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Vorlage - 2007/0558  

Betreff: Herner Kinder- und Jugendförderplan
Status:öffentlichVorlage-Art:öffentliche Beschlussvorlage
Verfasser:1. Frau Rusche, Tel. 3533
2. Frau Popp-Heimken, Tel. 3497
Federführend:FB 42 - Kinder-Jugend-Familie Bearbeiter/-in: Sukowski, Ivonne
Beratungsfolge:
Jugendhilfeausschuss Vorberatung
30.10.2007 
des Jugendhilfeausschusses geändert beschlossen   
Integrationsrat Vorberatung
31.10.2007 
des Integrationsrates geändert beschlossen   
Haupt- und Finanzausschuss Vorberatung
06.11.2007 
des Haupt- und Finanzausschusses geändert beschlossen   
Rat der Stadt Entscheidung
13.11.2007 
des Rates der Stadt geändert beschlossen   

Finanzielle Auswirkungen
Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

Finanzielle Auswirkungen: Ausgaben/Einnahmen in €:

 

Finanzielle Auswirkungen: Ausgaben/Einnahmen in €:

 Finanzposition:

 Verw.-/Vermögenshaushalt:

 xxx

xxx

xxx

 

Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:

 

1.      Der Rat der Stadt stimmt dem in der Anlage beigefügten Herner Kinder- und Jugendförderplan vom Grundsatz her zu.

 

2.      Die finanzielle Ausstattung der örtlichen Kinder- und Jugendarbeit der Freien Träger erfolgt für die gesamte Dauer der Laufzeit des Förderplans bis zum 31.12.2009 auf dem derzeitigen Ist-Zustand.

 

3.      Die Bereitstellung der kommunalen Mittel für die Kinder- und Jugendarbeit der Freien Träger erfolgt entsprechend der vom Rat der Stadt Herne jährlich bereitgestellten Mittel.

 

Sachverhalt:

Sachverhalt:

 

Gemäß dem Kinder- und Jugendförderungsgesetzes des Landes NRW sind die Kommunen verpflichtet für die Dauer einer Legislaturperiode - erstmalige Laufzeit bis zum 31.12.2009 - einen örtlichen Kinder- und Jugendförderplan aufzustellen und damit der gesetzlich verankerten Gewährleistungsverpflichtung gegenüber Freien Trägern der örtlichen Kinder- und Jugendarbeit nachzukommen.

 

Der Herner Kinder- und Jugendförderplan folgt den Empfehlungen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe zur „Umsetzung des 3. Ausführungsgesetzes des Kinder- und Jugendhilfegesetzes NRW auf kommunaler Ebene“. Er versteht sich als Planungs- und Steuerungsinstrument für die örtliche Kinder- und Jugendarbeit und stellt Ergebnisse des Beteiligungs- und Abstimmungsprozesses zwischen Freien Trägern, Verwaltung und Politik dar. Grundlegendes Ziel ist es, die Planungs- und Gewährleistungsverpflichtung, die die Stadt Herne als öffentlicher Träger wahrzunehmen hat, in enger Abstimmung mit den Freien Trägern umzusetzen.

 

Die Aufstellung des ersten Herner Kinder- und Jugendförderplans wurde neben dem Hauptanliegen der finanziellen Absicherung der Kinder- und Jugendarbeit vor Ort zugleich auch als Chance genutzt, die wesentlichen Schwerpunktfelder der örtlichen Kinder- und Jugendarbeit zu qualifizieren. Die prozesshafte Erarbeitung des ersten kommunalen Förderplans wurde somit gleichzeitig als Instrument der Weiterentwicklung der örtlichen Jugendhilfeplanung verstanden.

 

Der vorliegende Entwurf des Herner Kinder- und Jugendförderplans ist das Arbeitsergebnis der Projektgruppe „Förderplan“. Diese stellte den zentralen Motor des Entwicklungsprozesses vor Ort dar. Durch die personelle Besetzung dieser Projektgruppe wurde der Planungsprozess von Beginn an partizipativ gestaltet, indem die in Herne tätigen Freien Träger der Kinder- und Jugendarbeit direkt in die Erstellung eingebunden wurden. Wesentliche Arbeitsschritte auf dem Weg zum kommunalen Kinder- und Jugendförderplan konnten so gemeinsam entwickelt, erarbeitet und im Vorfeld von weiteren Beratungen in der Projektgruppe „Förderplan“, der Arbeitsgemeinschaft nach § 78 KJHG, abgestimmt werden. Die Zusammensetzung dieser Projektgruppe war über den gesamten Erarbeitungszeitraum weitgehend konstant. Nachdem die ersten Bausteine für die offene und die verbandliche Kinder- und Jugendarbeit erstellt worden sind, wurde sie um einen Vertreter des Arbeitsfeldes Jugendsozialarbeit/ Jugendberufshilfe erweitert.

 

Während des gesamten Entwicklungsprozesses wurde auf unterschiedlichen Ebenen versucht, kontinuierlich eine breite Beteiligung sicherzustellen. Dies fand zum Einen in den offiziellen Gremien der örtlichen Kinder- und Jugendarbeit (AG 78, Stadtjugendring und AGOT) statt, zum Anderen wurde der Jugendhilfeausschuss regelmäßig über die Prozessschritte vor Ort informiert und diese mit ihm abgestimmt. Wesentlich auf dem Weg zum Herner Kinder- und Jugendförderplan war hier der einstimmige Beschluss des Jugendhilfeausschusses am 30. März 2006, der die Grundausrichtung des örtlichen Planungsprozesses als Basis für das weitere Vorgehen der Projektgruppe festlegte.

 

Zwei örtliche Veranstaltungen, die im Kontext der Erstellung des Herner Kinder- und Jugendförderplans von der Projektgruppe „Förderplan“ konzipiert und realisiert wurden, sollten darüber hinaus dazu beitragen, die Praktiker der örtlichen Kinder- und Jugendarbeit (Leitungen und Mitarbeiter von Jugendeinrichtungen in freier und kommunaler Trägerschaft sowie weitere Mitarbeiter der städtischen Jugendförderung), Jugendpolitiker und sonstige kommunale Entscheidungsträger zu informieren bzw. grundsätzliche Fragestellungen und Themen gemeinsam mit ihnen zu erörtern und ihr Problembewusstsein für die Kinder- und Jugendarbeit entsprechend zu sensibilisieren.

 

Mit dem Kinder- und Jugendförderplan liegt erstmalig ein Überblick über die Förderlandschaft und das Leistungsprofil der Kinder- und Jugendarbeit in Herne vor. Aktuell stellt sich das Leistungsprofil der Kinder- und Jugendarbeit in Herne wie folgt dar: Mit derzeit 34 geförderten Einrichtungsstandorten der offenen Kinder- und Jugendarbeit und 11 geförderten Jugendverbänden verfügt die Stadt Herne über eine gut ausgebaute Infrastruktur örtlicher Kinder- und Jugendarbeit.

 

Die vom Kinder- und Jugendhilfegesetz sowie vom Kinder- und Jugendförderungsgesetz geforderte Vielfalt von Einrichtungen und Maßnahmen und damit auch die Erreichbarkeit und Fördermöglichkeit einer breiten Zielgruppe ist damit in besonderem Maße gegeben.

 

In der verbandsbezogenen Jugendarbeit finden Kinder und Jugendliche an über 60 Standorten ein breites Gruppenangebot und ein Betätigungsfeld für ehrenamtliches Engagement. Eine besondere Leistung der Verbände stellen darüber hinaus die zahlreichen Ferienfahrten im In- und Ausland dar, die jährlich in den Sommerferien veranstaltet werden.

 

Auch die Einrichtungslandschaft ist in Herne durch Vielseitigkeit geprägt. Kleinere ehrenamtlich geführte Jugendtreffs oder größere hauptamtlich besetzte Jugendzentren gehören ebenso zum Angebotsprofil wie ein Abenteuerspielplatz und das Spielezentrum als Spezialeinrichtung für das Gesellschaftsspiel. Die Stadtverwaltung engagiert sich mit eigenen Einrichtungen und Personal in der einrichtungsbezogenen Kinder- und Jugendarbeit. Hervorzuheben ist jedoch auch in diesem Bereich das Engagement der Freien Träger, die auf ehrenamtlicher Basis allein 21 Einrichtungen führen. Dies macht deutlich, dass ohne die ehrenamtliche Arbeit das nahezu flächendeckende Netz von Einrichtungen in Herne nicht realisierbar wäre.

 

Die Einrichtungsstruktur wird in Herne schon seit vielen Jahren durch Spielbusangebote ergänzt. Gerade für Kinder mit ihrem begrenzten räumlichen Bewegungsradius wird so die Erreichbarkeit von Freizeitangeboten verbessert.

 

Seit 1999 gibt es mit dem Streetworkerbus zusätzlich eine aufsuchende mobile Jugendarbeit mit dem Schwerpunkt der Cliquenbetreuung.

 

Meist außerhalb von Einrichtungen ist auch die Arbeit der Kinderanwältin angesiedelt, die stadtweit insbesondere Beteiligungsprojekte bei Spielplatzgestaltungen durchführt. Gemeinsam mit der Kinderanwältin werden in Herne in einer fachbereichsübergreifenden Arbeitsgruppe die Planungen für rund 120 Spielflächen (Spielplätze inklusive Bolzplätze) entwickelt und abgestimmt. Auch bei der Gewinnung und Betreuung von Spielplatzpaten durch die Kinderanwältin erfolgt eine Zusammenarbeit.

 

Die Stadt Herne fördert die Kinder- und Jugendarbeit Freier Träger ergänzend zu der Landesförderung. Die Förderung erfolgt als Betriebskostenförderung der Einrichtungen sowie im Rahmen von Förderrichtlinien zu den verbandlichen Aktivitäten. Darüber hinaus überlässt die Stadt Herne Freien Trägern und Initiativen mietfrei oder sehr kostengünstig verschiedene städtische Gebäude zur Durchführung ihrer Kinder- und Jugendarbeit (z.B. Kindertreff „Am Pütt“, Sportjugendhaus, Begegnungsstätte Horsthausen).

 

In Herne ist es in den letzten Jahren durch verschieden Maßnahmen gelungen, den Raumbestand von Einrichtungen zu verbessern, obwohl die Förderung im Landesjugendplan in diesem Bereich auslief. Damit ist das Image der Einrichtungen ebenso gestiegen wie die Chance mit einem attraktiven Ambiente Kinder und Jugendliche aller sozialer Schichten anzusprechen und nicht nur benachteiligte Zielgruppen.

 

Gelungen sind bauliche Verbesserungen für die städtischen Einrichtungen:

 

§         beim Kinder- und Jugendkulturzentrum „Der Heisterkamp“ in Eickel durch Reduzierung des Raumangebotes für die Stadt und Teilvermietungen an andere Träger,

§         bei der Einrichtung „Die Wache“ durch Verlagerung des Einrichtungsstandortes und Grundstücksverkaufs im Zusammenhang mit der alten Einrichtung „Auf’m Kolm“,

§         beim Jugendtreff „Am Freibad“ durch Erweiterung um eine Garage und Renovierung in Eigenarbeit

§         beim ehemaligen „Haus der Jugend“ durch Städtebaumittel (Soziale Stadt) und Neukonzeptionierung zu einem Stadtteilzentrum.

 

 

Bei den Einrichtungen in Freier Trägerschaft ist dies gelungen:

 

§         bei der Einrichtung der Falken „Am Pütt“ in Röhlinghausen durch Verlagerung in die Begegnungsstätte Horsthausen (Städtebauförderung Soziale Stadt)

§         bei der Einrichtung der Falken JZ „Heinz Westphal-Haus“ in Herne-Mitte durch Verkleinerung und Verlagerung in den JT „Pub à la Pub“ in Wanne (Unser Fritz)

§         durch Schaffung der neuen Einrichtung „HoT“ mit hauptamtlichem Personal nahe der Wanner Fußgängerzone, in Trägerschaft der ev. Kirche (Städtebauförderung Soziale Stadt /Betriebskostenförderung Stadt Herne).

 

 

Über die Nutzung des Förderprogramms „Soziale Stadt“ für die baulichen Aspekte hinaus hat sich die städtische Jugendförderung auch in die Entwicklung von sozialintegrativen Maßnahmen des Programms engagiert. So wurden in Zusammenarbeit mit Freien Trägern und Schulen Kinder- und Jugendforen erprobt, ein Kinderstadtplan erstellt sowie Netzwerkstrukturen gestaltet; Maßnahmen, die für die zukünftige Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit auch in anderen Stadtbezirken beispielgebend sein werden. 

 

Zur Kinder- und Jugendarbeit zählt auch die kommunale Förderung der Jugendkunstschule, die mit einer vielfältigen Angebotsstruktur an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet aktiv ist.

 

Fest in der Hand Freier Träger ist in Herne das Aufgabenfeld der Jugendsozialarbeit. Kommunale Zuschüsse erhalten die Arbeiterwohlfahrt, die Gesellschaft Freie Sozialarbeit sowie die Jugendkunstschule für ihre Angebote zur Integration sozial benachteiligter und individuell beeinträchtigten jungen Menschen in Gesellschaft und Arbeitsmarkt.

 

Auf örtlicher Ebene sind die Freien Träger der Kinder- und Jugendarbeit organisiert im Stadtjugendring. Damit haben die Träger auf örtlicher Ebene eine starke Interessensvertretung, die in der Vergangenheit auch die Existenz kleinerer Verbände gestützt hat und damit zum Erhalt der Trägervielfalt beiträgt.

 

Zwischen der städtischen Jugendförderung und dem Stadtjugendring gibt es eine langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit, die getragen wird durch regelmäßigen Informationsaustausch, Teilnahme der Jugendförderung an den Sitzungen des SJR und seiner AG „Offene Türen“ sowie durch die gemeinsame Präsentation der Arbeit auf der jährlichen Veranstaltung “Mitmachtag“. Im Bereich der Mädchenarbeit erfolgt eine Zusammenarbeit im AK “Mädchen“.

 

Die Freien Träger arbeiten aktiv mit in der Jugendhilfeplanung. Dies wird nicht zuletzt deutlich an der intensiven Mitwirkung an dem hier vorliegenden ersten Herner Kinder- und Jugendförderplan.

 

Wenn es um die Gestaltung der Stadt als lebenswerten Raum für Kinder, Jugendliche und Familien geht, aber ebenso unter dem Gesichtspunkt des Standortfaktors für weitere städtische Entwicklungsbereiche, hat auch die Kinder- und Jugendarbeit einen bedeutenden Stellenwert. In Herne konnte die Kinder- und Jugendarbeit dieser Rolle trotz der zurückliegenden schwierigen Finanzjahre gerecht werden. Dies gelang durch finanzielle Verlagerungen von Zuschüssen insbesondere zu Lasten der verbandsbezogenen Arbeit, durch das Abfangen von angedrohten kommunalen Zuschüssen durch jugendpolitisches Engagement und durch teilweise wieder zurückgefahrene Kürzungen in der Landesförderung.

 

Die Herner Kinder- und Jugendarbeit ist ein unverzichtbarer Bestandteil der sozialen Infrastruktur. Ihre Absicherung und qualitative Weiterentwicklung ist eine wichtige kommunalpolitische Aufgabe und Herausforderung für die Zukunft. Mit dem ersten Herner Kinder- und Jugendförderplan wird eine umfangreiches Werk der Bestandserhebung und Bedarfseinschätzung vorgelegt, das für die jetzt laufende Legislaturperiode bis zum 31.12.2009 Gültigkeit hat. Als Lesehilfe zu dem Gesamtkonzept ist eine Kurzfassung „Überblick und Fazit“ zum Kinder- und Jugendförderplan als Anlage 2 beigefügt.

 

Der vorliegende Kinder- und Jugendförderplan dient als Grundlage für die Weiterentwicklung und Förderung der Kinder- und Jugendarbeit in den unterschiedlichen Bereichen vor Ort. Die Entwicklungsbereiche und -notwendigkeiten sind dargestellt. In der Folgezeit wird der Förderplan fortgeschrieben und qualifiziert: Querschnittsaufgaben, Jugendkulturarbeit und der Jugendschutz werden dann in die Betrachtung mit einbezogen.

 

Die Verwaltung hat sich entschieden, in Kapitel 6.3 des Herner Kinder- und Jugendförderplans weitergehende Finanzforderungen der Verbände mitzuteilen. Diesen kann jedoch wegen der Haushaltslage der Stadt Herne nicht entsprochen werden. Den Verbänden war es jedoch wichtig, dass diese zumindest der Gesamtverwaltung bekannt und der Politik öffentlich gemacht werden.

 

Mit dieser Vorlage wird der Rat der Stadt Herne darum gebeten, die Finanzierung der örtlichen Kinder- und Jugendarbeit für die Dauer der laufenden Legislaturperiode auf dem bisherigem Finanzniveau abzusichern.

 

Der Beschluss des Rates vom 13. November 2007 wird Bestandteil des Förderplans. Im Rahmen eines Vorwortes wird dieser Beschlusstext dann in den Herner Kinder- und Jugendförderplan aufgenommen.

 

Der Oberbürgermeister

In Vertretung

 

 

Gudrun Thierhoff

Stadträtin

 

Anlagen:

Anlagen:

 

Herner Kinder- und Jugendförderplan - Entwurf / Stand September 2007 (Anlage 1)

Der Herner Kinder- und Jugendförderplan - Überblick und Fazit (Anlage 2)

 

 

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 2 1 öffentlich Förderplan 23.10.07 II (5748 KB) PDF-Dokument (2987 KB)    
Anlage 1 2 öffentlich Überblick_Fazit_Förderplan (45 KB)