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Vorlage - 2005/0035  

Betreff: Diskussionsverlauf, Empfehlungen und Ergebnisse der kommunalen Gesundheitskonferenz: "Jugend braucht Zukunft"
Status:öffentlichVorlage-Art:öffentliche Beschlussvorlage
Verfasser:Dr. phil. Brandenburg
Federführend:FB 43 - Gesundheitsmanagement Bearbeiter/-in: Weber, Annemarie
Beratungsfolge:
Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Familie Entscheidung
26.01.2005 
des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und Familie beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt

Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:

 

Der Ausschuss für Gesundheit, Soziales und Familie nimmt den Diskussionsverlauf, die Empfehlungen und die Ergebnisse der Gesundheitskonferenz: „Jugend braucht Zukunft“ zur Kenntnis.

 

Der Ausschuss begrüßt das Vorgehen des Fachbereiches Gesundheit, zusammen mit allen Akteuren des Gesundheitssektors, des Erziehungs- und Bildungssektors und der Jugendhilfe nach Verbesserungsmöglichkeiten in der Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche zu suchen und dazu konkrete Handlungsempfehlungen zu erarbeiten.

 

Der Ausschuss unterstützt im Rahmen seiner Möglichkeiten die Umsetzung der von der Gesundheitskonferenz verabschiedeten Empfehlungen, in denen die notwendigen Fortbildungen der pädagogischen Fachkräfte aufgezeigt, die Verstärkung der lokalen intersektoriellen Zusammenarbeit eingefordert und folgende drei Schwerpunktziele benannt wurden: 

 

-  die Unterstützung der Schulen bei der Integration schulferner, verhaltens-

   auffälliger sowie bildungsferner und bildungsfremder Schülerinnen und  

   Schüler,

-  die intensivierte Gesundheitsförderung in Kindertageseinrichtungen und

-  die gezielte Einbindung und Unterstützung der Eltern als notwendiger

   Bestandteil aller Projekte der Gesundheitsförderung.

 

 

Sachverhalt:

Sachverhalt:

 

 

Rückblick auf die Ergebnisse der Gesundheitskonferenz „Gesundheit für Kinder und Jugendliche“ im Jahre 2000

 

Das Thema „Gesundheit für Kinder und Jugendliche“ wurde in Herne bereits im Jahre 2000 im Rahmen einer Gesundheitskonferenz aufgegriffen. Zahlreiche Empfehlungen zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung und der Gesundheitsförderung wurden damals verabschiedet, und ein großer Teil dieser Empfehlungen wurde auch erfolgreich umgesetzt.

 

Auf Grund einer Empfehlung der damaligen Konferenz führte die „Forschungsgruppe Primärmedizinische Versorgung an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität zu Köln“ an zwei Hauptschulen und an einem Gymnasium in Herne Befragungen durch, die außer dem Rauchverhalten auch Verhaltensauffälligkeiten und Befindensstörungen der Schülerinnen und Schüler erfassten. Die Untersuchung verfolgte insbesondere das Ziel, die gesundheitlichen Folgen sozialer Benachteiligung aufzudecken und ihnen vorbeugend durch Strategien der Gesundheitsförderung zu begegnen.

 

Die Auswertung der Gesundheitskonferenz aus dem Jahr 2000 und die Ergebnisse der aus der Konferenz resultierenden Studie machte eine erneute Diskussion der Thematik der Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche im Rahmen einer Gesundheitskonferenz notwendig.

 

 

Konzeptionelle Neuorientierung in der Gesundheitsförderung: Settingansatz und Zielgruppenorientierung

 

Vor allem die Ergebnisse dieser Studie sprechen für eine konzeptionelle Neu-orientierung in der Raucherprävention, die auch Eingang in andere Themenbereiche der Gesundheitsförderung und Suchtprävention finden sollte. Aus den Ergebnissen der Untersuchung lassen sich ein methodisches Vorgehen und eine zielgruppen-spezifische Schwerpunktsetzung der Gesundheitsförderung ableiten, die auch bei anderen gesundheitsfördernden Aktivitäten und Projekten zu berücksichtigen sind.

 

Es wird von der Prämisse ausgegangen, dass sich Gesundheit nicht - wie in der traditionellen Gesundheitserziehung immer wieder versucht - über die Schaffung verbindlicher Lebensregeln durch Experten, über aufklärende Maßnahmen oder Angstappelle einstellt, sondern im Lebensalltag, bei der Arbeit, in der freien Zeit, im Stadtteil, in der Schule etc. entfaltet. Dafür sind Bedingungen herzustellen, die der Schaffung und Förderung gesunder Sozialräume gerecht werden. Es spricht vieles dafür, dass dieser sogenannte Settingansatz (Schauplatz: Stadtteil, Familie, Kinder-tageseinrichtung, Schule) für die Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen besonders geeignet ist. In Settings können gesundheitsrelevante Rahmenbedingungen gezielt unter Einbeziehung und Mitwirkung der Betroffenen verbessert werden. Außerdem werden die jeweiligen sozialen Gefüge und Organisationsstrukturen berücksichtigt und zum besseren Erreichen definierter Zielgruppen sowie zur Sicherung langfristiger Erfolge genutzt.

 

Innerhalb des Settings sollte mit Zielgruppen (z.B.: bildungsfremde und bildungsferne Kinder und Jugendliche, verhaltensauffällige Schüler/innen etc.) gearbeitet werden, die aufgrund der Erkenntnisse der kommunalen Gesundheitsberichterstattung als vorrangig anzusprechende Bevölkerungsgruppen anzusehen sind und durch deren Aktivierung, Motivierung, Unterstützung und Integration nicht nur die Zielgruppen selbst, sondern auch die Gesamtstruktur des Settings positiv im Sinne der Gesundheitsförderung beeinflusst werden können.

 

 

Empfehlungen der Gesundheitskonferenz „Jugend braucht Zukunft“ im Jahre 2004

 

Die Ergebnisse der Studie wurden in Herne in verschiedenen Workshops mit den lokalen Akteuren diskutiert. Ausgehend von den Ergebnissen dieser Workshops wurden Handlungsempfehlungen erarbeitet, die im Rahmen der Gesundheitskonferenz „Jugend braucht Zukunft“ diskutiert, ergänzt und verabschiedet wurden. Es nahmen ca. 120 Personen aus dem Gesundheits-, Erziehungs-, Bildungs- und Jugendhilfesektor sowie aus der Politik an dieser Veranstaltung teil, die am 28. April 2004 in der Akademie Mont-Cenis durchgeführt wurde. Als Ergebnis der offenen und engagierten Diskussion in der Gesundheitskonferenz „Jugend braucht Zukunft“ wurden notwendige Fortbildungen der pädagogischen Fachkräfte benannt, die Verstärkung der lokalen intersektoriellen Zusammenarbeit eingefordert und folgende drei Schwerpunkte in der Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche festgelegt:

 

1) Unterstützung der Schulen bei der Integration schulferner, verhaltensauf-fälliger sowie bildungsferner und bildungsfremder Schülerinnen und Schüler

 

Diese Integrationsarbeit ist von allen Schultypen zu leisten. Allerdings ist die Hauptschule durch einen hohen Anteil bildungsferner und bildungsfremder Schülerinnen und Schüler besonders gefordert.  Lehrer und Lehrerinnen sehen sich besonderen beruflichen Anforderungen ausgesetzt. Neben den für den Lehrerberuf allgemein geltenden Aufgaben der Vermittlung von Wissen und Kompetenzen sehen sie sich zusätzlichen erzieherischen, zum Teil sozialpädagogischen Anforderungen ausgesetzt. Auf diese „extrafunktionellen“ Herausforderungen fühlen sie sich unzureichend vorbereitet, außerdem vermissen sie eine angemessene Unterstützung. Die spezifischen Defizite in der Aus- und Fortbildung einerseits, mangelnde öffentliche Unterstützung andererseits erhöhen die im Beruf erfahrenen Beanspruchungen und wirken sich auf die Gesundheit negativ aus.

 

In Kooperation des Fachbereiches Gesundheit mit dem Schulamt, dem Fachbereich Kinder, Jugend, Familie und den Sportvereinen sollen modellhaft in den Stadtteilen Projekte initiiert und unterstützt werden, in denen Schülerinnen und Schüler der Stadtteilschulen zusätzliche Angebote der außerschulischen Jugendarbeit, der Sportvereine und weiterer im Stadtteil agierender Einrichtungen wahrnehmen können, um auch außerhalb der schulischen Leistungsanforderungen neue Interessen und Fähigkeiten entwickeln und Anerkennung  finden zu können. Ferner sollen ehrenamtliche Tätigkeiten (z.B. durch Kooperationen zwischen Schulen und Alteneinrichtungen) ermöglicht werden, durch die soziales Lernen und die Übernahme von Verantwortung im Stadtteil erprobt werden können.

 

2) Intensivierte Gesundheitsförderung in Kindertageseinrichtungen

 

Den Herner Kindertageseinrichtungen sollten vielfältige Möglichkeiten geboten werden, die Intentionen der Gesundheitsförderung in ihre Arbeit zu integrieren und die Kindern dabei zu unterstützen, ihre Gesundheitspotentiale zu verwirklichen.

Die Kindertageseinrichtung als erste Stufe des Erziehungs- und Bildungssystems begleitet Kinder in einer zentralen Alters- und Entwicklungsphase, in der erhebliche Chancen zur Gesundheitsförderung und Persönlichkeitsentwicklung liegen. Die Erzieher/innen haben Zugang zu den Elternhäusern und verfügen über Kenntnisse der sozialen Lebensumstände der Familien/Eltern, die Einrichtungen sind in die Strukturen des Stadtteils eingebettet und bieten damit einen guten Ansatzpunkt, um  nachhaltig gesundheitsfördernd arbeiten zu können.

Gesundheitsförderung in Kindertageseinrichtungen kann als früh einsetzendes Mittel zum Abbau von Chancenbarrieren auf dem Gebiet der Gesundheit genutzt werden, um Kindern und Eltern unabhängig von ihrer sozialen und ethnischen Herkunft durch Information, Beratung und Begleitung dabei zu helfen, ihr größtmögliches Gesundheitspotential zu verwirklichen.

 

Die gezielte Unterstützung gesundheitsfördernder Aktivitäten in Kindertages-einrichtungen sollte im Rahmen des Projektes „Gesunde Kindertagesein-richtungen in Herne“ koordiniert werden. Im Rahmen des Projektes soll eine vernetzte Arbeit von Kindertageseinrichtungen und Schulen angestrebt und damit die notwendige Voraussetzung für die Kontinuität von Gesundheitsförderung und die Sicherung von Langzeiteffekten für die persönliche Lebensgestaltung und Lebensplanung geschaffen werden.

 

Im Rahmen des Projektes sollen die Kindertageseinrichtungen bei folgenden Aufgaben unterstützt werden:

 

- Fortbildungsmaßnahmen für Erzieher/innen (Vermittlung von Kenntnissen

  über die Gestaltung eines Kindergartens als gesundheitsförderliche Lebens- 

  welt im Stadtteil)

- Intensivierte Zusammenarbeit der Kindergärten untereinander

- Intensivierte Zusammenarbeit der Kindergärten mit den Grundschulen

- Informationsveranstaltungen für  Eltern

- Aufbau einer Mediothek für Erzieher/innen und Eltern

- Intensivierung der Mitarbeit der Eltern im Kindergarten

 

3) Gezielte Einbindung und Unterstützung der Eltern als notwendiger Bestandteil aller Projekte der Gesundheitsförderung

    

Eine erfolgversprechende Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche erfordert die aktive Mitarbeit der Eltern. Die Eltern müssen von den Intentionen der Gesundheitsförderung überzeugt und in die geplanten Aktivitäten einbe-zogen werden, damit sie diese auch im privaten Lebensumfeld der Kinder und Jugendlichen unterstützen können. Bei der  Einbeziehung der Eltern in die Arbeit der Kindergärten und Schulen zeigen sich allerdings große Schwierigkeiten. Hier sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um in der Unterstützung der Eltern neue Wege aufzuzeigen und zu erproben, die geeignet sind, ein stärkeres Engagement der Eltern zu ermöglichen und langfristig zu erhalten.

Ferner sollte bereits in der Kindertagesstätte eine intensivierte Unterstützung der Eltern einsetzen. Hier sollte ein Schwerpunkt bei der Förderung der Erziehungsfähigkeit der Eltern gesetzt werden.

Auch die Vorbereitung künftiger Eltern auf ihre Rolle sollte einen größeren Stellenwert in der Erziehung und Bildung bekommen. Eltern sollten schon vorgeburtlich begleitet und unterstützt sowie über die Möglichkeiten der Förderung ihres Kindes in den ersten Jahren informiert werden. Entsprechende Angebote sollten auch für Eltern mit einem geringen Bildungsstand angemessen aufbereitet werden.

 

 

Allgemeine Wirkungen der Gesundheitskonferenz

 

In der Gesundheitskonferenz „Jugend braucht Zukunft“ gelang es im Verfahren des Konsens und der Selbstverpflichtung aller Beteiligten

 

-         Schwachstellen in der Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen aufzudecken,

-         neue Möglichkeiten und Schwerpunkte der Gesundheitsförderung aufzu-zeigen,

-         Handlungsziele zu benennen, die von den Beteiligten in einem überschau-baren Zeitraum erreicht werden können,

-         sichtbare Verbesserungen in der lokalen Zusammenarbeit herbeizuführen.

 

Über diese Funktionen hinaus hat die Gesundheitskonferenz dazu beigetragen, die bürgerliche und fachliche Öffentlichkeit für die Situation der Kinder und Jugendlichen zu sensibilisieren und einen großen Personenkreis zu motivieren, sich in seinem Verantwortungsbereich für die Intensivierung der Gesundheitsförderung zu engagieren.

 

Detailliertere Informationen zu den Ergebnissen und Empfehlungen der Gesundheits-konferenz sind dem beigefügten Protokoll der Herner Gesundheitskonferenz „Jugend braucht Zukunft“  zu entnehmen.

 

Der Oberbürgermeister

In Vertretung

 

 

 

 

Meinolf Nowak