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Vorlage - 2021/0267  

Betreff: Anfrage: Lockdown-Folgen
Status:öffentlichVorlage-Art:Anfrage_Formular
Verfasser:AfD-Fraktion
Federführend:FB 42 - Kinder-Jugend-Familie Bearbeiter/-in: Backhaus, Tabea
Beratungsfolge:
Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie Anhörung
25.03.2021 
des Ausschusses für Kinder, Jugend und Familie zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:
 

Studien belegen die katastrophalen Folgen, die der Lockdown bei Kindern und Jugendlichen hervorgerufen hat. Experten sprechen von einer weiteren Verschlimmerung durch den zweiten Lockdown. Die Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung haben das Leben der Kinder und Jugendlichen drastisch verändert: Keine Schule, keine Struktur, Kontaktbeschränkungen, kaum Freizeitmöglichkeiten.

 

Jedes dritte Kind zeigt inzwischen psychische Auffälligkeiten. Besonders belastet seien die Sieben- bis Elfjährigen. Gemäß der aktuellen Copsy-Studie gaben 85 % der befragten Kinder und Jugendlichen an, dass sie die derzeitigen Umstände „äerst oder ziemlich belastend“ empfinden. Im ersten Lockdown lag dieser Wert „nur“ bei 70 %. Die Nachfrage bei den Psychiatern ist um 53 Prozent gestiegen.

 

Depressionen, Ängste, Schlafstörungen, Essstörungen, Selbstverletzungen, Waschzwänge, steigende Aggressionen, wachsende Lustlosigkeit und psychosomatisch bedingte Kopfschmerzen sind nur einige Folgen. Suizid ist bei Jugendlichen die zweithäufigste Todesursache. Inwieweit sich die Zahlen durch den Lockdown erhöht haben, ist noch nicht belegt. Es ist aber zu befürchten, ebenso wie die Zunahme des Drogenmissbrauchs. Insbesondere bei psychisch vorerkrankten Kindern hat sich die Situation oft dramatisch verschärft.

 

Hinzu kommt durch den erzwungenen Bewegungsmangel die Zunahme von Übergewichts-problemen. Verstärkte Spannungen im häuslichen Umfeld führen zu vermehrter häuslicher Gewalt und auch zu einem Anstieg sexueller Übergriffe.

 

Die Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen können nicht kompensiert werden. Ein Ausgleich ist nicht möglich, da gleichzeitig die Freizeitangebote entweder ganz weggefallen oder zumindest erheblich eingeschränkt worden sind (Sportvereine, Schwimmbäder, Kinos u.s.w.). Das Bewegungsbedürfnis kann nicht erfüllt werden, mit den z.T. oben skizzierten Folgen.

 

Weitere Folgen des Lockdowns betreffen die Integration. In Haushalten, in denen nicht oder nur kaum die deutsche Sprache gesprochen wird, fallen die Kinder im Lernstand zurück. Insgesamt sind Kinder aus ärmeren Familien stärker betroffen, weil weniger Ressourcen zur Verfügung stehen. Insbesondere was das digitale Lernen betrifft. Schüler, die schon vorher schlecht waren, droht nun der totale Absturz.

 

War die Spielsucht bei vielen Kindern schon vor dem Lockdown problematisch, so hat der Konsum im Bereich Fernsehen, Computer und anderen elektronischen Spielmöglichkeiten ebenfalls zugenommen.

 

Erschwerend kommt im Therapiebereich hinzu, dass einer verstärkten Nachfrage eine durch die Hygienekonzepte erzwungene Reduzierung der Therapieplätze in den Kinder- und Jugend-Psychiatrien entgegen steht. Die Wartelisten werden so immer länger.

 

Experten raten dazu, „die momentan besonders gefährdeten Kinder mit Risikofaktoren zu identifizieren“, wobei die Schule eine wichtige Rolle spielen würde.

 

Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), hat ebenso eindeutig Stellung bezogen wie Frau Dr. Schulenburg, die Obfrau der Kinderärzte in Herne und Wanne-Eickel. Letztere hatte erst kürzlich gefordert: „Die Politik muss richtig Geld in die Hand nehmen, um die Kinder aus der Misere zu holen.“

 

Mit den oben aufgeführten Aspekten sind nur einige Punkte skizziert, mit denen sich die Herner Politik in den nächsten Jahren auseinandersetzen muss. Insbesondere der Schulaus-schuss und der Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie sind hier gefordert. Es gilt nun, für die vielen neuen bzw. verstärkten Probleme Lösungen zu finden. Dazu gehören nicht nur kurzfristige Maßnahmen sondern es müssen langfristige Strategien entwickelt werden, um die Lockdown-Folgen wirksam und nachhaltig bekämpfen zu nnen.

 

Vor diesem Hintergrund bittet die AfD-Fraktion zunächst um einen aktuellen Sachstands-bericht, um die konkrete Lage in Herne einschätzen zu können. Dabei bitten wir u.a. auf folgende Fragen einzugehen:

 

Wie haben sich die psychischen Auffälligkeiten bei Kindern/Jugendlichen in Herne im Vergleich zu den letzten Jahren entwickelt? Wir bitten um Darstellung nach Altersklassen.

 

Wie viele Kinder- und Jugend-Psychiater praktizieren in Herne und wie hat sich die Nachfrage durch den Lockdown entwickelt?

 

 

Ist auch in Herne ein Anstieg von häuslicher Gewalt gegenüber Kindern/Jugendlichen festzustellen? Wenn ja in welchem Ausmaß? Wie viele Fälle von Kindswohlgefährdung und Inobhutnahme gab es in den letzten 12 Monaten? Wie ist hier die Tendenz im Vergleich zu den Vorjahren?

 

Wie viele Suizide und Suizidversuche von Kindern und Jugendlichen gab es in den vergangenen Jahren in Herne? Ist hier ein Anstieg während der Corona-Zeit festzustellen?

 

Die personelle Lage im Bereich Jugendhilfe war schon vor dem Lockdown angespannt. Wie hat sich die Situation in den letzten Monaten entwickelt (Entwicklung der Fallzahlen, Stellen, Personal etc.)? Ist es geplant, aufgrund steigender Fallzahlen weitere Stellen einzurichten? Wie viele Stellen sind aktuell nicht besetzt? (Bitte um Angabe nach Bereichen)

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

 

Arnd Schubeus

Stadtverordneter

        


Anlage:
 

Originalanfrage der AfD-Fraktion       

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Originalanfrage AfD-Fraktion (1995 KB)