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Vorlage - 2019/0184  

Betreff: Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz -BImSchG-;
Antrag der Firma Uniper Kraftwerke GmbH, Kraftwerk Scholven / Neubau einer GuD-Anlage am Standort Glückaufstraße 56, 45896 Gelsenkirchen gem. § 16 BImSchG
Status:öffentlichVorlage-Art:Berichtsvorlage
Verfasser:Herr Krüwel, 2842
Federführend:FB 51 - Umwelt und Stadtplanung Bearbeiter/-in: Böhnke, Bianca
Beratungsfolge:
Ausschuss für Umweltschutz
06.03.2019 
des Ausschusses für Umweltschutz zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Der Ausschuss für Umweltschutz nimmt den immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsantrag der Fa. Uniper GmbH zur wesentlichen Änderung des Kraftwerkes Scholven zur Kenntnis.

 

 

Begründung

 

Die Fa. Uniper Kraftwerke GmbH hat bei der Bezirksregierung Münster eine Genehmigung zur wesentlichen Änderung des Kraftwerks Scholven beantragt. Beantragt wird:

 

 Der Neubau eines Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD-Anlage) mit einer Feuerungswärmeleistung von insgesamt 565 MWth

 

 Die Reduzierung des Betriebes der steinkohlegefeuerten Blöcke B und C nach Inbetriebnahme der neuen GuD-Anlage.

 

 

Anmerkung zum Beteiligungsverfahren

Die Beteiligung der Stadt Herne am Genehmigungsverfahren erfolgt, weil Teile des Stadtgebietes im Untersuchungsraum nach TA Luft liegen. Der Untersuchungsraum ergibt sich aus der 50-fachen Schornsteinhöhe. Würde nur die GuD-Anlage beantragt, läge das Stadtgebiet von Herne nicht im Untersuchungsraum. Da auch das bestehende Kraftwerk geändert wird (Schornsteinhöhe 302 m) beträgt der Radius des Untersuchungsraums 15 km.

 

Im Anschluss an die Beteiligung der Behörden wird es eine Beteiligung der Öffentlichkeit geben. Die Antragsunterlagen werden auch bei der Stadt Herne im Technischen Rathaus öffentlich zur Einsichtnahme ausgelegt. Die Auslegung erfolgt in Kürze, ein Datum für die Auslegung hat die Bezirksregierung Münster noch nicht mitgeteilt.

 

 

Vorhabenbeschreibung

Das Kraftwerk Scholven besteht aus den steinkohlebefeuerten Blöcken B und C, dem steinkohlebefeuerten Fernwärmekraftwerk (FWK) Buer sowie dem mit Heizöl EL befeuerten Kessel 7 (Dampfwerk Scholven „DWS“).

Neu beantragt wird die Errichtung und der Betrieb einer GuD-Anlage. Als Begründung führt die Antragstellerin aus, dass sich die Lebensdauer der am Standort Scholven existierenden, steinkohlebefeuerten Energieerzeugungsanlagen dem Ende neigt und diese deshalb schrittweise durch erdgasbefeuerte Energieerzeugungsanlagen ersetzt werden sollen.

 

Die geplante GuD-Anlage besteht aus den folgenden Teilanlagen:

 

- einer GuD-Anlage, bestehend aus zwei baugleichen GuD-Linien mit jeweils einer Gasturbine und Abhitzekessel, einem zusatzbefeuerten Abhitzekessel und einer Dampfturbine mit einer Feuerungswärmeleistung von 2 x 190 MW,

 

- einer Dampfkesselanlage mit einer Feuerungswärmeleistung von 125 MW,

 

- vier Heißwassererzeugern mit einer Feuerungswärmeleistung von 4 x 14,4 MW.

 

Hinsichtlich der zulässigen Abgasemissionen unterliegt die GuD-Anlage den Vorschriften der 13. BImSchV und dem kürzlich aktualisierten BVT-Merkblatt für Großfeuerungsanlagen aus dem Jahr 2017.

 

Nach der dauerhaften Inbetriebnahme der GuD-Anlage, sollen die kohlegefeuerten Blöcke B und C des Kraftwerks nur noch eingeschränkt betrieben werden. Bezugsgröße für den eingeschränkten Betrieb ist, dass nur noch max. 48 % der mittleren Jahresfracht der Emissionen an NOx und SO2 der Jahre 2015 bis 2017 emittiert werden dürfen. Durch die Realisierung der beantragten Maßnahme kommt es zu einer Reduzierung der Emissionen des Gesamtkraftwerks von ca. 30 % der NOx-Emissionen und ca. 37 % der SO2-Emissionen.

 

Emissionen

GuD-Anlage

Reduzierung

Blöcke B und C

Abnahme der

Jahresemissionen

NOx

+ 335 t/a

- 1.276 t/a

- 942 t/a

SO2

+ 156 t/a

- 783 t/a

- 626 t/a

Tab. 1: Verminderung der Emissionsfrachten der Gesamtanlage nach Realisierung

der beantragten Maßnahme

 

 

 

Auswirkungen auf das Herner Stadtgebiet

Die Entfernung des Kraftwerks Scholven zur nächstgelegenen Wohnsiedlung in Herne (Siedlung Dannekamp) beträgt ca. 11 km. Das Stadtgebiet von Herne liegt in südöstlicher Richtung zum Kraftwerksstandort und damit nicht in Lee der beiden Hauptwindrichtungssektoren.

 

Die Ausbreitungsrechnung (Immissionsprognose) nach TA Luft erfolgt:

 

- einmal nur für den Betrieb der neuen GuD-Anlage,

 

- für den Betrieb der Gesamtanlage einschließlich GuD-Anlage und verminderte Betriebsweise der Blöcke B und C.

 

Die Betrachtung der GuD-Anlage allein ergibt, dass das Herner Stadtgebiet außerhalb der Immissionseinwirkungen der beantragten GuD-Anlage liegt.

 

Bei der Betrachtung der Gesamtanlage liegt der nordwestliche Teil des Stadtgebietes im Immissionsbereich der Anlage. Die durch die Gesamtanlage hervorgerufene Zu-satzbelastung liegt sowohl für SO2 als auchfür NO2 zwischen 0,1 und 0,2 µg/m³.

 

Zur Orientierung: Die Irrelevanzschwelle für die Bewertung der Zusatzbelastung nach TA Luft beträgt für SO2 = 1,5 µg/m³ und für NO2 = 1,2 µg/m³. Im gewissen Umfang tritt durch das Vorhaben eine Reduzierung der Immissionen ein, da das Kraftwerk im derzeitigen Betrieb höhere Schadstoffemissionen aufweist.

 

Andere Auswirkungen wie Lärm, Gerüche, Verkehr oder vorhabenbedingte Stickstoff- und Säuredeposition sind durch das beantragte Vorhaben für das Herner Stadtgebiet nicht gegeben.

 

 

 

Stellungnahme der Verwaltung

Das beantragte Vorhaben ruft, bezogen auf das Stadtgebiet von Herne, keine neuen Belastungen hervor. Die Emissionsreduzierung der Blöcke B und C wird zu einer, wenn auch geringen, Minderung der NO2 und SO2 Immissionsbelastung in Herne führen. Die Verwaltung hat gegen das beantragte keine Bedenken erhoben.

 

 

Der Oberbürgermeister

In Vertretung

 

 

 

 

Friedrichs

(Stadtrat)


 

     

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Anlagen:
 

Keine