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Vorlage - 2007/0590  

Betreff: Durchführung von Stadtbezirkskonferenzen
Status:öffentlichVorlage-Art:öffentliche Beschlussvorlage
Verfasser:Herr Domer, Tel.: 3206
Federführend:FB 42 - Kinder-Jugend-Familie Bearbeiter/-in: Schweppe-Ziffling, Iris
Beratungsfolge:
Jugendhilfeausschuss Entscheidung
30.10.2007 
des Jugendhilfeausschusses beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:

 

Die Verwaltung wird beauftragt, auf der Grundlage der in dieser Vorlage dargestellten Überlegungen Stadtbezirkskonferenzen durchzuführen. Der Start soll Anfang 2008 im Stadtbezirk Sodingen erfolgen. Über das Ergebnis ist dem Jugendhilfeausschuss zu berichten.

Nach Auswertung der ersten Konferenz sollen dann auch Konferenzen in den Stadtbezirken Eickel, Herne-Mitte und Wanne folgen.

 

Sachverhalt:

Sachverhalt:

 

In der Sitzung des Jugendhilfeausschusses vom 19.09.07 hat die Verwaltung erste Überlegungen zur Einführung von sogenannten Stadtbezirkskonferenzen dargelegt und zugesagt, diese in der nächsten Sitzung zu konkretisieren. Dies soll mit dieser Vorlage geschehen.

   

 

§         Begriffsklärung

 

Sozialraum- bzw. Stadtbezirkskonferenzen finden landesweit in vielfältiger Ausprägung statt. Es ist deshalb zunächst sinnvoll, Grundzüge des Selbstverständnisses für den in Herne angestrebten Prozess zu klären.

 

Bei der Durchführung von Sozialraumkonferenzen sind die spezifischen räumlichen und administrativen Strukturen in der Stadt Herne zu berücksichtigen. Auch wenn in der Folgezeit ergänzend kleinräumigere Konferenzen mit sozialräumlicher oder sachthemenbezogener Orientierung denkbar und wünschenswert sind, sollten für den Prozessstart zunächst die vier Herner Stadtbezirke als Ausgangsbasis für die geplanten Konferenzen dienen. Die Verwaltung spricht deshalb im Folgenden bei den in Herne geplanten Veranstaltungen bewusst von Stadtbezirkskonferenzen.

 

 

§         Selbstverständnis und Ziel

 

Die konzeptionellen Überlegungen der Verwaltung zur Durchführung von Stadtbezirkskonferenzen orientieren sich insbesondere an den Empfehlungen der Landesjugendämter zur Umsetzung des Kinder- und Jugendfördergesetztes auf kommunaler  Ebene (Hrsg.: LWL/LVR, Empfehlungen zur Umsetzung des 3. AG-KJHG NRW auf kommunaler Ebene, Münster, Köln 2005).

 

Stadtbezirkskonferenzen werden demnach als Motor zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und erzieherischem Jugendschutz (als eigenständiges Handlungsfeld) mit weiteren Bereichen der Jugendhilfe und Schulen verstanden.

 

Ziel ist es dabei, Kooperationen - über die persönliche Initiative einzelner engagierter Personen hinaus - durch nachhaltige Strukturen der Zusammenarbeit abzusichern. Damit soll ein tragfähiges Netzwerk zwischen Schulen, Schulträgern, Schulaufsicht und öffentlichen so wie Freien Jugendhilfeträgern entstehen. Neben den Schulen spielen der Allgemeine Soziale Dienst, die Träger von Kindertageseinrichtungen und Akteure der Kinder- und Jugendarbeit eine zentrale Rolle.

 

Die Konferenzen bieten den Rahmen für ein besseres gegenseitiges Kennenlernen der Akteure sozialer Arbeit und für mehr Transparenz von Planungen und Maßnahmen. 

 

Als Orientierung für diesen Austausch dienen bewusst sozialräumliche Strukturen. Damit geht es in den Konferenzen weniger um die Diskussion und Entwicklung allgemeiner und stadtweiter Grundsatzregelungen, sondern eher um Abstimmungen und gemeinsames Handeln von Fachkräften und Trägern vor Ort, in einem Stadtbezirk oder Stadtteil. Insbesondere benachbarte Institutionen mit ggf. auch gleichen Zielgruppen können so ihre Kommunikation auf kurzen Wegen verbessern und Chancen für gemeinsame Projekte und Maßnahmen entdecken.

 

Die Herner Stadtbezirkskonferenzen sollen ein Forum für Träger der Jugendhilfe und deren Kooperationspartner sein. Das breite Themenfeld der Jugendhilfe ist ihr Gegenstand. Andere Bereiche des städtischen Lebens, wie beispielsweise Verkehr, Stadtplanung u.ä. sollten nur dann Gegenstand der Stadtbezirkskonferenzen sein, wenn sie in unmittelbarem Zusammenhang mit Themen und Problemen der Jugendhilfe stehen.

 

 

§         Gesetzliche Aufträge zur Zusammenarbeit

 

Die Aufforderung zur Zusammenarbeit ist den Akteuren sozialer Arbeit vielfältig ins Buch geschrieben. Dazu nur einige Beispiele:

 

1         Gemäß §7 KJFöG und §5 Schul-G haben Jugendhilfe und Schule einen arbeitsfeldübergreifenden Kooperationsvertrag für die Erziehung und Bildung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Gemäß der Empfehlungen der Landesjugendämter geht es dabei um das Ziel gemeinsam abgestimmte Konzepte zur Bildungsförderung junger Menschen zu entwickeln und diese in den jeweiligen Sozialräumen umzusetzen.

 

2         Darüber hinaus sehen die Empfehlungen der Landesjugendämter Sozialraumkonferenzen als eine gute Möglichkeit, die Erkenntnisse der Akteure sozialer Arbeit über die Lebenslagen junger Menschen in den Wohnquartieren auszutauschen, zu vertiefen und dadurch die Arbeit bedarfsgerechter auszurichten.

 

3         Ein weiterer Auftrag ergibt sich aus der Notwendigkeit zur Zusammenarbeit vor dem Hintergrund des Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetzes, bei akuten Fällen aber insbesondere bei der Entwicklung von Präventionsstrategien für Kinder in besonders schwierigen Lebenslagen.

 

4         Der Bedarf an präventiver Familienförderung etwa in Form von Familienbildung und die zukünftige Arbeit von Familienzentren im Kita-Bereich sind ein weiteres Feld in dem die unterschiedlichen Kooperationspartner zum gemeinsamen und abgestimmten Handeln aufgerufen sind.

 

5         Kindertageseinrichtungen und Grundschulen haben zahlreiche gemeinsame Berührungspunkte. Ein zentraler Auftrag ist die Zusammenarbeit in der Sprachförderung.

 

 

§         Anlässe zur Zusammenarbeit

 

Anlässe zur Zusammenarbeit ergeben sich vor diesem Hintergrund zahlreich. Letztendlich werden die Themen von den beteiligten Trägern und Institutionen bestimmt. Denkbare Anlässen sind beispielhaft:

 

Abstimmung außerschulischer Bildungs- und Freizeitangebote,

Kooperationen mit Schulen bei der Ganztagsbetreuung,

Entwicklung schulbezogener Angebote der Jugendarbeit,

Entwicklung von Konzepten der Schulsozialarbeit,

Kooperationen zur beruflichen und schulischen Integration,

Entwicklung von Maßnahmen der Familienförderung und - bildung,

Gemeinsame Strategien zur Prävention von Risiko- und Gefährdungssituationen,

Verbesserung von niederschwelliger Eltern und Jugendberatung,

Kooperation im Bereich der Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen und ihren Familien.

 

 

 

§         Inhalte der ersten Konferenz

 

Die Verwaltung lädt zu den Stadtbezirkskonferenzen ein und wird das erste Treffen nutzen, um gemeinsam mit den Akteuren im Stadtbezirk die weitere Vorgehensweise und zukünftige Inhalte der Konferenzen zu beraten. Damit wird eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe orientiert an den Interessen aller Beteiligten sichergestellt.

 

Als erste Schritte der Stadtbezirkskonferenzen empfehlen sich:

 

·         Vorstellungsrunde zum gegenseitigen Kennenlernen

·         Klärung gemeinsamer Anliegen und Ziele, Konkretisierung zukünftiger Themen,

·         Austausch über die Kenntnisse zur sozialen Struktur, Problemlagen und Stärken des Stadtbezirkes,

·         Austausch über bereits bestehende Kooperationen aber auch von Hürden und Grenzen der Zusammenarbeit,

·         Abklärung unterschiedlicher Rollen, Aufträge und Ressourcen,

·         Abstimmung des organisatorischen Rahmens (Einladungsrhythmus, Protokollführung, Berichterstattung in politischen Gremien, u.a.)

 

 

§         Zuständigkeiten für die Stadtbezirkskonferenzen innerhalb der Verwaltung

 

Die Durchführung liegt bei den zukünftigen TeamleiterInnen der Jugendförderung und den GruppenleiterInnen des ASDs. Eine Beteiligung Freier Träger ist sicherzustellen.

 

Pro Stadtbezirk bedeutet dies ein Organisationsteam aus:

1 TeamleiterIn 42/3

1 GruppenLeiterIn ASD

1 LeiterIn Kita/Familienzentrum

1 VertreterIn Freier Träger

 

Ihre Aufgaben sind:

Festsetzung der Themenschwerpunkte,

Tagesordnung,

Einladung,

Protokoll,

Organisation des Tagungsraumes,

Auswertung und Weiterleitung von Informationen und Anliegen,

Sachberichterstattung für die Leitungsebenen.

 

Die Prozesssteuerung erfolgt im Fachbereich 42 durch die AbteilungsleiterInnen der Abteilung 42/1, 42/3 42/4 in Abstimmung mit der Fachbereichsleitung und der Dezernentin.

 

Prozesssteuerung bedeutet:

Kontakte zu den Organisationsteams der vier Stadtbezirkskonferenzen sicherstellen,

Koordinierung der Berichterstellungen für BZV, Ausschüsse und Rat.

 

 

§         Tagungsrhythmus und Berichtswesen

 

Letztendlich ist der Tagungsrhythmus der Stadtbezirkskonferenzen mit den Beteiligten, insbesondere der Freien Träger und der Schulen abzustimmen. Die Stadtbezirkskonferenzen sollten jedoch mit Blick auf die eingebundenen Arbeitskräfte maximal 2x im Jahr tagen.

Soweit keine außergewöhnlichen Entscheidungen oder Maßnahmen anstehen, sollte eine Berichterstattung in den politischen Gremien jeweils zur Mitte und zum Beginn einer Legislaturperiode erfolgen, dies bezieht auch die Unterrichtung des Rates mit ein.

 

 

§         Zeitplanung

 

Stadtbezirkskonferenzen sollen in allen vier Stadtbezirken etabliert werden. Der Beginn erfolgt im Februar 2008 in Sodingen. Auf der Grundlage der dort gemachten Erfahrungen und möglicher Anregungen der Akteure erfolgt eine Durchführung der weiteren Konferenzen in Wanne, Eickel und Herne-Mitte im Verlauf des Jahres 2008.

 

 

§         Beteiligte Akteure

 

Die Stadtbezirkskonferenzen werden von der Größe überschaubar gestaltet.

Eingeladen werden sollen zu einem ersten Treffen:

Vertreter der örtlichen Trägergruppen von KiTas im Stadtbezirk (Mitglieder der AGTE),

pro Schultyp ein Vertreter der Schulen, möglichst die Schulleitung,

Vertreter des zuständigen ASD-Bezirks,

Vertreter des zuständigen Teams der Jugendförderung,

Leitungskräfte der Träger der Kinder- und Jugendarbeit (Träger offener Arbeit und Träger der Jugendsozialarbeit),

Vertreter der Wohlfahrtsverbände (Mitglieder der AG der Wohlfahrtsverbände),

Kinder- Jugendärztlicher Dienst des Gesundheitsamtes.

 

Gemeinsam mit den TeilnehmerInnen der ersten Stadteilkonferenz ist dann die weitere Zusammensetzung zukünftiger Stadtbezirkskonferenzen sowie der Bedarf kleinräumigerer Konferenzen mit sozialräumlicher oder sachthemenbezogener Orientierung zu beraten.  

 

 

 

Der Oberbürgermeister

In Vertretung

 

 

 

 

Gudrun Thierhoff

(Stadträtin)

Anlagen:

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