Unsichtbare Behinderungen sichtbar machen: Am Mittwoch, 11. März 2026, fand die Fachtagung „Free as a bird“ mit dem Schwerpunkt „Mehr als man sieht: Frauen und Mädchen mit nicht sichtbaren Behinderungen im Fokus“ im Stadtteilzentrum H2Ö statt. Rund 70 Fachkräfte, Entscheidungsträger*innen und Betroffene kamen zusammen, um Wissen und Erfahrungen zu teilen.
„In einer Gesellschaft leben wir mit vielfältigen Perspektiven, Bedürfnissen und unterschiedlichen Zielen. Leider werden dabei häufig nur die gehört, die laut und sichtbar sind. Für viele bedeutet das: Einschränkungen, fehlendes Verständnis, Unsicherheit und mangelnde Unterstützung im alltäglichen Leben. Umso wichtiger ist es, dass es Veranstaltungen wie diese gibt, die dazu einladen, genauer hinzusehen, zuzuhören und aufeinander zu achten“, begrüßte Dezernentin Stephanie Jordan die Teilnehmenden.
Bürgermeisterin Bettina Szelag, die sich als Vorsitzende des Beirats für die Belange von Menschen mit Behinderungen für diese einsetzt, betonte die Bedeutung der Fachtagung: „Besonders Frauen mit unsichtbaren Behinderungen stehen vor spezifischen Herausforderungen: Studien zeigen, dass sie häufiger unterschätzt werden, seltener angemessene medizinische Hilfe erhalten und im Beruf und Alltag zusätzlichen Druck erleben. Die Impulse und persönlichen Perspektiven aus der Fachtagung bereichern die politische Arbeit und die Unterstützung von betroffenen Frauen.“
Themenvorträge
Im Anschluss an die Begrüßung lauschten die Teilnehmenden zwei Themenvorträgen. Bei „Das Sprungbrett ins Leben“ informierten der Heilpraktiker für Psychotherapie Michael Keller und Bereichsleitung Martina Menzel über ihre Arbeit im Intensiv Ambulanten Wohnen der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. Auch eine Bewohnerin war vor Ort und erzählte von ihrem Alltag in der Einrichtung.
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Jeannine Borchers klärte in ihrem Vortrag „Autismus-Spektrum-Störungen bei Mädchen und Frauen“ über Besonderheiten und Unterstützungsmöglichkeiten auf. Im Fokus standen dabei geschlechterspezifische Unterschiede bei der Diagnose und Probleme, die sich daraus für die Betroffenen ergeben.
Podiumsdiskussion
Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion, bei der die Teilnehmenden mit vier engagierten und selbst betroffenen Frauen ins Gespräch kommen konnten. Sie berichteten von ihrem Leben mit einer Autismus-Spektrum-Störung, Depressionen und einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Diskutiert wurde über die eigenen Erfahrungen, Therapiemöglichkeiten und die Erweiterung von Hilfsangeboten. Moderatorin Claudia Krieger leitete mit Hilfe der Gebärdensprachdolmetscherin Erika Schäfer durch die Tagung.
Über „Free as a bird“
Die Veranstaltung bildete die Schnittstelle zwischen der Herner Frauenwoche und der Herner Gesundheitswoche. Sie wurde bereits zum sechsten Mal gemeinsam vom Inklusionsbüro, dem Fachbereich Gesundheit und dem Büro für Gleichstellung und Vielfalt der Stadt Herne organisiert. Die Tagung in diesem Jahr war im Rahmen der Zertifizierung der ärztlichen Fortbildung der Ärztekammer Westfalen-Lippe mit 4 Punkten (Kategorie A) anrechenbar.