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Vorlage - 2007/0653  

Betreff: Beitrag der Stadt Herne zur nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung der Metropole Ruhr
Status:öffentlichVorlage-Art:öffentliche Beschlussvorlage
Verfasser:Herr Weichmann-Jaeger
Federführend:FB 51 - Umwelt und Stadtplanung Beteiligt:FB 22 - Immobilien und Wahlen
Bearbeiter/-in: Dill, Sabine   
Beratungsfolge:
Haupt- und Finanzausschuss Vorberatung
04.12.2007 
des Haupt- und Finanzausschusses beschlossen   
Rat der Stadt Entscheidung
11.12.2007 
des Rates der Stadt beschlossen   

Finanzielle Auswirkungen
Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

Finanzielle Auswirkungen: Ausgaben/Einnahmen in €:

 

Finanzielle Auswirkungen: Ausgaben/Einnahmen in €:

 Finanzposition:

 Verw.-/Vermögenshaushalt:

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Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:

 

Der Rat der Stadt beschließt:

 

Die nachhaltige Stadtentwicklung ist eine dauerhafte Aufgabe der Stadt Herne. Im Zuge der Vorbereitung von kurz- und mittelfristigen Förderanträgen für die neue Ziel 2-Förderperiode stimmt die Stadt Herne ihre Projekte im Rahmen eines Gesamtkonzepts mit den Städten und Kreisen der Metropole Ruhr ab.

 

Die Verwaltung wird beauftragt, die zur weiteren Entwicklung notwendigen Schritte einzuleiten. Hierzu zählen insbesondere:

 

  1. Die weitere Bearbeitung bereits laufender oder beantragter Projekte mit dem Ziel einer zügigen Realisierung

 

  1. Die Konkretisierung künftiger Vorhaben mit dem Ziel der Antragstellung unter Berücksichtigung der finanziellen Handlungsmöglichkeiten der Stadt

 

  1. Die weitere Mitwirkung im Prozess der regionalen Abstimmung „Ziel 2-Prioritätsachse 3“ zur Einbringung der Interessen der Stadt Herne und zur Stärkung der Wettbewerbsposition der Metropole Ruhr. 

 

Die durch die Stadt Herne vorgesehenen Projekte sind in Teil 5 der Vorlage dargestellt.

 

Sachverhalt:

Sachverhalt:

 

Die Landesregierung Nordrhein- Westfalen hat mit Genehmigung der Europäischen Union die Umsetzung des Operationellen Programms „Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung 2007-2013 (Ziel 2- EFRE)“ eingeleitet.

Das Programm besteht aus drei „Prioritätsachsen“. Die Prioritätsachse 1 „Stärkung der unternehmerischen Basis“ und 2 „Innovation und wissensbasierte Wirtschaft“ beziehen sich auf Wirtschafts- und Innovationsförderung, die hier betrachtete Prioritätsachse 3 sieht die Förderung von „Maßnahmen der nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung“ vor.

 

Die Metropole Ruhr steht im Rahmen des neuen Ziel 2-Programms im Wettbewerb mit anderen Regionen des Landes Nordrhein- Westfalen. Deshalb haben die Städte und Kreise des Ruhrgebietes (Städteregion Ruhr 2030- ergänzt um die Stadt Hagen, die Stadt Hamm und den Ennepe-Ruhr-Kreis; Kreis Recklinghausen; Kreis Unna) zur Vorbereitung von konkreten Antragsverfahren im Rahmen der Prioritätsachse 3 den Entwurf eines gemeinsamen Antragspakets erarbeitet, das

 

  • eine strukturierte Übersicht zu den derzeit für die Laufzeit des Programms vorgesehenen Anträgen bietet
  • den Zusammenhang mit Fördermöglichkeiten der Prioritätsachsen 1/2 und weiteren Förderprogrammen aufzeigt
  • die Projekte im Hinblick auf ihre lokale Bedeutung und ihren regionalen Kontext darstellt
  • den Status der Regional- und Stadtentwicklung erläutert
  • unter dem Leitbegriff „Metro Basics“ eine Zielstellung für die Entwicklung der Metropole Ruhr in der nächsten Dekade unter Einbeziehung der Fördermöglichkeiten der Prioritätsachse 3 definiert und
  • das wachsende private Engagement mittelständischer Unternehmen und großer Konzerne sichtbar macht. 

 

Für die Förderpolitik der Europäischen Union haben die „Regionen“ als Katalysatoren wirtschaftlicher, technologischer und kultureller Entwicklung eine besondere Bedeutung. Dies findet Ausdruck in den entsprechenden Förderprogrammen und wird auch auf Landesebene umgesetzt. Förderprojekte in der Ziel 2-Prioritätsachse 3 sollen

·         die Attraktivität der Region für Investoren und Arbeitskräfte steigern,

·         die infrastrukturellen und standortbezogenen Rahmenbedingungen verbessern,

·         der integrierten Entwicklung von Stadtteilen mit besonderem Erneuerungsbedarf und

·         der Stärkung der Integration dienen. 

 

Die Metropole Ruhr ist nicht nur der größte Ballungsraum in Nordrhein- Westfalen, sondern auch eine der weltweit wahrgenommenen Regionen Deutschlands. 

 

Dabei hat die Metropole Ruhr die Phase des ständigen „Nacharbeitens“ der massiven städtebaulichen Auswirkungen des Strukturwandels bei Kohle und Stahl durch aktive und stete Arbeit an den Folgeerscheinungen weitgehend überwunden. Sie steht heute beim Thema Stadtqualität im Wettbewerb mit den attraktiven und ökonomisch erfolgreichen Metropolen Europas. Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, schon im Rahmen der anstehenden Förderperiode des Ziel 2-Programms die Nachnutzung der verbliebenen und bis 2018 voraussichtlich stillgelegten Bergwerke in den Blick zu nehmen.   

 

Attraktive Metropolen beziehen ihre Anziehungskraft nicht aus der Einheitlichkeit, sondern der Verschiedenheit ihrer Teilräume. Alle Metropolen sind einem permanenten Wandel unterworfen und stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen. Die Erneuerung der Innenstädte und eine Beschäftigung mit Stadtteilen oder brach fallenden Industrieflächen ist eine ständige Herausforderung eben auch für „erfolgreiche“ Metropolen.

 

Darum kann auch die „Verwandlung“ der Metropole Ruhr nach weitgehender Bewältigung der klassischen Probleme des wirtschaftlichen Wandels nicht stehen bleiben.

 

Die Metropole Ruhr hat gelernt, dass die Bewältigung städtebaulicher Herausforderungen zu einem erheblichen Imagefaktor werden kann, wenn Lösungen gelingen, die international Aufmerksamkeit erzeugen.

 

Interkommunale Zusammenarbeit hat sich seit rund zwanzig Jahren zu einem Grundprinzip der Entwicklung in der Metropole Ruhr entwickelt.

 

Deshalb haben die Städte und Kreise für die Prioritätsachse 3 des Ziel 2-Programms 2007 - 2013 ein Antragspaket entwickelt, das - aufbauend auf den Inhalten der bisherigen Stadtentwicklungspolitik - die Herausforderungen der Zukunft aufgreift und mit hoher Gestaltungsqualität umsetzbar macht.    

 

  

 

Teil 1: Metro Basics - die strategischen Entwicklungsräume

 

Vier Themen bestimmen die städtebauliche Entwicklung der Metropole Ruhr in der nächsten Dekade und bilden dem entsprechend Schwerpunkte der Anträge in der Säule 3 des Ziel 2-Programms:

 

·         Metro Lines - die Entwicklungsachsen in Ost-West- Richtung,

·         Metro Cities - die Qualität der Zentren und Stadtteile,

·         Metro Excellence - die Entwicklung hochwertiger Gewerbe- und Industriestandorte

·         Metro Invest - private Investitionen in den städtebaulichen Entwicklungsräumen.

 

Jedes Thema ist von regionaler Bedeutung, die Projekte sind im regionalen Verbund gedacht und leisten einen Beitrag zur Entwicklung der Metropole Ruhr. Zugleich aber wird jedes Projekt auch lokal die Lebensqualität verbessern und die wirtschaftliche Entwicklung stärken.   

 

 

Metro Lines : Die Achsen der Metropole Ruhr

 

Mit der IBA Emscher Park wurde vor rund 20 Jahren erstmals die Emscher als eine zentrale Achse der Region thematisiert. Seither hat sich der Emscherraum bereits nachhaltig verändert, der anstehende Umbau des Flusses wird mittelfristig vielfältige Möglichkeiten schaffen.

 

In den letzten Jahren aber sind im Zuge der Diskussion über die Zukunft der Metropole Ruhr weitere West- Ost- Achsen hinzugekommen, deren Entwicklung sinnbildlich für das Zusammenwachsen der Region steht:

 

Die Arbeitsgemeinschaft „Das Ruhrtal“ arbeitet an der flächenhaften Betrachtung des Flusslaufes und hat im Verbund Projekte zur touristischen Nutzung und städtebaulichen Aufwertung entwickelt. Die intensive Beschäftigung mit dem vergleichsweise idyllischen Südraum der Region zeigt besonders deutlich, dass die Metropolregion Ruhr das Stadium einer „alten“ Industrieregion hinter sich gelassen hat.

 

Im Zuge der Kulturhauptstadt-Bewerbung wurden erstmals die künstlerischen und planerischen Ideen für die A 40 aufgenommen und werden nun durch einen gemeindeübergreifenden Masterplan konkretisiert und verdichtet.

 

Vor wenigen Monaten haben sich die Städte und Kreise entlang der Lippe darauf verständigt, die Projektideen entlang des Flusslaufes zu koordinieren und in eine Gesamtstrategie einzubinden. Neben der Ruhr und den Orten der Industriekultur wird hier ein weiterer Schwerpunkt für touristische Angebote in der Metropole Ruhr entstehen.  

 

Die vier West-Ost - Achsen der Metropole Ruhr werden in den nächsten Jahren einen Schwerpunkt der städtebaulichen Entwicklung der Region bilden. Nirgendwo sonst wird besser zu erkennen sein, dass die Metropole Ruhr nicht eine beliebige Ansammlung von Gebietskörperschaften ist, sondern eine gemeinschaftlich verantwortete Region bildet. 

 

 

Metro Cities : Zentren und Stadtteile

 

Die Stadtentwicklungspolitik hat in den letzten Jahren die Erneuerung der Stadtzentren und der hoch verdichteten Stadtteile verstärkt in den Blick genommen.

 

Von Mülheim bis Hamm arbeiten die Städte intensiv an der Erneuerung der Innenstädte. Vielfach werden dabei auch Formen der öffentlich-privaten Partnerschaft umgesetzt. Innerhalb der nächsten 10 Jahre werden sich die „Metro-Cities“ nahezu überall in einer verwandelten Form präsentieren. Das Bild der spätindustriell geprägten Innenstädte wird dann der Vergangenheit angehören - und durch moderne, lebenswerte Stadtzentren ersetzt sein.

 

Der fortschreitende demographische Wandel und die Veränderung der ethnischen Zusammensetzung in den Stadtteilen ist ein Thema in allen großen Metropolregionen. Die Stadtentwicklungspolitik in Nordrhein-Westfalen hat dafür frühzeitig ein breites Instrumentarium entwickelt, das auch bei laufenden und künftigen Projekten der Stadtteilerneuerung in der Metropole Ruhr umgesetzt wird.

 

Der Kranz der erneuerten Stadtteile umgibt die neuen Metro- Cities und wird einen wichtigen Beitrag zur stabilen Entwicklung der Region leisten. Aufgewertete Stadtteile und „Gute Nachbarschaften“ sind ein Markenzeichen der Region.

 

Damit dies auch in den nächsten Jahren so bleibt, setzt die Metropole Ruhr auf eine Fortschreibung des bewährten Instrumentariums. Dazu gehören die Stärkung lokaler Ökonomien, die Reduzierung des Instandhaltungsstaus, ein Leerstandmanagement, Partnerschaften von Gemeinden und Eigentümern. Konzeptionell sind derartige Strategien in „integrierten Handlungskonzepten“ zusammengefasst.    

 

 

Metro Excellence : Hochwertige Standortentwicklung

 

Jede Metropole braucht einen soliden Grundbestand an regional gut verteilten Gewerbe- und Industrieflächen. Es ist grundsätzlich ein Vorteil der dezentralen Siedlungsstruktur in der Metropole Ruhr, dass derartige Flächen in vergleichsweise großer Zahl zu Verfügung stehen und auch in den nächsten Jahren erweitert werden können.

 

Im Wettbewerb der Metropolen allerdings zählen vor Allem wirtschaftlich interessante Standorte mit herausragender Lage und guter städtebaulicher Qualität, die  Aufmerksamkeit bei international tätigen Immobilienentwicklern und Unternehmen erregen.

 

Die Metropole Ruhr hat in den letzten Jahren eine erste Generation solcher „Excellence- Projekte“ geschaffen. Entstanden sind viele zukunftsorientierte Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich, verbunden mit besonderen Angeboten für Wohnen, Kultur und Freizeit.

 

Die zweite Generation von „Metro Excellence“ muss nun im Zusammenwirken von öffentlichen und privaten Partnern auf den Weg gebracht werden, damit innerhalb von 10 Jahren Zug um Zug die nächsten Angebote heranwachsen.

 

 

Metro Invest: : Wachsendes Privat- Engagement

 

Weitgehend unbemerkt von einer breiteren Öffentlichkeit und bislang ohne Abbildung in der Außendarstellung der Metropole Ruhr haben in den letzten Jahren große Unternehmen und mittelständische Investoren begonnen, die städtebaulichen Veränderungen in der Region auch für eigene, von wirtschaftlichen Interessen bestimmte Aktivitäten zu nutzen.

 

Erst die Entscheidung der Thyssen-Krupp AG, die Hauptverwaltung auf dem Gelände des ehemaligen Krupp-Gürtels in Essen anzusiedeln, hat nach der bereits länger zurück liegenden Neue Mitte - Investition in Oberhausen wieder das Interesse der gesamten Region und der internationalen Fachöffentlichkeit geweckt.

 

Tatsächlich aber gibt es auch darüber hinaus bereits eine Reihe von realisierten Investitionsprojekten des privaten Sektors, die - ohne öffentliche Mitfinanzierung - auf der Raumwirkung der Stadterneuerungsstrategie für die Metropole Ruhr fußen.

 

Viele positive Beispiele zeigen, dass sich nun in der Metropole Ruhr eine Gruppe von Developern heranbildet, die wie in anderen Metropolen bewusst nicht die „Premium- Standorte“, sondern auch scheinbar problematische Flächen erfolgreich entwickeln.

 

Insgesamt hat die Metropole Ruhr als Standort für private Immobilienentwicklung deutlich an Anziehungskraft gewonnen. Das gilt auch für die innerstädtischen Investitionen großer Handelsketten. Dies belegt wiederum, dass die Region sich nunmehr nahezu auf Augenhöhe mit den vergleichbaren Metropolen der industrialisierten Welt bewegt.  

Diese Entwicklung weiter zu stimulieren, ist Hintergrund vieler Projektanträge für die neue Ziel 2-Förderperiode.  

 

 

Teil 2: Bedeutung von „Events“

 

Großereignisse als Etappen des Wandels

 

Zu den gesicherten Erkenntnissen des weltweiten Stadt- und Regionalmarketings gehört, das große, international wahrgenommene „Metro-Events“ einen wichtigen Beitrag zum Image leisten: Nach Außen, weil positive Wahrnehmung erzeugt wird; nach Innen, weil das Selbstbewusstsein der Einwohner wächst.

 

Als besonders wirksam erweisen sich dabei Großereignisse, die nicht nur „Software“ im Sinne besonderer Tagesereignisse schaffen, sondern auch „Hardware“ im Sinne dauerhaft nutzbarer Orte und Attraktionen hinterlassen.

 

Derartige Ereignisse haben zudem den Vorteil, dass die notwendige Terminsetzung zur Beschleunigung bei der Projektfinanzierung- und Realisierung beiträgt.

 

Aus diesen Gründen nutzen viele Ballungsräume regelmäßig  das Instrument der Metro- Events. Im Ruhrgebiet fanden in den neunziger Jahren neben Zwischen- und Schlusspräsentation der IBA Emscher Park auch die Bundesgartenschauen in Dortmund und Gelsenkirchen sowie die Landesgartenschau in Oberhausen statt. Über diese Ereignisse hat sich das Ruhrgebiet zum ersten Mal auf einer internationalen Bühne präsentiert und gezeigt, das auch eine „alte Industrieregion“ in der „Champions League“  der Metropolen mithalten kann. 

Dies galt auch für den Auftritt der Metropole Ruhr während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

 

 

Kulturhauptstadt 2010

 

Mit der Europäischen Kulturhauptstadt 2010 wird die Metropole Ruhr nach über 10 Jahren wieder ein eigenständiges, nachhaltiges Metro-Event realisieren. Schon die Resonanz auf die Entscheidung im Bewerbungsverfahren hat gezeigt, dass die oben beschriebenen klassischen Wirkungsmechanismen greifen.

 

Die Kulturhauptstadt 2010 setzt auf eine Kombination weithin strahlender Tagesereignisse und langfristig wirksamer Projekte, die sich an den strategischen Entwicklungszielen der Region orientieren. Sie bedarf für ihren Erfolg der Mitgestaltungs- und Finanzierungsbereitschaft der gesamten Metropole Ruhr. Eine wichtige Finanzierungsquelle wird dabei das neue Ziel 2-Förderprogramm sein. In der ersten Phase der Projektentscheidungen kommt deshalb Vorhaben im Zusammenhang mit der Kulturhauptstadt 2010 eine besondere Bedeutung zu.   

 

 

 

 

 

Der Zeitraum nach der Kulturhauptstadt

 

Anders als Ende der neunziger Jahre gibt es bei den Akteuren der Metropole Ruhr nun schon frühzeitig Überlegungen für eine Abfolge von Metro-Events in den kommenden Jahren.

 

Dazu zählen die Bewerbung der Arbeitsgemeinschaft Ruhrtal für die Regionalen 2013/2016, die Ideen der Stadt Duisburg zur Durchführung der Landesgartenschau 2014 oder das Entwicklungskonzept der Stadt Bochum für den Grünzug E auf der Basis der vorliegenden Machbarkeitsstudie „Bundesgartenschau“.

 

Diese Überlegungen sind auch deshalb von Bedeutung, weil es nach den Regeln des Marketings wichtig ist, nach dem großen, international bedeutenden Auftritt mit der Kulturhauptstadt 2010 Kontinuität in der Wahrnehmung zu schaffen.

 

Im Falle positiver Beschlüsse zu diesen Konzepten ist die anstehende Ziel 2-Förderperiode eine wichtige Finanzierungsquelle für verschiedene Projektbausteine.

 

   

Teil 3: Handlungsfelder

 

Unterschiede stärken: Dezentralität als Wettbewerbsvorteil

 

Eine genauere Betrachtung der weltweiten Metropolen macht sichtbar, dass diese zwar gemeinhin als monolithischer Block wahrgenommen werden, die tatsächliche politisch- administrative Verantwortung aber oft dezentral organisiert ist. Die dezentrale Struktur der Metropole Ruhr stellt also keine Ausnahme dar, sondern entspricht eher der Regel - vor Allem in den europäischen Metropolen.

 

Bei der Umsetzung von regionalen Entwicklungsstrategien in konkrete Projekte ist es oft gerade die lokale Verantwortung, die zur zügigen, qualitätsorientierten Durchführung aus ureigenem, lokal bestimmten Interesse beiträgt.

 

Die Teilräume der Metropole Ruhr sind und bleiben unterschiedlich: Landschaft und Stadtstrukturen entlang der Ruhr unterscheiden sich deutlich vom Emscherraum; die Aufgaben in der Stahl- und Hafenstadt Duisburg sind andere als im Kreis Recklinghausen mit Chemieindustrie und Potenzialen für großflächige Industrieansiedlungen; in Hagen ist die Siedlungsstruktur eine andere als in Dortmund oder Gelsenkirchen. Die Verschiedenheit der Teilräume ist ein signifikantes Merkmal der Metropole Ruhr.

 

In der jüngsten Metropol-Diskussion wird darauf hingewiesen, dass sich die „creative society“ zunehmend abkehrt von den Ballungsräumen und auf Großstädte unterhalb der klassischen Metropolen-Ebene orientiert. Das ist eine Chance für die Metropole Ruhr mit ihrer dezentralen Siedlungsstruktur: Sie bietet sowohl das großräumige Stadtgefüge und den riesigen Markt wie auch die kleinräumige Intimität.  

 

Die Stärken der Region bilden sich im Antragspaket für die neue Ziel 2-Förderperiode ab. Die Anträge sind - soweit notwendig und sinnvoll - in einem diskursiven Verfahren abgestimmt. Sie tragen dazu bei, die „Metro-Basics“ konsequent in vielen Einzelmaßnahmen umzusetzen und die Metropole Ruhr weiter auszuformen.

 

Gleichwohl wird es auch weiterhin Wettbewerb geben. Konkurrenz um ansiedlungswillige Unternehmen durch Schaffung entsprechender Flächenangebote oder das Bemühen darum, die eigenen Stadtteile lebenswerter zu machen, sind nicht nur selbstverständlicher Auftrag jeder einzelnen Gebietskörperschaft, sondern zugleich  Motor für die Entwicklung des gesamten Ballungsraumes. 

 

 

Räumlich denken: Projekte im Verbund

 

Für die Städte und Kreise gilt, dass die Projektanträge nicht nur im regionalen Zusammenhang diskutiert, sondern systematisch als Bausteine einer gezielten, langfristig angelegten Stadterneuerung entwickelt sind. In vielen Fällen liegt den Anträgen ein durchdachtes, analytisch fundiertes Gesamtkonzept für das gesamte Gemeindegebiet zu Grunde.

 

Charakteristisch für das Gesamtpaket ist es auch, dass eine Reihe von Anträgen sich auf Projekte bezieht, die gemeindeübergreifend zu realisieren sind - so etwa bei der „Rheinischen Bahn“ von Essen über Mülheim bis Duisburg, dem Gesamtkonzept für die A 40 oder den Projekten entlang Ruhr, Emscher und Lippe. 

 

Beide Faktoren nehmen die programmatischen Ziele der neuen Ziel 2-Förderperiode auf. 

 

Eine Reihe von Anträgen sind thematisch an der Schnittstelle zwischen den Säulen 1 / 2 und der Säule 3 des Ziel 2-Programms angelegt. Dies entspricht dem Ansatz der Programmkonzeption von Ziel 2, Multiplikationseffekte bei der Umsetzung zu erzielen. Hier wird es wichtig sein, in den Antragsverfahren einen Abgleich zwischen den verschiedenen Prioritätsachsen auch hinsichtlich der Behandlung von ineinander greifenden Anträgen durch die Landesressorts zu finden.  

 

 

Integrierte Handlungskonzepte

 

Die Gebietskörperschaften in der Metropole Ruhr haben mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union in den letzten Jahren viele Projekte realisiert, die auf einem vernetzten Handlungskonzept unter Einbeziehung vieler Akteure aus Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft, Vereinen, Stiftungen, Kirchen oder Bewohnern und Wohnungseigentümern basierten.

 

In den Stadtteilprojekten werden im Regelfall von Anbeginn lokale Akteure intensiv einbezogen; neben den städtebaulichen Aspekten sind oft Gesichtspunkte der Integration, sozialökonomische und kulturelle Gesichtpunkte von gleicher Bedeutung.

Bei wirtschaftsorientierten Vorhaben ist die innovationsorientierte, frühzeitige Zusammenarbeit mit privaten Investoren und Institutionen der Wissenschaft vielfach erprobt.

Die im operativen Programm geforderte Entwicklung „integrierter Handlungskonzepte“ -gerade bei den Stadtteilprojekten - setzt auf den einschlägigen Erfahrungen in der Region auf.    

 

 

Identität bewahren: Industriekultur

 

Die Orte der Industriekultur stehen für die Bewahrung der kulturellen Identität der Metropole Ruhr. Sie sind Symbol für die Geschichte einer der zentralen Industrieregionen Europas und zeugen zugleich von der großen Integrationskraft dieser Region. 

 

Zugleich sind die Orte der Industriekultur selbstverständliche Schauplätze für das lebendige, vielfältige Leben in der Metropole Ruhr.

Sie wirken als Bühnen oder Kulissen für kulturelle Ereignisse, bieten Räume für Handwerk und Dienstleistung und sind Anziehungspunkte für Besichtigungsreisen.

 

Auch für die Kulturhauptstadt 2010 wird die Industriekultur eine wichtige Funktion übernehmen. Mit dem „Dortmunder U“ kommt im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 ein weiteres, bedeutendes Objekt der Industriekultur hinzu.

In der Welt der Metropolen sind oft Prachtstraßen, Kathedralen oder Schlösser Symbol für Größe und Bedeutung. Das „Alleinstellungsmerkmal“ der Metropole Ruhr ist die „Route der Industriekultur“ mit ihren Objekten in der gesamten Region.

 

Deshalb gehört die weitere Ausgestaltung der Route der Industriekultur zu den wichtigen Aufgaben unter den Projekten der Prioritätsachse 3.    

 

 

Lebensqualität verbessern: Landschaft gestalten

 

Eine systematische Einbeziehung von Landschaft in die Gesamtstrategie zur Erneuerung  einer Industrieregion hat es außerhalb der Metropole Ruhr bislang nirgendwo gegeben.

 

Was über die IBA Emscher Park auf den Weg gebracht wurde, hat seine systematische Fortsetzung in der kontinuierlichen Realisierung des Emscher Landschaftsparks gefunden. Unterstützt durch das Ökologieprogramm Emscher - Lippe (ÖPEL) entfaltet sich schon heute eine einzigartige Kulturlandschaft.

 

Mit dem Umbau des Emschersystems in den kommenden 15 Jahren werden Wasserläufe neue Formen annehmen, werden neue Ufer ausgebildet und neue Lebensqualitäten entstehen. Mit den Leitprojekten „Neues Emschertal“ und „Die Insel“ - zwischen Emscher und Rhein- Herne- Kanal - werden im Zusammenspiel von Emscherumbau und Emscher Landschaftspark wichtige Bausteine der Metropolenentwicklung realisiert.

 

Die Gestaltung von Landschaft schafft auch spektakuläre Kunstobjekte oder Architekturen von besonderem touristischem Interesse. Großflächige Parkanlagen und Grünverbindungen beziehen ihre eigentliche Bedeutung aus dem praktischen, täglichen Nutzen für die Bevölkerung der Region.    

Kein anderes Element des organisierten Strukturwandels vermag auf direkte Weise die alltägliche Aufenthaltqualität für viele Menschen so unmittelbar zu verbessern wie Maßnahmen des Landschaftsbaus.

 

Aus diesen Gründen werden in der Förderperiode 2007-2013 wichtige Projekte der Landschaftsgestaltung zu realisieren sein.

 

 

Aufmerksamkeit erregen: Neue Architektur

 

Die Anziehungskraft von Metropolen wird ganz wesentlich von den herausragenden Architekturen und städtebaulichen Ensembles geprägt. Historische Gebäude sind dabei von Bedeutung, weil sie für die Geschichte, den Mythos einer Region stehen. In der Metropole Ruhr nehmen die Orte der Industriekultur diese Rolle wahr.

 

Im Wettbewerb der Metropolen haben aber auch spektakuläre neue Architekturen eine wichtige Funktion. Sie rufen nicht nur neues touristisches Interesse hervor, sondern stehen in der internationalen Wahrnehmung für die Dynamik und Kreativität der Metropolen. Die weltweite Wahrnehmung der neuen Zollverein School in der Fachwelt ist ein Beleg für diese These.

 

Zu den außerhalb der Metropole Ruhr am meisten gezeigten Bildern der Region gehören seit Jahren der signifikante Förderturm der Zeche Zollverein und der Tetraeder in Bottrop.

 

Dieser „Dualismus der Bilder“ mit Weltkulturerbe und neuem Architekturobjekt ist ein sichtbares Zeichen für den Erfolg der Erneuerungsstrategien in der Metropole Ruhr. Es ist noch nicht lange her, dass außerhalb der Region nur Bilder stillgelegter Industrieanlagen zu sehen waren, wenn vom Ruhrgebiet die Rede war.

 

Die Projektanträge zu den „Metro Lines“, den „Metro Cities“ und zu den Vorhaben im Rahmen von „Metro Excellence“ bieten Raum dafür, in der Metropole Ruhr weitere neue, spektakuläre Architekturen zu realisieren.

 

 

Qualitäten nutzen: Tourismus ausbauen

   

Tourismus und Angebote für Freizeitaktivitäten spielen in der Metropole Ruhr erst seit rund 10 Jahren eine signifikante Rolle. Seither konnte deren Anteil an der Wertschöpfung in der Region beständig gesteigert werden.

 

Der Grundstein dafür wurde mit den signifikanten Projekte der Industriekultur und ihren vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten gelegt. Attraktive Veranstaltungsräume sind alljährlich Schauplatz unzähliger Kulturereignisse und Unternehmenspräsentationen. Die Räume der Industriekultur sind „natürliche“ Spielstätten der RuhrTriennale; die Route der Industriekultur zieht jedes Jahr viele Besucher an.

 

Vor Allem die freiluftgebundenen Aktivitäten profitieren hingegen von den umfangreichen Maßnahmen der Landschaftsgestaltung, des Wegebaus und der Gewässernutzung, die in den letzten Jahren in der gesamten Metropole Ruhr realisiert wurden.

 

Neue Architekturelemente und bedeutende Kunstobjekte reichern die Orte der Industriekultur und die Freiräume an.

 

Auf dieser Basis - Industriekultur und besondere Kulturlandschaft - hat sich in den letzten Jahren ein breites Angebot an privat finanziertem Entertainment und Freizeitsport in der Region entwickelt, das von Musical-Theatern über Erlebniswelten bis hin zu Wassersport-Aktivitäten reicht.

 

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben dazu geführt, dass mit Ruhr und Lippe zwei „Metro-Lines“ in den Mittelpunkt der Betrachtung gelangen, deren Bedeutung weitgehend im Bereich von Tourismus- und Freizeitaktivitäten liegt. In den landschaftlich sehr unterschiedlichen Teilräumen werden sich in den nächsten Jahren eine Fülle von touristischen Projekten - häufig in öffentlich/privater Partnerschaft - entwickeln.

 

So ist es selbstverständlich, dass der weitere Ausbau des Tourismus- und Freizeitangebotes - einschließlich der Ausgestaltung der Route der Industriekultur - einen wichtigen Schwerpunkt des Antragspaketes für die neue Ziel 2-Förderperiode darstellt.

 

 

Teil 4: Weiteres Vorgehen  

 

Der Entwurf des „Gemeinsamen Projektpaketes zur nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung der Metropole Ruhr“ wird im November/Dezember parallel in den Fachausschüssen und Räten der beteiligten Städte und Kreise der Metropole Ruhr diskutiert.

 

Es ist vorgesehen, das Gemeinsame Projektpaket noch vor Weihnachten in einer Veranstaltung öffentlich vorzustellen und formell auf den Weg zur Landesregierung zu bringen.

 

Zeitgleich wird das Material in einer Broschüre allgemein zugänglich gemacht.

 

In den darauf folgenden Wochen werden die Städte und Landkreise die inhaltliche Konzeption und die Projekte des Gemeinsamen Projektpaketes auf dezentralen Veranstaltungen den gesellschaftlichen Gruppen vorstellen.

 

Mit Abschluss der Diskussion in den Kommunalparlamenten wird das Gemeinsame Projektpaket auch zur inhaltlichen Grundlage aller Förderanträge der Metropole Ruhr für die Säule 3 des Ziel 2-Programms 2007 - 2013.

 

Soweit Förderanträge aus sachlichen Gründen kurzfristig zu stellen sind, wird im Text bereits auf den Entwurf des Projektpaketes verwiesen.        

 

 

Teil 5: Projektvorschläge der Stadt Herne im Rahmen des Ziel 2-Programms - Fördersäule 3

 

Entwicklungshistorisch bedingt ist die siedlungsräumliche Grundstruktur der Stadt Herne mehrpolig ausgerichtet und durch das z.T. immer noch enge Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen gekennzeichnet. Wenngleich auch der wirtschaftsstrukturelle Wandel weitgehend abgeschlossen ist, ergeben sich u.a. als Folge des Rückzugs des montan-industriellen Bereichs städtebauliche Defizite. Mittelbare Folge - verstärkt durch demografische Entwicklungen - ist auch der Funktionsverlust (inner-)städtischer Teilbereiche, die ohne massive Intervention der öffentlichen Hand nur schwerlich aufgewertet werden können.

 

Charakteristisch insbesondere für den nördlichen Teil Hernes (wie auch für die gesamte Emscherzone) ist das Geflecht von industriell-gewerblicher Nutzung, Wohnbereichen und Freiflächen unterschiedlichster Qualität. Gliederung und gleichzeitig Begrenzung der Flächen erfolgt durch die vorhandene Bandinfrastruktur in Form von Autobahnen und anderen Hauptverkehrsstraßen, Eisenbahnlinien und Rhein-Herne-Kanal.

 

Herne stellt sich somit heute als eine dicht besiedelte und stark gegliederte Stadt dar. An den räumlichen Grenzen ihres Flächenwachstums angelangt, richtet die Stadt Herne den Focus der Stadtentwicklung schon lange auf die qualitätsvolle Bestandsentwicklung und den Stadtumbau. Ziele und Grundsätze für diese Entwicklung sind,

·       die gewachsene (polyzentrische) Siedlungsstruktur zu stabilisieren

·       die Stadtteile zu stärken,

·       Stadtumbau zu betreiben bei gleichzeitiger Förderung qualitativ hochwertiger Einzelvorhaben,

·       die vorhandenen Siedlungsbereiche (lediglich) zu arrondieren und Neubauten in verdichteter Bauweise zu realisieren und die städtische Entwicklung auf Gewerbebrachen zu lenken und dort zu optimieren,

·       die Chancen des Ausbau des Emscher-Landschaftsparks für Herne zu nutzen sowie

·       die regionale Abstimmung zur Lösung der Probleme auszubauen.

 

Als Hauptinterventionsbereiche der stadtentwicklungsplanerischen Aktivitäten der nächsten Jahre sind somit die städtebaulich-funktionale Anpassung in innerstädtischen Problemlagen sowie die überwiegend freiraumbezogene Aufwertung des nördlichen Stadtgebiets entlang der Emscher und des Rhein-Herne-Kanals zu nennen.

 

Zentrale Projekte in diesem Handlungsfeld jetzt und in den kommenden Jahren sind die Projekte „Stadtumbau Herne - Zentrum-Nord“ und„Nachhaltige Modernisierung des Stadtbezirkszentrums Wanne-Mitte“ (Programm: Stadtumbau–West) und das Soziale-Stadt-Projekt „Integrierte Stadtteilerneuerung Bickern/Unser Fritz“. Im regionalen Kontext des Masterplan Emscher Zukunft und Masterplan Emscherlandschaftspark greifen die Herner Projekte „Technologie- und Gewerbepark Schloss-Strünkede“ und „Kulturkanal 2010“ die linearen Strukturen der Parkidee auf und nutzen sie aktiv zur Qualitäts- und Imageverbesserung der Stadt wie auch des gesamten nördlichen Ruhrgebiet.

 

Kurzbeschreibungen der oben genannten Projekte sind der Sitzungsvorlage als Anlage beigefügt.

 

Der Oberbürgermeister                             Der Oberbürgermeister

In Vertretung                                                    In Vertretung

 

 

 

 

Bornfelder                                                       Terhoeven

(Stadtdirektor)                                                 (Stadtrat)

 

Anlagen:

Anlagen:

Übersicht der Herner Projekte

Kurzbeschreibung der Herner Projekte