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Vorlage - 2003/0837  

Betreff: Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutz-
gesetz -BImSchG-;
Antrag der Firma BRZ Bodenreinigungszentrum Herne GmbH & Co. KG, Südstr. 41, 44625 Herne, auf Genehmigung zur Änderung der Betriebsweise und der Beschaffenheit der thermischen Bodenreinigungsanlage gemäß § 16 BImSchG
Status:öffentlichVorlage-Art:Berichtsvorlage
Verfasser:Herr Krüwel
Federführend:FB 54 - Umwelt Bearbeiter/-in: Säger, Susanne
Beratungsfolge:
Ausschuss für Umweltschutz Vorberatung
26.11.2003 
des Ausschusses für Umweltschutz zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:

Sachverhalt:

 

Die Firma BRZ Bodenreinigungszentrum Herne hat bei der Bezirksregierung Arnsberg eine Genehmigung zur Änderung der Thermischen Bodenreinigungsanlage beantragt. Beantragt wird die Genehmigung zur Regenerierung von mit organischen Schadstoffen beladene Aktivkohle.

 

Die Antragstellerin führt als Grund für die Notwendigkeit der Maßnahme an, dass mit der Regenerierung von mit organischen Schadstoffen beladene Aktivkohle, die Grundauslastung der Thermischen Bodenreinigungsanlage weiterhin sichergestellt werden soll. Die mit Schadstoffen beladene Aktivkohle wird durch die thermische Behandlung regeneriert und anschließend dem Wertstoffkreislauf erneut zugeführt. Geplant ist, dass ca. 10.000 t Aktivkohle im Jahr behandelt werden.

 

Der Abfallartenkatalog der für die Anlage zugelassenen Abfälle soll um folgende Abfallschlüsselnummern erweitert werden:

 

06 13 02          gebrauchte Aktivkohle (außer 06 07 02)

 

19 01 10          gebrauchte Aktivkohle aus der Abgasbehandlung

 

19 09 04          gebrauchte Aktivkohle

 

15 02 02          Aufsaug- und Filtermaterialien, Wischtücher und Schutzkleidung, die mit gefährlichen Stoffen verunreinigt sind.

Mit dieser Abfallschlüsselnummer soll Aktivkohle aus der Abwasserbehandlung angenommen werden.

 

 

 

Herkunft der Aktivkohlen

 

Das Einsatzgebiet von Aktivkohle ist vielseitig. Aktivkohle wird in des Gasreinigung zur Abscheidung von Abgasinhaltsstoffen genutzt (z.B. Müllverbrennungsanlagen, Bodenluftabsaugung bei der Altlastensanierung). Bei der Gasreinigung kann sich die Beladung der Aktivkohle mit Schadstoffen auf ca. 15 % belaufen. Ein weiteres wesentliches Einsatzgebiet ist die Wasserreinigung. In diesem Bereich liegt die Beladung der Aktivkohle mit organischen Schadstoffen bei 5 %.

 

Während Aktivkohlen aus der Wasserreinigung mit leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffen und ggf. mit chlorierten Kohlenwasserstoffen beladen sind, ist die Aktivkohle aus der Gasreinigung hauptsächlich mit Dioxinen und Quecksilber beladen.

 

 

 

Regenerierungsprozess

 

Aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt in der Regel eine Regenerierung der beladenen Aktivkohlen. Derzeit wird die Regenerierung durch Behandlung mit Wasserdampf und Luft bei 600 bis 800° C vorgenommen.

 

Bei Betriebsversuchen wurde ermittelt, das die Anlagentechnik des BRZ geeignet ist, die beladene Aktivkohle zu regenerieren. Die adsorptiv gebundenen Schadstoffe werden durch Temperatureinwirkung desorbiert. Im Versuch wurde die Aktivkohle bei 500° C und einer Verweilzeit von 20 min regeneriert, laut Betreiberangaben konnten die anhaftenden Schadstoffe nahezu vollständig entfernt werden. Bauliche Änderungen an der Anlage sind für das Vorhaben nicht erforderlich.

 

Die Anlieferung der Aktivkohle erfolgt bei Aktivkohle aus der Wasserreinigung entweder in Big Bags oder in loser Schüttung (Wassergehalt 30 – 40%), bei Aktivkohle aus der Gasreinigung in geschlossenen Silofahrzeugen (Wassergehalt 5 – 6%). Die Lagerung der Aktivkohlen erfolgt in den Eingangsboxen. Die trockene Aktivkohle aus der Gasreinigung wird solange befeuchtet, bis ein nachgewiesener Wassergehalt von min. 10 % eingestellt ist. Der Wassergehalt von min. 10 % ist notwendig, um in der Ausdampfstufe 1 eine sichere Inertisierung (Ausschluss von Sauerstoff) zu gewährleisten.

 

Eine vorgeschaltete mechanische Aufbereitung des Materials ist nicht notwendig, da das Material schon in homogener Form angeliefert wird.

 

Die Regenerierung der Aktivkohle soll in Kampagnenfahrweise durchgeführt werden, d. h. es werden ca. 1.500 t Aktivkohle in einer Kampagne aufbereitet. Der Durchsatz der Anlage beträgt dabei 6,5 t/h.

 

Vor der Aufgabe der Aktivkohle in die thermische Anlage wird die Anlage leergefahren und zum Reinigen der Drehrohre und Förderaggregate ca. 20 t Kies durch die Anlage gefahren. Der Kies wird danach dem noch zu reinigenden Boden im Eingangslager zugegeben und erneut durch die Anlage gefahren und zusammen mit dem gereinigten Boden verwertet.

 

 

Schema Verfahrensablauf

 

 

Textfeld: Brüden über Gewebefilter in die Nachbrennkammer
Abgeschiedener Staub in die Aus-dampfstufe 2

Vortrocknung

:           Aktivkohle (min. 10% Feuchte)

 



Pyrolyse:                    Aktivkohle (Restfeuchte 2 – 5 %)


 


regenerierte Aktivkohle (Feuchte ca. 30 %)

 

 

Die regenerierte Aktivkohle wird wieder dem Wertkreislauf zugeführt. In den Antragsunterlagen wird als mögliches Einsatzgebiet die Reinigung von Grundwasser bei der Altlastensanierung oder die Verwendung in metallurgischen Prozessen angegeben.

 

 

Umweltauswirkungen

 

Luftverunreinigungen:

 

Der bisher genehmigte Jahresdurchsatz von 48.000 t/a bleibt unverändert. Die beantragten 10.000 t Aktivkohle werden an Stelle von verunreinigten Böden behandelt.

 

Durch die Behandlung der Aktivkohle werden keine anderen als die bisherigen Schadstoffe in die Anlage eingetragen, die Bodenreinigungsanlage ist für leichtflüchtige Kohlenwasserstoffe, Chlorkohlenwasserstoffe, Quecksilber und Dioxine zugelassen. Für die thermische Anlage ist ein Eingangsgrenzwert von max. 10 % Gesamtschadstoffgehalt festgelegt, für die jeweiligen Einzelschadstoffe gelten jeweils deutlich geringere Eingangsgrenzwerte. Die Einhaltung der Eingangsgrenzwerte muss durch die vorgeschriebenen Deklarationsanalysen nachgewiesen werden.

 

Gegenüber der Behandlung schadstoffbelasteter Böden werden sich bei der Behandlung der Aktivkohle aus folgenden Gründen geringere Emissionen ergeben:

 

-           die Aktivkohle muss nicht mechanisch aufbereitet werden,

 

-           auf Grund der Struktur lässt sich Aktivkohle erheblich besser mit Wasser benetzen, so dass sie erheblich weniger staubt als feinkörniger Boden,

 

-           von der Aktivkohle geht keine Geruchsentwicklung aus.

 

 

 

Lärm:

 

Die beantragte Änderung hat keine Auswirkungen auf die Geräuschsituation des Betriebes.

 

 

 

Gerüche:

 

Von der angelieferten Aktivkohle gehen keine Geruchsentwicklungen aus.

 

 

 
Wasser/Abwasser

 

Die beantragte Änderung hat keine Auswirkungen auf die Wasser- bzw. Abwassersituation des Betriebes.

 
 
Sicherheitsbetrachtungen

 

Der Umgang mit Aktivkohle erfordert besondere Sicherheitsvorkehrungen, da die Möglichkeit der Bildung explosionsfähiger Staubgemische sowie die Gefahr der Selbstentzündung besteht. Die Sicherheitsanforderungen an den Betrieb zur Regenerierung der Aktivkohle, sind gutachterlich untersucht worden. Die Antragsunterlagen enthalten hierzu folgende Gutachten:

 

Stellungnahme zum Brand- und Explosionsschutz der Aktivkohleregenerierung RWTÜV, Essen, Februar 2003

Bewertung des Brand und Explosionsschutzes bei Einsatz von Aktivkohle zur Regenerierung beim BRZ – Herne

Esser-Schmittmann, Beratende Ingenieure, Nörvenich, Dezember 2002

 

Um den sicheren Einsatz der Aktivkohle in der thermischen Anlage zu gewährleisten, halten die Gutachter die Durchführung bestimmter organisatorischer Maßnahmen im Betriebsauflaub für notwendig. Unter Maßgabe der Umsetzung der für erforderlich gehaltenen Maßnahmen, bestehen aus Sicht der Sachverständigen keine sicherheitstechnischen Bedenken gegen den Einsatz der Aktivkohle in der Bodenreinigungsanlage.

 

 

Stellungnahme der Verwaltung

 

Einwendungen gegen das beantragte Vorhaben, wurden von Seiten der Verwaltung nicht erhoben. Nebenbestimmungen zur beantragten Genehmigung ergaben sich aus der abfallrechtlichen Prüfung des Vorhabens.

 

Anlagen:

Anlagen: