Oberbürgermeister der Stadt Herne

Hermann Schaefer

April 1897 bis September 1907
Prägende Gestalt der ersten Jahre der jungen Stadt Herne wurde Hermann Schaefer, der vor der Verleihung der Stadtrechte als Amtmann, seit 1887 als Bürgermeister, seit der Jahrhundertwende als erster Bürgermeister und seit 1906 als erster Oberbürgermeister der nun kreisfreien Stadt Herne tätig war. Die rasche Änderung der Ämterbezeichnung hat einen Grund: Während der Tätigkeit Schaefers entwickelte sich Herne in rasender Form von einer Landgemeinde zur Industriestadt. Die Kohle machte es möglich.

Dr. Karl Büren

Oktober 1907 bis September 1913
Die aufstrebende Stadt brauchte ein repräsentatives Rathaus, das in der Ära Büren entstand. Die recht kurze Amtszeit des Doktors von 1907 bis 1913 verlief ohne größere kommunalpolitische Herausforderungen, befand sich Herne doch auf dem Weg, eine der bedeutensten Bergbaukommunen des europäischen Kontinents zu werden.

Dr. Georg Sporleder

September 1913 bis September 1925
Weitaus schwerer hatte es da sein Nachfolger. In seine Amtszeit fielen unter anderem der Erste Weltkrieg, die Novemberrevolution, der Kapp-Putsch und die Ruhrbesetzung. Erst im Jahre 1924 verließen die französischen Besatzer den Herner Raum, so dass Dr. Sporleder aus dem "Exil" im Teutoburger Wald zurückkehren konnte. Als nach einem Jahr seine insgesamt zwölfjährige Amtszeit ablief, wurde das noch aus dem Kaiserreich stammende Stadtoberhaupt aufgrund der veränderten politischen Verhältnisse nicht mehr wiedergewählt.

Curt Heinrich Täger (parteilos)

September 1925 bis Juli 1933
Nicht viel besser erging es dem parteilosen Curt Heinrich Täger, zu dessen größten Leistungen die Eingemeindung des ungeteilten Amtes Sodingen in den Stadtverband gehörte. Sein Versuch, das Schulwesen zu reformieren, scheiterte allerdings an der Wirtschaftskrise. Auf Druck der Nationalsozialisten musste Täger 1933 schließlich vom Amt zurücktreten.

Albert Meister (NSDAP )

August 1933 bis August 1942
Ihm folgte mit dem "Bundesführer" des "Deutschen Sänger-Bundes", Albert Meister, ein mustergültiges Beispiel eines NSDAP-Funktionärs, der im Juli 1937 beim 12. "Deutschen Sänger-Bund"-Fest in Breslau an Adolf Hitlers Seite den Vorbeimarsch von zigtausend Sängern abnahm. Seit 1924 NSDAP-Mitglied, wurde der Lehrer 1928 erst nationalsozialistischer Stadtverordneter Hernes und 1931 wegen seiner Parteimitgliedschaft aus dem Schuldienst entfernt. Während seiner Amtszeit verfolgten die Nazis in Herne massiv Andersdenkende und Juden. Als Meister nach längerer Krankheit im Alter von 47 Jahren starb, funktionierten die braunen Machthaber seine Beerdigung im Jahre 1942 zu einer nationalsozialistischen Großdemonstration um.

Hugo Peiter (NSDAP)

April 1943 bis Mai 1945
Auch der sechste Herner Oberbürgermeister, Hugo Peiter, war ein strammer Nationalsozialist - NSDAP-Mitglied seit 1925 und bereits vorher Mitglied der Deutschvölkischen Freiheitspartei. Er war seit 1938 Leiter des Amtes für Kommunalpolitik im Gau Westfalen. Der gelernte Landmesser stand vor seiner Bestellung als Major an der Front. Peiter war sozusagen ein Oberbürgermeister ohne Geschäftsbereich, der in den letzten beiden Kriegsjahren keine Akzente setzen konnte.

Hermann Meyerhoff

Juni 1945 bis Februar 1946
Nach dem Zweiten Weltkrieg führten zunachst zwei von der Militärregierung ernannte Oberbürgermeister die Bevölkerung in den schweren Nachkriegsjahren an. Eine eher undurchschaubare Persönlichkeit blieb Hermann Meyerhoff. Bereits seit 1927 war er Zweiter Bürgermeister und seit 1933 bekleidete er zusätzlich auch noch das Amt des Stadtkämmerers. Unklar blieb bis heute Meyerhoffs Haltung im Dritten Reich. Der englische Besatzungsstab, der nach zwei Wochen die Amerikaner ablöste, ernannte ihn zum siebten Herner Oberbürgermeister. Er blieb allerdings nur zehn Monate im Amt, weil er sich nach der Einführung der zweigleisigen Kommunalverfassung für das neue Amt des Oberstadtdirektors entschied. Bis 1953 war er Chef der Stadtverwaltung.

Heinrich Crämer (SPD)

März 1946 bis Oktober 1946
Zweites Stadtoberhaupt der Nachkriegszeit wurde im Jahre 1946 Heinrich Crämer. Der sozialpolitisch stark engagierte Politiker war trotz der nur siebenmonatigen Amtsdauer mehr als nur eine Übergangslösung. Bereits seit 1904 Mitglied der SPD, blieb Crämer bis zu seinem Tod im März 1960 sozialdemokratischer Stadtverordneter.

Hermann Kleine (CDU)

Oktober 1946 bis November 1948
Der erste nach dem Zweiten Weltkrieg demokratisch gewählte Oberbürgermeister wurde 1946 Hermann Kleine, ein CDU-Parteimitglied. Allerdings ging aufgrund des veränderten Wahlrechts und der deutlichen Mehrheit für SPD und KPD bei der Kommunalwahl 1948 die Amtszeit auch dieses Stadtoberhauptes bereits nach kurzer Zeit wieder zu Ende.

Josef Walter (SPD)

November 1948 bis Oktober 1951
Doch auch sein Nachfolger Josef Walter blieb mit knapp drei Jahren nicht gerade lange in Amt und Würden. Der gelernte Jurist, ein gradliniger und oft auch unbequemer Politiker, fiel nicht veränderten politischen Verhältnissen, sondern inner- und überparteilichen Intrigen zum Opfer, so dass er von Robert Brauner abgelöst wurde. Walter war von 1947 bis 1954 Landtagsabgeordneter.

Robert Brauner (SPD)

Oktober 1951 bis Dezember 1974
Der elfte und letzte Oberbürgermeister der alten Stadt Herne hieß somit Robert Brauner, der für mehr als 20 Jahre die Geschicke der Stadt Herne lenkte und sie souverän in die Vereinigung mit Wanne-Eickel führte. Nach dem Zusammenschluss der beiden Städte zum Jahreswechsel 1974/75 war er bis in den Mai 1975 Beauftragter für die Wahrnehmung der Angelegenheiten des Rates und der Ratsvorsitzenden, ehe am 26. Mai 1975 Wanne-Eickels ehemaliger Oberbürgermeister Manfred Urbanski zum ersten Oberbürgermeister der neuen Stadt Herne gewählt wurde. Seine besonderen Verdienste für die Stadt Herne liegen im Schulaufbau sowie in seinen Bemühungen um den Wandel von der früher monostrukturell auf den Kohlebergbau ausgerichteten wirtschaftlichen Grundlage zu einer anpassungsfähigeren Infrastruktur. Er setzte sich seit den 40er Jahren für die Verständigung mit Frankreich ein und trug viel zur Gründung einer deutsch-französischen Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Hénin-Beaumont bei.

Wilhelm Kiwit (Zentrum)

Dezember 1926 bis April 1933
Der erste Oberbürgermeister der neuen Stadt Wanne-Eickel regierte sieben Jahre. Eine tragische Gestalt unter den Stadtoberhäuptern in der Wanne-Eickler Stadt-Geschichte: Als die parteipolitisch zersplitterte Stadtversammlung den ehemaligen Zweiten Bürgermeister der Stadt Münster im Dezember 1926 wählte, gab es bereits Tumulte im Stadtparlament. 1933 entfernten die Nazis Kiwit mit dem lapidaren Satz aus dem Amt: "Sie brauchen nicht mehr zum Dienst erscheinen".

Für das Interregnum von September 1933 bis Februar 1934 setzte der Regierungspräsident einen Staatskommissar ein.

Heinrich Grünneweg (NSDAP)

Juli 1934 bis April 1945
Als Nachfolger Kiwits setzten die Nazis einen Mann aus ihren Reihen ein. Grünneweg war Rechtsanwalt und Notar und seit den 30er Jahren Rechtsreferent beim Stab des SS-Abschnittes XXV. Nach Kriegsende wurde er lediglich wegen seiner Mitgliedschaft in der SS zu einer fünfmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Die damals kursierende Vermutung, Grünneweg sei direkt an dem Brand in der Wanner Synagoge beteiligt gewesen, konnte aber mehr als zehn Jahre nach dem Verbrechen im Prozessverlauf nicht bestätigt werden.

Karl Neuhaus (CDU)

April 1945 bis Juli 1945
In der Stunde Null ernannte die Militärregierung CDU-Mann Karl Neuhaus zum ersten Nachkriegs-Oberbürgermeister. Der Verwaltungsexperte legte zusammen mit seinen Mitstreitern den Grundstein für den geordneten Wiederaufbau der Stadt. Unter seinem Nachfolger setzte Neuhaus mehrere Jahre als Stadtbaurat Akzente.

Wilhelm Jacobi (SPD)

Juli 1945 bis März 1946
Von 1920 bis 1926 war Jacobi Bürgermeister von Langendreer. Bereits am 4. Dezember 1945 trat das erste, von der britischen Militärregierung ernannte Stadtparlament unter Vorsitz von OB Jacobi zusammen. Zehn Monate bekleidete er das höchste politische Amt der Stadt. Anschließend leitete er die Stadtverwaltung ein Jahr lang als Oberstadtdirektor.

Wilhelm Heimüller (KPD)

April 1946 bis Oktober 1946
Die britische Militärregierung ernannte den gelernten Schreiner zum Oberbürgermeister. Heimüller stand bis zu den ersten demokratischen Kommunalwahlen an der Spitze der Stadt. Der Kommunist führte, auch von der politischen Lage diktiert, ein abwechslungsreiches Leben, das ihn bis nach Afrika führte. So eröffnete er in den 20er Jahren eine Schreinerei in Casablanca.

Heinrich Weidmann (CDU)

Oktober 1946 bis November 1948
Der aus Bad Hersfeld stammende Industriekaufmann war der erste demokratisch gewählte Oberbürgermeister Wanne-Eickels nach dem II. Weltkrieg. Er zeichnete sich während des Dritten Reiches durch seine moralische Integrität aus, war er doch Mitbegründer der Bekennenden Kirche in Westfalen. Im Vordergrund stand die gerechte Verteilung des Mangels, die Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln, Kohlen und Wohnungen. Nachdem der Rat der Stadt ihn im November 1948 wegen der veränderten Stimmverhältnisse nicht in seinem Amt bestätigte, blieb er noch für ungefähr zehn Jahre Bürgermeister.

Edmund Weber (SPD)

November 1948 bis November 1969
Er hält den Rekord: Weber ist mit 21 Amtsjahren der längste amtierende Wanne-Eickler Oberbürgermeister. Seine Kriegsbeschädigung aus dem I. Weltkrieg zwang ihn, in seinem Beruf umzusatteln. Aus dem Bergmann auf der Zeche Pluto wurde ein Versicherungs- und später ein Stadtangestellter. Bereits nach dem I. Weltkrieg Mitglied des Rates, setzte Weber nach dem II. Weltkrieg seine kommunalpolitische Tätigkeit fort. Von Edmund Weber gingen nach dem Krieg bedeutende Impulse für den Wiederaufbau der Stadt aus. Sein besonderes Interesse galt jedoch der Sozialhilfe. Weber war populär und kontaktfreudig; Erfahrung und Umsicht machten ihn bei den Bürgern beliebt.

Manfred Urbanski (SPD)

November 1969 bis Dezember 1974
Letzter Wanne-Eickler Oberbürgermeister wurde schließlich Manfred Urbanski, der im Alter von nur 39 Jahren in dieses Amt gewählt wurde. Seine politischen Talente hatte der gelernte Maschinenschlosser als Geschäftsführer der ÖTV in Essen unter Beweis gestellt. Mit der Städte-Ehe zwischen Wanne-Eickel und Herne endete seine Karriere nicht; auch die weitere Geschichte der neuen Stadt sollte Urbanski maßgeblich prägen.

Robert Brauner (SPD)

Januar 1975 bis Mai 1975
Beauftragter für die Wahrnehmung der Aufgaben des Rates und der Ratsvorsitzenden

Manfred Urbanski (SPD)

Mai 1975 bis Oktober 1984
Urbanski wickelte nicht nur die letzten Geschäfte der alten Stadt Wanne-Eickel ab, sondern führte auch die Menschen im neuen Stadtgebilde zusammen. Keine leichte Aufgabe bei den Ressentiments vieler Bürger gegen eine Vereinnahmung der einen Kommune durch die andere. Auf der einen Seite nahm die Stadt unter Urbanskis Ägide noch Großprojekte in Angriff wie den U-Bahn-Bau und die Industrieansiedlung Friedrich der Große, auf der anderen Seite setzte in diesem Zeitraum das Ende der fetten Jahre ein und der Anfang der Einsparungen und Rationalisierungen. Durch Schaffung der Wirtschaftsförderung, durch Gewerbeansiedlungen und durch Schaffung von Ausbildungslätzen wollte Urbanski "den Bestand wahren".

Willi Pohlmann (SPD)

Oktober 1984 bis Oktober 1994
Der Rat wählte Willi Pohlmann 1984 zum ersten Mal in dieses Amt und schenkte ihm 1989 erneut das Vertrauen. Der Ex-Feuerwehrchef war von 1970 bis 1990 auch Landtagsabgeordneter, 1975 wählte ihn die SPD-Landtagsfraktion zum innenpolitischen Sprecher. Als Oberbürgermeister baute Willi Pohlmann die internationalen Beziehungen der Stadt Herne aus: Er brachte drei neue Städtepartnerschaften auf den Weg: Zu Konin in Polen, Belgorod in Russland und zur Lutherstadt Eisleben in Sachsen-Anhalt. Während seiner Amtszeit setzte die Kommune viel Gewicht auf den Strukturwandel nach der Bergbauperiode: Bergarbeitersiedlungen wurden neu gestaltet und neue Industrie- und Gewerbegebiete auf Zechenbrachen erschlossen. Pohlmann zeigte ein Herz für die Jugend. Auf seine Initiative gründete sich 1992 ein Kinder- und Jugendparlament.

Wolfgang Becker (SPD)

Oktober 1994 bis Oktober 2004
Letzter ehrenamtlicher und erster Hauptamtlicher Oberbürgermeister war Wolfgang Becker. Bald nach seiner Wahl schaffte die Stadt Herne - der geänderten Gemeindeordnung gemäß - die sogenannte Doppelspitze (Oberbürgermeister und Oberstadtdirektor) ab und führte die Monospitze ein (1. August 1995): Der jetzt hauptamtliche Oberbürgermeister ist nicht nur Vorsitzender des Rates und Repräsentant der Stadt, er übernimmt als Chef der Stadtverwaltung auch die bisherigen Aufgaben eines Oberstadtdirektors. Becker will die vor seiner Amtszeit begonnene Strukturreform der Stadtverwaltung vorantreiben: Betriebe und Einrichtungen der Kommune sollen noch effizienter und bürgernäher arbeiten. Ein weiteres Ziel des OB: Herne aus dem finanzielle Engpass herausführen und mit der Ansiedlung von Betrieben und zugkräftigen Einrichtungen aus dem Bereich der Kultur, Wissenschaft und Freizeit die Arbeitslosigkeit ab- und Herne zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort auszubauen.

Horst Schiereck (SPD)

Oktober 2004 bis Oktober 2015
Der Sozialdemokrat Horst Schiereck war -wie sein Amtsvorgänger Wolfgang Becker - vor seiner Wahl zum Oberbürgermeister im Schulwesen tätig, zuletzt als Leiter der Gesamtschule Mont-Cenis. Nachdem er im Rat Vorsitzender der SPD-Fraktion war, wurde er 2004 zum Herner Oberbürgermeister gewählt. In diesem Amt bestätigten ihn die Wählerinnen und Wähler bei der Wahl 2009. Ein wichtiges Anliegen war Horst Schiereck die Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus in Herne. So errichtete die Stadt in seiner Zeit an der Verwaltungsspitze das Mahnmal für die Opfer der Shoah aus Herne und Wanne-Eickel auf dem Willi-Pohlmann-Platz und untersuchte die Verstrickungen der Firma Flottmann in den Nationalsozialismus. Im Jahr 2010 beteiligte sich Herne als eine von über 50 Städten an der Ruhr.2010, der Europäischen Kulturhauptstadt. Politisch wichtige Themen waren die Kommunalfinanzen samt der gemeinsamen Forderung vieler Städte nach einer besseren finanziellen Ausstattung angesichts wachsender Aufgaben der Kommunen sowie zum Ende der Amtszeit die stetig wachsende Zahl von Flüchtlingen.