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Vorlage - 2010/0293  

Betreff: Weiterentwicklung einer kommunalen Bildungsberichterstattung
Status:öffentlichVorlage-Art:öffentliche Beschlussvorlage
Verfasser:Hartmann, Klaus - Tel.: 3411
Federführend:FB 31 - Schule und Weiterbildung Bearbeiter/-in: Bartkowiak, Heike
Beratungsfolge:
Schulausschuss Entscheidung
27.05.2010 
des Schulausschusses beschlossen   

Finanzielle Auswirkungen
Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

Finanzielle Auswirkungen: Ausgaben/Einnahmen in €:

 

Finanzielle Auswirkungen in €

           Teilergebnisplan (konsumtiv)

Produkt

Kontengruppe

Ertrag/Aufwand (-)

Nr.:                 ---

Bez.:

Nr.:                ---

Bez.:

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Teilfinanzplan (investiv)

Maßnahme

Kontengruppe

Einzahlung/Auszahlung (-)

Nr.:                ---

Bez.:

Nr.:                ---

Bez.:

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Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:

Der Schulausschuss

 

1.         nimmt den Bericht der Verwaltung zur Weiterentwicklung einer kommunalen Bildungsberichterstattung zur Kenntnis und

2.         beauftragt die Verwaltung, im Rahmen der Erstellung des nächsten Bildungsberichtes 2011 folgenden Themenschwerpunkt in den Blick zu nehmen:

 

·         Übergänge im Bildungswesen

·         einschließlich der Bildungs- und Ausbildungsabschlüsse und

·         unter besonderer Berücksichtigung der Bildungsbeteiligung von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte.

 

Auf der Grundlage einer erweiterten Datenbasis sind für dieses Handlungsfeld vertiefende Analysen und Bewertungen vorzunehmen. Entwicklungsbedarfe und erste Handlungsansätze sind – soweit möglich – aufzuzeigen. 

 

Sachverhalt:

Sachverhalt:

1.          Kommunaler Bildungsbericht der Stadt Herne 2008 – Auftakt für eine regelmäßige Bildungsberichterstattung

Mit Beschluss vom 25.01.2007 hatte der Schulausschuss des Rates der Stadt die Verwaltung beauftragt, bis zum Sommer 2008 eine erste Bestandsaufnahme zur kommunalen Bildungssituation der Herner Schülerinnen und Schüler zu erstellen.                       Der Bericht sollte jährlich fortgeführt werden. Als Schwerpunkte dieses ersten Herner Bildungsberichtes wurden folgende Bausteine herausgestellt:

 

a)          Übergangsquoten zur Sekundarstufe I,

b)         jährlich erreichte Bildungsabschlüsse in Herne,

c)          Bildungsbeteiligung der Kinder mit Migrationshintergrund,

d)         Kooperation zwischen Kindertageseinrichtungen und Grundschulen,

e)          schulische Ganztagsangebote,

f)          Sprachförderung in Herne.

 

Mit dieser regelmäßigen kommunalen Bildungsberichterstattung sollten die notwendigen Datengrundlagen für konkrete Maßnahmevorschläge zur Verbesserung der Bildungssituation in Herne geschaffen werden. In diesem Zusammenhang wurde diese kontinuierliche Beschreibung der örtlichen Bildungssituation als unabdingbares Steuerungsinstrument der kommunalen Bildungspolitik angesehen. Verstärkt sollte der Blick auf Bildungsverläufe und -karrieren gerichtet werden, um daraus spezifische Maßnahmen und Förderinstrumente zu entwickeln bzw. weiterzuentwickeln.

 

Als bundesweit einer der ersten seiner Art wird der kommunale Bildungsbericht der Stadt Herne im Oktober/November 2008 den bürgerschaftlichen Gremien vorgestellt. Er orientiert sich mit seinen Angaben an dem Entwurf des Indikatorenkataloges, welchen das Statistische Bundesamt im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erarbeitet hat und der neben der Schule als dem zentralen Bildungsschwerpunkt auch den frühkindlichen Bildungsbereich, die Weiterbildung sowie non-formale und informelle Lernwelten in den Blick nimmt.

 

In seiner Sitzung am 28.05.2009 befasst sich der Schulausschuss des Rates der Stadt erstmals mit der Weiterentwicklung der kommunalen Bildungsberichterstattung. Dies nach Anhörung und in der Diskussion mit dem Bildungsforscher Dr. Ernst Rösner, in welcher insbesondere Stärken und Schwächen des Herner Bildungsberichtes herausgearbeitet werden. Die Empfehlungen für eine künftige Bildungsberichterstattung konnten wie folgt zusammengefasst werden:

 

a)      Verlängerung der Berichtslegungsfristen auf 3 Jahre,

b)      Reduktion der Datenmenge und Definition von Kerndaten,

c)      verstärkt vorhandene Daten und Sozialstatistiken nutzen,

d)      Schwerpunkte benennen und diese genauer analysieren,

e)      bessere Vergleichbarkeit der Daten (mit anderen Städten / Regionen) herstellen. 

 

Als Konsequenz aus vorbezeichneter Diskussion beauftragt der Schulausschuss die Verwaltung am 25.06.2009, den nächsten kommunalen Bildungsbericht im Herbst 2011 vorzulegen und bis zum Jahresende den Schwerpunktbereich dieses Berichtes dem Schulausschuss zur Beschlussfassung vorzulegen. Damit soll ein regelmäßiger dreijähriger Turnus der Berichterstattung beginnen. Mit Rücksicht auf den zeitgleich begonnenen Prozess einer grundsätzlichen Neuorientierung im Bildungsbereich (Bildungsnetzwerk, 1. Herner Bildungskonferenz, Projektstart „Lernen vor Ort“) wird der Schwerpunkt des nächsten Bildungsberichtes 2011 erst jetzt zur Beschlussfassung vorgelegt. 

 

2.          Begriffsbestimmung: Bildungsmonitoring und Bildungsberichterstattung

Angesichts der Komplexität der Zusammenhänge zwischen dem Bildungsmonitoring als strategischem Gesamtinstrument, der Bildungsberichterstattung als indikatorenge-stüztem Kernbereich des Monitorings sowie dem Bildungsbericht als für Herne ausgewähltem Produkt des Monitorings werden die Begrifflichkeiten im Interesse eines gemeinsamen Verständnisses nachfolgend kurz erläutert.

  

Unter Bildungsmonitoring versteht man ein umfassendes und systematisches Sammeln, Interpretieren und Bewerten von Daten und Informationen. Dies zum Zwecke der Überwachung, Planung und Steuerung von Entwicklungen im Bildungswesen.                      Das kommunale Bildungsmonitoring hat dabei mehrere Komponenten:

 

          • die Bildungsberichterstattung,
          • thematische Analysen zu bestimmten Schwerpunkten,
          • die Durchführung von Einzeluntersuchungen und -erhebungen,
          • die Nutzung von Ergebnissen fachlicher regionaler Diskurse,
          • die Auswertung von Sekundärquellen zur Gewinnung von Trendaussagen (z. B. aus vergleichbaren Regionen oder aus bundesweiten Untersuchungen),
          • die Szenarienbildung.

 

Die Bildungsberichterstattung hat im Kontext des Bildungsmonitorings einen zentralen Stellenwert, sie ist das Kernstück des Monitorings. Bei ihr handelt es sich um eine systematische, theoriebasierte, indikatorengestützte, regelmäßige und umfassende Darstellung des Bildungsbereichs. Dies mit dem Ziel, Strukturen und Entwicklungen zu beschreiben, regionale Vergleiche zu ermöglichen, die Leistungsfähigkeit des Bildungswesens insgesamt und seiner Teile einzuschätzen sowie Grundlagen für politische Entscheidungen zur Verbesserung des Bildungswesens zu liefern. Sie ist die Komponente des Monitorings, die auf Dauer gestellt ist und somit auch die Verfolgung von Zeitreihen und damit Entwicklungslinien erlaubt. Sie ist auch zentraler Input für andere Komponenten des Bildungsmonitorings.

 

3.          Ausgangspunkt von Bildungsberichterstattung und Bildungsmonitoring:                            Verständigung über Ziele, Inhalte und Problemlagen

Bildungsberichterstattung und Bildungsmonitoring sollen nicht bloß Daten über institutionalisierte Bildungsangebote und deren Nutzung zur Verfügung stellen. Sie müssen sich an den Zielen von Bildung orientieren, die in der Kommune als relativ verbindlich gelten, diese als Basis explizit formulieren und entsprechend wichtiger Problemlagen operationalisierbar machen. Die Ziele für Bildung und die wichtigsten Problemlagen in einer Kommune bilden den Bezugsrahmen der zu berichtenden Daten und Indikatoren. Zentrale Themen und Problemlagen müssen kontinuierlich bearbeitet, andere in gewissen Abständen fokussiert werden. Die Auswahl der entsprechenden Inhalte kann sich u. a. orientieren an:

 

  • den  Zielen von Bildung (Gesamtstrategie),
  • den aktuellen Problemlagen und Fragestellungen,
  • der Relevanz für bildungspolitische Steuerungsfragen,
  • der Machbarkeit und der Datenverfügbarkeit.

 

4.          Bildungsbericht – ein Produkt der Bildungsberichterstattung

Der gedruckte Bildungsbericht, der in bestimmten regelmäßigen Abständen vorgelegt wird, ist nur ein, wenngleich das öffentlichkeitswirksamste Produkt einer  Bildungsberichterstattung. Kern des Bildungsberichts ist ein überschaubarer, systematischer, regelmäßig aktualisierbarer Satz von Indikatoren, die jeweils für ein zentrales Merkmal von Bildungsprozessen bzw. einen zentralen Aspekt von Bildungsqualität stehen. Diese Indikatoren werden aus amtlichen Daten und sozialwissenschaftlichen Erhebungen in Zeitreihe ermittelt und dargestellt, wenn möglich im regionalen oder Landesvergleich und aufgeschlüsselt nach kleinräumlichen Einheiten. Die Interpretation dieser Daten ermöglicht es, die Entwicklung des Bildungswesens nachzuvollziehen, Stärken und Schwächen zu identifizieren, die Leistungsfähigkeit von Bildungseinrichtungen vergleichend zu betrachten und somit politischen Handlungsbedarf zu verdeutlichen.

 

Da nicht für alle Fragestellungen im Bildungsbereich Daten und Indikatoren zur Verfügung stehen, kann der Bildungsbericht durch nicht indikatorengestützte Teile  ergänzt werden. Gemeint sind hiermit z. B. thematische Analysen zu bestimmten Schwerpunktbereichen, die Einbeziehung von Projekten, Programmergebnissen,  Qualitätsentwicklungsmaßnahmen oder Bildungsaktivitäten sowie Bestandsaufnahmen von Bildungs- und Beratungsangeboten sowie sonstigen Aktivitäten der unterschiedlichen Bildungsträger. 

 

5.          Bildungsmonitoring – Aktionsfeld im Projekt „Lernen vor Ort“

Seit Herbst 2009 wird die Stadt Herne gemeinsam mit bundesweit 40 Kommunen und Kreisen im Rahmen des Programms „Lernen vor Ort“ gefördert. Das Vorhaben wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und aus dem europäischen Sozialfonds der Europäischen Union zunächst bis 2012 finanziert.

„Lernen vor Ort“ ist eine gemeinsame Initiative des BMBF mit deutschen Stiftungen und soll Kreise und kreisfreie Städte dabei unterstützen, ein kohärentes Bildungsmanagement vor Ort zu entwickeln und zu verstetigen, so dass Bildungsstationen entlang der individuellen Lebensläufe systematisch aufeinander bezogen werden können. Stärker als bisher sollen Bildungsangebote aufeinander abgestimmt und miteinander verzahnt werden.

 

Insgesamt sechs Aktionsfelder bearbeiten die Programmkommunen im Förderzeitraum entsprechend ihrer Projektanträge, wobei die erstgenannten vier für alle Teilnehmer obligatorisch sind:

 

a)      Kommunales Bildungsmanagement

b)      Kommunales Bildungsmonitoring

c)      Bildungsberatung

d)      Bildungsübergänge

e)      Integration / Diversitätsmanagement

f)       Familienbildung / Elternarbeit.

 

Das kommunale Bildungsmonitoring gehört damit zu den zentralen Elementen des Förderprogramms. „Lernen vor Ort“ geht davon aus, dass ein gutes Bildungsmanagement auf klaren Fakten basiert, welche mit rationalen Messverfahren erfasst und regelmäßig in einem Berichtssystem dargestellt werden. Die standortspezifische Analyse vorliegender Daten legt die Wirkungen der vielfältigen Bildungs- und Beratungsangebote in allen Bereichen der Bildung offen und macht Handlungsbedarfe deutlich. Der Prozess der Berichterstattung und des Monitorings wird von den Kommunen eigenverantwortlich gesteuert. Dabei erhalten die Projektteilnehmer im Rahmen des Programms umfassende Qualifizierung und Beratung zur Einbettung des Bildungsmonitorings in eine lokale Bildungsstrategie. Partner des Programms „Lernen vor Ort“ sind neben den Statistikämtern von Bund und Ländern das Deutsche Institut für internationale pädagogische Forschung (DIPF) und das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE).

 

Das Programm „Lernen vor Ort“ fügt sich damit nahtlos in die beschriebenen Anstrengungen zur Weiterentwicklung einer kommunalen Bildungsberichterstattung ein und kann den Gesamtprozess maßgeblich mit unterstützen und beschleunigen.

 

6.          Zusammenfassung – die nächsten Schritte

Der laut vorliegendem Beschlussvorschlag für den nächsten Bildungsbericht 2011 ausgewählte Themenschwerpunkt spiegelt den aktuellen Stand der Diskussion über Herner Bildungsziele und Problemlagen wider. So hatte bereits der Auftrag zum ersten Bildungsbericht einen deutlichen Fokus auf den Bereich der Übergangs- und Abschluss-situation gelegt und den Blick ausdrücklich auf die Bildungsbeteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund gerichtet. Die eindeutige Beschränkung auf einen zentralen Bildungsschwerpunkt, welcher dann jedoch vertiefend analysiert und bewertet wird, entspricht gleichfalls der geltenden Beschlusslage zur Weiterentwicklung der Bildungsberichterstattung. Über das Projekt „Lernen vor Ort“ werden verschiedene zentrale Aktionsfelder bearbeitet. Hierzu gehören u. a. das kommunale Bildungsmonitoring, der Bereich der Bildungsübergänge sowie das Handlungsfeld „Integration“. Konsequenterweise waren die Bildungsübergänge dann auch zentraler Gegenstand der ersten Herner Bildungskonferenz im Februar 2010.

 

Die vorgenannten Ansätze zur Weiterentwicklung einer Herner Bildungsberichterstattung dürfen nicht isoliert voneinander betrachtet und verfolgt werden. Vielmehr geht es darum, alle hieraus entstehenden Chancen und Möglichkeiten zu nutzen und zu einem stimmigen Gesamtsystem von Bildungsmanagement und Bildungsmonitoring zusammen zu führen. Die Festlegung eines Themenschwerpunktes für den nächsten Bildungsbericht 2011 ist ein erster Schritt dorthin. Darüber hinaus gilt es, als Grundlage für ein umfassendes Bildungsmonitoringsystem, die Problemanalyse der wesentlichen Rahmenbedingungen sowie die Zieldefinition für Bildung in der Stadt Herne zu verfeinern.

Hierauf aufbauend ist ein Indikatorenset von dauerhaft und ggf. auch perspektivisch zu betrachtenden Kernindikatoren zu entwickeln, welches die Anforderungen an die Relevanz für bildungspolitische Steuerungsfragen, die Verfügbarkeit, Aussagefähigkeit und Vergleichbarkeit der Daten sowie die Möglichkeiten einer kleinräumlichen Betrachtung erfüllt. Letztlich sind Bestandteile des Bildungsmonitorings zu definieren, die ggf. nicht indikatorengestützt dargestellt werden können. 

 

Zusammenfassend muss es das Ziel sein, über den regelmäßigen Turnus eines                   kommunalen Bildungsberichtes hinaus, den Prozess eines fortlaufenden und umfassenden Bildungsmonitorings zu beginnen und als zentrales Steuerungselement fortzuentwickeln. Die aktuellen Strukturen sind in diesem Kontext hervorragend dazu geeignet, diesen Gesamtprozess zu unterstützen und zu begleiten.           

 

Der Oberbürgermeister

In Vertretung

 

 

 

Thierhoff

Stadträtin