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Vorlage - 2020/0381  

Betreff: Maßnahmenbeschluss der Neubauplanung und Projektsteuerung im Rahmen der Realisierung der Hauptfeuer- und Rettungswache 1
Status:öffentlichVorlage-Art:öffentliche Beschlussvorlage
Verfasser:Herr Löffelbein
Federführend:FB 26 - Gebäudemanagement Bearbeiter/-in: Tuttas, Claudia
Beratungsfolge:
Rat der Stadt
23.06.2020 
des Rates der Stadt ungeändert beschlossen   

Finanzielle Auswirkungen
Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

 

Finanzielle Auswirkungen in Euro

 

           Teilergebnisplan (konsumtiv)

Produkt

Kontengruppe

Ertrag/Aufwand (-)

 

Teilfinanzplan (investiv)

Maßnahme

Kontengruppe

Einzahlung/Auszahlung (-)

Nr.: 7.120509 (70%)

Nr.: 7.120609 (30%)

Bez.: Projekt HFRW1

Nr.: 8

Bez.: Auszahlungen für Bau-

maßnahmen

Bis zu

- 14.800.000,- € Planung

-   1.500.000,- € Abbruch,

davon:

2020: 0,3 Mio. €

2021: 4,8 Mio. €

Rest in den Folgejahren

                             

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag:
 

Der Rat der Stadt beschließt auf Grundlage des Ratsbeschlusses Nr. 2017/0105 vom 28.02.2017 zum „Brandschutzbedarfsplan der Stadt Herne 2017“ die Ausarbeitung der Neubauplanung für den Gebäudekomplex der Hauptfeuer- und Rettungswache 1 inklusive des Feuerwehrhauses Nord der Freiwilligen Feuerwehr im Stadtteil Sodingen.

 

Die Verwaltung wird beauftragt, hierzu im ersten Schritt die Ausschreibung von vorlaufenden Projektsteuerungsleistungen und im zweiten Schritt die Ausschreibung und Beauftragung der Planung in Form einer Generalplanung durchzuführen. Beide Leistungen sollen mit einer stufenweisen Teilbeauftragung erfolgen. Die stufenweise Beauftragung ermöglicht, dass vor dem Durchführungsbeschluss des Projekts eine konkretisierte Planung zur weiteren Entscheidung vorgelegt wird.

 

Weiterhin wird die Verwaltung  beauftragt, erforderliche Gutachter- und Fachplanerleistungen sowie die Untersuchung der aufstehenden Bauwerke und des Grundstücks und vorbereitende Arbeiten wie den Abbruch der aufstehenden Gebäude durchzuführen.

 

 

 

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Sachverhalt:
 

I. Einleitung

 

I.a Erfordernisse

 

Gemäß § 3 Absatz 3 BHKG NRW -Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz- haben die Gemeinden unter Beteiligung ihrer Feuerwehr Brandschutzbedarfspläne und Pläne für den Einsatz der öffentlichen Feuerwehr aufzustellen, diese umzusetzen und spätestens alle fünf Jahre fortzuschreiben.

 

Der  aktuelle Brandschutzbedarfsplan (BSBP) der Stadt Herne wurde unter Hinzuziehung des externen Gutachters FORPLAN Dr. Schmiedel GmbH (Bonn) ausgearbeitet und aufgestellt und am 28.02.2017 vom Rat der Stadt beschlossen. Die in diesem Brandschutzbedarfsplan analysierte IST-Situation des aktuellen Stands des Brandschutzes in Herne bildet die Basis, um erforderliche Änderungen und Ergänzungen zu definieren.

Zur Wahrnehmung der Aufgaben im Brandschutz, bei Hilfeleistungen sowie im Rettungs-dienst befinden sich im Stadtgebiet zwei Feuer- und Rettungswachen der Berufsfeuerwehr Herne.

 

Feuer- und Rettungswache 1

Standort: Sodinger Straße 9, 44623 Herne

Einsatzbereich: Herne-Mitte, Sodingen, Horsthausen, Baukau

Größe des Bereiches: ca. 30,59 km² (60 % des Stadtgebietes) mit ca. 97.000 Einwohnern

 

Feuer- und Rettungswache 2

Standort: Stöckstraße 32-34, 44649 Herne

Einsatzbereich: Unser-Fritz-Crange, Wanne, Röhlinghausen, Eickel

Größe des Bereiches: ca. 20,81 km² (40% des Stadtgebietes) mit ca. 64.000 Einwohnern

 

Auch künftig werden zum Erreichen der Schutzziele zwei Wachstandorte benötigt.

 

Durch gutachterliche Prüfung wurde in Bezug auf die derzeitig im Betrieb befindlichen Feuerwachen 1 und 2 festgestellt, dass diese überaltert und stark sanierungs- bzw. modernisierungsbedürftig sind. Die Wachen wurden Ende der 1960-er Jahre erbaut und entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik. Im Rahmen der gutachterlichen Untersuchung zum Brandschutzbedarfsplan wurde festgestellt, dass in der derzeitigen Feuer- und Rettungswache 1 die Rahmenbedingungen der DIN 14092 und UVV (GUV-I 8554) nur teilweise eingehalten werden. Des Weiteren ist das gesamte Gebäude unterdimensioniert und befindet sich aufgrund seines Alters in einem schlechten Zustand. Die derzeitige Feuer- und Rettungswache 1 ist nicht mehr auf den Bedarf einer Feuerwache mit hauptberuflichen Einsatzkräften ausgelegt. Zu beachten ist auch, dass sich in unmittelbarer Nachbarschaft ein Kindergarten, Wohnbebauung und ein Altersheim befinden. Es besteht dringender Handlungsbedarf, um den festgestellten Defiziten entgegenzuwirken, insbesondere den Gefahrenquellen für die Einsatzkräfte.

 

Entsprechend der gutachterlichen Untersuchung hat die Immobilie der Feuer- und Rettungswache 1 der Berufsfeuerwehr der Stadt Herne neben den vorhandenen baulichen Mängeln unter anderem keine Erweiterungsmöglichkeiten auf dem Grundstück. Eine Sanierung / ein Umbau des vorhandenen Bestandobjektes oder ein Abriss und Neubau auf dem bisherigen Grundstück kommt nicht infrage, da das derzeitige Grundstück mit ca. 7.100 m² für den gestiegenen Platzbedarf nicht ausreichend dimensioniert ist. Das Gutachten zum Brandschutzbedarfsplan kommt zu dem Schluss, dass nur durch die Auswahl eines neuen geeigneten Wachenstandortes und die Errichtung eines entsprechend modernen Gebäudes den vorhandenen Missständen abgeholfen werden kann.

 

 

 

Gemäß Beschluss des Rates der Stadt vom 28.02.2017 (Vorlage-Nr. 2017/0105) ist vor dem Hintergrund der im Brandschutzbedarfsplan der Stadt Herne getroffenen Feststellungen die Verwaltung beauftragt worden, unverzüglich ein geeignetes Grundstück für den zu realisierenden Neubau der Hauptfeuer- und Rettungswache zu erwerben bzw. anderweitig zu sichern.

 

 

I.b Anforderungen Grundstück und Gebäude

 

Das Raum- und Flächenprogramm wurde bereits im Jahr 2018 erstellt.

 

Die diesem zugrunde liegenden Kerngedanken waren hier zum einen die Zusammenführung aller Abteilungen des Fachbereichs Feuerwehr in einer Hauptfeuerwache zur Vereinfachung der abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit. Zum anderen sollen alle Lager- und Logistikbereiche und die meisten Werkstätten auf einer Feuerwache zusammengeführt werden.

 

Im Neubau der Hauptfeuer- und Rettungswache 1 (HFRW 1) sollen daher insbesondere folgende Bereiche eingerichtet werden:

 

  • Branddirektion mit allen Fachabteilungen
  • Leitstelle und Lagezentrum mit Führungsstab Feuerwehr und Stabsräumen des Krisenstabes der Stadt
  • Feuerwache 1
  • Rettungswache 1
  • Feuerwehr- und Rettungsdienstschule
  • Kfz- und Geräteinstandhaltung
  • Atemschutzwerkstatt mit Atemschutzübungsanlage
  • Kleiderkammer / Wäscherei
  • Schlauchpflegewerkstatt mit Feuerwehrturm als Übungs- und Schlauchtrockenturm
  • Sonstige Werkstätten
  • Tankstelle kombiniert mit Notstromversorgung bzw. Netzersatzversorgung
  • Zentrale Logistikhalle kombiniert für Abrollbehälter mit dem Einsatzmittel- und Nachschublager
  • Rettungsdienstlogistik (Lagerbereich; Desinfektion; Medizinproduktewerkstatt)
  • Mehrzweckhalle / Notunterkunft gem. Katastrophenschutzprogramm NRW
  • Sportfläche Einsatzdienst
  • Übungshof

sowie das

 

  • Feuerwehrhaus Herne Nord der Freiwilligen Feuerwehr Herne mit
  • dem Löschzug Baukau,
  • der Sondereinheit Führungsunterstützung,
  • der Sondereinheit ABC-Abwehr,
  • der Sondereinheit Wasserrettung.

 

Insgesamt umfasst das Raum- und Flächenprogramm ein Volumen von 21.212 m² Bruttogeschossfläche. Davon sind aufgrund der Funktionalitäten 10.792 m² erdgeschossig anzuordnen.

 

 

 

 

 

I.c Bisherige Projekthistorie

 

Am 12.12.2018 fand eine fachbereichsübergreifende Auftaktveranstaltung (Kick-Off) zum Projekt „Realisierung der Hauptfeuer- und Rettungswache 1“ statt. In der Zwischenzeit erfolgte bis dato die Grundstückssicherung, Planungen zur Schaffung des Baurechts, begleitende Untersuchungen und Gutachten, Machbarkeitsstudie zur Gebäudekonstellation, Betrachtung zugehöriger Belange (u.a. Altlastenthematik, Verkehrsplanung inkl. Signalisierung, Umweltbelange und Artenschutz etc.) sowie eine darauf basierende Kostenermittlung.

 

Alle bisherigen Planungen bezogen sich auf das Grundstück an der Hunbergstraße. Aufgrund der Restriktionen des Geländes (Flächenzuschnitt, Erschließungsnotwendigkeiten, Bedarf an einer Drittfläche etc.) und der kurzfristig verfügbaren Flächenopportunität an der Werkshallenstr. 4 gegenüber dem Hunberg-Areal hat die Verwaltung dem Rat mit Vorlage Nr. 2020/0295 vom 19.05.2020 empfohlen, das Grundstück Werkshallenstr. 4 zu sichern und die Planungen für die neue Hauptfeuer- und Rettungswache 1 darauf auszurichten. Am 18.06.2020 wurde der notarielle Kaufvertrag über dieses Grundstück  abgeschlossen.

Es ist davon auszugehen, dass sich aufgrund des Grundstückszuschnitts und der grundsätzlich vorhandenen Erschließungssituation zur Castroper Straße, Hölkeskampring, Am Trimbuschhof und Werkshallenstraße sowie der Bebauungsplan-Situation die Realisierung der Wache gegenüber einer Realisierung auf dem Hunberg-Areal schneller und kostengünstiger realisieren lässt.

 

I.d Zeitplanung

 

Die Realisierung der HFRW 1 erfolgt nach eingehender Prüfung durch eine Generalplanung. Die Umsetzung soll durch einen Generalunternehmer erfolgen. Für dieses Verfahren kann beispielhaft der nachfolgend dargestellte grobe Zeitplan angenommen werden.

 

Exemplarischer Projektablauf

 

Ausschreibung, Vergabe Projektsteuerungsleistungen

3 bis 6 Monate

Ausschreibung, Vergabe Planungsleistungen

3 bis 6 Monate

Konzept, Entwurfsplanung

6 bis 9 Monate

Genehmigungsplanung, Genehmigung

3 bis 6 Monate

Ausführungsplanung und Vergabe

6 bis 9 Monate

Bauausführung

22 bis 28 Monate

Summe

43 bis 64 Monate

 

Die hier genannte Zeitabfolge der erforderlichen Projektschritte ist noch ohne Berücksichtigung möglicher Gremien-Fristen. Zeitpuffer für Unvorhergesehenes sind nicht enthalten bzw.  eingeplant. Die HFRW 1 wäre somit ohne störende, unvorhergesehene Ereignisse wahrscheinlich ab 2025 einsatzbereit.

 

 

II. Sachverhalt

 

Angesichts der Komplexität und der erforderlichen Fachexpertise infolge des hohen technischen Ausstattungsgrades kann der Bau der Hauptfeuer- und Rettungswache nicht mit eigenem Personal geplant und gesteuert werden. Hierfür ist die Beauftragung von Planungsbüros als Generalplaner und eines Projektsteuerers erforderlich.

 

Aufgrund der Projektgröße und der besonderen Anforderungen ist neben der Generalplanung ein Projektsteuerungsbüro für Koordinations-, Berichts- und Kontrollzwecke zu beauftragen. Es soll die Möglichkeit vorgesehen werden, das Projekt zu mehreren Zeitpunkten kritisch zu hinterfragen, die Planung zu korrigieren und falls erforderlich (in Teilbereichen oder gänzlich) stoppend einzugreifen. Zwingende Voraussetzung ist der Erfahrungshorizont in der regelmäßigen Steuerung derartiger Projekte in Bezug auf Volumen, Komplexität und technischen Ausstattungsgrad.

Beide Leistungen sind öffentlich auszuschreiben.

Dies wird jeweils mit einer stufenweisen Beauftragung erfolgen, so dass nach Abschluss von 2 Leistungsstufen die Beauftragung grundsätzlich beendet werden kann.

 

 

III. Finanzielle Aussagen

 

Alle bisherigen Kostenschätzungen orientieren sich an den Planungen auf dem Hunberg-Areal.

 

Eine belastbare Aussage zu dem erforderlichen Kostenrahmen der Baumaßnahme kann erst nach Abschluss der Entwurfsplanung - voraussichtlich im 2. Halbjahr 2021 -  gemacht werden. Bis dato sind alle Angaben grobe Rahmenwerte, die sich erst mit der fortschreitenden Planung weiter konkretisieren lassen. Daher beabsichtigt die Verwaltung, dem Rat die noch zu entwickelnde Planung und den daraus resultierenden Kostenrahmen in Form eines Maßnahmenbeschlusses im 2. Halbjahr 2021 zur Entscheidung vorzulegen.

 

Nach derzeitigem Stand der Kostenschätzung (basierend auf den Planungen Hunberg-Areal) ist davon auszugehen, dass die Realisierung der HFRW 1 mit Freiwilliger Feuerwehr ein Investitionsvolumen von rd. 90 Mio. Euro aufweisen wird. Jedoch liegen noch keine Planungsergebnisse vor, um belastbare Zahlen vorstellen zu können. Derzeit ist davon auszugehen, dass die Kosten auf der Werkshallenstraße (deutlich) unter diesem Kostenvolumen liegen.

 

In dem Investitionsvolumen sind aus heutiger Sicht erwartbare Baukostenindexsteigerungen ebenso berücksichtigt wie ein Zuschlag für ein Risikobudget, das jedoch nur der Absicherung dienen und nicht eingeplant werden soll. 

 

Ausgehend von diesem Projektvolumen lassen sich aus Erfahrungswerten vergleichbarer Bauprojekte Projektsteuerungs- und Planungsleistungen in Höhe von bis zu 14,8 Mio. Euro ableiten, die mit dieser Vorlage  zur Beschlussfassung  vorgelegt werden.

 

Für die Beräumung des Grundstücks werden anhand der Datengrundlage des Gebäudekatasters Rückbaukosten i. H. v. 1,5 Mio. Euro geschätzt.

 

Anhand des Projektzeitplans ist aus heutiger Sicht davon auszugehen, dass das mit dieser Vorlage zu genehmigende Projektvolumen wie folgt zur Auszahlung kommt:

 

2020: 0,3 Mio. €

2021: 4,8 Mio. €

Rest in den Folgejahren

 

In der aktuellen Haushaltsplanung sind bisher Baukosten i.H.v. 53 Mio. Euro berücksichtigt.

Haushaltsansätze für die Abbruchkosten sind im Haushaltsplan 2020 in den Produkten 1205 und 1206 etatisiert. Planungs- und Steuerungskosten insbesondere der Jahre 2020 und 2021 sind durch Ermächtigungsübertragungen aus Vorjahren sowie über Verpflichtungsermächtigungen gedeckt.

Die Gesamtfinanzierung der Maßnahme ist noch offen.

 

Da sich das Projekt nicht im Investitionsrahmen der üblichen Haushaltsplanung darstellen lässt, ist das Projekt verbunden mit einer Sonderkreditermächtigung von der Kommunalaufsicht zu genehmigen.

 

Die Verwaltung wird bis zum nächsten Entscheidungspunkt (Realisierungsbeschluss voraussichtlich im 2. Halbjahr 2021) die politischen Gremien im regelmäßigen Turnus über den Projektfortschritt informieren.

 

 

Der Oberbürgermeister

 

in Vertretung                                                 in Vertretung                       in Vertretung 

 

 

 

 

Dr. Klee Dr. Burbulla    Friedrichs

Stadtdirektor Stadtrat   Stadtrat

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Anlagen:
 

Lageplan Werkshallenstr. 4 vom 08.05.2020

Auszug Deutsche Grundkarte Werkshallenstr. 4 vom 08.05.2020  

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Lageplan_Grundstück_Werkshallenstr_4 (2591 KB)