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Vorlage - 2012/0479  

Betreff: Teilnahme am Projekt KECK / KOMPIK der Bertelsmann Stiftung
Status:öffentlichVorlage-Art:öffentliche Beschlussvorlage
Verfasser:1. Frau Möller - 3560
2. Herr Jäkel - 3075
3. Herrn Neumann - 2160
Federführend:FB 42 - Kinder-Jugend-Familie Beteiligt:FB 31 - Schule und Weiterbildung
Bearbeiter/-in: Deutsch, Christina  Büro Dezernat III
Beratungsfolge:
Jugendhilfeausschuss Vorberatung
29.08.2012 
des Jugendhilfeausschusses beschlossen   
Schulausschuss Entscheidung
06.09.2012 
des Schulausschusses beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:

Der Jugendhilfeausschuss / der Schulausschuss

  • nimmt das im Folgenden beschriebene Projektvorhaben zur Kenntnis,
  • beauftragt die Verwaltung, sich als Modellkommune für die Projekte KOMPIK (Kompetenzen und Interessen von Kindern) und KECK (Kommunale Entwicklung Chancen für Kinder) zu bewerben und einen Kooperationsvertrag mit der Bertelsmann Stiftung zu schließen und
  • beauftragt die Verwaltung, regelmäßig über den Projektverlauf zu berichten.

 

Sachverhalt:

Sachverhalt:

Im Rahmen ihres gesetzlichen Bildungs- und Erziehungsauftrags sollen Kindertageseinrichtungen die Entwicklung von Kindern beobachten und regelmäßig dokumentieren (vgl. §13(5) Kinderbildungsgesetz). Diesem Grundsatz wird in den Herner Kindertageseinrichtungen durch die Anfertigung von Bildungs- und Entwicklungsdokumentationen bereits seit einigen Jahren Rechnung getragen.

 

Bildungs- und Entwicklungsdokumentationen stellen ein wichtiges Element der pädagogischen Planung in Kindertageseinrichtungen dar. Auf Basis fundierter Beobachtung können Kinder ihren Bedarfen und Potenzialen entsprechend individuell gefördert werden. Darüber hinaus eignen sie sich als Grundlage für Entwicklungsgespräche mit Eltern. Auch im Zuge des Übergangs von der Kindertageseinrichtung in eine Grundschule sind Bildungsdokumentationen mit Blick auf Kontinuität in der Entwicklungsbegleitung hilfreich. Eltern und Fachkräfte können Lehrern Einblick in die bisherige Entwicklung ihrer Kinder gewähren.

 

Mit Blick auf die Praxis der Herner Kindertageseinrichtungen ist festzustellen, dass Bildungsdokumentationen derzeit auf Basis unterschiedlicher Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren erstellt werden. Eine Vorgabe des Landes fehlt. Den Kindertageseinrichtungen wird trägerseits zwar der Einsatz bestimmter Instrumente und Verfahren empfohlen, da diese Empfehlungen teilweise unverbindlichen Charakter haben und zudem auch trägerspezifisch variieren, sind derzeit etwa 20 verschiedene Verfahren im Einsatz.

 

Von Seiten der Einrichtungen wird dieser Umstand bedauert. So entwickelte sich aus dem mehrtägigen fachbereichsübergreifenden Workshop „Übergang KiTa - Grundschule“ eine Initiative zu einer trägerübergreifenden Abstimmung der Verfahren zur Bildungs- und Entwicklungsdokumentation, auf einem hohen fachlichen Standard. Neben der Stadt Herne, gemessen an der Zahl der Einrichtungen größter Träger in Herne, begrüßt und unterstützt auch der evangelische Kirchenkreis die Einführung eines einheitlichen Verfahrens ausdrücklich.

 

Mehrere Argumente sprechen für ein solches vereinheitlichtes Verfahren in den Herner Kindertageseinrichtungen:

  • einheitliche Qualitätsstandards
  • der Austausch innerhalb und  zwischen Kitas  wird erleichtert
  • Erleichterung im Übergang zur Grundschule durch ein für die Schulen einheitliches Beobachtungsverfahren
  • gute Entwicklungsdokumentationen als Basis für regelmäßige Entwicklungs-gespräche mit den Eltern

 

 

KOMPIK

Ein aus Sicht zahlreicher Fachkräfte geeignetes Verfahren zur Entwicklungsbeobachtung und –dokumentation in Kindertageseinrichtungen stellt KOMPIK (Kompetenzen und Interessen von Kindern) dar, das im Rahmen des Programms „Wirkungsvolle Bildungsinvestitionen“ der Bertelsmann Stiftung entwickelt wurde.

In einer gemeinsamen Sitzung im März diesen Jahres haben sich sowohl die Stadt Herne, als auch der evangelische Kirchenkreis, als Träger von zusammen etwa 60 v.H. aller Herner Kindertageseinrichtungen, darauf verständigt, den Einsatz von KOMPIK als gemeinsamen Standard in ihren Einrichtungen anzustreben und damit zu einer Vereinheitlichung der Verfahren in Herne beizutragen. Mittlerweile haben weitere Träger und Einrichtungen ihr Interesse bekundet, so dass KOMPIK bereits zum jetzigen Stand zukünftig in fast drei Viertel aller Kindertageseinrichtungen eingesetzt wird.

 

KOMPIK ist ein Verfahren, mit dem die Entwicklung von 3,5- bis 6-jährigen Kindern nach wissenschaftlichen Standards erfasst und dokumentiert werden kann. Kernelement von KOMPIK ist ein strukturierter Beobachtungsbogen, der in Kooperation mit dem bayerischen Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) entwickelt wurde und zahlreiche Fragen zu elf Entwicklungsbereichen - beispielsweise zur motorischen Entwicklung von Kindern - umfasst. Eine Besonderheit von KOMPIK ist die EDV-Basierung. Der Beobachtungsbogen kann nicht nur in Papierform, sondern auch direkt an einem PC ausgefüllt werden. Eine eigens entwickelte Software erlaubt es den Erzieherinnen und Erziehern, mit geringem Aufwand eine differenzierte Auswertung zur Entwicklung „ihrer“ Kinder zu generieren.

 

KECK

 

Die EDV-Basierung ermöglicht es darüber hinaus, die KOMPIK-Ergebnisse in anonymisierter, aggregierter Form mit Daten zum Wohnumfeld der Kinder zu verknüpfen. Damit kann der Frage nachgegangen werden, in welchem Umfeld die Kinder aufwachsen und in wieweit die Bildungs- und Entwicklungschancen durch dieses Umfeld beeinflusst werden. Die Bertelsmann Stiftung hat hierfür ein spezielles Auswertungsinstrumentarium geschaffen. Auf Basis des sogenannten KECK-Atlas lässt sich ein kleinräumiges Monitoring betreiben, welches sich neben den im Rahmen von KOMPIK gewonnenen Daten zum Entwicklungsstand der Kinder um Informationen zur sozialen Lage oder zum Gesundheitszustand von Kindern ergänzen lässt. Auf dieser Basis sollen kleinräumige Handlungsbedarfe frühzeitig identifiziert und passgenaue Maßnahmen ergriffen werden. Im Rahmen von KECK wird Wert auf eine möglichst basisnahe Planung gelegt. Das heißt, dass auch innerhalb einzelner Sozialräume über die Ergebnisse des Monitorings diskutiert wird und Maßnahmevorschläge erarbeitet werden. Die Beteiligung zivilgesellschaftlicher Akteure sowie kommunaler Fachbereiche kann dabei zur Nutzung von Synergien beitragen.

Werden in einem Sozialraum beispielsweise Förderbedarfe im Bereich der motorischen Kompetenzen deutlich, so können diese gezielter unterstützt werden: Etwa – wie in Heilbronn geschehen - indem Kindertageseinrichtungen in bestimmten Stadtgebieten mehr Nutzungszeit in Sporthallen zur Verfügung gestellt wird.

In Jena und Heilbronn wurden KOMPIK und KECK bereits modellhaft erprobt. Mehrere Bundesländer haben eine Empfehlung für den Einsatz von KOMPIK als Verfahren zur Bildungs- und Entwicklungsdokumentation in Kindertageseinrichtungen ausgesprochen.

 

Zweite Modellphase KECK/KOMPIK

 

Derzeit plant die Bertelsmann Stiftung die Durchführung einer weiteren Modellphase bis Ende 2014. In dieser will die Bertelsmann Stiftung deutschlandweit etwa drei bis vier Kommunen bei der Einführung von KOMPIK und KECK begleiten.

 

Die Stadt Herne strebt an, sich an dieser Modellphase zu beteiligen und eine auf zwei Jahre angelegte Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung einzugehen. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wird die Bertelsmann Stiftung die Einführung von KOMPIK und die modellhafte Erprobung von KECK begleiten. Beispielsweise sind Schulungsmaßnahmen für Multiplikatoren und Fachkräfte in den Einrichtungen und die Moderation von Arbeitsgruppen geplant. Insgesamt beziffert die Bertelsmann Stiftung ihr Engagement in Herne auf etwa 300.000 Euro.

 

Durch die Teilnahme an KECK und KOMPIK eröffnet sich für die Stadt Herne die Chance, Strukturen die bereits im Rahmen des kommunalen Bildungsmanagements sowie des kommunalen Bildungsmonitorings / der kommunalen Bildungsberichterstattung angelegt wurden, zu verfestigen.

 

 

Der Oberbürgermeister

in Vertretung

 

 

 

Gudrun Thierhoff

Stadträtin

 

 


Anlagen: