Ratsinformationssystem

Vorlage - 2015/0274  

Betreff: Maßnahmen zur Barrierefreiheit / zum behindertengerechten Ausbau an Herner Schulen im Zuge des Inklusionsprozesses
- 1. Sachstandsbericht und Festlegung von Maßnahmen 2015 -

Status:öffentlichVorlage-Art:öffentliche Beschlussvorlage
Verfasser:Reschke, Peter - Tel.: 3301
Federführend:FB 31 - Schule und Weiterbildung Bearbeiter/-in: Bartkowiak, Heike
Beratungsfolge:
Schulausschuss Entscheidung
13.05.2015 
des Schulausschusses beschlossen   
Bezirksvertretung Wanne Entscheidung
02.06.2015 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Wanne beschlossen   
Bezirksvertretung Herne-Mitte Entscheidung
03.06.2015 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Herne-Mitte beschlossen   
Bezirksvertretung Sodingen Entscheidung
10.06.2015 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Sodingen beschlossen   
Bezirksvertretung Eickel Entscheidung
11.06.2015 
der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Eickel beschlossen   

Finanzielle Auswirkungen
Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

Finanzielle Auswirkungen: Ausgaben/Einnahmen in €:

 

Finanzielle Auswirkungen in €

           Teilergebnisplan (konsumtiv)

Produkt

Kontengruppe

Ertrag/Aufwand (-)

Nr.:

Bez.:           ---

Nr.:

Bez.:                ---

 

          ---

 

Teilfinanzplan (investiv)

Maßnahme

Kontengruppe

Einzahlung/Auszahlung (-)

Nr.:    7.210815

Bez.: Ausbau           

         Inklusionsstandorte

 

 

 

 

 

 

Nr.:    7.210803

Bez.: Anpassung  Schulinfrastruktur

Nr.    1

Bez.: Einzahlungen aus  

         Aufwendungen für         

         Investitionsmaßnahmen

 

Nr.    8

Bez.: Auszahlungen für

         Baumaßnahmen

 

Nr.    8

Bez.: Auszahlungen für

         Baumaßnahmen

 

Nr.    9  

Bez.: Auszahlungen für den

         Erwerb von Anlage-

         vermögen

224.371,22 EUR

 

 

 

 

-224.371,22 EUR

 

 

 

-105.328,78 EUR

 

 

 

-13.000,00 EUR

 

 


Beschlussvorschlag:

Der Schulausschuss sowie die Bezirksvertretungen nehmen den 1. Sachstandsbericht zur Barrierefreiheit / zum behindertengerechten Ausbau an Herner Schulen zur Kenntnis und stimmen der bezeichneten Festlegung von Maßnahmen für das Jahr 2015 vorbehaltlich der Verfügbarkeit der erforderlichen Haushaltsmittel zu.

 


Sachverhalt:

Ausgangslage / Einleitung

Mit dem 9. Schulrechtsänderungsgesetz NRW vom 16.10.2013 hat das Land den Auftrag der UN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt und die ersten Schritte auf dem Weg zur inklusiven Bildung an allgemeinen Schulen gesetzlich verankert. Seit dem Schuljahr 2014/2015 wird Sclerinnen und Schülern mit einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung grundsätzlich ein Platz an einer allgemeinen Schule angeboten. Eltern von Sclerinnen und Sclern mit einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung können weiterhin die rderschulen wählen, wenn sie dies vorziehen und ein entsprechendes Angebot vorhanden ist.

 

Unter dem Begriff „Gemeinsames Lernen wird die sonderpädagogische Unter-stützung nunmehr zusammengefasst (§ 19 Abs. 2 Schulgesetz NRW - SchulG) und löst den gemeinsamen Unterricht (Primarstufe) und die integrativen Lerngruppen                   (Sekundarstufe) ab. Es gibt auch weiterhin sieben rderschwerpunkte:

 

         Lernen

         Sprache

         Emotionale und soziale Entwicklung

         Hören und Kommunikation

         Sehen

         Geistige Entwicklung und

         rperliche und motorische Entwicklung.

 

Die bürgerschaftlichen Gremien wurden in der zurückliegenden Zeit wiederholt über den Stand des schulischen Inklusionsprozesses informiert. Einher ging dies mit der Beschlussfassung über notwendige schulorganisatorische Maßnahmen; vorrangig im Bereich der Förderschulen. Verwiesen wird an dieser Stelle vor allem auf folgende Gremienvorlagen:

 

         Vorlage-Nr. 2013/0076

         Vorlage-Nr. 2014/0007

         Vorlage-Nr. 2014/0840.

 

Konnexität / Finanzierung der schulischen Inklusion

Der Landtag NRW hat am 03. Juli 2014 das Gesetz zur rderung kommunaler                Aufwendungen für die schulische Inklusion beschlossen. Dieses erkennt die Belastung der Schulträger an und sieht einen entsprechenden Ausgleich vor. Der bei den Kommunen auszugleichende Aufwand wird pauschaliert. Die jährliche Gesamthöhe beträgt 25 Mio. Euro. Die Verteilung der Mittel erfolgt auf der Basis der Sclerzahl der allgemeinen Schulen der Primarstufe und der Sekundarstufe I in Trägerschaft der einzelnen          Gemeinden und Kreise am 15.10. des jeweils vorletzten Jahres. Das Schulministerium soll den finanziellen Ausgleich für jedes Schuljahr leisten und ihn spätestens am 01. Februar auszahlen, erstmals spätestens am 01. Februar 2015. Die Finanzmittel (Korb I) sind für Schulträgeraufgaben (z. B. für zusätzliche Klassen- und Differenzierungsräume, sanitäre Ausstattungen und Barrierefreiheit) einzusetzen.

 

Zur Förderung weiterer kommunaler Aufwendungen für die schulische Inklusion gewährt das Land den Gemeinden und Kreisen ab dem Schuljahr 2014/2015 eine jährliche                 Inklusionspauschale. Diese Inklusionspauschale soll insbesondere der systemischen Unterstützung der Schulen des Gemeinsamen Lernens durch nicht lehrendes                Personal der Kommunen dienen, soweit diese Kosten nicht der Finanzierung individueller Ansprüche nach § 35 a des Achten Buches Sozialgesetzbuch und § 54 des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch dienen. Die jährliche Gesamthöhe beträgt 10 Mio. Euro.

Das für Schule zuständige Ministerium soll die Inklusionspauschale für jedes Schuljahr zahlen und sie jeweils stestens am 1. Februar auszahlen, erstmals stestens am                         01. Februar 2015. Aus der Pauschale kann der Schulträger z. B. Heildagogen, Heilerziehungspfleger, Schulpsychologen oder auch Integrationshelfer/innen bezahlen, die nicht individuell, sondern in Lerngruppen eingesetzt werden (Korb II).

 

Die auf die Stadt Herne entfallenden Leistungsanteile belaufen sich nach den vorliegenden Zuwendungsbescheiden vom 23.12.2014 für das Schuljahr 2014/2015

 

       aus dem Korb I (25 Mio. ) auf 224.371,22 €/Jahr (investiv) und

       aus dem Korb II (10 Mio. ) auf  84.329,18 /Jahr (konsumtiv).

 

Das Gesetz trifft auch Aussagen zur Evaluation. Es ist vorgesehen, dass das                Ministerium gemeinsam mit den Kommunalen Spitzenverbänden die Aufwendungen der Gemeinden und Kreise sowie die Entwicklung der kommunalen Aufwendungen für die Erfüllung individueller Ansprüche nach § 35 a des Achten Buches Sozialgesetzbuch und § 54 des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch auf der Grundlage      kommunaler Angaben untersucht und dem Landtag darüber berichtet. Dies soll erstmalig zum 01.Juni 2015 für das Schuljahr 2014/2015, danach zum 01. August 2016 und zum 01. August 2017 für das jeweils abgelaufene Schuljahr erfolgen.

 

Orte der sonderpädagogischen rderung

Im § 20 Abs. 1 SchulG ist festgelegt, dass sowohl inklusiv arbeitende allgemeine Schulen als auch rderschulen und Schulen für Kranke Orte sonderpädagogischer rderung sind. Auf dem Weg zu einem inklusiven Schulangebot werden die Schulen des gemeinsamen Lernens durch die Schulaufsicht in Abstimmung mit dem Schulträger festgelegt.            Der Schulträger kann mit Zustimmung der oberen Schulaufsicht allgemeine Schulen als Schwerpunktschulen bestimmen. Eine solche Schule umfasst über die rderschwerpunkte Lernen, Sprache sowie Emotionale und soziale Entwicklung hinaus mindestens einen weiteren rderschwerpunkt der Bereiche Geistige Entwicklung,                    körperliche/motorische Entwicklung, Hören/Kommunikation sowie Sehen. Schwerpunkt-schulen unterstützen andere Schulen im Rahmen der Zusammenarbeit bei der Inklusion.

 

Gemeinsames Lernen an Grundschulen und weiterführenden Schulen

Mit Zustimmung des Schulträgers richtet die Schulaufsichtsbehörde gemäß § 20 Abs. 5 SchulG Gemeinsames Lernen an einer allgemeinen Schule ein. Ziel des Gemeinsamen Lernens ist, inklusive Bildung dauerhaft an einer Schule zu etablieren. Schülerinnen und Schüler mit allen eingangs genannten rderschwerpunkten werden an den                  Schulen des Gemeinsamen Lernens mit dem notwendigen sonderpädagogischem             Unterstützungsbedarf zu Abschlüssen geführt, die das Schulgesetz für sie vorsieht. Eine Gesamtübersicht über die SchülerInnen im Gemeinsamen Lernen im Schuljahr 2014/2015 liegt der Sitzungsvorlage als Anlage 1 bei.

 

Gemeinsames Lernen an Grundschulen

In der Primarstufe werden im laufenden Schuljahr 2014/2015 insgesamt 210 Kinder im Gemeinsamen Lernen an 12 Grundschulen unterrichtet. Im Rahmen des Einschulungsverfahrens 2015/2016 wurde den Eltern in Abstimmung mit der unteren Schulaufsicht folgender Hinweis gegeben:

 

„Für den Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen ist grundsätzlich jede Grundschule Ort des Gemeinsamen Lernens. Die Förderbedingungen an den einzelnen Grundschulen sind allerdings noch unterschiedlich. So verfügen noch nicht alle Grundschulen gleichermaßen über die personelle Ausstattung.“

 

Die Eltern werden im Einschulungsverfahren durch die Grundschulen entsprechend              beraten. Letztlich soll gewährleistet werden, dass Kinder, deren sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf erst während der Grundschulzeit festgestellt wird, in ihren Schulen verbleiben können und nicht die Schule wechseln müssen.

 

Die sächlichen Aufwendungen für die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf werden - soweit sie noch nicht                  gegeben sind - im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten durch den Schulträger               geschaffen.

 

Gemeinsames Lernen an weiterführenden Schulen

Im laufenden Schuljahr 2014/2015 werden insgesamt 212 Sclerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf an den weiterführenden Schulen in Herne beschult (siehe Anlage 1).

 

Die Abstimmung über die Standortauswahl sowie die Verteilung der SchülerInnen für das Gemeinsame Lernen erfolgt regelmäßig in sogenannten Regionalkonferenzen, zu welchen die Schulaufsicht einlädt. Beteiligt sind neben den Schulaufsichten der einzelnen Schulformen die LeiterInnen der weiterführenden Schulen sowie VertreterInnen des Schulträgers. Die Regionalkonferenz orientiert sich bei der Vorbereitung des Schuljahres 2015/16 an einem von der Bezirksregierung Arnsberg entwickeltem Verfahrenskonzept für Organisation, Jahresplanung, Basisdatenerhebung, Elternberatung und die Modalitäten des Anmeldeverfahrens.

 

Die Regionalkonferenzen „Gemeinsames Lernen“ für das kommende Schuljahr 2015/2016 haben am 30.09.2014 und 13.01.2015 stattgefunden. Insgesamt waren 61 Schülerinnen und Schüler neu zuzuweisen; davon 34 aus dem zieldifferenten und 27 aus dem zielgleichen Bereich. Die Realschulen Strünkede und an der Burg wurden neu als Orte des Gemeinsamen festgelegt. Damit sind im nächsten Schuljahr neben den auslaufenden Hauptschulen alle drei Gesamtschulen, drei der vier Realschulen und zwei der fünf Gymnasien als Orte des Gemeinsamen Lernens festgelegt.

 

Auch bei den weiterführenden Schulen gilt wie bei den Grundschulen, dass die personellen Voraussetzungen für das Gemeinsame Lernen durch das Land sichergestellt werden müssen. Für die vollständige Umsetzung der Inklusion an den weiterführenden Schulen werden nicht unerhebliche Kosten für den behindertengerechten Ausbau notwendig sein.

 

Festlegung von Schwerpunktschulen

Auf dem Weg zu einem inklusiven Schulangebot werden die Schulen des gemeinsamen Lernens durch die Schulaufsicht in Abstimmung mit dem Schulträger festgelegt.                  Der Schulträger kann mit Zustimmung der oberen Schulaufsicht allgemeine Schulen als Schwerpunktschulen bestimmen. Eine solche Schule umfasst über die rderschwerpunkte Lernen, Sprache sowie Emotionale und soziale Entwicklung hinaus mindestens einen weiteren rderschwerpunkt. Schwerpunktschulen unterstützen andere Schulen im Rahmen der Zusammenarbeit bei der Inklusion.

 

Die Bestimmung allgemeiner Schulen zu Schwerpunktschulen muss im engen Dialog zwischen Schulen, Schulaufsicht und Schulträger erfolgen. Auch wenn sie als Angebot „auf dem Weg zu einem  inklusiven Schulangebot“ gesehen werden, eröffnen sie dem kommunalen Schulträger die Chance, möglichst zielgerichtet eine optimale Ausstattung für mehrere Förderbedarfe an einzelnen Schulen aufzubauen. Der Ausbau bzw. die Einrichtung von Schwerpunktschulen ist sukzessive geplant.

 

Grundschulen:

Im Rahmen des Einschulungsverfahrens für das Schuljahr 2015/2016 wurden die Eltern in Abstimmung zwischen Schulaufsicht und Schulträger darauf hingewiesen, dass die Grundschulen Ohmstraße (Stadtbezirk Herne-Mitte) und Michaelschule (Stadtbezirk Wanne) bei Unterstützungsbedarfen im Bereich der geistigen Entwicklung bzw. der körperlich/motorischen Entwicklung entsprechende Rahmenbedingungen bieten.

 

Die beiden Gebäude verfügen über die erforderlichen baulichen Voraussetzungen. Sie sind ebenerdig angelegt (GS Ohmstraße) bzw. durch Treppenlifte (Michaelschule) erschlossen. Darüber hinaus stehen entsprechende Behindertentoiletten und Sanitäranlagen zur Verfügung bzw. werden bis zum Schuljahresbeginn 2015/2016 ausgebaut. Ergänzend plant die Michaelschule die sukzessive Einrichtung eines Therapieraumes.

 

An der Grundschule Ohmstraße soll ein Mehrzweckraum durch eine flexible Trennwand unterteilt werden um die Möglichkeiten der Differenzierung zu verbessern. 

 

Die beiden vorgenannten Grundschulen sollen für das kommende Schuljahr als erste Schwerpunktschulen für die genannten Förderschwerpunkte festgelegt werden. Die Ausbauplanung für den Grundschulbereich soll – insbesondere mit Blick auf eine barrierefreie / behindertengerechte Ausstattung – sukzessive weiter konkretisiert und umgesetzt werden. Gemeinsam mit dem GMH werden die Gebäude aktuell unter diesem Gesichtspunkt begutachtet, dies mit dem Ziel, dass im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten perspektivisch zunächst ein bis zwei Standorte je Stadtbezirk zur Verfügung stehen. Schwerpunkteinrichtungen für die Förderschwerpunkte Hören / Kommunikation und Sehen sollen geprüft werden.

 

Weiterführende Schulen: Das Schulamt für die Stadt Herne koordiniert den Übergang von der Primarstufe in die Sekundarstufe I für das Gemeinsame Lernen. Schülerinnen und Schüler, die künftig in das Gemeinsame Lernen einer weiterführenden Schule eintreten, besuchen im laufenden Schuljahr entweder noch eine Förderschule oder werden bereits in der Grundschule sonderpädagogisch unterstützt. In der bereits eingangs erwähnten zweiten Regionalkonferenz am 13.01.2015 wurden die Orte des Gemeinsamen Lernens für das kommende Schuljahr 2015/2016 festgelegt sowie die voraussichtliche Schülerzuweisung erörtert. Aus dem Bereich der Geistigen Entwicklung wünschen zwei Schülerinnen / Schüler, die bislang in der Grundschule sonderpädagogisch gefördert wurden, eine Unterstützung in der weiterführenden Schule. Diese sollen an der Realschule Strünkede aufgenommen werden. Im Übrigen werden – abgesehen von den Lern- und Entwicklungsstörungen – Schülerinnen und Schüler aus den Bereichen der Körperlich/motorischen Entwicklung sowie Hören/Kommunikation und Sehen an verschiedenen weiterführenden Schulen unterstützt (siehe Anlage 1). Hinsichtlich der Frage von Schwerpunktschulen im Bereich der Sekundarstufe I bestand in der Regionalkonferenz Einvernehmen darüber, diese Entscheidung noch nicht für das kommende Schuljahr 2015/2016 zu treffen. Anlässlich des Beratungsgespräches mit der Bezirksregierung am 19.02.2015 wurde vereinbart, die Fragestellung – nicht zuletzt mit Blick auf erforderliche Unterstützungssysteme – gemeinsam mit unterer Schulaufsicht sowie den schulfachlichen Dezernenten der weiterführenden Schulen zeitnah zu erörtern.

 

Anforderungen an eine barrierefreie / behindertengerechte Ausstattung an Schulen

Die räumlichen, baulichen und sächlichen Anforderungen an eine barrierefreie / behindertengerechte Schulausstattung sind vielschichtig. Denkt man zunächst an Aufzüge, Treppenlifte, Rampen oder Türöffnungssysteme zur grundsätzlichen Herstellung einer Beweglichkeit im Gebäude ohne Barrieren, so sind weitergehende Maßnahmen zu ergreifen u. a.

 

  • zur Schaffung von behindertengerechten WC-/ Sanitäranlagen mit Duschen und Wickelmöglichkeiten,
  • zur Schaffung zusätzlicher Räume für Förder-/ Differenzierungsmaßnahmen, für Therapiezwecke oder als Ruhe- und Rückzugsbereiche,
  • ggf. zur Schaffung zusätzlicher bzw. nicht vorhandener Fachräume für praxisbezogene Fächer (insbes. in Gymnasien),
  • für Akustikmaßnahmen und technische Ausstattung bei Hörschädigungen,
  • für Leitsysteme etc. bei Sehbeeinträchtigungen,
  • für Unterrichts- und Therapiematerial.

 

Im Schulalltag sind die Anforderungen - insbesondere an die barrierefreie Bewegungsfreiheit - in allen Bereichen gleichermaßen gestellt. Sie gelten für den klassischen Unterrichtsraum, die unterschiedlichen Fachräume, die Ganztagsräume oder die Sport- und Außenbereiche einer Schule. Gleichwohl ist es nicht das Ziel, alle Schulen in gleicher Weise für alle Förderschwerpunkte bzw. individuellen Ansprüche auszustatten. Die Festlegung von Schwerpunktschulen beschreibt letztlich den Weg zu einem inklusiven Schulsystem mit zielgerichteten Rahmenbedingungen.

 

Aktuelle Situation an den Herner Schulen - Objektbeschreibung und Bestandsanalyse

Der Sitzungsvorlage ist als Anlage 2 eine Übersicht beigefügt, welche im Wesentlichen beschreibt, inwieweit die einzelnen Schulen bereits über behindertengerechte Ausstattungsmerkmale (WC-Anlagen, Sanitär-, Dusch- oder Ruhebereiche) verfügen und wie sich die barrierefreie Erschließung (Zugang zur Schule bzw. Barrierefreiheit im Gebäude) aktuell darstellt. Darüber hinaus liegen der Sitzungsvorlage als Anlage 3 Maßnahmeblätter für jeden Schulstandort bei. In diesen wurden verschiedene Grundlagendaten, Hinweise zur standortbezogenen Ausstattung sowie zu Maßnahmen erfasst, die sich ggf. schon in der Umsetzung befinden, sich aktuell in einer näheren Prüfung befinden oder konkret für 2015 vorgesehen sind. Soweit möglich wurden Ersteinschätzungen abgegeben, inwieweit ein Gebäude mit Blick auf die jeweilige Grundstruktur mehr oder weniger für eine barrierefreie Ausgestaltung geeignet erscheint. Hierzu muss der Hinweis gegeben werden, dass bislang längst nicht alle Gebäude vor diesem Hintergrund konkret untersucht wurden. Dies wird die Aufgabe für die Zukunft sein mit dem Ziel, die Maßnahmeblätter kontinuierlich fortzuschreiben und als Grundlage kommender Ausstattungsentscheidungen zu nutzen.

 

Kriterien für das weitere Vorgehen

Angesichts der Vielschichtigkeit der beschriebenen Anforderungen werden nicht alle Bedarfe sofort gedeckt werden können. Aufgabenstellung für die Zukunft wird sein, sich im Rahmen eines mittel- bis längerfristigen Ausstattungsprogramms sukzessive einem inklusiven Ausstattungsstand zu nähern, welcher gute Rahmenbedingungen für eine inklusive Beschulung gewährleistet. Bei der Festlegung konkreter Maßnahmen sind unterschiedliche Kriterien im Blick zu behalten:

 

  • Ausstattung der Schwerpunktschulen für das Gemeinsame Lernen,
  • Standorte mit guten (baulichen / räumlichen) Grundvoraussetzungen,
  • schulorganisatorische Zukunftsstandorte,
  • Verteilung im Stadtgebiet / in den Stadtbezirken,
  • Belastung einzelner Schulen / Schulformen,
  • Elternanspruch bei zielgleicher bzw. zieldifferenter Förderung (schulformbezogen).

 

Betrachtung der einzelnen Schulformen / Schulstufen

  • Im Grundschulbereich werden zum kommenden Schuljahr 2015/2016 die ersten Schwerpunktschulen starten. Die Grundschulen Ohmstraße und Michaelschule werden neben den Lern- und Entwicklungsstörungen die Förderschwerpunkte Geistige Entwicklung und Körperlich/motorische Entwicklung besetzen. Das Schwerpunktschulensystem soll unter Berücksichtigung der Verteilung im Stadtgebiet und in den Stadtbezirken weiter ausgebaut werden. Eine enge Abstimmung mit Schulen und Schulaufsicht ist hierbei grundlegend. Die baulichen, räumlichen und schulorganisatorischen Rahmenbedingungen sind zu berücksichtigen.
  • Im Bereich der weiterführenden Schulen ist noch keine Festlegung von Schwerpunkteinrichtungen erfolgt. Entsprechende Abstimmungsgespräche mit der unteren und oberen Schulaufsicht hierzu stehen an. Einzelne Schulen verfügen mit Blick auf eine barrierefreie bzw. behindertengerechte Ausstattung über gute Rahmenbedingungen (z. B. Aufzüge oder behindertengerechte WC-Anlagen). So ist die Gesamtschule Wanne-Eickel vollständig erschlossen und mit behindertengerechten WC-Anlagen ausgestattet. Im Gymnasialbereich weisen die Gymnasien Pestalozzi und Haranni eine Teil- bzw. Vollerschließung auf. Neben der einzig noch aufnehmenden Hauptschule im Stadtgebiet gibt es allerdings keine Realschule, die (bedingt) barrierefrei ausgestattet ist. Hier kann damit einem Elternwusch nach einer bestimmten Schulform im zielgleichen Unterrichtsbereich nicht Rechnung getragen werden.
  • Die Berufskollegs sind hier noch nicht beleuchtet worden und bedürfen einer gesonderten Betrachtung.

 

Festlegung von Maßnahmen für das Jahr 2015

Unter Berücksichtigung der vorliegenden Erkenntnisse und bezeichneter Kriterien sind für das Jahr 2015 folgende konkrete Maßnahmen geplant. Bereits im Vorjahr begonnene bzw. beauftragte Maßnahmen werden hier nicht noch einmal benannt (siehe Maßnahmeblätter der einzelnen Schulen):

 

  1. GS Michaelschule (Schwerpunktschule GG/KM ab 2015/2016)

a)      Ausstattung eines Therapie- und Förderraumes (Kosten: 7.000 € Einrichtung)

b)      Abschlussarbeiten zum Einsatz der Treppenlifte (Kosten: 8.000 € Umbau)

 

  1. GS Ohmstraße (Schwerpunktschule GG/KM ab 2015/2016)

Teilung eines Mehrzweckraumes durch eine flexible Trennwand; Herrichtung für künftige Nutzung für Förder-/ Therapie-/ Differenzierungszwecke sowie Ausstattung mit entsprechendem Material (Kosten: 37.400 € Umbau + 6.000 € Einrichtung)

 

  1. GS Flottmannstraße

Standortprüfung / Ausstattungsmodell für den Schwerpunktbereich Hören / Kommunikation als Pilotprojekt (Kosten: 8.000 € Umbau)

 

  1. RS Strünkede

Rückbau eines Hörsaales zur Verbesserung der Förder-/ Differenzierungsmöglichkeiten (Kosten: 46.300 € Umbau)

 

  1. RS Crange

Einbau eines behindertengerechten Aufzuges (Kosten: rd. 200.000 € Baukosten)

 

  1. GY Pestalozzi

Schaffung von Differenzierungs-/ Fördermöglichkeiten durch flexible Trennwände in zwei Räumen (Kosten: 30.000 € Umbau).

 

 

Der Oberbürgermeister

In Vertretung

 

 

 

Thierhoff

Stadträtin

    


Anlagen:

1.   Gesamtübersicht - SchülerInnen im Gemeinsamen Lernen im Schuljahr 2014/2015

2.   Gesamtübersicht - Barrierefreiheit / behindertengerechte Ausstattung an Herner Schulen

3.   Maßnahmeblätter je Schulstandort Barrierefreiheit / behindertengerechter Ausbau an Schulen“ - Nr. 1 bis 41 -

 

Anlagen:  
  Nr. Status Name    
Anlage 1 1 öffentlich Anlage 1 - Gesamtübersicht - SchülerInnen im Gemeinsamen Lernen im Schuljahr 2014-15 (657 KB)      
Anlage 2 2 öffentlich Anlage 2 - Gesamtübersicht - Barrierefreiheit-behindertengerechte Ausstattung an Herner Schulen (1405 KB)      
Anlage 3 3 öffentlich Anlage 3 - Maßnahmeblätter je Schulstandort - Barrierefreiheit-behindertengerechter Ausbau an Schulen - Nr. 1 bis 41 (13239 KB)