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Vorlage - 2021/0318  

Betreff: Maßnahmenbeschluss zur konzeptionellen und strategischen Neuausrichtung der Lehrschwimmbecken
Status:öffentlichVorlage-Art:öffentliche Beschlussvorlage
Verfasser:1. Herr Hahn - 2300
2. Frau Andrée - 2482
Federführend:FB 22 - Immobilien und Wahlen Bearbeiter/-in: Grewe, Tanja
Beratungsfolge:
Sportausschuss
15.04.2021 
des Sportausschusses beschlossen   
Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Immobilien
22.04.2021 
des Ausschusses für Finanzen, Beteiligungen und Immobilien beschlossen   
Schulausschuss
12.05.2021 
des Schulausschusses beschlossen   

Finanzielle Auswirkungen
Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

 

Finanzielle Auswirkungen in Euro

 

Teilergebnisplan (konsumtiv)

Produkt

Kontengruppe

Ertrag/Aufwand (-)

Nr.:

Bez.:

Nr.:

Bez.:

keine

 

Teilfinanzplan (investiv)

Maßnahme

Kontengruppe

Einzahlung/Auszahlung (-)

Nr.:

Bez.:

Nr.:

Bez.:

keine

           


Beschlussvorschlag:
 

Der Schulausschuss beschließt

 

  1. die konzeptionelle und strategische Neuausrichtung der Lehrschwimmbecken auf Basis der bisherigen Untersuchungsergebnisse (Zentralisierungsstrategie)

 

  1. die Verwaltung zu beauftragen, in einem ersten Schritt die Planung und Realisierung des Teilprojektes „Lehrschwimmbecken-Anbau am Kombibad Südpool“ im Konzern Stadt Herne weiter zu verfolgen

 

Hinweis: Hierfür müssen in den Gremien der Stadtwerke Herne (SWH) und der Herner Bädergesellschaft (HBG) zu gegebener Zeit separate Beschlüsse eingeholt/gefasst werden. Der Abschluss einer vertraglichen Vereinbarung zwischen SWH, Stadt Herne und der HBG ist zu einem späteren Zeitpunkt gesondert den politischen Gremien vorzulegen.

         


Sachverhalt:
 

I. Einleitung

 

I.a Bestand

Die Stadt Herne verfügt an den sechs Schulstandorten Grundschule Michaelstraße, ehemalige Grundschule Görrestraße, Hauptschule Hans-Tilkowski, Grundschule Kolibri-Schule, Grundschule Börsinghauser Straße und Grundschule Pantringshof über jeweils ein Schulschwimmbecken. Die erforderliche Mindestgröße an Wasserfläche für eine Übungseinheit beträgt gemäß KOK*-Richtlinie 100 m². Diese Mindestgröße wird nur an drei der sechs Schulstandorte erfüllt.

 

* Richtlinie des Koordinierungskreis Bäder

 

Der Lebenszyklus ist bei allen Schul-Bädern bereits überschritten. Die bauliche Substanz weist teilweise starke Schäden durch Überalterung auf. Das Lehrschwimmbecken an der Kolibri-Schule wurde vor über einem Jahr aufgrund baulicher Mängel geschlossen. Weitere Ausfälle im Bestand sind nicht auszuschließen.

 

Nichtsdestotrotz werden an den betriebenen Lehrschwimmbecken die aktuellen biologischen/chemischen Anforderungen eingehalten und die Betreiberverantwortung sichergestellt.

 

Basierend auf der durch mehrere Untersuchungen erfolgten Bestandsaufnahme ergibt sich die nachfolgend in der Tabelle aufgeführte Risikoeinstufung des Ausfallrisikos der Lehrschwimmbecken:

 

 

(Quelle: Analyse Stadt Herne i.S. LSB: Rangfolgeeinstufung Ausfallrisiko     auffällig             ungünstig          kritisch)

 

Perspektivisch sind die Standorte ehemalige Grundschule Görrestraße und Hans-Tilkowski-Hauptschule im Vergleich am ehesten von einem Ausfall betroffen. Aus heutiger Erkenntnis ist das Schul-Becken der Grundschule Michaelschule wahrscheinlich am längsten nutzbar.

 

I.b Erfordernisse

Gemäß gutachterlicher Untersuchung aus dem Jahr 2019 (Prova Gutachten) wird für Herne die erforderliche Wasserfläche durch 6 Lehrschwimmbecken gemäß den Maßen der KOK-Richtlinie sichergestellt. Diese Wasserfläche ist sowohl für den Vereinssport als auch die Schülerschaft ausreichend und bleibt es auch im Falle steigender Schülerzahlen (prognostizierter Anstieg bis 2024/25). Diese Erkenntnis deckt sich mit den notwendigen Auslastungen und Kapazitäten (Belegungspläne) der Schul- und Sportverwaltung.

 

Aufgrund der Schließung der Sport- und Schwimmhalle Hölkeskampring (Kolibri-Schule) ergab sich eine kurzfristige Änderung in der Lehrschwimmbecken-Landschaft. Die Beschlussfassung 2020/0828 ergab den Neubau einer Multifunktionshalle ohne Schwimmbecken. Entsprechend muss eine Lösung zum Thema (fehlendes) Lehrschwimmbecken kurzfristig anderweitig aufgezeigt werden.

 

Die Kostenkennwerte der Untersuchungsergebnisse Prova-Gutachten bedingen Überlegungen für einen generellen Lösungsansatz über alle Lehrschwimmbecken. Die Kostenspirale durch Solitärsanierungen an einzelnen Schulstandorten ist nicht absehbar und bedarf somit der strategischen Neuausrichtung. Vor dem Hintergrund der Haushaltlage der Stadt Herne sind bei der zukünftigen Neuausrichtung eine Zentralisierung und die Hebung von Synergieeffekten vordergründig.

 

Zu untersuchen ist, ob die 6 erforderlichen Lehrschwimmbecken in die Bäderlandschaft der Stadt Herne integriert werden können. Zu beachten ist hierbei die Kombination von Schul- und Kursangeboten, so dass die Becken teilweise mit einem Hubboden auszustatten sind. Synergien können erzeugt werden, in dem durch eine mögliche Anflanschung an vorhandene kommerzielle Bäder die Effizienz der vorhandenen Anlagen verbessert werden kann. Dies ergibt eine Kostensenkung durch optimierte Aufteilung der Technikflächen, Nutzung bereits vorhandener Infrastruktur (Umkleiden, Duschen, WC, usw.) und verbesserten Personaleinsatz sowie betrieblicher Abläufe. Des Weiteren wird eine Einsparung von Herstellkosten und zukünftigen Betriebskosten durch Bündelung erreicht. Außerdem ist in Kombination mit einem kommerziellen Bad, die Ausweitung des Betriebes auf 7 Tage pro Woche möglich.

 

II. Sachverhalt

 

In enger Abstimmung mit der Herner Bädergesellschaft wurde eine Machbarkeitsstudie zur Prüfung der strategischen Neuausrichtung (Stichwort Zentralisierung, Synergieeffekte) beauftragt und durch das Büro Krieger Architekten / Ingenieure GmbH (Velbert) erstellt. Die Ergebnisse liegen zwischenzeitlich vor und werden nachfolgend dargestellt.

 

II.a. Machbarkeitsstudie: Aufgabenstellung für die Untersuchungsstandorte

Die Untersuchung zur möglichen Integration der sechs Lehrschwimmbecken an Großstandorten der Herner Bäderlandschaft hatte das Ziel, die umliche und technische Bestandssituation inklusive Teilaufnahme und Abgleich vorhandener Infrastruktur mit den Vorgaben der einschlägigen Richtlinien sowie die planerische und bauliche Möglichkeiten des Anbaus an das Bestandsgebäude (Konzeptplanung Architektur und Technische Gebäudeausrüstung inkl. grober Kosten- und Terminrahmen) zu prüfen. Untersucht wurden die Standorte:

-          Kombibad Südpool

-          Sport- und Freizeitbad Wananas

-          Freizeitbad- und Wellnessanlage LAGO

-          Lehrschwimmbecken Hans-Tilkowski-Hauptschule

 

II.b. Übergreifende Ergebnisse der Machbarkeitsstudie

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie Krieger Architekten zeigen, dass ein „Anflanschen“ eines neuen Baukörpers an die bestehende Schwimmbadstruktur in Herne technisch-konstruktiv machbar und betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Durch einen Anbau können Kosten in der Herstellung und im Betrieb verringert, Personal effizient eingesetzt und Betriebsenergie eingespart (Einhaltung der EneV) und Öffnungszeiten ausgeweitet werden.

 

Separate Schwimmbäder als auch vom Bestand getrennter Baukörper haben weniger Potential, um Synergien zu schaffen und zu nutzen, der Zentralitätsgedanke versus Solitärstandort zeigt eine Kosteneinsparung speziell im Bereich der Betriebskosten.

 

Eine Umsetzung in Bezug auf die räumliche Anordnung, das Baurecht und die zu verwirklichende Technik ist am Standort dpool am ehesten möglich. Am Standort Wananas ist die Erweiterung des Bestands durch Anbau mit zwei Lehrschwimmbecken ebenfalls durchführbar. Am Standort LAGO ist die Integration von Lehrschwimmbecken nur durch aufwändige Umbau- und Neubaumaßnahmen inkl. Teilabriss des Bestands möglich. Die Komplexität dieses Standortes bedingt jedoch eine nachgelagerte Betrachtung.

 

Am Standort Hans-Tilkowski-Hauptschule wurde die Durchführbarkeit einer sogenannten stand-alone-Lösung geprüft. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass dies am genannten Schulstandort als grundsätzlich auch an einem anderen Standort denkbar ist.

 

Grundsätzlich sind zwei Lehrschwimmbecken im Verbund an einem Standort zielführender. Dieser Verbund sollte möglichst an zentralen Standorten im Stadtgebiet gelegen sein, bestenfalls an bereits vorhandene kommerzielle Bäder anzudocken. Durch diese Bündelung ergeben sich Einsparungen von Herstellungskosten und zukünftigen Betriebskosten. Die Schul-Lehrschwimmbecken sind bis zum jeweiligen Ausfall oder Vorhandensein eines Ersatzstandortes weiter zu betreiben, jedoch erbringt die weiter vorhandene Dezentralität der aufwändig zu betreibenden Einzelstandorte keine Einsparpotenziale.

 

 

III. Konzeptionelle Grundgedanken

III.a. Finanzierung

Gemäß den in der Krieger-Machbarkeitsstudie aufgestellten architektonischen Konzepten bedarf es zum heutigen Stand einer Investition pro Standort von rd. 7,0 Mio. EUR in einem Gebäude á 1.000 m² (2 LSB). In dem Investitionsvolumen ist aus heutiger Sicht erwartbare Indexsteigerungen und ein jeweiliger Sicherheitszuschlag von 10% bis zum Jahr 2022 berücksichtigt.

 

Die Haushaltssituation der Stadt ist angespannt, Investitionen sind nur in engen Grenzen möglich. Die notwendigen Reinvestitionsbedarfe im Immobilienbereich stehen daher auch in Konkurrenz zueinander.

 

Insofern hat die Stadt nicht die kapazitiven und finanziellen Rahmenbedingungen, mit eigenen Haushaltsmitteln kurz- bis mittelfristig alle 6 Lehrschwimmbecken zu realisieren (Gesamtvolumen 21,0 Mio. EUR). Die Gesamtfinanzierung der Maßnahme ist daher noch offen. Es sind mögliche Förderkulissen z.B. Stadtumbaugebiet (Wanne Süd) einzubeziehen.

 

Eine belastbare Aussage zu dem erforderlichen Kostenrahmen der Baumaßnahmen kann jeweils erst nach Abschluss der Entwurfsplanungen der jeweiligen LSB-Anbauten/Solitär-Neubauten gemacht werden. Bis dato sind alle Angaben grobe Rahmenwerte, die sich erst mit der fortschreitenden Planung weiter konkretisieren lassen. Daher beabsichtigt die Verwaltung, den Gremien die noch zu entwickelnden Planungen und die daraus resultierenden Kostenrahmen in Form von Maßnahmenbeschlüssen im Rahmen der Konzeptplanungen zur Entscheidung vorzulegen.

 

III.b. Zeitrahmen

Gemäß Machbarkeitsstudie ergibt sich mit einem Projektvorlauf von ca. 6 Monaten und einer Zeit von Planungsbeginn bis Baufertigstellung (ca. 30 Monate) pro Anbau/Solitär-Neubau ein geschätzter Zeitrahmen von ca. 36 Monaten. Dies ist abhängig von den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort.

 

Es wird ein Rahmenausbauplan über einen Zeitraum von mindestens 10 Jahren vorgeschlagen, der auf das technisch bedingte Ausfallrisiko der Standorte und die finanziellen Möglichkeiten in Kombination mit Fördermitteln abzustimmen ist. Es wird vorgeschlagen, mit dem Anbau am Kombibad Südpool zu beginnen.

 

Geschätztes Ausfallrisiko

 

 

glicher Ausbauplanverlauf

 

 

IV. Überlegungen zu stillgelegten Schul-Lehrschwimmbecken

Derzeit befindet sich der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen in der politischen Diskussion (Bund / Ländervereinbarung). Bis 2025 wäre gemäß des v.g. Rechtsanspruches die Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter einzuführen. Dies bedingt Ausbaubedarfe an einigen Grundschulen in Herne. Im Rahmen der „Außerbetriebnahme“ von Lehrschwimmbecken ergeben sich hierdurch potentielle Flächennachnutzungsperspektiven für die Ganztagsbetreuung.

 

 

V. Weitere Vorgehensweise

Die Verwaltung schlägt vor, mit dem Anbau am Südpool - auch als Kompensation für den ausgefallenen Standort Kolibri-Schule/Sport- und Schwimmhalle Hölkeskampring - zu beginnen. Hierfür sind weitere Gespräche in Bezug auf finanzrechtliche, steuerliche und vertragliche Themen mit den relevanten Akteuren erforderlich.

 

Der Anbau am Standort Südpool als erstes Investment wird auf ca. 7 Mio. EUR geschätzt. Das Investment von ca. 14 Mio. EUR für die weiteren zwei Standorte ist in Abhängigkeit von kapazitiven und finanziellen Möglichkeiten in Verbindung mit Fördermitteln sowie einer möglichen Erfordernis einer räumlicher Zuordnung zu planen (Stadtumbaugebiet).

 

Der Oberbürgermeister

in Vertretung                                                                        

 

 

 

Dr. Klee 

Stadtdirektor    

 

 

 

Anlagen

Konzeptplanungen der Untersuchungsstandorte

            


           

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich 4.3.1.1 - SPL EG - 2020-06-12 (2477 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich 4.3.3.1 - WAN EG - 2020-06-12 (5135 KB)      
Anlage 3 3 öffentlich 4.3.4.1 - HTS EG - 2020-06-08 (232 KB)      
Anlage 4 4 öffentlich 20210303_Beschlussvorlage LSB_Anlage (8882 KB)