Zum Hintergrund

Die Messungen

Das LANUV hatte im März an vier Messpunkten im Umfeld des Firmengeländes das Löwenzahn-Screening durchgeführt. Bei dieser Methode wird analysiert, ob Pflanzen im Umfeld von Firmen Schadstoffe aufgenommen haben. Löwenzahn ist Namensgeber für diese Testmethode, da er besonders gut für die Untersuchung geeignet ist.

Die Ergebnisse der Messungen für den Parameter PCB-gesamt liegen zwischen 2,3 und 16 Mikrogamm pro Kilogramm Frischmasse und damit über dem Orientierungswert für den maximalen Hintergrundgehalt (OmH) von 1,7 Mikrogamm pro Kilogramm Frischmasse.

Die Stadt Herne kommt mit den Verzehrhinweisen als vorsorglicher Maßnahme einer Empfehlung des Landesamts für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz (LANUV) nach und erwartet von weiteren Probenahmen durch das LANUV weitere Erkenntnisse. Die Stadt Herne hat damit begonnen, die Anwohnerinnen und Anwohner sowie Einrichtungen per Postwurfsendung über diese Maßnahme zu informieren.

Weitere Erkenntnisse sollen nun durch eine vergleichbare Untersuchung an Grünkohlpflanzen ermöglicht werden. Aufgrund der Vegetationszeit von Grünkohl ist mit den Ergebnissen im Spätherbst oder Winter zu rechnen.

Die Rechtslage

Derzeit besteht die paradoxe Situation, dass die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung von PCB durch EU-Recht grundsätzlich verboten sind. Wenn PCB jedoch nicht zielgerichtet hergestellt werden, sondern unbeabsichtigt bei der Silikonherstellung entsteht, ist die Rechtslage sehr komplex und die Hürde für ein behördliches Eingreifen höher. Betriebe dieser Art unterliegen zum Beispiel bislang keiner besonderen Genehmigungspflicht. Daher begrüßt die Stadt Herne ausdrücklich die aktuell in den Bundesrat eingebrachte Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen, silikonverarbeitende Betriebe in den Kreis der immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftigen Anlagen aufzunehmen.

Die Firma Silex

Die Firma Silex produziert an der Werderstraße Silikonschläuche und Profildichtungen für den Weltmarkt. Silex ist eines von insgesamt acht Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, das einen so genannten Vernetzer bei der Herstellung von Silikonerzeugnissen einsetzt. Bei dessen Verwendung kann PCB entstehen. Die Verwendung des Vernetzers im Produktionsprozess ist ausdrücklich zulässig.

Anders als bei einem silikonprodzuierenden Unternehmen in Ennepetal sind in Herne keine PCB-Flocken in der Nachbarschaft des Betriebes aufgetreten. Nach heutigem Kenntnisstand geht nach Aussage des Umweltministeriums Nordrhein-Westfalen die größte Gefährdung von Mitarbeitenden und Anwohnerinnen und Anwohnern von den Flocken aus.

Die Stadt Herne hat bei der Firma Silex schon im März präventiv darauf hingewirkt, alternative Stoffe als Vernetzer im Produktionsprozess zu verwenden. Bereits jetzt wurde der Einsatz um ein Drittel reduziert. In den kommenden maximal sechs Wochen soll der Einsatz weiter auf die Hälfte der Ausgangsmenge vermindert werden. Die Stadt Herne erwartet von dem Unternehmen jedoch eine noch weitere Verringerung auf zwanzig Prozent des Ausgangswertes.

2020-06-08