengen auf, spricht man von Starkregen. Im Gegensatz zu Dauerregen tritt Starkregen meist räumlich begrenzt auf. Starkregen entsteht vor allem in den warmen Sommermonaten. Je wärmer die Luftmasse ist, umso mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Treffen warme auf kalte Luftmassen, kondensiert die Feuchtigkeit und entlädt sich in starken, plötzlichen Regenfällen. In wenigen Minuten oder Stunden kann mitunter so viel Regen fallen wie normalerweise in einem Monat.

 

Starkregen tritt räumlich begrenzt auf, Vorhersagen wo der Starkregen niedergeht sind des-halb sehr schwierig. Zwar lässt es sich prognostizieren, dass das Wetter zu einer bestimmten Tageszeit in einer bestimmten Region zu Unwettern neigt. Wo genau der Starkregen niedergeht, zeigt sich jedoch erst unmittelbar kurz vor dem Regenereignis.

 

Welche Schäden außergewöhnliche Starkregenereignisse im urbanen Raum verursachen, lässt sich an dem am 28. Juli 2014 in Münster aufgetretenem Extremereignis ersehen. An der dortigen LANUV Wetterstation sind binnen sieben Stunden 292 l/m² Niederschlag registriert worden. Ein heftiger Starkregen mit erheblichen Schäden trat am 26. Juli 2008 in Dortmund auf. Am 20. Juni 2013 kam es im Raum Herne zu einem Starkregenereignis, dabei wurden vor allem im Stadtbezirk Sodingen zahlreiche Keller überflutet.

 

 

Gefährdungen durch Starkregen

 

Die tatsächliche Gefährdungssituation ist zuerst stark von der topographischen Beschaffenheit des betroffenen Gebietes abhängig. Daneben spielt auch die örtliche Bebauungssituation eine große Rolle. Besonders gefährdet sind:

 

- besonders dicht besiedelte Stadtteile mit hoher Bodenversiegelung,

- tief liegende Räume in Gebäuden ohne Rückstausicherung,

- Tiefgaragen, Souterrain- und Kellerräume,

- Straßenunterführungen,

- Grundstücke in Senken und am Hang,

- Grundstücke in der Nähe von Bächen, auch wenn diese nur temporär Wasser führen.

 

Das öffentliche Entwässerungssystem leistet einen wesentlichen Grundbeitrag zum Überflutungsschutz. Seltene und außergewöhnliche Regenfälle sind trotz aller öffentlichen Vorsorgemaßnahmen nicht allein durch die städtische Infrastruktur zu beherrschen. Das Herner Kanalnetz ist so dimensioniert, dass es einen statistisch 5-jährlichen Starkregen aufnehmen kann.

 

 

Modellierung Starkregengefahrenkarte

 

Die Karten werden mit einer Computersimulation berechnet, die auf hydrodynamischen Mo-dellen beruht (Oberflächenabflussmodell). Solche Modelle bilden die Entstehung und den zeitlichen Verlauf des Starkregenabflusses genau nach. Die Berechnungen basieren auf einem digitalen Geländemodell mit einer Geländeauflösung von 1 mal 1 Metern und berück-sichtigen die Topografie und die Lage der Gebäude. Im Vordergrund der Untersuchung steht die Identifikation von Senken und Hauptfließwegen. Die Wirkung von Verdunstung und Versickerung sowie der Abfluss über das Kanalnetz bleiben dabei unberücksichtigt. Bei Starkregenereignissen ist davon auszugehen, dass annährend der gesamte Niederschlag abflusswirksam wird, da eine Bodensättigung schnell erreicht ist und das Kanalnetz für der-artige Wassermengen in kurzer Zeit nicht aufnahmefähig ist.

 

Die aus den Modellrechnungen abgeleiteten Karten versuchen dabei nicht, ein reales Ereignis abzubilden, sondern sie zeigen die Gefahren auf, die bei verschiedenen Starkregenereignissen auftreten können. Die Berechnung erfolgte für drei Szenarien. Die Szenarien unterscheiden wie groß die Gefahr der Überflutung für zwei mittlere statistische Ereignisse und für ein Extremereignis ist. Auf der Grundlage eines 1-stündigen Ereignisses erfolgte die Berechnung für:

 

Seltener Starkregen:   statistisch 30-jährliches Ereignis (42,8 l/m²)

Außergewöhnlicher Starkregen: statistisch 100-jährliches Ereignis (52,5 l/m²)

Extremregen:    statistisch >> 1000-jährliches Ereignis (90 l/m²)

(Niederschlagsmengen in l/m² sind gleichbedeutend mit Angaben in mm)

 

Ergebnisse

 

Abgebildet werden in den Starkregengefahrenkarten die Fließwege, die Überflutungshöhe und die Ausdehnung der Überflutung. Die Visualisierung in den Karten erfolgte in Anlehnung an das DWA-Merkblatt 119 nach folgenden Gefährdungsklassen:

 

- gering  (Wasserstand < 0,05 m)

- mittel  (Wasserstand 0,05 bis 0,25 m)

- hoch  (Wasserstand 0,25 bis 0,75 m)

- sehr hoch (Wasserstand > 0,75 m).

 

 

 

Im Stadtgebiet wurden mehrere Geländetiefpunkte identifiziert, in denen es bei den unter-suchten Ereignissen zu einer Überflutung kommt. Die Ausprägung der Überflutung nimmt mit abnehmender Eintrittswahrscheinlichkeit zu.

 

Maßnahmenentwicklung im Klimaanpassungskonzept

 

Die Starkregenregengefahrenkarten sind das Schlüsselelement zur Darstellung der Gefährdung und zur Identifikation von Risiken. Sie bilden die Grundlage zur Verortung der zu treffenden Vorsorgemaßnahmen. Sie liefern ferner die Grundlage zur Erstellung der Alarm- und Einsatzpläne für den Fall eines Starkregenereignisses. Die zu entwickelnden Präventionsmaßnahmen betreffen unterschiedliche Bereiche, hierzu gehören Flächen- und Bauvorsorge, naturnaher Abflussrückhalt, technischer Überflutungsschutz und verhaltenswirksame Vorsorge.

 

Daher bildet die Entwicklung eines kommunalen und ressortübergreifenden Starkregenmanagements einen Schwerpunkt des Klimaanpassungskonzeptes, in dem die Vorsorgemaß-nahmen gebündelt und koordiniert werden.

 

 

Veröffentlichung im geoportal Herne

 

Nach der Vorstellung der Starkregengefahrenkarten in den bürgerschaftlichen Gremien wer-den die Starkregengefahrenkarten in das geoportal der Stadt Herne eingestellt. Für die Bürgerinnen und Bürger steht damit ein Instrument für die Einschätzung ihrer individuellen Gefahrenlage bereit. Sie können so mögliche Schutzmaßnahmen planen und umsetzen und somit Schäden vorbeugen.

 

 

In Vertretung

 

 

 

 

Friedrichs  

(Stadtrat)  

                 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Anlagen:
 

- Erläuterungsbericht

- Entwicklung einer Starkregengefahrenkarte

- Ingenieurbüro Beck GmbH & Co. KG

  im Auftrag der Stadt Herne

 

 

                        

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Bericht_mit_Kartenanhang (24406 KB)