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Vorlage - 2014/0721  

Betreff: Eintragung des Fachwerkhauses Hölkeskampring 162, Stadtbezirk Sodingen, in die Liste der Baudenkmäler der Stadt Herne gemäß § 3 Denkmalschutzgesetz
Status:öffentlichVorlage-Art:Berichtsvorlage
Verfasser:Herr Munck, Tel. 3023
Federführend:FB 51 - Umwelt und Stadtplanung Bearbeiter/-in: Fortnagel, Bettina
Beratungsfolge:
Bezirksvertretung Sodingen Vorberatung
12.11.2014 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Sodingen zur Kenntnis genommen   
Kultur- und Bildungsausschuss Vorberatung
20.11.2014 
des Kultur- und Bildungsausschusses zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

Sachverhalt:

    

Objektbeschreibung:

 

Das zweigeschossige Wohn- und Wirtschaftsgebäude ist ein laut Torbalkeninschrift 1833 errichtetes Kötterhaus mit Querdeele. Das in Fachwerk errichtete Gebäude besitzt verbretterte und provisorisch mit Teerpappe beschlagene Giebel. Über dem Tor steht – soweit unter den zahlreichen Nachzeichnungen mit Farbe lesbar – die Inschrift:

 

„Heinrich Engberth bei Herne und Anna Maria Darwe bei Bicken Eheleute / Darum bin ich heraus gegangen Dir zu begegnen Dein Angesicht / früh zu schauen und habe dich gefunden. Die Sprüche Salomons Sieben Vers 15 / den 22. Juni 1833“ daneben ein Monogramm: „M.W.G.“ oder „T.W.H.“

 

Dieser Spruch ist im Zusammenhang der angegebenen Bibelstelle eine Warnung vor ehelicher Untreue: „Und siehe, da begegnete ihm ein Weib im Hurenschmuck, listig, wild und unbändig… Darum bin herausgegangen, dir zu begegnen, dein Angesicht zu suchen, und habe dich gefunden. Ich habe mein Bett schön geschmückt mit bunten Teppichen aus Ägypten. Ich habe mein Lager mit Myrrhe, Aloe und Zimt besprengt. Komm, laß uns buhlen bis an den Morgen und laß uns der Liebe pflegen. Denn der Mann ist nicht daheim… Sie überredete ihn mit vielen Worten und gewann ihn mit ihrem glatten Munde. Er folgt ihr alsbald nach, wie ein Ochse zur Fleischbank geführt wird, …So gehorchet mir nun, meine Kinder, und merket auf die Rede meines Mundes. …Ihr Haus sind Wege zum Grab, da man hinunterfährt in des Todes Kammern.“

 

Der Torbogen ist vermauert und auch andere Teile, namentlich am südlichen Giebel, sind massiv erneuert worden. Die Fenster sind überwiegend wohl um die einhundert Jahre alt und mit Schlagläden versehen. Im Inneren sind Fachwerkgefüge und Ausfachungen weitgehend erhalten. Haustreppe und viele Türen scheinen noch aus der Erbauungszeit zu stammen. Auch die Raumstruktur ist klar ablesbar geblieben, die größte Veränderung haben die Deele mit Stallteil erfahren, die in zwei Geschosse unterteilt wurde.

 

Darüber hinaus scheint der Dachstuhl des Gebäudes jedoch komplett aus der Erbauungszeit überliefert zu sein.

 

Erkennbar ist aber auch, dass das Haus häufig repariert worden ist, wobei unterschiedliche Baumaterialien zum Einsatz gekommen sind. Das Haus weist weiterhin einen hohen Reparaturstau auf.

 

Denkmalwert ist der unter seinem Hauptdach zusammengefasste Baukörper im Innen und Äußeren. Nicht zum Baudenkmal gehört der nordöstlich – von vorn: links – angefügte eingeschossige Anbau mit Pultdach.

 

Begründung des Denkmalwertes:

 

Das Gebäude ist bedeutend für die Stadt Herne, weil es als ein seit Jahrzehnten offensichtlich wenig veränderter landwirtschaftlicher Bau die Entwicklung Hernes vom ländlichen Raum in den großstädtischen Raum besonders gut belegt. Hier wird insbesondere das Leben der Kötter, der kleinbäuerlichen Tagelöhner-Schichten, überliefert. Das Gebäude gehört zu einer kleinen Gruppe solcher Hofstellen, die in Herne anzutreffen sind. Verwiesen sei hier auf das 1776 erbaute Längsdeelenhaus an Castroper Str. 231, das den Wechsel der Wirtschaftsweise durch den Wechsel der Deelenkonstruktion von längs auf quer veranschaulicht, anderseits mit der Torbogeninschrift: „Selig ist der Man der ein gut Weib hat. Die Zahl seiner Tage wird gedoppelt sein. Ein redlich Weib erfreut ihren Man“. Die Rolle der Frau in der Ehe einmal mehr thematisiert. Der sehr viel größere Schultenhof von 1821 an der Oestrichstraße 140 vermittelt dagegen einen fast zeitgleichen Eindruck von den Standesunterschieden zwischen einem Großbauern und einem Kötter.

 

Für die Erhaltung und Nutzung des Gebäudes sprechen wissenschaftliche Gründe hinsichtlich der Regionalgeschichte, die oben bereits mit skizziert wurden, weil das relativ unveränderte Gebäude in Grundriss, Aufriss und Bausubstanz die Wohn- und Wirtschaftsverhältnisse im Herne des 19. und frühen 20. Jahrhunderts überliefert. Für seinen Denkmalwert sprechen in diesem Zusammenhang auch volkskundliche Gründe, weil die Bräuche und Wirtschaftsweisen zum Beispiel in der Torbalkeninschrift und der Querdeele überliefert sind. Durch seine Lage inmitten eines großen Wiesen- und Gartengrundstückes an einem Bach sprechen für seine Erhaltung und Nutzung auch städtebauliche Gründe, denn so liegt es idyllisch-abgeschieden mit historischem Charakter inmitten der Stadt Herne und bezeugt frühere Lebensformen.

 

Da hier ein öffentliches Interesse hinsichtlich regionalgeschichtlicher, volkskundlicher sowie städtebaulicher Gründe besteht, liegen die Voraussetzungen für die Eintragung in die Denkmalliste der Stadt Herne vor.

 

 

Der Oberbürgermeister

In Vertretung

 

 

 

 

 

Friedrichs

(Stadtrat)

 

 

 


Anlagen:

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Foto (333 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich Grundlagenkarte (596 KB)      
Anlage 3 3 öffentlich Lageplan (1277 KB)