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Vorlage - 2014/0694  

Betreff: Eintragung der Friedhofskapelle mit der Ausstattung - Ambo, Christusfigur, Kerzenleuchter -, die südlich angrenzende Toranlage mit Mauer, Tor und Skulpturengruppe, die nördlich anschließende Mauer mit Gitter, die Kreuzigungsgruppe, der Brunnen und das Kreuz von 1892 auf dem kath. Friedhof St. Laurentius an der Stöckstraße, Stadtbezirk Wanne, in die Liste der Baudenkmäler der Stadt Herne gemäß § 3 Denkmalschutzgesetz
Status:öffentlichVorlage-Art:Berichtsvorlage
Verfasser:Frau Ottey-Hall, Tel. 3022
Federführend:FB 51 - Umwelt und Stadtplanung Bearbeiter/-in: Dill, Sabine
Beratungsfolge:
Bezirksvertretung Wanne Anhörung
11.11.2014 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Wanne zur Kenntnis genommen   
Kultur- und Bildungsausschuss Anhörung
20.11.2014 
des Kultur- und Bildungsausschusses zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:

 

Die Friedhofskapelle mit der Ausstattung - Ambo, Christusfigur, Kerzenleuchter-, die südlich angrenzende Toranlage mit Mauer, Tor und Skulpturengruppe, die nördlich anschließende Mauer mit Gitter, die Kreuzigungsgruppe, der Brunnen und das Kreuz von 1892 auf dem kath. Friedhof St. Laurentius an der Stöckstraße in Herne wurden mit Bescheid vom 24.02.2014 unter der Listen Nr. 718-51/DL-2014 in die Liste der Baudenkmäler der Stadt Herne eingetragen.

 

 

Begründung:

 

Objektbeschreibung:

 

Die Friedhofskapelle wurde 1990 von dem Architekten Braun , Architekturbüro TBP (Triet Braun u. Partner) errichtet. Sie besitzt einen fast quadratischen Grundriss, der auf der Friedhofsseite über Eck durch ein Portal mit Dreiecksüberdachung geöffnet ist. Bei der Dachgestaltung wurde bewusst eine Zeltform gewählt. „Das zur Straße etwa 6 m hohe Bruchsteinmauerwerk ist zur Straße und zum Nachbargrundstück geschlossen. An der Wand zur Stöckstraße ist in etwa 4 m Höhe  auf einem überdachten Sockel eine Pieta angeordnet. Zum Friedhof ist die südwestliche Ecke durch ein  pfeilergestütztes Portal mit großem Gitter quer zum Grundriss geöffnet. Eine große Dachlaterne über einem Zeltdach überfängt das Gebäude. Auf der Spitze ist eine Engelsskulptur mit Horn, ein Schofar-Engel als Bronzefigur des Bildhauers Bernhard Kleinhans (1926-2004) zu sehen. Im Inneren bestimmen schlanke Stahlsäulen, die das Dach tragen, im Kontrast zum Bruchsteinmauerwerk sowie Buntglasfenster den Raumeindruck. Die Fenster sind signiert „G.M.“ von der Hand Georg Meistermanns. Die Fenster sind abstrakt gestaltet. Nur in den Flächen seitlich des Portals sind ein Würfel, die Dornenkrone, das Christusmonogramm XP sowie eine nach unten weisende Ähre mit einer Sichelform auszumachen. In der nordöstlichen Kapellenecke hängt – durch ein Oberlicht erhellt – eine segnende Christusfigur vor einer Scheibe, das ganze wohl in Bronze gegossen. Kerzenleuchter und Ambo ergänzen die Ausstattung.

 

An die Kapelle schließt unmittelbar die Eingangsanlage zum Friedhof an. Sie ist in gleichem Mauerwerk ausgeführt, die Zufahrt kann durch ein sehr massiv und wehrhaft wirkendes Rolltor verschlossen werden. Das künstlerisch gestaltete Tor zeigt zwei religiöse Symbole und weitere Applikationen. Links auf dem Eingangssockel steht eine Plastik von Gerhard Marcks, zwei Menschen im Gespräch.

 

In der Mitte des Friedhofs steht eine Kreuzigungsgruppe, ein Werk des Paderborner Künstlers Josef Rikus (1923-1989), aufgestellt im Jahre 1995. Dieser Monolith aus Grünsandstein symbolisiert das Leiden Christi am Kreuz. Zur rechten Seite befinden sich die Mutter Maria sowie Maria Magdalena.

 

Weiterhin ist in der Friedhofsanlage ein Brunnen aus Bronze des Bildhauers Bernhard Kleinhans zu sehen.

 

Vor der Kapelle ist ein großes Kreuz von 1892 - der Künstler ist unbekannt - aufgestellt.

 

Denkmalwert ist die Friedhofskapelle bzw. Aussegnungshalle mit ihrer oben genannten Ausstattung, die südlich angrenzende Toranlage mit Mauern, Tor und Skulpturengruppe sowie die nördlich anschließende Mauer mit Gitter. Denkmalwert ist auch die Kreuzigungsgruppe, der Brunnen und das große Kreuz von 1892 auf dem Friedhof.

 

Begründung des Denkmalwertes 

 

Kapelle und Kreuzigungsgruppe, Brunnen und Kreuz sind bedeutend für Herne, Stadtteil Wanne-Eickel. Seit 1891 beerdigt die katholische Gemeinde ihre Toten auf dem gemeindeeigenen Friedhof an der Stöckstraße. Zum Friedhof gehört die 1990 erbaute Einsegnungshalle. Der langjährige Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Laurentius Franz-Josef Hofmann (1929-2009) war Kunstmäzen und engagierter Christ. Er hat über die Jahrzehnte seines Wirkens deutliche Spuren in „seiner“ Gemeinde hinterlassen. So übernahm er die künstlerische Ausstattung des gemeindeeigenen Friedhofs an der Stöckstraße. Während die Laurentiuskirche in die Denkmalliste aufgenommen wurde, nicht aber die dort von Hoffmann gesammelten hochrangigen Kunstwerke, weil es an inhaltlichem Zusammenhang zum Kirchengebäude fehlte, ist die Friedhofskapelle ein Gesamtwerk von Architektur und Kunstwerken nach dem Willen Hoffmanns. Damit bezeugen das Gebäude uns seine Ausstattung einen wichtigen religiösen und künstlerischen Prozess in Herne-Wanne-Eickel.

 

Für die Erhaltung und Nutzung des Gebäudes liegen wissenschaftliche Gründe hinsichtlich Architektur- und Kunstgeschichte vor, denn der oben beschriebene Bau ist architektonisch qualitätvoll  und im besten Sinn von eigener Art. Er bildet eine Einheit mit der für diesen Ort geschaffenen Werken namhafter Künstler. Damit bietet die Kapelle Forschungen der Architektur und Kunstgeschichte Raum und Ansätze  zu weitergehenden Einordnungen der Baugattung und des Schaffens der genannten und – im Fall der Pieta und des Kruzifixes-  - ungenannten Künstler.

 

Für die Erhaltung und Nutzung des Gebäudes liegen städtebauliche Gründe vor, weil es weithin sichtbar an der Hauptstraße den Friedhofseingang signalisiert.

 

Aus gestalterischen, wissenschaftlichen sowie städtebaulichen Gründen besteht an der Erhaltung der Friedhofskapelle mit der genannten Ausstattung, der Toranlage mit Mauern Tor und Skulpturengruppe sowie der anschließende Mauer mit Gitter, der Kreuzigungsgruppe, des Brunnen und des Kreuzes von 1892 ein besonderes öffentliches Interesse. 

 

Der Unterschutzstellungsumfang wurde mit Schreiben vom 23.05.2014 wie folgt präzisiert:

 

Friedhofskapelle bzw. Aussegnungshalle

Sie wurde von dem Architekten Braun , Architekturbüro TBP (Triet Braun u. Partner) errichtet. Bei der Dachgestaltung wurde bewusst eine Zeltform gewählt.  „Gottes Zelt unter den Menschen“ (Theologische Aussage).

 

Pieta-Figur

Sie stammt aus dem Privatbesitz von Pfarrer Hoffman und war ein ‚Geschenk von ihm an den Friedhof. Die Herkunft und die Zeit des Kaufes konnte nicht ermittelt werden.

 

Die Figur wurde an der Außenfassade zur Straße angebracht, um Trauer und Leid nach außen sichtbar zu machen . “Lasse ich mich vom Leid fertig machen, oder werde ich –wie Maria – damit fertig?“ (Theologische Aussage).

 

Schofar-Engel

Die Bronzefigur des Bildhauers Bernhard Kleinhans (1926 – 2004) aus Sendenhorst wurde 1989 geschaffen. Er symbolisiert: „Der Engel schaut zu den Lebenden – in die Stadt hinein und bläst zu den Toten, die auf dem Friedhof ruhen“ (Theologische Aussage).

 

Dachlaterne über dem Zeltdach und „Oberlicht“

Die Gestaltung hat nicht nur eine funktionale Bedeutung sondern wurde aus theologischen Überlegungen her in der Form ausgeführt. Durch diese Gestaltung ist ein Lichteinfall gegeben:  „Licht kommt aus der Höhe“.

 

Bronze von Gerhard Marcks (1889 – 1981)

„Auferstehungschristus“ Sie wurde 1965 geschaffen.

Durch die Galerie Vörmel in Düsseldorf und eine persönliche Verbindung zum Künstler konnte Pfarrer Hoffmann dieses bedeutende Werk erwerben. Ein weiteres Exemplar davon ist in einer Kirche von Hannover (Marktkirche?) zu sehen.

 

Kerzenleuchter

Die Kerzenleuchter aus Bronze wurden von Bernhard Kleinhaus geschaffen.

 

Ambo

Der Ambo wurde von einer Kunstwerkstatt geschaffen und zu einem späteren Zeitpunkt erworben.

 

Fenster von Georg Meistermann (1911 – 1990)

Es handelt sich um ein Fensterband und 2 Längsfenster von 1988/1989.

Thematik des Fensterbandes: Gnadenstrom

Längsfenster links: erkennbare Zeichen: Würfel, Dornenkrone-

Auseinandersetzung mit Leid – Tod – Trauer.

Ist alles Schicksal, Los oder Bestimmung?

Wird über mich gewürfelt, fällt auf mich das Los oder ist es Fügung?

Längsfenster rechts: erkennbare Zeichen: reife Ähren mit Sichel, Christusmonogramm

Als Auferstehungszeichen – Erlösungsgedanke (Auferstehungsfenster)

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein,

wenn es aber stirbt, bringt es viele Frucht“ (Johannes Evangelium).

 

Gitter

Das Gitter aus Schmiedeeisen wurde von dem Kunstschmied und Schlossermeister Constantin Costaras gestaltet.

 

Friedhofstor (als Rolltor)

Das Tor aus Bronze wurde von Bernhard Kleinhans für diesen Friedhof geschaffen

Als Thematik wurde „Himmlisches Jerusalem“ gewählt.

Die 12 Öffnungen an der oberen Front stellen die 12 Tore dar, von denen in der Bibel berichtet wird.

4 Reliefs (2 außen und 2 innen) zeigen biblische Motive.

Außen: Lebensbaum und Fisch (Fisch:Ichtys – Christuszeichen)

Innen: Daniel in der Löwengrube und die drei Jünglinge im Feuerofen.

 

Bronze auf dem Eingangssockel

Von Bernhard Kleinhans 1989 geschaffen.

Darstellung: „Begegnung zwischen Jesus und Thomas“.

 

Brunnen

Von Bernhard Kleinhans 1992/93 geschaffen

Thema: Christus und die Samariterin“

Die Spitze des Brunnens stellt die Begegnung Jesu mit der Samariterin dar.

Biblischer Bezug: „Wasser des Lebens“

„Das Wasser, das ich (Jesus) ihm gebe, wird zur sprudelnden Quelle werden,

deren Wasser ewiges Leben schenkt“ (Johannes Evangelium).

Die Reliefs um den Brunnen sind mit biblischen Wasser gestaltet.

 

Kreuzigungsgrsuppe

Künstler: Josef Rikus, Paderporn (1923 – 1889), Bildhauer

Material: Stein (Jura – unter Lage, Rhein/Main)

Thema: „Christus als Lastenträger“

Geschaffen 1980

Herr Pfarrer Hoffmann hat sich ganz bewusst für diese Kreuzigungsgruppe entschieden.

Christus hebt alle Last hoch, damit niemand von ihr erdrückt wird. Die beiden Trauernden unter dem Kreuz erfahren spürbar die Verheißung.

Bei dieser Kreuzesdarstellung stehen nicht Leiden und Sterben Jesu im Vordergrund sondern die Verheißung der Erlösung.

Die beiden Trauernden darunter sind nicht die biblischen Frauen unter dem Kreuz.

 

Kreuzanlage am Eingang

Dieses Kreuz (1892) ist aus der Gründerzeit. Es stand bis zur Aufstellung des Rikus-Kreuzes an der dortigen Stelle. Dieses Kreuz stellt Leiden, Sterben und Tod Jesu dar.

 

Von Seiten des Eigentümers wurde kein Einspruch gegen die Eintragung in die Liste der Baudenkmäler eingelegt.

 

Der Oberbürgermeister

In Vertretung

 

 

 

 

(Friedrichs)

Stadtrat

    


Anlagen:

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Foto; Friedhofskapelle, südl. Toranlage (652 KB) PDF-Dokument (666 KB)    
Anlage 2 2 öffentlich Lageplan (996 KB)