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Vorlage - 2012/0239  

Betreff: Wohnungsmarkt Ruhr — 2. Regionaler Wohnungsmarktbericht
Status:öffentlichVorlage-Art:Berichtsvorlage
Verfasser:Marquardt, Klaus
Federführend:FB 22 - Immobilien und Wahlen Bearbeiter/-in: Marquardt, Klaus
Beratungsfolge:
Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung Vorberatung
24.04.2012 
des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung zur Kenntnis genommen   
Integrationsrat Vorberatung
Haupt- und Finanzausschuss Vorberatung
22.05.2012 
des Haupt- und Finanzausschusses zur Kenntnis genommen   
Rat der Stadt Entscheidung
05.06.2012 
des Rates der Stadt zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:

Sachverhalt:

 

Die elf kreisfreien Städte Duisburg, Oberhausen, Mülheim an der Ruhr, Bottrop, Essen, Gelsenkirchen, Herne, Bochum, Hagen, Dortmund und Hamm arbeiten seit 2003 an gemeinsamen Projekten unter dem Titel Städteregion Ruhr 2030. Eines der ersten gemeinsamen Leitprojekte war der Prozess Masterplan Ruhr. Angestoßen durch diesen Prozess wurde 2009 unter dem Titel „Wohnen in der Städteregion Ruhr“ der 1. Regionale Wohnungsmarktbericht erstellt. Fachliche Unterstützung bei der Erstellung des Berichts gewährte die damalige Wohnungsbauförderungsanstalt NRW (heute NRW.BANK). Vereinbart war eine Fortschreibung alle 3 Jahre.

 

Den beteiligten Städten ist bewusst, dass der Wohnungsmarkt nicht an den Grenzen der kreisfreien Städte endet. Es lag nahe, die Fortschreibung des regionalen Wohnungsmarktberichtes in Zusammenarbeit mit den benachbarten Kreisen durchzuführen. Der jetzt vorliegende zweite Regionale Wohnungsmarktbericht zum „Wohnungsmarkt Ruhr“ wurde zusammen mit den Kreisen Unna, Recklinghausen und Wesel sowie dem Ennepe-Ruhr-Kreis erarbeitet.

 

Damit entspricht die räumliche Kulisse dem Verbandsgebiet des Regionalverbandes Ruhr. Ebenfalls beteiligt waren die Wohnungsmarktbeobachtung der NRW.BANK und die unter dem Titel Wohnen im Revier (WIR) kooperierenden kommunal(nah)en Wohnungsunternehmen (GEBAG, Duisburg; swb mbH, Mülheim an der Ruhr; Allbau AG, Essen; GWG mbH, Gladbeck; ggw mbH, Gelsenkirchen; HGW mbH, Herne; VBW BAUEN UND WOHNEN GmbH, Bochum; SGW mbH, Witten; DOGEWO21 mbH, Dortmund).

 

Der Bericht untergliedert sich nach einer Einführung und einem Abschnitt „Für den eiligen Leser“ (Kurzfassung) in die Kapitel

 

1. Immobilienmarkt

2. Wohnungsangebot

3. Bedarf und Nachfrage

4. Bilanzierung der Wohnungsmarktentwicklung

5. Regionales Wohnungsmarktbarometer

6. Ausblick

 

Er enthält zudem einen Exkurs zur Wohnraumförderung durch das Land NRW sowie zur Thematik ethnische und soziale Segregation. Ferner ist ein längerer Beitrag von WIR zur wohnungswirtschaftlichen Kooperation im Ruhrgebiet Bestandteil des Berichts.

 

Die Finanzierung erfolgt durch ein Umlageverfahren auf alle beteiligten Städte und Kreise sowie die beiden Partner NRW.BANK und WIR.

 

 

 

Besondere Ergebnisse für Herne

 

Gegenüber dem ersten Regionalen Wohnungsmarktbericht unverändert sind Besonderheiten des Wohnungsbestands und –angebots in Herne:

 

     Die Stadt verfügt aufgrund relativ geringer Kriegszerstörungen mit Anteilen von jeweils einem Drittel über den größten Altbauwohnungsbestand (Baujahr bis 1948) in der Region und im Vergleich der Großstädte über den geringsten Bestand an Wohnungen in Nachkriegsbauten (Bj. 1949-1968; S. 23).

     Die deutlich höchste Siedlungs- und Verkehrsflächendichte in Herne führt zur aktuell (2008-2010) geringsten Bauintensität bei Mehrfamilienhäusern (0,5 fertig gestellte Wohnungen auf 1000 Bestandswohnungen) und zur zweitgeringsten Bauintensität bei Ein- und Zweifamilienhäusern (3,2 ; vor Oberhausen; S. 21). Aus dem gleichen Grund kann Herne auch nur die zweitgeringsten Wohnbauflächenreserven ausweisen (2011: 2,1 m² je Einwohner; allerdings deutlich vor Essen mit 1,7 m²; S. 17).

     Im Vergleich des gesamten Wohnungsmarktes Ruhr weist Herne weiterhin relativ günstige Preise für Baugrundstücke sowie im Gebrauchtimmobilienmarkt sowohl im Segment der freistehenden Einfamilienhäuser als auch bei den Eigentumswohnungen auf (S. 9ff). Auch bei den Mietpreisen zählt die Stadt erneut zu den günstigen Standorten (S. 57).

 

In einer erstmals in Deutschland unternommenen Untersuchung wird Städte vergleichend und stadtübergreifend beobachtet, wie sich über einen langen Zeitraum hinweg die ethnische und soziale Wohnsegregation entwickelt hat (S. 82ff). Herne weist im Ruhrgebietskontext die Besonderheit auf, dass hier am deutlichsten und am kontinuierlichsten die Wohnstandortkonzentration ausländischer, speziell türkischer Einwohner abgenommen hat. Dies ist in abgeschwächter Form aber auch für das gesamte Ruhrgebiet seit Mitte der 80er-Jahre nachzuweisen. Seit Ende der 90er-Jahre flacht diese Entwicklung ab – vermutlich deshalb, weil in diesem Zeitraum die soziale Segregation, gemessen an der Wohnstandortverteilung von Arbeitslosen im Vergleich zu nicht Arbeitslosen, merklich zugenommen hat.

 

 

 

Weiteres Vorgehen und Ausblick

 

Es ist vorgesehen, zu den Ergebnissen des Zweiten Regionalen Wohnungsmarktberichtes im dritten Quartal 2012 eine Fachveranstaltung durchzuführen. Diese wird als Kooperationsveranstaltung der beteiligten Partner organisiert werden. Entstehende Kosten werden umgelegt.

 

Grundsätzlich besteht Einvernehmen, dass die regionale Wohnungsmarktbeobachtung wie bisher alle drei Jahre fortgeschrieben werden wird. Zugleich soll aber auch gemeinsam an der strategischen Weiterentwicklung des Handlungsfeldes Wohnen gearbeitet werden. Zu diesem Zweck ist beabsichtigt, unter dem Arbeitstitel „Perspektive Wohnungsmarkt Ruhr“ in den nächsten zwei Jahren in einem Strategiepapier für die gesamte Region die zahlreichen Verknüpfungen des Themas Wohnen mit den Themen der Stadtentwicklung (z. B. demographischer Wandel, sinkende Haushaltszahlen, Quartiersentwicklung, Segregation, Sicherung von Infrastruktur, Modernisierung der Bestände) aufzugreifen. Dies bedarf der politischen Beratung und Beschlussfassung. Im 2./3. Quartal 2012 wird daher eine im Kern gleichlautende Beschlussvorlage in die elf Räte und vier Kreistage eingebracht werden.

 

Neben und ergänzend zu dieser regionalen Zusammenarbeit sollen auch vor Ort auf der Grundlage einer Wohnungsmarktanalyse konkrete Perspektiven für das zukünftige Handeln der Kommune in Zusammenarbeit mit den wichtigen Akteuren erarbeitet werden. Zugleich mit der Vorlage „Perspektive Wohnungsmarkt Ruhr“ – voraussichtlich in der kommenden Sitzung – wird daher dem Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung die Beauftragung eines Handlungskonzepts Wohnen für die Stadt Herne zur Entscheidung vorgelegt werden.

 


Anlagen:

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Wohnungsmarkt_Ruhr_2011 (4142 KB)