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Vorlage - 2009/0286  

Betreff: Weiterentwicklung eines Bildungsnetzwerkes in der Bildungsregion Herne
Status:öffentlichVorlage-Art:öffentliche Beschlussvorlage
Verfasser:Hartmann, Klaus
Federführend:FB 31 - Schule und Weiterbildung Bearbeiter/-in: Winkler, Barbara
Beratungsfolge:
Schulausschuss Anhörung
30.04.2009 
des Schulausschusses beschlossen   
Jugendhilfeausschuss Anhörung
07.05.2009 
des Jugendhilfeausschusses beschlossen   
Kultur- und Bildungsausschuss Anhörung
10.06.2009 
des Kultur- und Bildungsausschusses (offen)   
Integrationsrat Anhörung
18.06.2009 
des Integrationsrates zur Kenntnis genommen   
Haupt- und Finanzausschuss Anhörung
23.06.2009 
des Haupt- und Finanzausschusses beschlossen   
Rat der Stadt Entscheidung
30.06.2009 
des Rates der Stadt beschlossen   

Finanzielle Auswirkungen
Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

Finanzielle Auswirkungen: Ausgaben/Einnahmen in €:

 

Finanzielle Auswirkungen in €

           Teilergebnisplan (konsumtiv)

Produkt

Kontengruppe

Ertrag/Aufwand (-)

Nr.:

Bez.:

Nr.:

Bez.:

 

 

Teilfinanzplan (investiv)

Maßnahme

Kontengruppe

Einzahlung/Auszahlung (-)

Nr.:

Bez.:

Nr.:

Bez.:

 

 

Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:

 

Der Rat der Stadt nimmt den Bericht zur Weiterentwicklung eines Bildungsnetzwerkes in der Bildungsregion Herne zur Kenntnis und stimmt dem Abschluss eines entsprechenden Kooperationsvertrages mit dem Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen zu.

 

Sachverhalt:

Sachverhalt:

 

1.      Ausgangslage

Seit dem Schuljahr 2002/2003 haben 19 Regionen an dem nordrhein-westfälischen Modellvorhaben „Selbstständige Schule“ teilgenommen. Das auf sechs Jahre angelegte Projekt wurde getragen vom Land NRW und der Bertelsmann Stiftung. Der Projektzeitraum endete am 31.07.2008.

 

Ziel des Modellprojektes „Selbstständige Schule“ war es, Schulen durch stärkere Flexibilisierung in der eigenverantwortlichen Gestaltung pädagogischer und struktureller Entwicklungsvorhaben zu stärken. Im Rahmen des Projektes wurden zudem neue Strukturen und Formen der Zusammenarbeit erprobt. Innerhalb der Schulen, zwischen Schulen sowie zwischen Schulen und außerschulischen Einrichtungen wurden Kooperationen verstärkt oder aufgebaut. Im Rahmen der regionalen Steuerung des Projektes entwickelten Schulaufsicht und Schulträger neue Formen der Zusammenarbeit und kamen damit dem Ziel einer gemeinsamen Gestaltung regionaler Schul- und Bildungslandschaften näher.

 

Am 23.06.2008 haben die am Modellvorhaben „Selbstständige Schule“ beteiligten 19 Kreise und kreisfreien Städte eine Kooperationsvereinbarung mit dem Land Nordrhein-Westfalen abgeschlossen. Dies mit dem Ziel, in Fortsetzung der begonnenen Bemühungen alle kommunalen und gesellschaftlichen Kräfte vor Ort zur Unterstützung von Schulen zu bündeln. Alle an Bildung beteiligten Akteure sollen einbezogen werden, damit bereits vorhandene Ressourcen optimal genutzt und miteinander vernetzt werden können. Durch Weiterentwicklung von regionalen Bildungsnetzwerken vor Ort sollen Plattformen der Information und Kommunikation in verlässlichen Strukturen geschaffen werden. Aufgabe ist es, eine ganzheitliche Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen. 

 

Mit Schreiben 01.09.2008 haben sich das Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW und die kommunalen Spitzenverbände gemeinsam an die Kreise und kreisfreien Städte im Lande gewandt und für einen flächendeckenden Ausbau „Regionaler Bildungsnetzwerke“ geworben. Grundlage soll ein zwischen Land NRW und Stadt / Kreis abzuschließender Kooperationsvertrag sein, durch welchen die gemeinsame Verantwortung für das Schul- und Bildungswesen zum Ausdruck kommt. Ein den örtlichen Gegebenheiten anzupassender Muster-Kooperationsvertrag wurde durch die Akteure erarbeitet. 

 

2.      Bildung braucht Partner

In der Bildungsregion Herne gibt es 58 Schulen; bis auf eine befinden sich diese in städtischer Trägerschaft. Jede mit einem eigenen Profil, Schwerpunkten, Projekten und Kooperationspartnern aus Wirtschaft, Kultur, Sport etc.. Freie und institutionelle Träger sind engagiert und innovativ in das Schulleben eingebunden. Kommunale und staatliche Einrichtungen bringen ihre Kompetenzen und Potenziale ein.

 

Die bestehenden Kooperationsnetzwerke gilt es auf dem Weg zu einer regionalen Bildungslandschaft zu verstärken und zu systematisieren. Erforderlich ist der Aufbau nachhaltig wirksamer Unterstützungs- und Beratungsstrukturen. Erfahrungen aus dem Modellprojekt „Selbstständige Schule“ haben in diesem Zusammenhang gezeigt, dass eine verstärkte Zusammenarbeit von Schulen, Schulträger und Schulaufsicht der Schulentwicklung zugute kommt. 

 

3.      Netzwerkbildung

Ziel künftiger Anstrengungen zur verstärkten Vernetzung muss es sein, die gemeinsame Verantwortung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Herne für das Schul- und Bildungswesen mit allen relevanten Partnern weiter auszubauen und zu vertiefen. Hierbei gilt es insbesondere, die folgenden Aspekte zu berücksichtigen:

·               Koordination zwischen inneren und äußeren Schulangelegenheiten

Die Zuständigkeiten für die beiden Bereiche sind formal voneinander getrennt. Für die inneren Schulangelegenheiten (insbesondere Unterrichtsentwicklung, lehrendes Personal) zeichnet das Land NRW verantwortlich. Die äußeren Schulangelegenheiten (Räume, Sachausstattung, Schülerfahrkosten, nichtlehrendes Personal) liegen in der Zuständigkeit der Stadt als Schulträger. Allerdings ist festzustellen, dass Schulen zunehmend Gegenstand kommunalen Engagements im Sinne einer „erweiterten Schulträgerschaft“ sind. Der Begriff bezeichnet ein neues, auf Gestaltung und Vernetzung angelegtes Verständnis von Schulträgerschaft und wandelt sich damit zunehmend zu einer ganzheitlichen Sichtweise von Schul- bzw. Bildungspolitik.

·               Aufbau / Koordination von Netzwerken in der Bildungsregion Herne

In der Bildungslandschaft haben Schulen als Institution, die alle Kinder und Jugendliche erreichen, eine Schlüsselposition. Sie haben vielfältige Bezüge zu ihrem Umfeld. Sei es durch ihre Verankerung im Stadtteil, durch Vernetzung mit schulischen und außerschulischen Partnern oder durch Kooperation mit städtischen oder staatlichen Institutionen. Ziel regionaler Bildungsnetzwerke muss es sein, alle an Bildung beteiligten Akteure einzubeziehen, um bereits vorhandene Ressourcen miteinander zu vernetzen und optimal zu nutzen.

 

4.      Weiterentwicklung eines Bildungsnetzwerkes in der Bildungsregion Herne

Es ist beabsichtigt, die Weiterentwicklung eines Bildungsnetzwerkes in der Bildungsregion Herne auf der Grundlage eines mit dem Land NRW abzuschließenden Kooperationsvertrages voranzutreiben. Grundlage ist beiliegender Entwurf einer Vereinbarung, welche unter Beteiligung von Bildungsakteuren ausgestaltet wurde. Eine abschließende Abstimmung mit dem Land NRW steht noch aus. 

 

4.1  Laufzeit des Kooperationsvertrages

Voraussichtlicher Beginn der Kooperation ist der 01.09.2009. Sie ist grundsätzlich auf Dauer angelegt. Eine gemeinsame Evaluation ist Bestandteil des Vertrages.

 

4.2  Zielsetzung der Kooperation

Folgende grundlegende Zielsetzung wird angestrebt:

·         Initiierung / Intensivierung der Vernetzung der Bildungspartner vor Ort.

·         Sicherstellung einer bestmöglichen individuellen Förderung von Kindern / Jugendlichen.

·         Optimierung des Einsatzes vorhandener Personal- und Sachressourcen.

·         Stärkung / Ausbau der Schul- und Unterrichtsentwicklung an den Schulen der Region.

·         Angebot / Weiterentwicklung eines angemessenen Beratungs-/ Unterstützungssystems.  

 

4.3  Handlungsfelder / Schwerpunkte

Die Handlungsfelder / Schwerpunkte der Kooperation sind im Rahmen der Ausgestaltung der Vereinbarung unter Beteiligung von Bildungsakteuren konkretisiert worden. Sie sind grundsätzlich auf Weiterentwicklung angelegt und bedarfsorientiert anzupassen.

 

4.4  Organisation der regionalen Kooperation

Die in der Mustervereinbarung dargestellte Organisationsstruktur ist obligatorisch und versteht sich als Plattform einer gesicherten und verlässlichen Prozesssteuerung. Sie besteht aus:

·         der Regionalen Bildungskonferenz è Gesamtorganisation

·         dem Lenkungskreis è strategische Vorbereitung

·         der Regionalen Geschäftsstelle è verwaltungsorganisatorische Unterstützung.

 

Die Regionale Geschäftsstelle wird zur Unterstützung der Regionalen Bildungskonferenz und des Lenkungskreises durch die Stadt eingerichtet. Diese ist mit verwaltungsfachlichem und pädagogischem Personal besetzt. Das Land NRW stellt für die Arbeit in der Regionalen Geschäftsstelle pädagogisches Personal im Umfang von 1,0 Stelle zur Verfügung. Die verwaltungsfachliche Unterstützung erfolgt durch das zum 01.03.2009 eingerichtete „Kommunale Bildungsbüro der Stadt Herne“. Die Stadt stellt zudem die sächliche Ausstattung der Regionalen Geschäftsstelle sicher.

 

5.      Sachstand zum Programm „Lernen vor Ort“

Die Initiative „Lernen vor Ort“ wurde gemeinsam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit dem Stiftungsverbund „Lernen vor Ort“ auf den Weg gebracht. Bislang sind 28 deutsche Stiftungen beteiligt. Gegenstand des Programms ist die Entwicklung und Umsetzung von ganzheitlichen Konzepten zum lebenslangen Lernen, bei denen somit alle Lebensphasen der Bildungsbiographie Berücksichtigung finden. Wesentliches Merkmal der Konzeptionen ist die Zusammenführung der für Bildung in einer Kommune unterschiedlichen Zuständigkeiten und die Einbeziehung aller wichtigen Bereiche unter besonderer Berücksichtigung einer ganzheitlichen Betrachtung individueller Bildungsbiographien.

 

Das Programm „Lernen vor Ort“ soll damit ausgewählte Städte und Kreise bei der Entwicklung eines stimmigen, integrierten Systems für Lebenslanges Lernen der Bürgerinnen und Bürger unterstützen. Das Programm wird mit Bundesmitteln und mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) im Rahmen der ESF-Förderperiode 2007 bis 2013 in einem Gesamtumfang von 60 Mio. Euro gefördert.

 

Unter dem Titel „Herner Bildungsmodell der Zukunft – ein Leben lang lernen“ hat sich die Stadt Herne im Januar 2009 mit einer Projektbeschreibung um eine Beteiligung an bezeichnetem Programm beworben. Insgesamt haben sich bundesweit 150 Standorte aus 15 Ländern an der Ausschreibung beteiligt. Von den eingegangenen Projektideen sind zwischenzeitlich in einem ersten Auswahlschritt durch eine Jury 59 Beiträge (33 Kreise und 26 Städte) – darunter auch das Herner Projekt – positiv beurteilt worden. Die ausgewählten Standorte sind nunmehr aufgefordert, ihre Projekte in einem zweiten Schritt bis Anfang Mai 2009 zu konkretisieren. Die Jury wird Anfang Juni 2009 etwa 30 Kommunen für eine Förderung empfehlen. Der Projektstart ist für September 2009 geplant. Die Laufzeit beträgt 3 Jahre. Besonders erfolgreiche und transferfähige Vorhaben sollen für weitere 2 Jahre verlängert werden.      

 

Die angestrebte Weiterentwicklung eines Bildungsnetzwerkes in der Bildungsregion Herne – wie eingangs dargestellt – ist grundsätzlich unabhängig von der Bewerbung im Rahmen des Programms „Lernen vor Ort“ zu betrachten. Gleichwohl könnte eine hieraus resultierende Unterstützung / Förderung die Bemühungen auf dem Weg zu einer „Herner Bildungslandschaft“ in hervorragender Weise vorantreiben. Zudem ist ein zeitgemäßes Bildungsmanagement im Sinne eines vernetzten Gesamtsystems von Bildung, Betreuung, Begegnung, Beratung und Erziehung ein zwingendes Aktionsfeld des Programms „Lernen vor Ort“. Programmziel und kommunale Bestrebungen würden sich insoweit sinnvoll ergänzen.    

 

6.      Ausblick / Fazit

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sowie der Ergebnisse international vergleichender Studien findet gegenwärtig auf allen gesellschaftlichen Ebenen eine intensive Diskussion über die Qualität des Schul- und Bildungswesens sowie notwendige Konsequenzen statt. Bildung wird zunehmend als grundlegender Faktor für eine positive gesellschaftliche und wirtschaftliche Gesamtentwicklung verstanden.

 

Bildung und Erziehung junger Menschen sind zentrale Aufgaben kommunaler Selbstverwaltung. Kommunale Schulträgerschaft im herkömmlichen Sinne wandelt sich spürbar zu einer ganzheitlichen Sichtweise von Schul- und Bildungspolitik. An die Stelle vorrangiger Sachaufwandsträgerschaft tritt zunehmend das Bestreben, auf eine zukunftsfähige Schulentwicklung und Qualität von Schule vor Ort hinzuwirken.

 

Durch die Weiterentwicklung eines Bildungsnetzwerkes in der Bildungsregion Herne sollen bestehende Strukturen, Verantwortungen und Zuständigkeiten sinnvoll miteinander verknüpft werden. Vorhandene Kooperationen und Vernetzungen sollen ausgebaut werden. Dies mit dem Ziel, den Informationsaustausch, die Planung und Abstimmung zwischen den Bildungsbereichen und den damit verbundenen Aufgaben zu intensivieren und zu verbessern. Es bietet sich damit die Chance, eine Verantwortungsgemeinschaft und eine breite Basis für bildungs- und schulpolitische Entscheidungen zu schaffen.  

 

Die flächendeckende Implementierung  dieser neuen Art der Zusammenarbeit und Kooperation in den Bildungsregionen des Landes ist ein mittelfristiges Ziel, welches gemeinsame Anstrengungen aller an Bildung Beteiligten erfordert. Schulverwaltung wird sich vor diesem Hintergrund im Sinne einer „erweiterten Schulträgerschaft“ fortentwickeln müssen, um so zum Gelingen eines Bildungsnetzwerkes in der Region Herne beizutragen. Die grundlegenden organisatorischen Voraussetzungen hierfür sind durch die Einrichtung des „Kommunalen Bildungsbüros der Stadt Herne“ zum 01.03.2009 geschaffen worden, in welchem die Verantwortlichkeiten und Ressourcen der bisherigen Elemente von Bildungsplanung sowie einer Regionalen Geschäftsstelle für das Bildungsnetzwerk gebündelt werden. 

 

Der Oberbürgermeister

In Vertretung

 

 

Thierhoff

Stadträtin

 

 

 

 

Anlagen: Entwurf des Kooperationsvertrages

 

Anlagen:

Anlagen:

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Kooperationsvertrag Herne 17.04.2009 (102 KB) PDF-Dokument (50 KB)