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Vorlage - 2010/0699  

Betreff: Gewässerplanung städtischer Schmiedesbach-Mittellauf
Status:öffentlichVorlage-Art:öffentliche Beschlussvorlage
Verfasser:Reinholz, Rolf-Dieter
Federführend:FB 55 - Stadtgrün Bearbeiter/-in: Schulz, Susanne
Beratungsfolge:
Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung Vorberatung
18.11.2010 
des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung beschlossen   
Ausschuss für Umweltschutz Vorberatung
24.11.2010 
des Ausschusses für Umweltschutz beschlossen   
Bezirksvertretung Herne-Mitte Entscheidung
25.11.2010 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Herne-Mitte beschlossen   

Finanzielle Auswirkungen
Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

Finanzielle Auswirkungen: Ausgaben/Einnahmen in €:

 

Finanzielle Auswirkungen in €

           Teilergebnisplan (konsumtiv)

Produkt

Kontengruppe

Ertrag/Aufwand (-)

Nr.:

Bez.:

Nr.:

Bez.:

 

 

Teilfinanzplan (investiv)

Maßnahme

Kontengruppe

Einzahlung/Auszahlung (-)

Nr.:

Bez.:

Nr.:

Bez.:

 

 

Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:

Die Bezirksvertretung Herne-Mitte beschließt, den Mittellauf Schmiedesbach zwischen der Holsterhauser Straße (Höhe Fa. Decathlon) und der Rottbruchstraße  auszubauen und zu renaturieren.

 

Sachverhalt:

Sachverhalt:

Die ökologische Verbesserung des Schmiedesbaches ist Teil der Konzeption zum Umbau des Emschersystems. Die Voraussetzungen für die Umgestaltung sind zum einen durch die Beendigung der Bergbautätigkeit und zum anderen durch die vorlaufende Entflechtung von Schmutz- und Reinwasser gegeben. Der Schmiedesbach dient zurzeit als Vorfluter für die Schmutz- und Reinwasserströme im westlichen Teil des Herner Stadtgebietes.

 

Die Umgestaltung des Schmiedesbachs gliedert sich in drei Teilabschnitte, und zwar Hibernia-Zulaufgraben (Oberlauf), Mittellauf Schmiedesbach und  Unterlauf Schmiedesbach. Das Einzugsgebiet des Schmiedesbaches kann grob in einen südlichen und nördlichen Bereich eingeteilt werden. Der südliche Bereich (etwa von der Straße des Bohrhammers bis zur Rottbruchstraße) ist der städtische Abschnitt und auf seiner gesamten Länge verrohrt.

 

Der Ausbau der ersten beiden Teilabschnitte erfolgt durch die Stadt Herne / Stadtentwässerung Herne GmbH & Co. KG (SEH), der letzte Abschnitt durch die Emschergenossenschaft (EG). Der letzte Abschnitt beginnt im Bereich der Rottbruchstraße und geht bis zur Einmündung in die Emscher.

 

Der Mittellauf soll also als Maßnahme der „Zukunftsvereinbarung Regenwasser“ den Lückenschluss zwischen dem bereits realisierten Gewässer auf dem Gelände des Gewerbeparks Hibernia und dem Unterlauf Schmiedesbach, im Bereich der Rottbruchstraße, bilden.

 

Die Baukosten betragen 1.250.000 €. Die Maßnahme wird durch das Land NRW mit einer Zuwendung in Höhe von 80 % gefördert, den verbleibenden Eigenanteil von 20 % trägt die SEH.

 

Mit der Maßnahme soll im November 2010 begonnen werden. Die Fertigstellung ist für Ende 2012 geplant.

 

Im Rahmen des Gewässerausbaus werden alle heutigen Abwassereinleitungen in den Schmiedesbach beseitigt, wobei der Bach zu einem überwiegend offen geführten Reinwasserlauf umgestaltet wird. Es ist vorgesehen aus Teilbereichen des Stadtteils Holsterhausen das Quell-, Grund- und Oberflächenwasser von der Mischwasserkanalisation abzukoppeln und an den Schmiedesbach über ein weitgehend offen geführtes Grabensystem anzubinden.

 

Der Schmiedesbach-Mittellauf beginnt auf einem ehemaligen Zechengelände, welches später auch als Standort des Chemiewerkes Hibernia genutzt wurde. Das Gebiet wurde saniert und einer neuen Nutzung als Gewerbepark (Hibernia) zugeführt. Das Gewerbegebiet „Hibernia“ wird im Trennverfahren entwässert. Das auf dieser Fläche anfallende Regenwasser wird in das bereits gebaute Grachtensystem eingeleitet.

 

Der Ablauf des gedichteten Grachtensystems wird derzeit gedrosselt in den städtischen hydraulisch stark belasteten Abschnitt des Schmiedesbaches an der Holsterhauser Straße eingeleitet. Der Schmiedesbach führt in nördliche Richtung auf einer Länge von ca. 1.000 m bis zur Straße „An der Ziegelei“, wo er bei km 2,45 in den genossenschaftlichen Abschnitt übergeht.

 

Der städtische Abschnitt der Gewässertrasse liegt abschnittsweise im Straßenbereich, quert auf längeren Strecken Park- und Kleingartenflächen sowie private Grundstücksflächen. Die städtische Kanalisation entwässert bis auf die Gewerbefläche Hibernia im Mischsystem.

 

Als ursprüngliches Quellgebiet gilt das Gelände des heutigen Gewerbeparks Hibernia. Der historische Verlauf des Schmiedesbaches ist nur teilweise bekannt.

 

Der heutige Fließweg durch die bestehende Mischwasserkanalisation entspricht einem simulierten Fließweg entlang der Ludwig-Steil-Straße und der Haberstraße. Diese Trasse steht jedoch für den naturnahen Ausbau eines Gewässers nicht zur Verfügung, auch der bekannte historische Fließweg ist größtenteils überbaut.

 

Die geplante Trasse orientiert sich daher an einem weiter östlich gelegenen simulierten Fließweg, der hauptsächlich durch öffentliche Grünflächen und den Friedhof verläuft. Diese Trasse quert die Holsterhauser Straße und mehrere Wohnstraßen mit den dazugehörigen Abwasserkanälen und Versorgungsleitungen.

 

Aus den hydrogeologischen Untersuchungen geht hervor, dass ein Teil des Niedrigwasserabflusses des renaturierten Bachlaufs versickern würde, so dass ein nicht gewollter Anstieg des Grundwasserstandes verursacht würde. Eine Abdichtung der Sohle ist daher zwingend erforderlich. Hieraus folgt, dass eine natürliche Entwicklung der Linienführung des Baches für die Zukunft  unterbunden werden muss.

 

Bei der Planung der Gewässertrasse waren viele Zwangspunkte zu beachten (Kreuzungen von Straßen und Leitungen), so dass Bereiche mit großen  Einschnitttiefen und mit relativ hohen Abstürzen nicht zu vermeiden waren. Dieses Profil entspricht nicht den für die Gegend typischen Gewässern. Auch im Hinblick auf die gegebene Nutzung der angrenzenden Flächen kann nur von einem urbanen Gewässer gesprochen werden.

 

Um eine Erosion der Sohle und der Ufer zu beschränken, wird ein relativ geringes Gefälle mit einer feinsandigen bis kiesigen Struktur des Sohlsubstrates gewählt. Die durch das relativ hohe Gesamtgefälle und die Zwangspunkte entstehenden Abstürze sollen durch Sohlrampen und befestigte Kolke gestaltet werden, wodurch auch ein Abschwemmen von Kleinstlebewesen minimiert wird.

 

Die Durchgängigkeit für Kleinlebewesen wird durch ausreichend dimensionierte Rohrdurchlässe gewährleistet.

 

Durch die innerstädtische Lage sind an den Hochwasserschutz hohe Anforderungen zu stellen. Der Hochwasserbemessungsabfluss wurde deswegen für ein 100-jährliches Ereignis festgesetzt.

 

Das Einzugsgebiet des Mittellaufs Schmiedesbach umfasst zukünftig auch das Einzugsgebiet des Zulaufgrabens Hibernia. Dies kann hier jedoch vernachlässigt werden, da der Zulaufgraben Hibernia in den ehemaligen Bahneinschnitt des Hibernia- Geländes mündet. Von dort wird das Wasser über eine Pumpanlage in den Nord-Süd-Graben der Gracht gepumpt. Die Tiefenlage des Einschnittes verhindert ein Überlaufen in die Gracht. Hier muss lediglich die Pumpenleistung berücksichtigt werden. Sie beträgt ca. 11 l/s und ist als konstanter Zufluss berücksichtigt worden.

 

Das Einzugsgebiet ist insgesamt 63,125 ha (ohne Zulaufgraben Hibernia) groß. Die Anteile der befestigten Flächen stellen sich wie folgt dar:

 

undurchlässig :               31,107 ha

durchlässig :                             32,018 ha

 

Beim Oberflächenabfluss wurde davon ausgegangen, dass von ca. 10 % der unbefestigten Flächen Niederschlagswasser zum Abfluss kommt.

 

Der Niedrigwasserabfluss setzt sich im Wesentlichen aus den Fördermengen der Pumpstationen Bahneinschnitt Hibernia (11 l/s) und den zukünftig angeschlossenen Flottmannbrunnen (10l/s) zusammen. Insgesamt ist mit einem Gesamtabfluss von im Mittel ca. 21 l/s zu rechnen. Die Schwankungen hängen direkt von den aktuellen Grundwasserständen ab.

 

Das Gewässer soll zukünftig überwiegend zu Erholungszwecken dienen. Es verläuft hauptsächlich durch öffentliche Grünflächen und ist gut durch Fußgänger erreichbar. Da auf dem Gelände des städtischen Abenteuerspielplatzes das Gewässer durch spielende Kinder genutzt werden soll, wird eine Wasserqualität im Sinne der Badegewässerverordnung nachzuweisen sein.

 

Die jetzige Quelle des Schmiedesbaches stellt das östliche Pumpwerk im ehemaligen Bahneinschnitt des Gewerbeparks Hibernia dar. Es fördert zur Trockenhaltung des Bahneinschnittes Grundwasser und Drainagewasser aus dem ehemaligen Bahnhof Constantin. Als zukünftige Quelle kommen nach Realisierung des Zulaufgrabens Hibernia noch die ehemaligen Flottmannbrunnen hinzu.

 

Die Einzugsgebiete des geplanten Zulaufgrabens Hibernia und des Mittellaufes weisen keine Flächen auf, von denen belastetes Oberflächenwasser abfließt. Die Straßenflächen des Gewerbeparks Hibernia werden über straßenbegleitende Mulden entwässert und durchfließen dort bewachsene Bodenschichten. Eine zusätzliche Behandlungsmaßnahme ist nicht erforderlich.

 

Die Gracht auf dem Hibernia- Gelände ist ein stehendes Gewässer, welches auch die Funktion einer Regenwasserrückhaltung erfüllt. Hier finden aufgrund der sehr geringen Fließgeschwindigkeiten Absetzprozesse statt, die der Wasserqualität sehr zuträglich sind.

 

Insgesamt ist daher von einer guten Wasserqualität auszugehen.

 

Die Auswirkungen des neuen Gewässers auf den vorhandenen Grundwasserspiegel wurden mit einer Prognoseberechnung mit Hilfe eines Grundwassermodells durch die Emschergenossenschaft ermittelt.  Die angrenzende Wohnbebauung könnte durch einen Grundwasseranstieg von 0,25 m bis zu 1,25 m  beeinträchtigt werden. Der renaturierte Bach wird deshalb auf seiner gesamten Länge nach unten mit einer Bentonitmatte abgedichtet.

 

Als potentielle Abkopplungsflächen im Einzugsgebiet können die Flächen der Wohnbebauung entlang der „Karl-Bosch-Straße“ und „Im Hasenkamp“ betrachtet werden. Hier handelt es sich um mehrgeschossige Mehrfamilienhäuser mit klassischer, lockerer Siedlungsstruktur. Es kann davon ausgegangen werden, dass das Niederschlagswasser dieser Dachflächen problemlos dem Gewässer zugeleitet werden kann.

 

Auch entlang der Wohnbebauung der Bielefelder Straße können die Dachflächen langfristig abgekoppelt werden.

 

Eine weitere große Fläche zur langfristigen Abkopplung von der Mischwasserkanalisation ist der gesamte Friedhof, wobei nur der direkt am Gewässer liegende nördliche Teil ohne eine Umstrukturierung der Friedhofskanalisation ans Gewässer angeschlossen werden kann.

 

Da nur ein Teil der Friedhofswege mit Pflaster befestigt ist, wird es zu keiner nennenswerten Abflusskonzentration kommen, so dass der Abfluss annähernd einer natürlichen Fläche entspricht. Langfristig könnten alle anliegenden Grundstücke abgekoppelt werden.

 

Der Landesbetrieb Straßen NRW plant den 6-streifigen Ausbau der Bundesautobahn A 43, wobei auch die Entwässerung neu geregelt werden soll. Der gedrosselte Abfluss der neuen Regenwasserbehandlungsanlage der Anschlussstelle Herne- Eickel soll an den renaturierten Schmiedesbach angeschlossen werden. 

 

Der Mischwasserkanal in der Albert-Einstein-Straße, zwischen Karl-Bosch-Straße und dem Parkplatz der Kleingartenanlage, besitzt als Einzugsgebiet (ca. 1600 m²) lediglich die Straßenfläche mit den Gehwegen. Folglich kann dieser Abschnitt als Regenwasserkanal eingestuft und an das Gewässer angeschlossen werden, wobei aufgrund der geringen Verkehrsbelastung auf eine Regenwasserbehandlung verzichtet werden kann.

 

Die Entwässerungskanäle der Geh- und Radwege innerhalb der Grünflächen können im Zuge der Gewässerbaumaßnahme umgebunden werden. Der an den geplanten Schmiedesbach angrenzende Teil des Friedhofes kann im Rahmen der Realisierung vom Mischwassernetz abgekoppelt werden.

 

Im Bereich der Bielefelder Straße wird im Zuge der Baumaßnahme ein Teil der Straßenentwässerung abgekoppelt.

 

Die durch die Maßnahme verursachten Eingriffe in Natur- und Landschaft sind in dem Landschaftspflegerischen Begleitplan (LPB) dargestellt und bewertet worden. Im LPB werden die Kompensationsmaßnahmen für die Eingriffe in die Grünsubstanz festgelegt.

 

Insgesamt kommt der LBP zu dem Ergebnis, dass sich für den Planungsraum nach dem Umbau des Gewässers ein höherer Gesamtwert als für den aktuellen Bestand ergibt. Die Maßnahme führt also zu einer erheblichen ökologischen Verbesserung in dem betroffenen Gebiet.

 

Die Vorprüfung hat ergeben, dass eine Umweltverträglichkeitsprüfung nicht erforderlich ist, weil durch das Vorhaben keine erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt entstehen.

 

Hinsichtlich des geschützten Baumbestandes auf den städtischen Grünflächen ist anzumerken, dass bei einer wesentlichen Umgestaltung von städtischen Grünflächen die Verbote der Baumschutzsatzung nicht greifen (§ 3 Abs. 2). Die Belange des Baumschutzes wurden daher in dem Landschaftspflegerischen Begleitplan – LPB – berücksichtigt. Ersatzpflanzungen wurden im einen mehr als ausreichenden Umfang vorgesehen.

 

Der LPB ist im Sitzungsdienstverfahren ALLRIS der Vorlage als Anlage beigefügt.

 

Für die geplante Maßnahme wurde das vorgeschriebene wasserrechtliche Genehmigungsverfahren unter Abwägung aller relevanten Belange durchgeführt. Den Anregungen und Bedenken der Betroffenen konnte durch die Aufnahme von Nebenbestimmungen soweit begegnet werden, dass damit die Zuverlässigkeit des Gewässerausbaus gewährleistet ist.

 

Das Genehmigungsverfahren führte zu dem Ergebnis, dass der Plan zur Renaturierung des Mittellaufes Schmiedesbach positiv zu werten ist, da er den allgemeinen wasserwirtschaftlichen und ökologischen Zielsetzungen entspricht.

 

Folglich wurde die Maßnahme gemäß § 68 des Gesetzes zur Ordnung des Wasserhaushalts - Wasserhaushaltsgesetz – (WHG) durch die Stadt Herne als Untere Wasserbehörde (FB Umwelt) durch Bescheid vom 28.09.2010 genehmigt.

 

 

Der Oberbürgermeister

In Vertretung

 

 

 

(Terhoeven)

Stadtrat


Anlagen:

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Anlage 1 Vorlage 699 (931 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich Anlage 2 Vorlage 699 (819 KB)      
Anlage 3 3 öffentlich Anlage 3 Vorlage 699 (614 KB)      
Anlage 4 4 öffentlich LBP (6322 KB)