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Vorlage - 2013/0076  

Betreff: Situation der Förderschulen / Stand des schulischen Inklusionsprozesses
Status:öffentlichVorlage-Art:öffentliche Beschlussvorlage
Verfasser:Hartmann, Klaus - Tel.: 3411
Federführend:FB 31 - Schule und Weiterbildung Bearbeiter/-in: Bartkowiak, Heike
Beratungsfolge:
Schulausschuss Entscheidung
21.02.2013 
des Schulausschusses ungeändert beschlossen   

Finanzielle Auswirkungen
Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

Finanzielle Auswirkungen: Ausgaben/Einnahmen in €:

 

Finanzielle Auswirkungen in €

           Teilergebnisplan (konsumtiv)

Produkt

Kontengruppe

Ertrag/Aufwand (-)

Nr.:

Bez.:       ---

Nr.:

Bez.:       ---

 

        ---

 

Teilfinanzplan (investiv)

Maßnahme

Kontengruppe

Einzahlung/Auszahlung (-)

Nr.:

Bez.:      ---

Nr.:

Bez.:       ---

 

       ---

 

Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:

Der Schulausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zur Situation der Förderschulen sowie zum Stand des schulischen Inklusionsprozesses zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung mit der Einleitung bezeichneter schulorganisatorischer Maßnahmen für den Bereich der Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen (Viktor-Reuter-Straße und Paul-Klee).

 

Sachverhalt:

Sachverhalt:

Stand der Schulentwicklungsplanung – Teilplan Förderschulen –

Der Rat der Stadt hat in seiner Sitzung am 06.07.2010 den Schulentwicklungsplan 2008 bis 2014 – Teilplan Förderschulen – beschlossen. Dieser trifft Aussagen zur Entwicklung der Herner Förderschulen in der Ist-Betrachtung bis zum Schuljahr 2008/2009 sowie zum weiteren Prognoseverlauf bis zum Schuljahr 2014/2015. Der Plan beschreibt ferner die Rahmenbedingungen, die Einfluss auf die dargestellte Gesamtentwicklung nehmen. Hierzu werden insbesondere die demografische Entwicklung sowie die zunehmende Beschulung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Regelschulen genannt. Faktoren, welche die Verlässlichkeit seinerzeitiger Prognoseaussagen mit einer großen Unsicherheit belegen mussten. Zusammenfassend wurde die Notwendigkeit schulorganisatorischer Maßnahmen – vorrangig im Förderschwerpunkt Lernen – zum Ende des Planungszeit-raumes nicht ausgeschlossen.

Nachfolgend eine kurze zahlenmäßige Darstellung der seinerzeitigen Entwicklungsaussagen (Schülerzahlen):

 

Förderschwerpunkt Lernen

 

Gesamt

FöS Viktor-Reuter

FöS Paul-Klee

FöS Astrid-Lindgren

FöS Dorneburg

Ist  2008/09

487

145

119

129

94

Progn. 2014/15

419

121

97

116

85

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Entwicklung der Förderschulen bis zum Schuljahr 2012/2013

Die tatsächliche Entwicklung der Förderschulen bis zum Schuljahr 2012/2013 zeigt – je nach Förderschwerpunkt – unterschiedliche Verläufe. Während die Schülerzahlen im Förderschwerpunkt Lernen wesentlich deutlicher eingebrochen sind, verzeichnen die übrigen Förderschulen im Vergleich zum Schuljahr 2008/2009 unter den Prognosen liegende Rückgänge (Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung) bzw. sogar Schülerzuwächse (Förderschwerpunkte Sprache und emotionale und soziale Entwicklung). Nachfolgend eine kurze zahlenmäßige Darstellung:

 

  Förderschwerpunkt Lernen

 

             

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Sitzungsvorlage sind die Schulstatistik 2012/2013 – Förderschulen – (Anlage 1) sowie die detaillierte Entwicklung der Förderschulen nach Förderschwerpunkten im Zeitraum 2003/2004 bis 2012/2013 (Anlage 2) beigefügt.

 

Entwicklung des Gemeinsamen Lernens

Nach § 20 Schulgesetz sind Orte sonderpädagogischer Förderung

 

·         allgemeine Schulen (Gemeinsamer Unterricht, Integrative Lerngruppen),

·         Förderschulen (nach Förderschwerpunkten gegliedert),

·         sonderpädagogische Förderklassen an allgemeinen Berufskollegs sowie

·         Schulen für Kranke.

 

Gemeinsamen Unterricht für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf kann die Schulaufsichtsbehörde mit Zustimmung des Schulträgers an einer allgemeinen Schule einrichten, wenn die Schule dafür personell und sächlich ausgestattet ist.

Integrative Lerngruppen kann die Schulaufsichtsbehörde mit Zustimmung des Schulträgers an einer Schule der Sekundarstufe I einrichten, wenn die Schule dafür personell und sächlich ausgestattet ist. In integrativen Lerngruppen lernen Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Regel nach anderen Unterrichtsvorgaben als denen der allgemeinen Schule.

 

Sonderpädagogische Förderung im Rahmen des Gemeinsamen Unterrichtes findet statt

 

·         an Grundschulen (zielgleich und zieldifferent) sowie

·         an Schulen der Sekundarstufe I (zielgleich).

 

Integrative Lerngruppen (mit in der Regel mindestens 5 Schülerinnen und Schülern) können an Schulen der Sekundarstufe I gebildet werden. In der Regel wird zieldifferent unterrichtet.

 

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Regelschulen hat in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich zugenommen. Im Bereich der Grundschulen stieg die Schülerzahl im Gemeinsamen Unterricht von 57 (Schuljahr 2003/2004) auf 136 (Schuljahr 2012/2013). In den Integrativen Lerngruppen konnte eine deutliche Zunahme von 5 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2005/2006 auf 107 Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2012/2013 verzeichnet werden. Seit dem Schuljahr 2011/2012 finden sich Integrative Lerngruppen an Schulen aller Schulformen der Sekundarstufe I. Darüber hinaus werden aktuell 48 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Schulen der Sekundarstufe I zielgleich unterrichtet.

 

Eine detaillierte Gesamtübersicht über die Schülerverteilung nach Schulen / Schulformen im Gemeinsamen Lernen im Schuljahr 2012/2013 ist der Sitzungsvorlage als Anlage 3 beigefügt. Ergänzt wird diese durch einen Auszug statistischer Daten und Kennziffern des MSW NRW zum Thema Inklusion (Anlage 4).

 

Kompetenzzentrum für sonderpädagogische Förderung im Stadtbezirk Sodingen

Der Rat der Stadt  hat in seiner Sitzung am 15.12.2009 die Beteiligung der Stadt Herne an der Pilotphase für den Ausbau von Förderschulen zu Kompetenzzentren für die sonderpädagogische Förderung beschlossen. Grundlage war ein Konzept für den Stadtbezirk Sodingen, welches die Paul-Klee-Schule (Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen) in enger Kooperation mit der Janosch-Schule (Förderschule mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung) und der Erich-Kästner-Schule (Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Sprache) entwickelt hat. Laut Genehmigungserlass des MSW NRW vom 31.08.2010 ist es der Auftrag des Kompetenzzentrums Herne, durch die Vernetzung der Handlungsfelder Unterricht, Diagnostik, Beratung und Prävention Kinder und Jugendliche im Einzugsbereich früher und gezielter präventiv zu fördern. Durch enge Kooperation mit den allgemeinen Netzwerkschulen und außerschulischen Institutionen sollen sich Lern- und Entwicklungsstörungen seltener zu einem sonderpädagogischen Förderbedarf verfestigen und ein höherer Grad an wohnortnaher, integrativer sonderpädagogischer Förderung im Einzugsbereich des Kompetenzzentrums erzielt werden.

Der Eintritt in die dreijährige Pilotphase erfolgte zum Schuljahresbeginn 2010/2011. Die Laufzeit des Gesamtprojektes endet am 31.07.2013. Mit Blick auf die bevorstehenden umwälzenden Veränderungsprozesse waren bis dahin Gesetzesänderungen erwartet worden, in die das Projekt dann überführt werden sollte. Ein nunmehr vorliegender Referentenentwurf zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) in den Schulen (9. Schulrechtsänderungsgesetz) sieht eine Auflösung der Kompetenzzentren zum 31.07.2014 vor. Möglichkeiten einer Weiterentwicklung der Kompetenzzentren werden an dieser Stelle nicht aufgezeigt.

Ein kurzer Sachstandsbericht des Kompetenzzentrums Herne zur aktuellen Situation ist dieser Sitzungsvorlage als Anlage 5 beigefügt.

 

Emschertal-Berufskolleg als sonderpädagogischer Förderort

Die Schulkonferenz des Emschertal-Berufskollegs hatte am 29.06.2011 den Beschluss gefasst, zum Schuljahr 2012/2013 die Anerkennung als sonderpädagogischer Förderort zu beantragen. Der seinerzeitige Antrag wurde im Wesentlichen wie folgt begründet:

 

  • Die Zielgruppe „Berufsschulpflichtige Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf“ wird bereits jetzt – allerdings ohne Ressourcenzuweisung – in Bildungsgängen zur Berufsvorbereitung bzw. in Einzelfällen auch berufsausbildungsbegleitend in Fachklassen des dualen Systems integrativ gefördert.
  • Durch die Anerkennung als sonderpädagogischer Förderort kann die individuelle Förderung verbessert werden durch

-          die Anpassung der Gruppengrößen an die Lerngruppen (Klassenfrequenzrichtwert verringert auf 16 Schülerinnen und Schüler),

-          der Verringerung der Relation „Schüler je Stelle“,

-          den verstärkten Einsatz sonderpädagogischer Lehrkräfte.

 

In seiner Sitzung am 13.12.2011 hat der Rat der Stadt die Anerkennung des Emschertal-Berufskollegs als sonderpädagogischer Förderort für berufsschulpflichtige Schülerinnen und Schüler zum Schuljahr 2012/2013 beschlossen. Dieser Beschluss wurde durch die Bezirksregierung Arnsberg mit Verfügung vom 24.01.2012 genehmigt.  

 

Stand des schulischen Inklusionsprozesses

Die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist in Deutschland durch eine Vielfalt der Förderorte, Organisationsformen und Vorgehensweisen gekennzeichnet. Nach wie vor ist die Förderung in Förderschulen der Regelfall. Entscheidender Impulsgeber für eine Ausweitung des gemeinsamen Lernens von behinderten und nicht behinderten Kindern und Jugendlichen ist die seit März 2009 für Deutschland verbindliche Konvention zum Schutz und zur Förderung der Rechte behinderter Menschen (UN-BRK). Die UN-BRK basiert auf den zentralen Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen und konkretisiert die dort verankerten Menschenrechte für die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen. Das Übereinkommen verbietet die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen und garantiert ihnen die bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte.

Die UN-BRK über die Rechte behinderter Menschen hat u. a. erhebliche Auswirkungen auf den Bereich der Elementarbildung und die Schule. In Art. 24 der UN-BRK anerkennen die Vertragsstaaten das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein „inklusives“ Bildungssystem auf allen Ebenen. Seitens der Vertragsstaaten ist dabei sicherzustellen, dass Menschen nicht aufgrund einer Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgegrenzt werden. Kinder mit einer Behinderung dürfen nicht vom Besuch einer Grundschule oder einer weiterführenden Schule aufgrund ihrer Behinderung ausgeschlossen werden, sondern ihnen soll gleichberechtigt mit anderen der Zugang zu einem einbeziehenden, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht ermöglicht werden. Innerhalb des allgemeinen Bildungssystems sollen angemessene Vorkehrungen getroffen und die notwendige Unterstützung geleistet werden, um eine erfolgreiche Bildung zu erleichtern. Der UN-BRK liegt eine klare Zielvorstellung einer fast vollständigen, konkret einer 80 bis 90 %igen Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf zugrunde. Die inklusive Beschulung soll damit in Zukunft zur Regel werden, den Förderschulen soll dagegen Ausnahmecharakter zukommen.

Hinsichtlich der Frage, wie das Konzept inklusive Schule im Einzelnen umzusetzen ist, mittels welcher pädagogischer Konzepte und insbesondere ob der Zugang voraussetzungslos gilt, trifft die UN-BRK keine Aussage. Des Weiteren schließt die UN-BRK die Existenz von Förderschulen nicht aus, regelt allerdings auch nicht das Verhältnis von Förderschule auf der einen und inklusiver allgemeiner Schule auf der anderen Seite. Bei der Umsetzung der UN-BRK bestehen folglich Handlungs- bzw. Gestaltungsspielräume der Vertragsstaaten. Da schulische Bildung in Deutschland zum Kernbereich der Länderkompetenzen gehört, bedarf es zur (praktischen) Anwendung der UN-BRK im deutschen Recht der Transformationsgesetze der Länder.

Eine entsprechende Schulgesetzänderung gibt es – mehr als drei Jahre nach dem Inkrafttreten der UN-BRK – konkret in Nordrhein-Westfalen noch nicht. Auf eine detaillierte Darstellung der bisherigen einzelnen Aktivitäten auf Landesebene wird an dieser Stelle verzichtet. Genannt werden sollte der von der NRW-Landesregierung Anfang Juli 2012 veröffentlichte Aktionsplan zur Umsetzung der UN-BRK „Eine Gesellschaft für Alle – NRW inklusiv“. Dieser beschreibt Aktionsfelder und Maßnahmen auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft und verdeutlicht das gesamte Spektrum einer Generationenaufgabe, die weit über das Thema Schule und Bildung hinausgeht. Für den schulischen Inklusionsprozess werden eine Schulgesetznovelle sowie verschiedene begleitende Schritte angekündigt.

 

Am 19.09.2012 hat das Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW (MSW NRW) die Entwürfe eines Ersten Gesetzes zur Umsetzung der UN-BRK in den Schulen                                 (9. Schulrechtsänderungsgesetz) und einer Verordnung über die Schulgröße der Förderschulen in die Verbändebeteiligung gegeben. In dieser hat es bislang deutliche Kritik sowohl aus den Vereinigungen der LehrerInnen als auch der Kommunalen Spitzenverbände gegeben. Insbesondere wird eine hinreichende Umsetzung des Art. 24 der UN-BRK unter Qualitätsgesichtspunkten in Frage gestellt. Die Verantwortung für das Gelingen der schulischen Inklusion werde in die Hände der kommunalen Schulträger gelegt, ohne diese entsprechend zu unterstützen. Nachfolgend einige Eckpunkte zum Referentenentwurf:

 

  • Bei der Umsetzung des Art. 24 der UN-BRK handelt es sich nach Auffassung der Landesregierung nicht um die Übertragung einer neuen Aufgabe oder eine wesentliche Veränderung einer bereits bestehenden Aufgabe. Insoweit wird eine Konnexitätsrelevanz verneint. Die Kommunen ihrerseits unterstreichen die zu erwartenden finanziellen Mehrbelastungen z. B. für die sächliche und räumliche Schulausstattung, zusätzliche Lehr- und Lernmittel, Schülerfahrkosten und nicht zuletzt für den Einsatz qualifizierten Fachpersonals.
  • Das bisherige Ausnahme-Regel-Verhältnis bei den Förderorten wird umgekehrt. Die sonderpädagogische Förderung an der allgemeinen Schule wird zur Regel; den Eltern wird gleichwohl ein Wahlrecht eingeräumt, das auch die Beschulung des Kindes in der Förderschule weiterhin ermöglicht.
  • Verfahren zur Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs sollen künftig grundsätzlich nur noch von den Eltern eingeleitet werden können. Die Antragsrechte der Schulen (in der Vergangenheit rd. 95 % der Verfahren) werden auf Ausnahmetatbestände beschnitten.
  • Schulträger können auf dem Weg zu einem inklusiven Schulangebot mit Zustimmung der oberen Schulaufsichtsbehörde allgemeine Schulen als Schwerpunktschulen bestimmen (Förderschwerpunkte LE, SB, ESE und mindestens ein weiterer).
  • Kommunen können entscheiden, alle Förderschulen mit den Förderschwerpunkten LE, SB und ESE aufzulösen, wenn gewährleistet ist, dass allein die allgemeine Schule Ort der sonderpädagogischen Förderung ist.
  • Kommunen können Unterstützungszentren einrichten, soweit sie alle Förderschulen mit den Förderschwerpunkte LE, SB und ESE aufgelöst haben. Hier sollen SchülerInnen mit einem besonders ausgeprägten, umfassenden Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung befristet mit dem Ziel unterrichtet werden, sie auf die Rückkehr in den Unterricht der allgemeinen Schule vorzubereiten.
  • Kompetenzzentren für die sonderpädagogische Förderung sollen zeitnah auslaufen. Eine Weiterentwicklung der dort erworbenen Kompetenzen, z. B. im Sinne bezeichneter Unterstützungszentren, ist nicht vorgesehen.
  • Die Verordnung über die Schulgrößen von Förderschulen wird überarbeitet. Bislang bestehende Ausnahmetatbestände werden aufgehoben. So würde danach z. B. für eine Förderschule Lernen künftig eine absolute Mindestgröße von 144 Schülerinnen und Schülern gelten. Schulen, die die Mindestgrößen nicht mehr erreichen, wären automatisch auslaufend. Damit wird das Wahlrecht der Eltern erheblich eingeschränkt. Der Handlungsspielraum der Kommunen wird deutlich beschnitten, da kaum mehr Förderschulen (insbesondere im Bereich Lernen) die Mindestgrößen erfüllen. 

 

Ursprünglich war vorgesehen, dass das 9. Schulrechtsänderungsgesetz zum Schuljahresbeginn 2013/2014 in Kraft treten kann. Zwischenzeitlich hat das Schulministerium mitgeteilt, dass diese Zeitplanung nicht gehalten werden kann und der Start der Gesetzesänderung auf das Schuljahr 2014/2015 verschoben wird. Gleichwohl wird unterstrichen, dass dadurch faktisch keine Auswirkungen auf den Inklusionsprozess erwartet werden. 

 

Situation der Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen

Wie bereits eingangs dargestellt, sind die Schülerzahlen an den Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen in den zurückliegenden Jahren massiv eingebrochen. Hier noch einmal ein kurzer Überblick über die Ist-Situation im Schuljahr 2012/2013:

 

rderschulen rderschwerpunkt Lernen

Stadt-bezirk

Schüler/innen    - Primarstufe -

1

2

3

4

1 - 4

Sch

Kl

Sch

Kl

Sch

Kl

Sch

Kl

Sch

Astrid-Lindgren

W

2

0

7

1

11

1

13

1

33

Dorneburg

E

0

0

1

0

3

1

2

0

6

Viktor-Reuter

M

13

1

0

0

0

0

0

0

13

Paul-Klee

S

0

0

11

1

0

0

0

0

11

Insgesamt

 

15

1

19

2

14

2

15

1

63

 

rderschulen rderschwerpunkt Lernen

Stadt-bezirk

Schüler/innen    - Sekundarstufe I -

5

6

7

8

9

10

5 - 10

Sch

Kl

Sch

Kl

Sch

Kl

Sch

Kl

Sch

Kl

Sch

Kl

Sch

Astrid-Lindgren

W

12

1

24

2

12

1

15

1

15

1

16

1

94

Dorneburg

E

7

1

7

0

2

0

17

1

8

1

12

1

53

Viktor-Reuter

M

13

1

14

1

0

0

17

1

14

1

10

1

68

Paul-Klee

S

12

1

0

0

14

1

12

1

12

1

17

1

67

Insgesamt

 

44

4

45

3

28

2

61

4

49

4

55

4

282

 

In der Primarstufe verteilen sich nur noch 63 Schülerinnen und Schüler auf insgesamt sechs Klassen der vier Förderschulstandorte, und auch die Sekundarstufe I hat mit 282 Schülerinnen und Schülern in 21 Klassen ihren absoluten Tiefstand erreicht.

Für die Mindestgröße von Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen gilt mit Blick auf die Sicherstellung eines geordneten Schulbetriebes aktuell noch die 6. Verordnung zur Ausführung des Schulverwaltungsgesetzes (6. AVOzSchVG) vom 17.10.1978. Danach muss eine Förderschule Lernen über mindestens 144 Schülerinnen und Schüler verfügen. Diese Größe kann mit Zustimmung der oberen Schulaufsichtsbehörde um bis zu 50 v. H. unterschritten werden, wenn die schulorganisatorischen Verhältnisse oder die Gewährleistung eines zumutbaren Schulbesuchs dies erfordern.

Anm.: Die im Zusammenhang mit dem Entwurf zum 9. Schulrechtsänderungsgesetz vorgelegte (geplante) Neufassung der Ausführungsverordnung sieht weiterhin eine Mindestgröße von 144 Schülerinnen und Schüler für Förderschulen Lernen vor. Allerdings soll danach die zustimmungspflichtige Möglichkeit einer 50 %-igen Unterschreitung entfallen. Förderschulen, die die Mindestgröße nicht mehr erreichen, dürften danach keine Schülerinnen und Schüler mehr aufnehmen und müssten jahrgangsweise abgebaut werden, soweit der Schulträger nicht beschließt, sie vollständig aufzulösen. 

Für die Herner Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen muss festgestellt werden, dass zum jetzigen Zeitpunkt bereits kein Standort mehr über die geforderte Mindestgröße von 144 Schülerinnen und Schülern verfügt.

Die Astrid-Lindgren-Schule liegt mit insgesamt  127 Schülerinnen und Schülern leicht unter dem Grenzwert. Bei der Schule an der Dorneburg ist zu berücksichtigen, dass diese als Schule im organisatorischen und personellen Verbund (Förderschwerpunkte LE und ESE) geführt wird und insgesamt von 107 Schülerinnen und Schülern besucht wird.

Die Förderschulen Viktor-Reuter-Straße (81 SuS) und Paul-Klee (78 SuS) erreichen die vorangestellte Mindestgröße bereits deutlich nicht mehr. Bei beiden Standorten wird davon ausgegangen, dass diese im kommenden Schuljahr auch die zustimmungspflichtige Marke von 50 v. H. der Mindestgröße unterschreiten werden. Die obere Schulaufsichtsbehörde hat auf diese Entwicklung bereits reagiert und die vakante Schulleitung an der Schule Viktor-Reuter-Straße zum Schuljahr 2012/2013 nicht neu besetzt. Gleichzeitig wurde der Schulleiter der Förderschule Paul-Klee mit der kommissarischen Wahrnehmung der Schulleitungsaufgaben beauftragt. In ersten Gesprächen mit der Schulaufsicht wurde von dort bereits signalisiert, dass sich voraussichtlich  schulorganisatorische Notwendigkeiten ergeben werden.  

 

Einleitung schulorganisatorischer Maßnahmen

Die dargestellte Gesamtentwicklung an den beiden letztgenannten Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen Viktor-Reuter-Straße und Paul-Klee lässt schulorganisatorischen Handlungsbedarf erkennen. Unter Berücksichtigung der zu erwartenden Schülerzahlen ist die Sicherstellung eines geordneten Schulbetriebes im Sinne eingangs genannter Ausführungsverordnung in Frage zu stellen. Die Leitung zweier selbstständiger Förderschulen durch die Schulleitung der Schule Paul-Klee ist über das Schuljahr 2012/2013 hinaus organisatorisch nicht vertretbar.  

Angesichts des laufenden Inklusionsprozesses sowie der unklaren Rahmenbedingungen aus der angekündigten Schulrechtsänderung wird zunächst angestrebt, die Förderschule Viktor-Reuter-Straße zum Schuljahresbeginn 2013/2014 als selbstständige Schule aufzulösen und als Nebenstandort der Förderschule Paul-Klee zu führen. Über die weitere Entwicklung wäre dann im Rahmen der Gesamtüberlegungen zur künftigen inklusiven Beschulung später zu entscheiden.

Als Grundlage der mit dieser Entscheidung verbundenen abschließenden Meinungsbildung sind im Zuge der Beteiligung und Mitwirkung die betroffenen Schulkonferenzen anzuhören. Ferner soll die Schulaufsicht im Vorfeld um ihre abschließende schulfachliche Beratung gebeten werden.

 

Der Oberbürgermeister

In Vertretung

 

 

Thierhoff

Stadträtin

 

Anlagen

    

Anlagen:

Anlagen:

1. Schulstatistik 2012/13 - Förderschulen

2. Entwicklung der Förderschulen nach Förderschwerpunkten im Zeitraum      

   2003/04 bis 2012/13

 

3. Schülerverteilung im Gemeinsamen Lernen im Schuljahr 2012/13

4. Statistische Daten und Kennziffern zum Thema Inklusion – 2011/2012

   (Auszug aus der Statistischen Übersicht 377 – 1. Auflage – des MSW NRW)

 

5. Sachstand – Kompetenzzentrum Herne

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich VV-Vorlage - Förderschulen-Inklusion - Anlagen 1 bis 5 (7764 KB)