Ratsinformationssystem

Vorlage - 2013/0726  

Betreff: Integrierte Stadtbezirkspläne, Quartierskonzepte und kleinräumiges Monitoring als Bausteine integrierter teilräumlicher Analyse und Planung in Herne

Status:öffentlichVorlage-Art:öffentliche Beschlussvorlage
Verfasser:Herr Rogge, 3015
Federführend:FB 51 - Umwelt und Stadtplanung Bearbeiter/-in: Böhnke, Bianca
Beratungsfolge:
Bezirksvertretung Sodingen Vorberatung
26.11.2013 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Sodingen ungeändert beschlossen   
Bezirksvertretung Wanne Vorberatung
26.11.2013 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Wanne ungeändert beschlossen   
Bezirksvertretung Herne-Mitte Vorberatung
28.11.2013 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Herne-Mitte ungeändert beschlossen   
Bezirksvertretung Eickel Vorberatung
28.11.2013 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Eickel ungeändert beschlossen   
Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung Vorberatung
05.12.2013 
des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung ungeändert beschlossen   
Haupt- und Finanzausschuss Vorberatung
17.12.2013 
des Haupt- und Finanzausschusses ungeändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt

Beschlussvorschlag:

 

Der Haupt- und Finanzausschuss beschließt:

 

1.)    Die Verwaltung wird beauftragt unter Berücksichtigung insbesondere sozio-ökonomischer, städtebaulicher und wohnungswirtschaftlicher Indikatoren ein System für ein kleinräumiges Monitoring zur Raumbeobachtung aufzubauen.

             

2.)    Die Verwaltung wird beauftragt integrierte Stadtbezirkspläne für die vier Herner Stadtbezirke zu erarbeiten.

             

3.)    Die Verwaltung wird beauftragt anhand eines Pilotprojekts in Herne-Süd eine Methodik für die Erstellung von Quartiersanalysen / Quartierskonzepten zu erarbeiten und auf dieser Grundlage punktuell Quartiersanalysen / Quartierskonzepte zu erstellen.

 


Sachverhalt:

 

Die Stadt Herne hat insbesondere mit dem Masterplan Einzelhandel, dem Klimaschutzkonzept, dem Handlungskonzept Wohnen, dem Wohnbauflächenentwicklungsprogramm, dem Grünflächenentwicklungsprogramm und dem Masterplan Verkehr wichtige sektorale bzw. thematische räumliche Planungen auf gesamtstädtischer Ebene in jüngerer Zeit aufgestellt bzw. ist dabei dies zu tun oder vorzubereiten. Auch die Konzeptionen, die die Grundlage für die Standortentwicklung städtischer Infrastrukturen (Schulen, Verwaltungsstandorte, Sport- und Spielplätze etc.) darstellen, werden laufend fortgeschrieben, demografiebedingt bestehen hier hohe Anpassungserfordernisse.

Diese und weitere sektorale Konzepte und raumwirksame Fachpolitiken der Stadt bedürfen einer Verklammerung bzw. Integration, um Widersprüche aufzudecken und auszuräumen. So können Fehlallokationen von Ressourcen und Nutzungskonkurrenzen vermieden und Synergieeffekte erzeugt werden. Gleichzeitig können die Transparenz planerischer Entscheidungen und die Verlässlichkeit für die Akteure erhöht werden.

Das Beispiel Horsthausen zeigt, das die integrierte Betrachtung verschiedener Themen der Stadtentwicklung (in diesem Beispiel Schulentwicklung, Sportflächenentwicklung, Nahversorgung, Baulandentwicklung) zu einem Mehrwert für den jeweiligen Stadtteil und für die Stadt insgesamt führen kann.

Integration kann allgemein auf zwei Ebenen erfolgen,

 

        erstens als Abstraktion im Sinne einer Gesamtperspektive bzw. eines Leitbilds der Herner Stadtentwicklung,

        zweitens als teilräumliche Zusammenfassung und Konkretisierung auf Ebene der Stadtbezirke und Quartiere (hier stehen die „vor Ort“ vorgefundenen Probleme und Potenziale im Vordergrund)..

Die im Folgenden vorgeschlagenen planerischen Instrumente sind als Werkzeugkoffer für die Bearbeitung dieser zweiten Dimension integrierter Planung in Herne zu verstehen.

 

Integrierte Stadtbezirkspläne (ISP)

Integrierte Stadtbezirkspläne sollen auf Ebene der vier Herner Stadtbezirke

 

        die verschiedenen fachlichen, sektoralen bzw. thematischen Belange mit Raumbezug analytisch und planerisch zusammenführen (Integration),

        in einem offenen Beteiligungsprozess das Raumwissen der Akteure, die konkreten Problemstellungen vor Ort, die Interessen und Zielsetzungen von Bezirkspolitik, Zivilgesellschaft (Vereine, Verbände, Initiativen), Bürgern und Unternehmen einbeziehen (Partizipation) und

        auf dieser Grundlage ein abgestimmtes, handlungsorientiertes Gesamtkonzept für den Stadtbezirk erarbeiten (Handlungsorientierung).

 

 

Die Erarbeitung integrierter Stadtbezirkspläne für die vier Herner Bezirke kann aus Kapazitätsgründen nicht gleichzeitig erfolgen. Stattdessen wird vorgeschlagen, die Bezirke sukzessive abzuarbeiten. Es ist für den ersten Bezirk mit einer Bearbeitungsdauer von bis zu zwei Jahren zu rechnen, da das Bearbeitungsformat erprobt und die Abläufe eingeübt werden müssen, bei den weiteren Bezirken wäre mit einer etwas kürzeren Bearbeitungszeit zu rechnen.

Seitens der Verwaltung wird vorgeschlagen mit dem Bezirk Eickel, alternativ mit dem Stadtbezirk Sodingen als Pilotbezirk zu beginnen. Im Stadtbezirk Wanne hat durch das Stadtteilprojekt Bickern / Unser Fritz und das Stadtumbauprojekt Wanne-Mitte in den letzten Jahren eine intensive planerische Befassung mit großen Teilen des Bezirks stattgefunden, in Herne-Mitte ist dies mit dem Stadtumbau Herne-Mitte gegenwärtig der Fall. Der Handlungsbedarf wird in diesen Stadtbezirken darum aktuell als geringer eingeschätzt.

Bezugsraum der ISP ist jeweils der gesamte Stadtbezirk. Spezifische Problemlagen und / oder Potenziale erfordern jedoch einen noch kleinteiligeren Fokus auf Ebene des Quartiers.

 

Quartiersanalysen / Quartierskonzepte

Unter Quartieren werden dabei überschaubare Gebiete verstanden, die sich räumlich, städtebaulich und hinsichtlich Sozialstruktur von anderen Stadtvierteln abgrenzen. Eine offizielle Grenzziehung entlang administrativer oder statistischer Raumeinheiten existiert dabei häufig nicht. Die Definition des  Gebietes als alltäglicher Lebens- und Identifikationsraum erfolgt in erster Linie durch seine Bewohner selbst, andererseits werden Quartiere als politischer und städtebaulicher Aktionsraum auch durch die Kommunen aktiv abgegrenzt.

Quartiere als räumliche Ebene von Identifikation und Qualitätszuschreibung an das Wohnumfeld gewinnen angesichts von Polarisierungstendenzen auf dem Wohnungsmarkt gerade angesichts sinkender Haushaltszahlen und zunehmender Wohnungsleerstände wohnungs- und immobilienwirtschaftlich an Bedeutung. Gleichzeitig hat das Land NRW im Wohnraumförderungsprogramm 2013 das Ziel der Weiterentwicklung der Wohnungsbauförderung auch zu einem Instrument der Quartiersentwicklung formuliert und erstmals einen entsprechenden Förderzugang eingerichtet.

In der im April 2013 vorgelegten strukturellen Wohnungsmarktanalyse für Herne wurde die Thematik der Quartiersentwicklung als ein wichtiges Handlungsfeld der Wohnungspolitik in Herne identifiziert. Quartiersanalysen / Quartierskonzepts sollen in Verbindung mit kleinräumigem Monitoring und integrierten Stadtbezirksplänen dazu dienen, Problemstellungen und Potenziale auf kleinräumiger Ebene zu erkennen und im aktivierenden Dialog mii relevanten Akteuren umsetzungsfähige Handlungsoptionen abzuleiten.

In der Lenkungsgruppe zum Handlungskonzept Wohnen der Stadt Herne wurde dies aufgegriffen und aus dem Kreis der lokalen Wohnungswirtschaft vorgeschlagen, das Instrument von Quartiersanalysen und Quartierskonzepten im Bereich Herne-Süd zu erproben. Ziel ist es, in einem zeitlich komprimierten Planungsprozess im Dialog zwischen Stadt und insbesondere Wohnungsmarktakteuren Problemstellungen, Potenziale und Handlungsoptionen im Bereich eines Quartiers innerhalb des statistischen Bezirks Herne-Süd zu identifizieren

Im Rahmen dieses Pilotprojekts soll auch eine wissenschaftlich abgesicherte und auf die lokalen Herner Verhältnisse angepasste Methodik zur Erarbeitung von Quartiersanalysen und Quartierskonzepten entwickelt werden, die für andere Quartiere in Herne allgemein anwendbar ist. Für die Erarbeitung dieser Methodik wurde ein externes Büro beauftragt.

Quartiersanalysen / Quartierskonzepte können sinnvoll sein sowohl in Bereichen, in denen sozialräumliche, wohnungswirtschaftliche und sonstige planungsrelevante Problemlagen konzentriert auftreten, als auch in stabilen Bereichen mit zu aktivierenden Entwicklungspotenzialen. Auf die Wohnfunktion bezogene Fragestellungen stehen im Fokus, müssen aber nicht die alleinigen Themen der Quartiersanalysen und der daraus abgeleiteten Konzepte sein.

Die Quartiersanalysen können als teilräumliche Vertiefung eine Lupenfunktion innerhalb der integrierten Stadtbezirkspläne übernehmen und insbesondere auch zur Vorbereitung künftiger Stadterneuerungsgebiete dienen.

Quartiersanalyse sollen nicht flächendeckend für alle Herner Stadtquartiere erarbeitet werden sondern punktuell dort, wo dies besonders notwendig oder erfolgversprechend erscheint. Die Auswahl der zu bearbeitenden Quartiere soll dabei die fachlichen und politischen Erfordernisse, die in den integrierten Stadtbezirksplänen und in sektoralen Plankonzepten deutlich werden, reflektieren, sie bedarf aber auch einer quantitativen empirischen Basis aus einem kleinräumigen Monitoring.

 

Kleinräumiges Monitoring

Kleinräumige Monitoringsysteme als Instrumente der Raumbeobachtung mit unterschiedlichen thematischen Breiten und  Schwerpunktsetzungen  bestehen in den meisten größeren Städten. Sozialraum- und wohnungsmarktbezogene Indikatoren stehen dabei in der Regel im Vordergrund aber auch Themen wie Bildung, Gesundheit, Infrastrukturausstattung und Umweltqualität werden teilweise abgebildet. Die grundlegende Herangehensweise besteht darin, einen handhabbaren Satz quantitativer, für den jeweiligen Zweck aussagekräftiger Indikatoren zu definieren und auf Ebene kleinräumiger statistischer Einheiten periodisch und flächendeckend zu überprüfen, zu dokumentieren und zu interpretieren. Im Ergebnis kann sichtbar werden, wo sich Problemlagen konzentrieren oder verschieben.

Das Erfordernis der Einführung eines solchen Monitorings ergibt sich in Herne insbesondere aus den sinkenden Bevölkerungs- und Haushaltszahlen und der in der Folge zu erwartenden Zunahme von Wohnungsleerständen, die städtebauliche Abwertungs- und soziale Entmischungsprozesse beschleunigen können. Nur eine frühzeitige Problemerkennung ermöglicht hier eine sachgerechte planerische Reaktion.

Das kleinräumige Monitoring erfüllt mehrere Zwecke:

 

        frühzeitige Erkennung sozialer und wohnungswirtschaftlicher Problemlagen als Herleitung für im Rahmen von Quartiersanalysen vertieft zu betrachtenden Bereichen (und damit insbesondere auch für die Herleitung von künftigen Stadterneuerungsgebieten),

        quantitative Bestandsaufnahme als Grundlage für die integrierten Stadtbezirkspläne,

        allgemeine für verschiedene planerische Fragestellungen nutzbare Raumbeobachtung.

Kleinräumiges Monitoring ist als dauerhafte Aufgabe zu sehen, die periodisch (ca. alle 3-4 Jahre) abzuarbeiten ist. Es sollte in Herne sinnvollerweise auf Ebene der 32 statistischen Bezirke (unterlegt mit einer Betrachtung auf Ebene der 146 Zählbezirke)  erfolgen. Der Indikatorensatz soll insbesondere sozio-ökonomische, städtebauliche und wohnungswirtschaftliche Faktoren berücksichtigen. Eine Erweiterung um weitere Themenfelder ist wünschenswert und im Rahmen der vorhandenen technischen und personellen Ressourcen anzustreben. Als Referenz kann das „Rahmenkonzept Stadterneuerung“ verstanden werden, das der Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung 2010 zur Kenntnis genommen hat. Die aus förderpolitischen Erwägungen notwendige Fortschreibung des Rahmenkonzepts Stadterneuerung kann ggf. als Pilotprojekt zur Einführung eines dauerhaft angelegten Systems kleinräumigen Monitorings genutzt werden.

 

Der Oberbürgermeister

In Vertretung

 

 

Friedrichs

(Stadtrat)