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Vorlage - 2011/0342  

Betreff: "Haus der Zukunft" der Stiftung "help and hope", Bahnhofstraße 259
- Anfrage des Bezirksverordneten Kleibömer vom 20.05.2011 -
Status:öffentlichVorlage-Art:Anfrage Die Linke
Verfasser:BVO Kleibömer, DanielAktenzeichen:FB 11
Federführend:FB 11 - Rat und Bezirksvertretungen Beteiligt:FB 42 - Kinder-Jugend-Familie
Beratungsfolge:
Bezirksvertretung Herne-Mitte Entscheidung
01.06.2011 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Herne-Mitte    

Sachverhalt

Seit August betreibt die im Dezember 2005 von der KiK Textilien & Non-Food GmbH gegründete Stiftung „help and hope“ an der Bismarckstraße einen „Kidstreff“ als Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit

Seit August betreibt die im Dezember 2005 von der KiK Textilien & Non-Food GmbH gegründete Stiftung  „help and hope“ an der Bismarckstraße einen „Kidstreff“ als Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit.

 

Im Infobrief 3/2011 der Stiftung vom März 2011 teilte die Stiftung mit, dass sie eine zweite Einrichtung, einem „Haus der Zukunft“ / „help an hope 4 Teen“ plane. Weiter heißt es in dem Infobrief:
 

„Inzwischen haben erste, wegweisende Gespräche in den Gremien der Sftigung und auch mit der Stadt Herne stattgefunden. Zurzeit finden entsprechende Verhandlungen mit dem Eigentümer statt und zusätzlich planen wir bereits gemeinsam mit einem Architekten den notwendigen Umbau unseres neuen Gebäudes“.

 

In einer der Fachverwaltung zugesandten Information Anfang Mai 2011 stellt die Stiftung u. a. fest, dass sie „Träger der freien Jugendhilfe ist“. außerdem sei sie „an einer bedarfsorientierten Zusammenarbeit mit den öffentlichen und freien Trägern interessiert und möchten (sich) in den vorhandenen Jugendhilfelandschaft einfügen.“

 

Im 1. Entwurf „Pädagogisches Konzept, Haus der Zukunft, Herne-Baukau“, Stand Februar 2011, wird unter 6. Zielsetzung unter anderem genannt:

 

  • Beteiligung / Partizipation der Eltern durch Familiengespräche und Perspektivvermittlung
  • Förderung der Kommunikation zwischen Eltern, Schule, Jugendamt und Kinder
  • Hilfe bei kritischer Auseinandersetzung mit Medien und Jugendkultur

 

Weiter heißt es unter 8.1 Räumlichkeiten: „Eine Außenwerbefläche für stiftungsspezifische Werbung und kostenfreie Werbung für Unterstützer des Haus der Zukunft ist auf dem Gelände vorhanden“.

 

Laut Stiftung (WAZ vom 10. Mai 2011) ist das Herner Projekt durch „Spendenzusagen unserer Partner“ abgesichert. Eine finale Entscheidung steht aber noch aus.

 

Ursprünglich plante die Stiftung die Errichtung des „Haus der Zukunft“ in Dortmund. Neben den auch in Herne geplanten Angeboten war dort auch die Einrichtung einer Kleiderkammer vorgesehen.

 

Ende 2010 nahm die Stiftung von dem Dortmunder Projekt Abstand. Unter anderem, weil der Hauptsponsor KiK seine Zusage zurückgenommen habe. Dazu die WAZ Dortmund vom 01.09.2010:

 

Lindloff (Vorstandsvorsitzender der Stiftung) meinte: „Das Fass zum Überlaufen gebracht“ habe aus der Sicht von „KiK“ die jüngste ARD-Dokumentation über den Textildiscounter. Darin hätten sich drei Schulleiterinnen aus dem Raum Scharnhorst nachdrücklich gegen eine Finanzierung des „Zukunftshauses“ durch Sponsoren wie „KiK“ ausgesprochen: Solchen Unternahmen fehle die moralische Integrität, Kinder aus armen bzw. sozial schwachen Familien zu unterstützen. (…)

Lindloff weiter: „KiK“ habe sich sozial engagieren wollen - und über Monate hinweg kalten Gegenwind in der Öffentlichkeit zu spüren bekommen. „Die Reaktion, die nun erfolgte, hat auch menschliche Gründe“.

Der Stiftungsvorstandsvorsitzende verwies im Gespräch mit unserer Redaktion auf Herne, wo „help & hope“ mit offenen Armen empfangen worden sei und nun ein Kinderhaus eröffnet habe. „Dort war es ein glatter Durchmarsch“.

 

Laut Pressemitteilung von KiK vom 10. März 2011 spendete der Textil-Discounter 2010 mehr als 500.000 Euro an die Stiftung help and hope. Ein Großteil der KiK-Spende floss in den Kidstreff an der Bismarckstraße.

 

In diesem Zusammenhang bitten wir um die Beantwortung folgender Fragen:

 

1.              Wann hat die Stiftung einen Antrag auf Nutzungsänderung des ehemaligen               Sanitätshauses auf der Bahnhofstraße 259 gestellt?             

2.              Ist der Antrag genehmigt worden bzw. wann ist mit einer Genehmigung zu rechnen?

3.              Wann wurde der zuständige Fachbereich Kinder - Jugend - Familie von der Stiftung               erstmalig über die geplante Errichtung des „Haus der Zukunft“ informiert?

4.              Wurde im Vorfeld zur geplanten Errichtung des „Haus der Zukunft“ mit der               Fachverwaltung und der Jugendhilfeplanung abstimmende Gespräche darüber geführt,               wie ein „Haus der Zukunft“ als feste Einrichtung konzeptionell in die Jugendhilfestruktur               der Stadt Herne passt?

5.              Wurden von der Stiftung Gespräche mit der Verwaltung darüber geführt, ob ein               Engagement der Stiftung als unterstützendes Element der Kinder- und Jugendarbeit in               Herne außerhalb des Betriebs einer eigenständigen Einrichtung möglich ist?

6.              Widerspricht die geplante Nutzung der vorhandenen Außenwerbefläche dem Gebot               einer werbefreien Kinder- und Jugendarbeit?

7.              Was veranlasst die Stiftung, sich als „Träger der Jugendhilfe“ zu bezeichnen?

8.              Wie stellt die Verwaltung sicher, dass die Stiftung den Schutz von Sozialdaten bei der               Umsetzung der Ziele „Förderung der Kommunikation zwischen Eltern, Schule,               Jugendamt und Kinder“ und „Beteiligung/Partizipation der Eltern durch               Familiengespräche und Perspektivvermittlung“ einhält?

9.              Liegt der Verwaltung ein Finanzierungskonzept für den mittelfristigen Betrieb (5 Jahre)               des „Haus der Zukunft“ vor?

10.              Besteht die Möglichkeit über die Stiftungsaufsicht NRW prüfen zu lassen, ob die               Stiftung langfristig die Betriebskosten von geschätzt 400.000 € pro Jahr aufbringen               kann?

11.              Ist der Verwaltung bekannt, ob im „Haus der Zukunft“ eine Kleiderkammer eingerichtet               werden soll?

12.              Wie hoch schätzt die Verwaltung die Gefahr ein, dass sich KiK als Hauptsponsor der               Stiftung wie in Dortmund aus dem Projekt zurückzieht?

13.              Ist der Verwaltung bekannt, was die Stiftung unter „Hilfe bei kritischer               Auseinandersetzung mit Medien“ versteht?