Herne erschließt Zechenbrache für Mensch und Natur

Die Stadt Herne hat Ideen für eine städtebauliche Entwicklung der ehemaligen Bergwerksfläche General Blumenthal entwickelt und diese im Januar 2020 öffentlich vorgestellt. Auf dieser Seite informiert die Stadt über die Projektskizze für eine ökologische und ökonomische Erschließung der Fläche, die so groß ist wie 40 Fußballfelder, und beantwortet Fragen und Antworten. Künftige Entwicklungen und Termine zu dem Thema werden hier veröffentlicht.

Ein Areal so groß wie 40 Fußballfelder, ein IC-Bahnhof in unmittelbarer Nähe, zwei Autobahnen einen Steinwurf entfernt – das alles im Herzen des Ruhrgebiets. Das Gelände der ehemaligen Zeche General Blumenthal in Herne ist eine der spannendsten Industriebrachen, die die Metropolregion derzeit zu bieten hat. Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda stellte am 9. Januar 2020 eine erste Projektskizze für das Areal vor.

„Ja, unsere Ziele sind ambitioniert“, sagte Dr. Frank Dudda, und der Oberbürgermeister ergänzte: „Herne und das Ruhrgebiet sind bereit dafür.“ Grund für diesen Optimismus bieten die Ansiedlungen von Unternehmen in Herne. Der Schweizer Bahnkonzern Stadler errichtet ein Instandsetzungswerk, mit der Firma Mosolf kehrt die Automobilproduktion zurück ins Ruhrgebiet.

Der nächste Schritt soll jetzt auf dem Blumenthal-Gelände erfolgen. In einer zukunftsorientierten Verbindung sollen dort Hochschulforschung, technologische Entwicklung und industrielle Produktion zusammengebracht werden. Das über Jahrzehnte durch hohe Mauern abgeschottete Zechengelände öffnet sich zu den Stadtteilen und wird für Mensch und Natur ökologisch und ökonomisch erschlossen. Wenigstens die Hälfte des 30 Hektar großen Grundstücks wird als Grünfläche (Landschaft, Wald, Gründächer oder Wasserfläche) geplant.

In einer gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Stadtentwicklung sowie Umweltschutz und der Bezirksvertretung Eickel legt Architekt Prof. Wolfgang Krenz vom Büro Archwerk eine entsprechende Projektskizze für die „International Technology World Herne“ (ITW • H) vor. Die Stadt Herne sieht aufgrund verschiedener Förderprogramme gute Chancen für eine Finanzierung und Realisierung der wirtschaftlichen und ökologischen Zukunftsgestaltung. Die Besonderheit an der vorliegenden Projektskizze besteht im städtebaulichen Gesamtkonzept, das abschnittsweise realisiert werden kann.

Ein wichtiger Baustein für die Finanzierung ist das Strukturstärkungsgesetz, das bereits vom Bundeskabinett in Berlin verabschiedet ist und im Frühjahr 2020 vom Bundestag gemeinsam mit dem Kohleausstiegsgesetz in Gesetzesform gegossen werden soll. Es fördert mit Bundesmitteln Kommunen und Regionen, die durch den geplanten Ausstieg aus der Kohleverstromung besonders hart getroffen werden. Hierzu zählt Herne.

Außerdem gibt es seit dem 1. Januar 2020 ein gesamtdeutsches Fördersystem für strukturschwache Regionen. Die Bundesregierung organisiert die Regionalförderung neu und stellt damit Mittel nach Bedarf und nicht nach Himmelsrichtungen zur Verfügung. Das neue gesamtdeutsche Fördersystem umfasst insgesamt 22 Bundesprogramme aus sechs Bundesministerien. Diese werden exklusiv für Regionen wie das Ruhrgebiet aufgesetzt. Allein für die „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) stellen Bund und Länder jährlich 1,2 Mrd. Euro für Investitionen der gewerblichen Wirtschaft und Investitionen in die wirtschaftsnahe Infrastruktur strukturschwacher Regionen bereit. In diese neue Förderkulisse soll das Gelände General Blumenthal eingebettet werden.

„Wir haben lange auf die Umstellung der Fördersystematik warten müssen und verschwenden jetzt keine Zeit. Wir beschleunigen an dieser zentralen geografischen Stelle im Ruhrgebiet den wirtschaftlichen Aufholprozess des Reviers“, sagte Frank Dudda.

Wichtige gestalterische Elemente der Ideenskizze sind die Tech Hall mit Studiengebäuden, Gebäuden für Unternehmen und Start-Ups sowie Workshops, Institute, zentralen Mensen, Verwaltungen und ein Auditorium. Weit sichtbar sein könnte der Multi-Turm. Hier sind Kongress- und Co-Workingflächen, ein Shared-Service-Center, ein Boardinghouse, ein Hotel, Wohnungen sowie ein Skyclub mit Lounge denkbar.

Die sogenannte Passerelle – als drittes gestaltgebendes Hauptelement - ist multifunktionale Produktionsstätte für High-Tech-Technologien. Auf einer Breite von rund 40 Metern und einer Länge von rund 600 Metern erstreckt sich dieser multifunktionale Komplex als sechsgeschossige Gebäudeanlage. In einem von Bestandsgebäuden geprägten Bereich wird lokales und regionales Handwerk Platz finden.

Alle diese Elemente befinden sich eingebettet in einer großen und von Wasserflächen durchzogenen parkähnlichen Landschaft. Eine weitere Idee ist eine Seilbahn, die das Areal klimafreundlich mit dem Hauptbahnhof Wanne-Eickel und dem ÖPNV in Herne verbindet.

Dieser gestalterische Masterplan für die Zechenbrache soll die „International Technology World Herne“ (ITW • H) unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten zur ersten Adresse für Wirtschaft 4.0 im Ruhrgebiet machen.

Wie groß ist die zu überplanende Fläche?
Antwort: Die zu überplanende Fläche ist zirka 30 Hektar groß, das entspricht der Fläche von mehr als 40 Fußballfeldern.


Wie hoch ist die Investitionssumme?
Antwort: Eine genaue Investitionshöhe ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös zu beziffern. Ein Projekt dieser Größenordnung ist sicherlich in einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag anzusiedeln.


Wie will Herne dieses Projekt finanzieren?
Antwort: Herne als Stärkungspakt-Kommune kann ein solches Projekt nicht finanzieren. Ein Mix aus Mitteln aus dem Strukturstärkungsgesetz, Fördermitteln von Land und Bund sowie von privaten Investoren wird nötig sein.


Wie viele Arbeitsplätze werden geschaffen?
Antwort: Erste konservative Schätzungen gehen von mindestens 1.500 neuen Arbeitsplätzen auf der Fläche in Herne aus.


Gibt es bereits Kooperationspartner?
Antwort: Um tragfähige Kooperationen einzugehen, ist es noch zu früh. Das Projekt befindet sich in einem ganz frühen Stadium der Konzeptionsphase.


Wie wird die verkehrliche Anbindung realisiert?
Antwort: Über Verkehrsgutachten wurde geklärt, dass die Erschließung sinnvollerweise am Kreuzungspunkt Bielefelder Straße / Dorstener Straße erfolgt. Die erforderlichen Flächen hat die Stadt durch den Ankauf eines Grundstücks gesichert. Darüber hinaus ist für die Anbindung an den klimafreundlichen Nah- und Fernverkehr der Bau einer Seilbahn geplant.


Was passiert mit belasteten Böden?
Antwort: Ein genauer Sanierungsplan für belastete Böden muss mit der Bezirksregierung Arnsberg detailliert erstellt und abgestimmt werden. Ein solcher Sanierungsplan liegt noch nicht vor. In der bisherigen Planung ist aber die Errichtung eines sogenannten Landschaftsbauwerks vorgesehen, das sich harmonisch in die Gestaltung einbettet. In diesen Hügel kann belasteter Boden fachgerecht eingebracht werden.


Wie lang wird die Seilbahn?
Antwort: Die Seilbahn wird zirka 1.200 Meter lang sein. Sie könnte jedoch im Rahmen des Mobilitätskonzeptes auf andere Stadtteile erweitert und konzeptionell in einen klimafreundlichen ÖPNV integriert werden.


Welche Ausmaße wird die Tech-Hall haben?
Antwort: Die Tech-Hall wird einen Durchmesser von 200 Meter haben, also als Membrandachkonstruktion mit verglaster Klimahülle rund 32.000 Quadratmeter Grundfläche umfassen. Alle dort integrierten Gebäudeteile (zwei bis vier Geschosse) sind als eingestellte Konstruktionen zu verstehen, die in Holz-Fertigteil-Bauweise erstellt werden.


Wie lang ist die Passerelle?
Antwort: Die Passerelle ist 580 Meter lang. Die Passerelle muss nicht als durchgehendes Gebäude verstanden werden, sondern kann städtebaulich je nach Funktion und Nutzung in einzelnen Gebäudeteilen modular entstehen.


Wie hoch ist der gesamte Grünflächenanteil des Projekts?
Antwort: Projektziel ist es, mehr als die Hälfte des 30 Hektar großen Areals als Grünflächen (Landschaft, Wald, Gründächer, Wasser) anzulegen.


Welche Branchen sollen angesiedelt werden?
Antwort: Es ist ein Mix aus Forschung, Entwicklung und Produktion – auch mit Handwerk – geplant. Es soll ein branchenübergreifender Mix angesiedelt werden, der möglichst krisenfest Wertschöpfung generiert. So sollen auch lokale und regionale Unternehmen in die ITW · Herne eingebunden werden.


Welche Hochschulen sollen angesiedelt werden?
Antwort: Das ITW · Herne steht für Entwicklung und Produktion von Umwelttechnologien, Hochtechnologien und Zukunftstechnologien.


Wann wird das Kraftwerk abgerissen?
Antwort: Im Moment kann auch Uniper keine genauen Angaben machen. Aus diesem Grund wird das Projekt unabhängig vom Kraftwerksgelände konzipiert. Das Uniper-Grundstück ist als Optionsfläche eingeplant und kann jeder Zeit modulartig ins Gesamtkonzept intergiert werden.


Gibt es schon einen Bebauungsplan?
Antwort: Die Fläche unterliegt noch dem Bergrecht. Ein Bebauungsplan kann erst rechtskräftig werden, wenn die Entlassung aus der Bergaufsicht erfolgt ist. Ein Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan wurde 2014 gefasst.


Gibt es vergleichbare Projekte?
Antwort: Vergleichbare Projekte, die ganzheitlich als Masterplan und städtebauliche Entwicklung angedacht wurden, sind uns in NRW nicht bekannt. Das ITW · Herne soll sich mit diesem Alleinstellungsmerkmal und der Architektur in Nordrhein-Westfalen zu einer Marke entwickeln.
Entsprechende Projekte sind in den Niederlanden zu finden, wie zum Beispiel die Projektentwicklung des ehem. Industrieparks von Philips in Eindhoven (ca. 28 Hektar).


Wie sehen die nächsten Schritte aus?
Antwort: Ausarbeitung Planverfahren, Prüfung Fördermöglichkeiten, Abstimmung mit den Grundstückseigentümern.


Mit welchem Umsetzungszeitraum muss gerechnet werden?
Antwort: Das ITW · Herne ist als Gesamtprojekt ein Dekadenprojekt – es ist mit zehn Jahren zu rechnen.


Wann rollt der erste Bagger an?
Antwort: Wenn im Jahr 2023 erste Baumaßnahmen stattfinden, haben alle Projektbeteiligten einen hervorragenden Job gemacht.


Steht die Projektidee im Einklang mit dem vom Rat beschlossenen Klimafolgenanpassungskonzept?
Antwort: Die „Handlungskarte Klimaanpassung“ des Klimafolgenanpassungskonzepts ordnet die Fläche nur in einem untergeordneten östlichen Randbereich den „Restriktionsflächen Zone 4: Gebiete der stadtklimarelevanten Grün- und Freiräume“ zu. Die entsprechenden Grünstrukturen werden in der jetzigen Planung weitgehend erhalten.

  • Skizze vom geplanten „International Technology World Herne“. ©ARCHWERK Generalplaner KG, Bochum
  • Skizze vom geplanten „International Technology World Herne“. ©ARCHWERK Generalplaner KG, Bochum
  • Skizze vom geplanten „International Technology World Herne“. ©ARCHWERK Generalplaner KG, Bochum
  • Der Lageplan für das ehemalige Zechengelände General Blumenthal. ©ARCHWERK Generalplaner KG, Bochum
2020-02-03