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Vorlage - 2013/0704  

Betreff: Reduzierung von Schadstoffen und Kosten bei städt. Fahrzeugen bzw. Fahrzeugen von städt. Gesellschaften unter Verwendung von Erd- bzw. Biogas - Stellungnahmen
Status:öffentlichVorlage-Art:Berichtsvorlage
Verfasser:Frau Lasar - 23 03
Federführend:Büro Dezernat II Bearbeiter/-in: Lasar, Petra
Beratungsfolge:
Ausschuss für Bürgereingaben Entscheidung
13.11.2013 
des Ausschusses für Bürgereingaben zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:

 

Vorbemerkung:

In der letzten Sitzung des Ausschusses für Bürgereingaben am 10.07.2013 wurde hinsichtlich der Bürgereingabe zur Reduzierung von Schadstoffen und Kosten bei städt. Fahrzeugen bzw. Fahrzeugen von städt. Gesellschaften unter Verwendung von Erd- bzw. Biogas (Vorlage Nr. 2013/0471) darauf hingewiesen, dass eine Stellungnahme aufgrund des extrem kurzen Vorlaufes, der Komplexität des Themas und der Beteiligung von städt. Gesellschaften erst zu einem späteren Zeitpunkt abgegeben werden kann.

 

Die Rückmeldungen der betroffenen Bereiche liegen nunmehr vor; hierzu wird wie folgt seitens der Stadtwerke Herne AG, der Anstalt des öffentlichen Rechts entsorgung herne sowie der Straßenbahn Herne Castrop-Rauxel GmbH (HCR) ausgeführt:

 

 

Stadtwerke Herne AG:

 

Die Stadtwerke Herne AG setzt schon seit Jahren auf CO2-einsparende Kraftfahrzeuge. Heute umfasst der Fuhrpark 39 Erdgasautos. Zuletzt wurden zwei Eco Up! von Volkswagen angeschafft, die in punkto Umweltfreundlichkeit überzeugen. Gegenüber einem Benziner stoßen sie drei Viertel weniger Kohlenmonoxid, einen ein Viertel geringeren Anteil an Kohlendioxid sowie ein Fünftel weniger Kohlenwasserstoff aus. Dabei liegen die Kraftstoffkosten bei nur drei Euro auf 100 Kilometern. Wer ebenfalls umweltfreundlich und sparsam unterwegs sein möchte, kann sich bei den Stadtwerken die attraktive Förderung von Erdgasautos sichern: Privatkunden haben die Möglichkeit, ein halbes Jahr lang kostenlos an den Erdgastankstellen zu tanken. Gewerblich genutzte Fahrzeuge werden mit einer Menge von 300 kg Freierdgas gefördert.

 

Neben dem Einsatz von Erdgasautos treiben die Stadtwerke auch die Elektromobilität als klimaschonende Antriebstechnologie voran. Zwei der Dienstfahrzeuge rollen dank Ökostrom umweltfreundlich durch Hernes Straßen. Denn der Strom, mit dem der Opel Ampera und der Karabag 500 E betankt werden, stammt aus regenerativen Quellen. Inzwischen ist das Betanken an drei Standorten möglich: Vor dem Stadtwerke-KundenCenter am Berliner Platz, am Verwaltungsgebäude Grenzweg sowie am Buschmannshof. Damit wurde bereits heute eine sehr gute Infrastruktur für Elektromobilität in Herne geschaffen. Die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs fördern die Stadtwerke mit einem Zuschuss von 500 Euro. Gleichzeitig können die Kunden ein Jahr lang kostenlos an allen E-Ladestationen Ökostrom tanken.

 

 

Anstalt des öffentlichen Rechts entsorgung herne:

 

Die Anfrage wurde in Bezug auf die Umrüstung städtischer bzw. entsorgung herne eigener Nutzfahrzeuge umfassend geprüft.

In das Ergebnis sind auch die Erfahrungswerte aus vergleichbaren Kommunalbetrieben eingeflossen, die Nutzfahrzeuge mit Gasantrieb im Einsatz haben.

 

Einleitend sei erwähnt, dass Nutzfahrzeuge deren Antrieb über Dieselaggregate erfolgt, wegen ihrer Partikelimmissionen in der Vergangenheit häufig in der öffentlichen Kritik standen, obwohl sie nur zu einem sehr geringen Teil Mitverursacher der Schadstoffproblematik sind.

 

Um dennoch dieser Kritik zu begegnen, hat entsorgung herne in der Vergangenheit Fahrzeugbeschaffungen immer mit der Vorgabe der höchst ereichbaren Abgas-Euronorm getätigt.

 

 

Schadstoffe/Hintergrundinformationen

 

Verschiedene Institutionen, z. B. der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) oder das Institut für Umwelt- und Verfahrenstechnik der Technischen Hochschule, Raperswil in der Schweiz, haben zurückliegend die bisher bestehenden Nachteile der Dieselmotoren bezüglich erhöhter Schadstoffimmissionen im Vergleich zu Gasmotoren in ihren Studien revidiert.

Das Institut für Umwelt- und Verfahrenstechnik fasst die Eckpunkte in seiner Studie vom 01.09.2005 wie folgt zusammen:

 

Der Betrieb von Fahrzeugen mit Gasmotoren anstelle von Dieselmotoren ab der Euronorm 4 und 5 bringt keine Vorteile, weder bei den Luftschadstoffen noch beim Ozon-Bildungspotential und auch nicht beim Treibhauspotential.

Rußfeinpartikel sowie Stickoxide werden ab der Dieselnorm Euro 4 gemindert, bei Euro 5 sogar deutlich. Derzeit ist Euro 6 in Vorbereitung, verbunden mit einer nochmaligen Reduzierung der Schadstoffbelastung, so dass der Gasantrieb generell schlechtere Werte aufweist.

 

Als Anlage 1 ist die Zusammenfassung der Schadstoffbelastung, die von der Schweizer Hochschule ermittelt wurde, beigefügt.

 

 

Kosten

 

1. Fahrzeugbeschaffung/Wartung/Schulung

 

Die Anschaffungskosten eines Lkw-Fahrgestells mit Gasmotor liegen um ca. 25.000 € höher als bei einem herkömmlichen Fahrgestell mit Dieselmotor.

 

Zusätzlich fallen bei der erforderlichen technischen Umrüstung der entsorgung herne eigenen Kfz-Werkstatt ca. 50.000 € Investition für die Anschaffung von Spezialwerkzeug, das Herrichten eines speziellen Arbeitsplatzes für die Reparatur von Gasfahrzeugen sowie Kosten für die Schulung der Werkstattmitarbeiter an.

 

 

2. Einschränkung bei der Zuladung

 

Gravierend ist auch der Nachteil einer geringeren Zuladung. Der Nutzlastnachteil eines Gasfahrzeug-Fahrgestells liegt je nach Ausstattung bei Müllsammelfahrzeugen bei 1 bis ca. 1,3 Tonnen. Um dies wettzumachen sind Mehrfahrten und somit zwangsläufig die Anschaffung zusätzlicher Fahrzeuge erforderlich.

Die Berliner Stadtreinigung hat dies in der Vergangenheit in einer umfassenden Studie geprüft. Das Ergebnis ist in einer Zusammenfassung als Anlage 2 diesem Schreiben beigefügt. Rückfragen bei Betrieben, die Gasfahrzeuge im Einsatz haben, bestätigen das Berliner Fazit.

 

 

3. Errichtung einer Gastankstelle

 

Beim Umstieg auf Gasantrieb wäre es sinnvoll auch eine eigene Tankstelle vorzuhalten, zumal das derzeitige Netz von Erdgastankstellen noch recht überschaubar ist und bei der Inanspruchnahme von Fremdtankstellen lange Anfahrtswege/Betankungsvorgänge und damit eine Reduzierung der Arbeitszeit für die Abfalleinsammlung in Kauf genommen werden müsste.

 

Insbesondere das Problem, dass bei Verwendung von Erdgas die Reichweite der Fahrstrecke je Tankfüllung deutlich geringer ist als bei herkömmlichen Treibstoffen führt zu einer höheren Tankfrequenz und somit zu einer weiteren Reduzierung der Sammelzeit. Die Baukosten einer eigenen Gastankstelle werden auf ca. 800.000 € eingeschätzt.

 

 

4. Fahrzeuganbieter/Einsatzbedingungen bei Müllkfz.

 

Sowohl in den Segmenten Pkw, Leichttransporter als auch im schweren Nutz-fahrzeugbereich gibt es mittlerweile mehrere Hersteller, die einen Gasantrieb anbieten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese Technik auch für alle hier anfallenden Arbeitsbereiche problemlos übernommen werden kann.

Im schweren Nutzfahrzeugbereich haben sich neben dem bereits erwähnten Nutzlastnachteil auch Probleme bei der Standfestigkeit der Fahrzeugtechnik ergeben. So sind kürzere Wartungsintervalle und eine höhere Reparaturanfälligkeit von den angefragten Referenzunternehmen generell bestätigt worden.

 

Dies liegt sicherlich auch an den harten Einsatzbedingungen der Entsorgungsfahrzeuge, die überwiegend im Stop-and-Go-Verkehr mit erhöhter Leerlaufdrehzahl genutzt werden und beim Müllladen nur im Teillastbetrieb arbeiten. Der nachweislich schlechtere Drehmoment-verlauf eines Gasmotors wirkt sich im Arbeitsalltag dieser Fahrzeuge ebenfalls sehr ungünstig auf die Fahreigenschaften bei innerstädtischen Einsätzen aus.

 

 

5. Steuerliche Aspekte/Erschließung von Gasvorkommen/Biogasanlage

 

In Deutschland wird Erdgas als Kraftstoff zurzeit erheblich geringer besteuert als andere Kraftstoffarten. Die Steuerbegünstigung läuft allerdings 2018 aus und es ist derzeit nicht bekannt ob sie verlängert wird.

Die Konzerne sind zudem angetreten, kostengünstige Gasfördermethoden zu entwickeln; als Stichwort sei hier Fracking genannt, eine Technik, die derzeit sehr stark in der öffentlichen Kritik steht.

Beim „Fracking“ wird Wasser unter hohem Druck mit Chemikalien vermischt. Der Einfluss auf das Grundwasser und seine saubere Beschaffenheit ist noch nicht abschließend geklärt.

In den USA hat der flächendeckende Einsatz dieser umstrittenen Fördertechnik bereits zu einer deutlichen Erhöhung der Gasförderung, einhergehend mit einem massiven Preisverfall beim Erdgas, geführt. Kritiker befürchten, dass der Einsatz von gefährlichen Chemikalien beim „Fracking“ zu unvertretbaren und nicht beherrschbaren Risiken für die Umwelt führen wird.

 

Der vom Antragsteller angeregte Bau einer Bioagasanlage ist vor einiger Zeit im Auftrag von entsorgung herne durch das Planungsbüro PBO aus Aachen geprüft worden. Mangels des Zugriffs auf eine ausreichende Menge organischer Abfälle, die sich für eine Vergärung eignen, lässt sich der Bau und Betrieb einer solchen Anlage nicht wirtschaftlich darstellen.

Zudem gibt es in Herne keine geeigneten Flächen, bei denen die immissionsrechtlichen Vorgaben (Abstand zu Wohngebäuden) eingehalten werden können.

 

 

6. Vergleich Diesel und Gasverbrauch

 

Zurzeit liegt der Preis für 1 kg Erdgas um etwa 0,70 € und ist somit ca. die Hälfte preiswerter als der Preis für 1 L Diesel. Gegenzurechnen ist allerdings der höhere Gasverbrauch, insofern ist das Einsparvolumen durch den Gasantrieb deutlich geringer.

 

 

Fazit der vorgenommenen Bewertung ist aus Sicht von entsorgung herne Folgendes:

 

Bei einem Systemwechsel in der Antriebstechnik der Müllfahrzeuge würden mehr Entsorgungsfahrzeuge als heute benötigt.

 

Zusätzlich würden diese gasbetriebenen Fahrzeuge höhere Immisionen als Dieselfahrzeuge mit der höchsten Euro-Norm verursachen.

 

Mit Ausnahme bei den Treibstoffkosten verursachen Nutzfahrzeuge mit Gasantrieb insgesamt deutlich höhere Anschaffungs- und Betriebskosten.

 

Die durchgeführten Studien der Großstädte Hamburg, Wien und Berlin kommen, wie beschrieben, insgesamt zu gleichen Ergebnissen.

 

Referenzabfragen bei Entsorgungsunternehmen in Bonn, Gelsenkirchen, Wuppertal und Essen haben die noch nicht ausgereifte Technik und den damit verbundenen hohen Reparaturbedarf bei großen Nutzfahrzeugen bestätigt.

 

Insofern besteht derzeit nicht die Absicht, die bewährten Dieselaggregate in Nutzfahrzeugen gegen solche mit Gasantrieb zu tauschen.

 

 

Straßenbahn Herne Castrop-Rauxel GmbH (HCR):

 

Die ersten Erdgasbusse wurden in Deutschland bereits im Jahre 1993 im Rahmen eines Pilotprojektes bei der Stadtverkehrsgesellschaft Frankfurt/Oder im Flottenbetrieb eingesetzt. Seither haben diverse Verkehrsunternehmen diesen Fahrzeugtyp beschafft. Stand heute sind die Stadtwerke Augsburg diesbezüglich „Vorreiter“ und betreiben als bislang einziges deutsches ÖPNV-Unternehmen eine reine Gasbusflotte; das in den Unterlagen ebenfalls benannte Verkehrsunternehmen VWG (Oldenburg) will dieses Ziel im Jahre 2016 ebenfalls erreichen. In Deutschland verkehren inzwischen rund 1.500 Linienbusse, die mit Erdgas betrieben werden. Damit konnte sich dieser Energieträger im Vergleich zu anderen alternativen Techniken bislang am weitesten durchsetzen; Standard ist allerdings nach wie vor der Dieselmotor und bei insgesamt 35.000 betriebenen Bussen ist der Gasbus trotzdem nur ein „Nebenprodukt“ auf dem deutschen Markt (Anteil ca. 4%). Diese Tendenz findet sich auch im Bereich der PKW wieder. Weltweit betrachtet hat sich das Produkt nur in einigen Hauptnutzungsländern (Pakistan, Iran, Argentinien, Brasilien und Indien) durchgesetzt.

 

Erdgas wird als Kraftstoff in den meisten Ländern i. d. R. erheblich geringer besteuert, als andere Treibstoffe. Zudem gibt es im Bereich PKW spezielle Förderprogramme durch die Gasversorgungsunternehmen, weil diese ein hohes Interesse an einer gleichmäßigen Bean-spruchung ihrer Gasnetze haben. Aufgrund der „Umweltfreundlichkeit“ von erdgasbe-triebenen Fahrzeugen, gibt es auch in Deutschland eine Steuerbegünstigung bei der Mineralölbesteuerung von Erdgas als Kraftstoff; diese Steuerbegünstigung läuft allerdings zum 31.12.2018 aus.

 

Da seit Jahren eine Diskussion um die jeweiligen Vor- und Nachteile von den zur Verfügung stehenden alternativen Kraftstoff- und Antriebskonzepten in der ÖPNV-Branche geführt wird, hat der VDV dieses Thema im Jahre 2009 wissenschaftlich bewertet. Bei bisherigen ökonomischen und ökologischen Analysen wurden i. d. R. immer nur die Beschaffung der Neufahrzeuge und der eigentliche Fahrbetrieb betrachtet; in dieser Studie wurden im Sinne der Nachhaltigkeit ebenfalls Teilprozesse, wie Bereitstellung des Kraftstoffs und dessen Produktion sowie die Entsorgung der Fahrzeuge einbezogen.

 

 

Ökologische Bewertung:

 

Im Ergebnis bietet die EEV-Erdgastechnik mit fossilem Erdgas keine Verbesserung gegenüber der fossilen Dieseltechnik nach EEV-Standard bei den lokalen Emissionen (Feinstaub (PM), CO2, NOx), aber eine Verschlechterung bei den globalen Emissionen sowie dem Primärenergieverbrauch.

 

Ökonomische Bewertung:

 

Im Ergebnis weisen EEV-Erdgasbusse höhere Lebenszykluskosten als EEV-Dieselbusse auf. Die Bewertung erfolgt über die Parameter Kraftstoff (Kraftstoffkosten bei Erdgas niedriger), Instandhaltung, Kapitaldienst und Infrastruktur.

 

 

Schlussfolgerung der Untersuchung:

 

Aus ganzheitlicher Sicht wird als nachhaltigste/ökologischste und wirtschaftlichste Antriebsstrang-/Kraftstoffart die hochsaubere, abgasnachbehandelte Dieseltechnik empfohlen. Diese Technik wird zum heutigen Zeitpunkt - möglichst - in Verbindung mit regenerativem, synthetischem Dieselkraftstoff (Btl – „Biomass to liquid“) als die zukunftsträchtigste Lösung angesehen.

 

Die HCR betreibt zum Jahreswechsel 2013/2014 nahezu 70 % ihrer Fahrzeuge mit dem Abgasstandard EEV bzw. Euro 6 (die Beschaffung des Jahres 2013 erfolgte bereits zum noch höheren Umweltstandard Euro 6). Bei diesen Abgasstandards hat der Erdgasbus im Vergleich zu fossilem Erdgas keine Umweltvorteile mehr; nur der ausschließliche Einsatz von Bio-Erdgas als nahezu klimaneutrales Produkt ist diesbezüglich noch klimafreundlicher. Die Umweltvorteile des Erdgases waren somit in der Vergangenheit zweifellos gegeben, inzwischen ist dieser durch die weiterentwickelte moderne Dieseltechnik allerdings nicht mehr vorhanden. Die HCR hat in Zusammenarbeit mit den Partnerunternehmen der KöR (Kooperation östliches Ruhrgebiet / Bogestra, DSW21, Vestische Straßenbahnen) in der Vergangenheit stets Wert darauf gelegt den jeweils höchsten technisch zur Verfügung stehenden Abgasstandard zu beschaffen, auch wenn die gesetzlichen Fristen dies noch nicht erforderten.

 

Für die HCR gibt es neben den genannten Argumenten weitere Rahmenbedingungen, wa-rum ein Wechsel auf erdgasbetriebene Fahrzeuge nicht angedacht ist:

 

-              Die übrigen KöR-Unternehmen (sowie alle übrigen VRR-Unternehmen) setzen ebenfalls ausschließlich auf dieselbetriebene Busse. Die Beteiligung an der gemeinsamen KOM-Beschaffung im Rahmen der KöR wäre nur noch eingeschränkt möglich. Dies beträfe ebenfalls weitere Synergien mit den Nachbarunternehmen, wie z. B. der gemeinsamen Beschaffung von Ersatzteilen.

 

-              Ein Umstieg auf eine Erdgasflotte ist eine strategische Entscheidung, die auf lange Sicht gefällt werden muss. Selbst wenn der Erdgasbetrieb aufgrund der aktuellen Preiskonstellation Erdgas/Diesel kostengünstiger wäre, so wäre doch noch die Dieselflotte bis zum Ende der Nutzungsdauer vorzuhalten. Ein dadurch entstehender Parallelbetrieb verursacht erhebliche Mehrkosten (Lagerhaltung, Schulungskosten Mitarbeiter, neue Werkzeuge etc.).

 

-              Aufgrund der relativ geringen Unternehmensgröße ist die HCR vor dem Hintergrund einer möglichst wirtschaftlichen Betriebsführung grundsätzlich bestrebt nur markterprobte Serienprodukte sowie keine „Nischenprodukte“ zu erwerben.

 

Bei der HCR wurde Ende der 90-er Jahre ein Umstieg/Ersatz der Dieselbus-Flotte auf/durch eine Erdgas-Flotte geprüft. Aber auch unter den damaligen Erkenntnissen und betriebswirt-schaftlichen Bewertungen (u. a. auch des VDV) wurde die strategische Entscheidung ge-troffen, weiterhin auf „Diesel“ zu setzen. Seinerzeit kam man zu dem Ergebnis, dass nur unter ausschließlicher Betrachtung der Kraftstoffkosten beim Einsatz eines Erdgasfahrzeuges niedrigere Betriebskosten erreicht werden konnten. Unter zusätzlicher Betrachtung der höheren Anschaffungskosten und der zudem noch höheren Instandhaltungsaufwendungen (durch zusätzlich verbaute Technik, insbesondere Druckgasbehälter, Druckregler), längere Betankungszeiten sowie eine erforderliche Erdgasbetankungsanlage entsteht ein Kosten-Nachteil des Erdgasfahrzeuges.

 

Für die Zukunft betrachtet wird dieser finanzielle Mehraufwand durch den angekündigten Entfall der Förderung der Kraftstoffkosten für Erdgasfahrzeuge zum Ende des Jahres 2018 noch ansteigen.

 

Die der Bürgereinbabe beigefügte Studie der Wibera kommt zu dem Ergebnis, dass unter den Voraussetzungen eines Vollkostenvergleiches Erdgasbusse im Vergleich zu Diesel-bussen ca. 3.000,- € p. a. kostengünstiger sind; auf dieser Grundlage basieren auch die benannten Einsparungspotentiale für die HCR.

Die dort getroffenen Annahmen treffen in diversen Belangen nicht auf die  Rahmenbedingungen der HCR zu, teilweise können diese auch nicht nachvollzogen bzw. nachgeprüft werden. Beispielhaft sei hier aufgeführt, dass die Berechnungen in dem Gutachten auf einem Fahrzeug des Baujahres 2005 mit der EURO-Norm 2 basieren. Ein derartiges Fahrzeug hat die HCR bereits seit dem Jahr 2010 nicht mehr im Bestand. Der dort unterstellte Kraftstoffverbrauch von 60l je 100 km liegt erheblich über den durchschnittlichen Verbräuchen der Gelenkbusse des Unternehmens (< 50l bis 56l je 100 km). Zudem wurde die Investition auf einen Zeitraum von nur 8 Jahren kalkuliert, wodurch die Kosten für eine Revision der Gasspeicher nicht mit in die Berechnung einbezogen werden mussten; die HCR-Fahrzeuge fahren hingegen i. d. R 12 Jahre (mindestens 10 Jahre). Zudem werden die übrigen angesetzten Kosten für die Instandhaltung, die erheblich verlängerten Betankungszeiten, die notwendige zusätzliche Werkstatt- und Tankstelleninfrastruktur sowie die erforderliche Ausbildung/Schulung der Werkstatt-mitarbeiter als zu niedrig bewertet, bzw. als gar nicht in den Berechnungen enthalten, erachtet.

 

 

Der Oberbürgermeister

In Vertretung

 

 

 

Dr. Klee

Stadtdirektor


Anlagen:

Anlage 1 Zusammenfassung Schadstoffbelastung Schweizer Hochschule

Anlage 2 Zusammenfassung Ergebnis Studie Berliner Stadtreinigung

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Anlage 1 Vorlage 2013_0704 (361 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich Anlage 2 Vorlage Nr. 2013_0704 (364 KB)